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Web 2.0-Event in Würzburg

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YouTube, Wiki­pe­dia, Blogs, Pod­casts — das so genannte Web 2.0 ist schon all­ge­gen­wär­tig. Da war es für die Wer­be­agen­tur Buena la Vista an der Zeit einen Vor­trag mit Podi­ums­dis­kus­sion über das Thema „Mar­ke­ting mit Web 2.0″ zu veranstalten.

IMG_9167Da bin ich natür­lich als Blog­ger und frei­be­ruf­li­cher Web­de­si­gner in dop­pel­ter Hin­sicht ange­spro­chen. Und darum bin ich ges­tern durch den Nebel des Grau­ens in die Zel­lerau zum neuen Vogel Con­ven­tion Cen­ter gelau­fen, was ziem­lich gru­se­lig war (der Nebel, nicht das Cen­ter). Von der Arbeit ziem­lich geschafft habe ich mir erst mal einen lecke­res Glas Ries­ling gegönnt, das ich gleich an das Glas des Geburts­tags­kin­des Phil sto­ßen durfte. Und Luzi gesellte sich auch dazu. Die Räume waren erst recht mäßig gefüllt, was ein Rei­se­bus mit Stu­den­ten der FH Mann­heim schnell änderte.

IMG_9172Der Vor­trag über das Web 2.0 wurde von Patrick „Wer­be­b­log­ger” Brei­ten­bach gehal­ten, freier Mit­ar­bei­ter bei Buena la Vista. Und ich muss offen geste­hen — ich habe mich gelang­weilt. Nicht das Patrick ein schlech­ter Red­ner wäre, aber er erzählte im Gro­ßen und Gan­zen nur, was es für Anwen­dun­gen von Web 2.0 gibt. Von YouTube, Web­logs, Pod­casts, Wikis, etc. Als Ein­füh­rung im Prin­zip nicht schlecht, aber das Publi­kum setzte sich mei­nes Erach­tens zum gro­ßen Teil aus Leu­ten zusam­men, die diese Dinge direkt oder über diverse Medien ken­nen. Viel­leicht war die eigent­li­che Ziel­gruppe die Welt der unwis­sende Geschäfts­füh­rer von Fir­men, also poten­zi­elle Kun­den von Buena la Vista als Wer­be­agen­tur. Was an und für sich nicht schlimm ist, aber dann hät­ten die Ver­an­stal­ter das doch auch schon so bei der Ein­la­dung zu die­sem Abend ver­mit­teln sollen.

Auch kam der Vor­trag bei mir so an, als wolle er das Web 2.0 als das mes­sia­ni­sche Medium anprei­sen. Mit Web 2.0 wird alles gut. Inhalte kate­go­ri­sie­ren (tag­gen) und sie wer­den sofort gefun­den. Ein Firmen-Blog auf­zie­hen und ich gründe eine glück­li­che Fami­lie mit mei­nen Kun­den. Ein Wiki zu einem Pro­dukt auf­setz­ten und die Bedie­nungs­an­lei­tung und die Sup­port­funk­tion dafür schafft sich von selbst.
Das Web 2.0 (wobei ich immer noch nicht sagen kann, was damit genau gemeint ist) ist sicher keine schlechte Sache. Noch immer steckt die Tech­nik letzt­end­lich in den Kin­der­schu­hen und der Über­ra­schungs­fak­tor Mensch spielt in jeder Hin­sicht eine immense Rolle.

Der Vor­trag ging über in eine Dis­kus­sion mit Podium, an dem Ver­uschka Götz (Dozen­tin an der FH Mann­heim), Rai­ner Thome (Pro­fes­sor für Wirt­schaf­t­in­for­ma­tik an der Uni Würz­burg und mit noch vie­len wei­te­ren Pos­ten in Wirt­schaft und Poli­tik), Peter Tisch­ler (Geschäfts­füh­rer der Main Media GmbH) und noch­mal Patrick Breitenbach.

