Würzblog
wuerzblog @udwue "G" wie "Geschlechtsverkehr"? Können wir die #Twitterwall herbeischlafen? #udwue   in reply to udwue 9 hrs ago

Hellseher gesucht

| 12 Kommentare

In der heu­ti­gen Aus­gabe der Main­post hat Manuela Göbel die Dis­kus­sion um die Arca­den in ihrem Kom­men­tar auf den Punkt gebracht: es gibt kei­nen Punkt. Höchs­tens einen schmut­zi­gen Fleck mit aus­ge­frans­ten Rän­dern. Die Mei­nun­gen über das Pro­jekt am Bahn­hof lie­gen weit aus­ein­an­der. Was brin­gen die Arca­den der Stadt Würz­burg? Den Unter­gang der Innen­stadt und der klei­nen Geschäfte, sagen die Ein­zel­händ­ler. Einen wirt­schaft­li­chen und städ­te­bau­li­chen Auf­schwung pro­phe­zeit der Inves­tor mfi. Doch jedem dürfte klar sein, dass beide Sei­ten vor allem ihre eige­nen wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen im Blick haben. mfi will Geld ver­die­nen, genauso wie die Händ­ler in der Stadt.

Falls es nun zum Bür­ger­ent­scheid kommt, wird es für den Nor­mal­bür­ger schwie­rig, die Situa­tion objek­tiv zu beur­tei­len. So wie bei der Fußball-WM das Volk aus 80 Mil­lio­nen Bun­des­trai­ner besteht, so beste­hen im Falle der Arca­den die Ein­woh­ner der Stadt aus 120 000 Wirt­schafts­ex­per­ten. Doch genau wie beim Fuß­ball kann kei­ner in die Zukunft sehen. Es feh­len ein­fach unab­hän­gige Fak­ten und deren Inter­pre­ta­tion. Zwar wer­den Stu­dien und Exper­ten­mei­nun­gen zur Spra­che gebracht, doch auch die wer­den natür­lich immer für die Argu­mente der jewei­li­gen Auf­trag­ge­bers spre­chen. Ob in den kom­men­den Wochen Klar­heit geschaf­fen wird, bezweifle ich. Eher wer­den bei der Schalmm­schlacht Steine in die Dreck­ku­geln gemischt.

Ich bin gefühls­mä­ßig gegen die Arac­den. Warum? Ich glaube nicht, dass die Geld­beu­tel der Kon­su­men­ten so groß sind, sowohl die Arca­den als auch die beste­hen­den Läden in der Innen­stadt am Leben zu erhal­ten. Wieso ich das glaube? Keine Ahnung — und genau darin besteht das Pro­blem. Kei­ner kann vor­aus­se­hen, wie die Arca­den ankom­men wür­den und wie die Aus­wir­kun­gen auf den Ein­zel­han­del wären. Kämen wirk­lich so viele Käu­fer aus dem Umland? Würde die neue Kon­kur­renz die Geschäfte in der Innen­stadt auf neuen Ideen brin­gen?
Um eine Pro­gnose abzu­ge­ben, müsste man das kom­plexe Sys­tem aus Wirt­schaft, Poli­tik und Psy­cho­lo­gie wirk­lich durch­schauen. Aber wer kann das schon? Ich nicht!

Eine Ent­schei­dung muss von den Bür­ger Würz­burgs gefällt wer­den. Und da nützt die Schlamm­schlacht, die der Ein­zel­han­del und der Inves­tor betrie­ben, herz­lich wenig. Es feh­len Fak­ten. Was brin­gen die Arca­den? Was pas­siert mit der Stadt, wenn die Arca­den nicht kom­men? Wel­che Läden wür­den am Bahn­hof eröff­nen? Wel­chen Ein­fluß haben die be– oder ent­ste­hen­den Shop­ping Malls in Aschaf­fen­burg und Schweinfurt?

Eine Ent­schei­dung wird fal­len. Und sie kann rich­tig oder falsch sein, das wird man aber erst im Nach­hin­ein wis­sen. Es sei denn, man ist Hell­se­her. Ist hier ein Hell­se­her anwesend?

