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wuerzblog @udwue "G" wie "Geschlechtsverkehr"? Können wir die #Twitterwall herbeischlafen? #udwue   in reply to udwue 8 hrs ago

Kleine Läden und Kosumtempel

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Nein, es war kein Weih­nachts­ein­kauf. Das Paten­kind hatte Geburts­tag. Aber die Würz­bur­ger Innen­stadt war voll mit Kon­sum­ak­ti­vis­ten, die noch schnell die Weih­nachts­ge­schenke kau­fen woll­ten, bevor dir Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung doch noch vor­ver­legt wird.
Meine Schwes­ter hat mir einen kla­ren Auf­trag gege­ben. Es sollte eine Brio-Eisenbahn sein, bat­te­rie­be­trie­ben. Nun neige ich als qua­li­täts­be­wuß­ter Ein­käu­fer dazu, die Sachen in klei­nen Fach­ge­schäf­ten zu erwer­ben. Also ging ich in die Mur­mel in der Augus­ti­ner­straße. Ich wurde mit einem freund­li­chen „Hallo” begrüßt. Schon nach kur­zer Zeit wurde ich von der Ver­käu­fe­rin völ­lig zu recht als plan– und kin­der­los ein­ge­stuft, denn sie kam bald zu mir und bot mir ihre Hilfe an.
Lei­der hat­ten sie keine Bahn von Brio vor­rä­tig, dafür aber von Eich­horn. Doch die konnte ich die aus erzie­hungs­ideo­lo­gi­schen Grün­den nicht kau­fen. Aber die Ver­käu­fe­rin nahm sich trotz­dem Zeit, erklärte dass man Brio und Eich­horn auch kom­bi­nie­ren könne, zeigte mir auch Alter­na­ti­ven zu der Eisen­bahn. Das tat sie sehr unauf­dring­lich, ließ mich vie­les mal aus­pro­bie­ren und erklärte mir alles.
Die schwes­ter­li­che Order hieß aber ein­deu­tig „Brio”, und so musste ich die Mur­mel lei­der mit lee­ren Hän­den ver­las­sen. Darum bekam die Gale­ria Kauf­hof seine Chance. So ein Kauf­haus hat natür­lich ein gro­ßes Sor­ti­ment, auch an Brio-Eisenbahnen. Doch lei­der war die­ses große Sor­ti­ment hin­ter einem Sta­pel noch grö­ße­rer Kunst­stoff­kis­ten ver­bor­gen. So fragte ich die Ver­käu­fe­rin, ob ich mal an die Regale mit den Hol­zei­sen­bah­nen könne. „Wir räu­men gerade aus” ent­geg­nete mir die junge Dame. Das war zwar eine kor­rekte Ant­wort, doch lei­der auf eine andere Frage. Auf mei­nen Hin­weis, dass ich doch gerne eine Brio-Lok kau­fen möchte, kam wie­der ein „Wir räu­men gerade aus” aus dem Mund der Ange­stell­ten, die die Kis­ten mit einer beängs­ti­gen­den Lang­sam­keit ent­leerte. Mir war klar, dass ich hier mit ver­ba­ler Logik nicht wei­ter­kam, nur mit kör­per­li­cher Geschick­lich­keit. Ich griff also blind hin­ter die Plas­tik­be­häl­ter und zog wahl­los Schach­teln her­vor, in denen hin und wie­der sogar Loks waren. Doch keine mit Bat­te­rie­an­trieb. Auf die klein­laute Frage, ob sie keine elek­trisch betrie­bene Züge hät­ten, erwi­derte die Aus­räu­me­rin: „Kann ich Ihnen nicht sagen, da ste­hen die Kis­ten davor”.

Es war wohl eine Lek­tion in Demut, die ich im Kauf­hof erhielt. Geduld soll ein Käu­fer haben, innere Ruhe und Aus­ge­gli­chen­heit soll sein Herz erfül­len. Und er soll nicht die Hohe­pries­te­rin­nen des Kon­sums bei ihren Riten stö­ren. Still soll er aus­har­ren, bis seine Gebete erhört wer­den. Und so lange hin­ter den Kis­ten kra­men, bis er end­lich eine bat­te­rie­be­trie­bene Brio-Bahn in den tau­ben Fin­gern hält, die­ses gnä­dige Geschenk der Kommerzgötter.

2 Kommentare

  1. Uppss .… hätte ich den Text wohl mal mit offe­nen Augen ganz bis zum Ende lesen sol­len ;-)

  2. Als ich wäh­rend mei­nes Stu­di­ums im Kuaf­hof gejobbt habe, ist so etwas natür­lich nie vor­ge­kom­men … ;-)

    Ich war am Frei­tag in der Kaufhof’schen Spiel­zeug­ab­tei­lung, aber die neue „Gale­ria” hatte lei­der keine Fischertechnik.

    Emp­feh­len kann ich seit Frei­tag die Spiel­zeug­ab­tei­lung vom DM (Mül­ler) — die haben nicht nur eine große Aus­wahl und erträg­li­che Preise, son­dern auch unheim­lich freund­li­che Ver­käu­fer — falls man das Glück hat, einen zu erwischen.

    In der „Mur­mel” habe ich die glei­chen Erfah­run­gen gemacht wie du: freund­lich, kom­pe­tent, aber lei­der im Sor­ti­ment etwas eingeschränkt …

    Aber jetzt zum Wich­tigs­ten: Hast du eigent­lich noch bekom­men, was du gesucht hast?

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