Neulich war ich nicht nur vor dem neueröffneten Tilman am Ulmer Hof gestanden, sondern habe in der Mittagspause auch mal was drin gegessen. Es muss ja in der Mittagspause sein, denn es hat während der Woche nur zwischen 11.00 Uhr und 15.00 Uhr geöffnet, das soll sich aber irgendwann auch mal ändern, also verlängern.
Ich esse mittags meist gar nichts oder nur eine Kleinigkeit, aber ich dachte das Tagesessen für 5 € geht schon mal, preislich ist das ja fast noch in der Dönerkategorie.
Drinnen ist es ganz schicke geworden, ohne jetzt zu “stylisch” zu sein, es wurden sogar noch Elemente der rustikalen Vorgängerwirtschaft (wie hieß die nochmal?) integriert. Die Suche nach einem Platz war nicht schwer; ich war recht spät dran und es war nicht (mehr?) viel los im Restaurant.
Kaum hatte ich mich gesetzt, da kam auch schon der junge Service-Azubi und hat mir die Karte gereicht und das Tagesessen vorgestellt — Schweinelendchen in Pilzrahmsoße mit Petersilienknödeln. Hörte sich lecker an, für 5 € sollte das schon passen.
Mein Weinschorle war auch schnell am Tisch, genauso wie eine Schale mit Weißbrotscheiben und einem Griebenfettboller.
Wo ich groß geworden bin, da hat man die Schlachtschüssel mit den Händen gegessen, darum bekomme ich immer leichte Schweißausbrüche, wenn mehr Besteck als ein Messer und eine Gabel neben dem Teller liegt. Darum habe ich das kleine Tellerchen mit einem kleinem Messerchen auf dem Tisch einfach ignoriert und die Fettbrötchen mit dem normalen Messer gestrichen, denn um mich völlig zu verwirren und mästen kam noch ein “Gruß aus der Küche” bestehend aus Graupen, Kresse, Salat, Paprika — und einem Gäbelchen. Â Viel zu viel Besteck für mich, aber sehr lecker. Gut, mit dem Griebenfett haben sie bei mir offene Türen eingerannt — ich liebe das Zeug!
Dafür dass ich eigentlich nur eine Kleinigkeit essen wollte war ich nach der unbestellten und -bezahlten Vorspeise schon ein wenig satt. Aber nicht satt genug, dass nicht noch der Hauptgang gegangen wäre, denn der war gut. Das Fleisch schön zart, die Knödel fest und sehr petersilig, die Menge völlig ausreichend. Das haben die Koch-Azubis wirklich gut hinbekommen, Hut ab!
Natürlich hörte der Firlefanz nicht auf. Selbst zum bestellten Abschlussespresse — der war … ok — gab es noch ein extra Tellerchen mit Gebäck, vermutlich auch selbstgemacht, dazu.
Gezahlt habe ich für den ganzen Spaß — Weinschorle, Tagesessen, Espresso — 9,20 €, soweit ich noch weiß. Da kann man nicht meckern, selbst ohne den ganzen Zusatzschnickschnack ist das recht günstig. Der Nachteil für die Mittagspause ist allerdings, dass das gesamte Essen natürlich etwas Zeit braucht, eine gute halbe bis dreiviertel Stunde saß ich schon im Tilman. Aber nichts für einen schnellen Snack — aber das soll es ja auch gar nicht sein.
Die Azubis im Service waren sehr jung und sehr nett. Manchmal noch etwas unbeholfen und hin und wieder  wurden sie noch von Hinten dirigiert, haben mich aber natürlich-charmant bedient; ohne diese professionelle Servicefreundlichkeit, die mich immer rasend macht. Ich hoffe nicht, dass das mit den Jahren automatisch bei Bedienungen so wird.
Ich war vom Tilman also sehr angenehm überrascht, zumindest beim Tagesessen kann man vom Preis-Leistungs-Verhältnis nichts falsch machen. Klar ist es keine Sterneküche — das behaupte zumindest ich, der ich noch nie in einem Sternerestaurant gegessen hat –, aber das Essen hat mir wirklich geschmeckt, was bei mir nicht immer der Fall ist. Es kann natürlich sein, dass ich nur einen glücklichen Tag dort erwischt habe, aber das glaube ich nicht. Alle im Laden sahen freundlich, gut gelaunt, engagiert und bemüht aus, was mehr ist als man von der durchschnittlichen fränkischen Gastronomie gewohnt ist.


















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