12 Kommentare

  1. Ein paar provokant-bissige Gedan­ken zum Kampf der Ver­hin­de­rer auf allen Seiten …

    Warum ist eigent­lich in Würz­burg grund­sätz­lich schon mal jeder grö­ßere (manch­mal sogar mini­male) Ver­such einer VERÄNDERUNG bei­nahe sit­ten­wid­rig und erzeugt helle Auf­schreie aller Pfrün­desi­che­rer und ver­meint­li­cher Stadtbewahrer?

    Warum müs­sen wir von allen Städ­ten ver­gleich­ba­rer Größe und (ver­meint­li­cher) Bedeu­tung, hier immer an vor­des­ter Front der Ableh­ner jeg­li­cher Inno­va­tion, struk­tu­rel­ler Ver­bes­se­rung und Moder­ni­sie­rung ste­hen, bis eines nicht allzu fer­nen Tages Würz­burg zum Museum für Fran­ken­tou­ris­ten erstarrt ist? Weil wir dann dafür Ein­tritt an den Stadt­gren­zen ver­lan­gen können?

    Warum ist das Alt­her­ge­brachte, das Ver­traute, das Beste­hende angeb­lich stets bes­ser, als etwas Neues, Fri­sches, Expe­ri­men­tel­les, von dem noch nie­mand weiss, ob es nicht viel­leicht ganz andere Chan­cen bie­ten wird, wenn selbst die lang­samste Kul­tur das Wesen der Ver­än­de­rung bereits in sich birgt? Nur hier nicht?

    Warum wirkt Würz­burg selbst im Jahre 2006 für den viel­ge­reis­ten Besu­cher noch immer wie eine Möchte-Gern-Metropole, eine Wäre-Schon-Gerne-Europastadt, eine wich­tige Uni­ver­si­täts­stadt mit dem Flair der pro­vin­zi­el­len Idylle, statt aus ihrem Poten­tial eine attrak­tive Leben­dig­keit zu gestal­ten? Liegt es etwa an der Men­ta­li­tät, an dem muf­fi­gen Geist der ewig Gest­ri­gen, der durch die alten Gemäuer weht?

    Ach Rei­sen­der, kommst Du in das Herz Unter­fran­kens und hast Du das Pech, am tris­ten „Haupt­bahn­hof” Dei­nen erwar­tungs­vol­len Fuss in diese Stadt zu set­zen, dann mach am bes­ten Deine Augen ganz fest zu, schau nicht auf halb-verfallene Kunst­brun­nen, nicht auf graue Post­hal­len, geh‹ schnell an den schmud­de­li­gen Pavil­li­ons des Bahn­hofs­plat­zes vor­bei und steuere lie­ber gleich stracks die baro­cken Sehens­wür­dig­kei­ten die­ser Frankenwein-City an, gönn Dir einen guten Schop­pen, bevor die Trä­nen kom­men und reise bald wei­ter, wenn Dir Dein Herz nach einem leben­di­gen, metro­po­li­ten Flair steht …

    Oder wie es ein ein­ge­fleisch­ter Ken­ner und Bewoh­ner der Stadt einst böse for­mu­lierte: „Das Schönste an Würz­burg ist — abzu­rei­sen!” — Wol­len wir das wirklich?

    Nach­denk­li­che Grüße
    LifeExplorer

  2. Bei einem Kom­men­tar zum Bür­ger­ent­scheid sollte auch die Web­seite der BI nicht feh­len, die ihn erzwun­gen hat: http://www.ringpark-in-gefahr.de/ .

  3. Würz­burg zeigt sich mal wie­der von sei­ner Krea­ti­ven Seite :-(

    Wie man es eben kennt. Immer die glei­che Klein­geis­tig­keit :-(

    Kurt

  4. @marlene: uncool, unlus­tig, feige.

  5. Pingback: Rue Clou » Arcaden vs. Bürgerinitiative

  6. Was Würz­burg mehr brau­chen könnte ist bestimmt kein däm­li­cher Star­bucks. Alle Innen­städte Euro­pas wer­den immer glei­cher. Immer die sel­ben beknack­ten Ket­ten, immer H&M, immer Pizza Hut, immer McD, immer Dou­glas, immer Media Markt — man kann die Scheiße echt nicht mehr sehen. Bald braucht man eigent­lich nicht weit fah­ren um zu Bum­meln, es gibt sowieso über­all das selbe. Ob da ein Ein­kaufs­zen­trum hel­fen wird? Ver­gesst es.

  7. Hi,

    immer­hin hat es der Inves­tor (nehme ich an) nötig, in der Main Post mit einer ganz­sei­ti­gen, als Redaktions-Inhalt getarn­ten, Anzeige (im Zeitungs-Bericht-Stil) für die Arka­den zu wer­ben. Das gibt mir ein wenig zu denken.

  8. Siehste? Merkst was? Genau an die­ser pedan­ti­schen Klein­geis­tig­keit wird die Stadt zugrunde gehen ^^

  9. Und Mar­lene, ich rate dir drin­gend, vor dem Kom­men­tie­ren unter fal­schen Namen wenigs­tens die IP-Adresse zu wech­seln. Bea­trice Weder di Mauro … net­ter Versuch!

  10. @Beatrice Weder di Mauro: Ich kaufe seit über 40 Jah­ren Geschenke, Möbel und Kla­mot­ten vor­wie­gend in Würz­burg. Wieso auch nicht? :-) In Frank­furt, wo ich pri­vat öfters ver­weile, finde ich auch nichts anderes.

    Noch mehr Bars, Knei­pen und Cafes? Daran man­gelt es mir in Würz­burg nicht, bis­her habe ich für jede Stim­mungs­lage eine geeig­nete Loka­li­tät gefun­den. Ken­nen Sie sich hier über­haupt aus? ;-)

    Das die Wur­zel allen Übels in der städ­ti­schen Psy­che liegt, glaube ich nicht. Wobei der eher kon­ser­va­tive Tonus der Stadt die Sache sicher nicht erleich­tert, da stimme ich ihnen zu. Aber ich sehe, wie viele in mei­nem Bekann­ten­kreis auch, die Pro­bleme letzt­lich im Wirt­schaft­li­chen. Und die­ses Gejam­mere über die frän­ki­sche Unbe­weg­lich­keit kann ich offen gesagt nicht mehr hören. Gerade Sie als weit­ge­reiste Frau soll­ten doch wis­sen, dass letzt­end­lich in jeder Stadt gejam­mert wird — immer über and­rere Sachen. Aus so ein Stamm­tisch­ni­veau soll­ten Sie sich nicht herablassen.

    Zwar stimmt ich Ihren drei Punk­ten im Gro­ßen und Gan­zen nicht zu, Ihrem ers­ten Satz aller­dings schon. Viel­leicht sollte man mal über unge­wöhn­li­che Akti­vi­tä­tetn nach­den­ken. Kom­men Sie als Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin doch mal nach Würz­burg und zei­gen Sie mal Alter­na­ti­ven auf — die Stadt wird es Ihnen dan­ken. Aber bitte bes­sere als die oben Beschrie­be­nen! :-)

  11. Ich rate drin­gend dazu, auch ein­mal unge­wöhn­li­che Alter­na­ti­ven in Betracht zu zie­hen und die Dis­kus­sion um fol­gende Punkte zu erweitern:

    - hatte Würz­burg über­haupt jemals eine flo­rie­rende Innen­stadt (was ginge also im Fall der Fälle ver­lo­ren? — sind wir doch mal ehr­lich: Wer kauft all seine Weih­nachts­ge­schenke, Möbel und Kla­mot­ten in der immer­hin 128.000 Ein­woh­ner zäh­len­den Sch..önen Stadt ? Warum? Weils hier nüscht gibt.)

    - wäre es nicht sinn­vol­ler, sämt­li­che zen­trale Laden­flä­chen in eini­ger­ma­ßen stil­volle Knei­pen, Bars und Cafes umzu­funk­tio­nie­ren und den Ein­kauf geballt am Bahn­hof zu bestrei­ten? ( Ich per­sön­lich wün­sche mir hier noch nen Star­bucks, ne Tabak-Lounge sowie fern­öst­li­che Tee-Tempel.) und näher wärs auch noch, hihi!

    - viel­leicht sollte man die Wur­zeln allen Übels auch nicht immer nur bei den wirt­schaft­li­chen Aspek­ten suchen, son­dern viel­mehr auch Kom­po­nen­ten wie „erz­ka­tho­li­sches und kon­ser­va­ti­ves Nest”, „stu­den­ti­sche Alter­na­ti­ven­hoch­burg” und „alko­hol­ge­tränk­ter Main­kra­ter” in den Fukus der Debatte stellen.

    AMEN

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*