IMG_9175The­ma­tisch war auch bei der Dis­kus­sion nicht soooo viel zu holen. Aller­dings war sie recht unter­halt­sam, vor allem der stän­dige Schlag­ab­tausch zwi­schen Frau Götz und Herrn Thome. Er kam mir wie ein abso­lu­ter Tech­no­krat zu, der dem Men­schen am liebs­ten in den Hin­tern tre­ten wolle, damit der der Tech­nik end­lich hin­ter­her­kommt.
Die Zusam­men­set­zung des Podi­ums war mir etwas zu rosa­rot, Ver­uschka Götz etwas aus­ge­nom­men. Als es über das Thema des Gene­ra­ti­ons­pro­blems ging, zau­ber­ten alle fitte Ren­ter und tech­nik­in­ter­es­sierte Senio­ren aus der Tasche. Da habe ich mich schon gefragt, ob ich den fal­schen Umgang. Meine Eltern — durch­aus intel­le­gente Men­schen — wis­sen bis heute nicht wirk­lich, womit ich als Web­de­si­gner mein Geld ver­diene. Wenn ich meine älte­ren Nach­barn in Grom­bühl fra­gen würde, wie sie den neuen Fire­fox fin­den, sähe ich bloß große Augen. Sicher gibt es auch tech­no­phile Ren­ter, keine Frage. Es werde ver­mut­lich sogar mehr. Aber nach mei­ner Erfah­rung hat das Gros der Älte­ren kei­nen Zugang zu den neuen Medien (räum­lich, sozial und sprach­lich) und auch kein Inter­esse daran.
Auch wurde von einer Demo­kra­ti­sie­rung des Inter­nets gespro­chen. Sicher kein völ­lig fal­scher Begriff. Aber man sollte doch im Auge haben, das man damit das Volk (demos) auf die Inter­net­nut­zer beschränkt. Im Netz fin­den viel­leicht wirk­lich Revo­lu­tio­nen und Evo­lu­tio­nen statt, hier wird Wis­sen und Kul­tur gesam­melt und aus­ge­tauscht. Ein Teil davon sickert in die her­kömm­li­chen Medien durch. Aber die Men­schen, die nicht am Netz teil­ha­ben direkt kön­nen, aus sozia­len, finan­zi­el­len oder intel­lek­tu­el­len Grün­den, sind von die­sen Din­gen aus­ge­schlos­sen. Ihren Stim­men fehlen.

So rich­tig inter­es­sant wurde als aber beim Steh­emp­fang. Da wurde wirk­lich dis­ku­tiert. Da kam ich mit Main­post­lern in Gespräch, mit einem Pro­fes­sor für BLW (der meine letzte Ziga­rette geschnorrt hat), mit Medi­en­ge­stal­tern und Medi­en­ma­na­gern. Hier wur­den auch die kri­ti­schen Fra­gen gestellt, aber auch die Mög­lich­kei­ten des Web 2.0 benannt. Lange bin ich da aber dann doch nicht geblie­ben, denn wich­ti­ger als das Web 2.0 ist das Leben 1.0. Und so bin ich in den Plei­cher­hof um mit ein paar Blog­gern und Nicht­blog­gern Phils Geburts­tag zu begie­ßen. Das zählt!

Das Fazit für den Abend? Ich kann und will ihn über­haupt nicht schlecht reden. Die Ver­an­stal­tung war gut — bloß der Titel war viel­leicht falsch gewählt. „Web 2.0 für Dum­mies Ein­stei­ger” wäre bes­ser gewe­sen. Dafür wäre der Vor­trag sehr gut gewe­sen. Aber für mich, beruf­lich und pri­vat in Web 2.0 nicht ganz unbe­darft, hat der Event nicht viel hergegeben.

Über die Ver­st­an­stal­tung kann man auch z. B. hier und hier lesen. Es gibt auch Pod­casts vom Vor­trag und von der Dis­kus­sion.

60 Kommentare

  1. Ich meld mich auch an. Also bitte mir auch eine Mail zukom­men las­sen — beim nächs­ten Mal. Danke.

  2. Sen­det mir bei der nächs­ten ver­an­stal­tung bitte ne mail. danke. martin

  3. Pingback: Was ist ein Blogcoach oder Community Manager? at konrad rennerts EduBlog

  4. Danke für die Links.
    Sie haben Recht mit dem was Sie sagen. Es kommt immer auf den Blick­win­kel an. Ich finde es sehr inter­es­sant, daß diese Debatte auf phi­lo­so­phi­sche Art und Weise aus­ge­tra­gen wird. Da ich mit Herrn Schnei­der noch nicht beim Schafe hüten war, kann ich ihn nur aus mei­nem Blick­win­kel sehen, eben in die­ser Dis­kus­sion über das Web 2.0. Es mag daher sein, daß ich in einem völ­lig ande­ren Zusam­men­hang anders den­ken würde. Hier aber nicht. Aber das Thema heißt nicht Herr Schnei­der son­dern Web 2.0.
    Ich muss wirk­lich zuge­ben, daß ich froh bin, daß hier kei­ner so rich­tig eine Ant­wort hat, was Web 2.0 eigent­lich ist. Da habe ich das Gefühl nichts ver­passt zu haben. Wenn Sie mehr wis­sen, werde ich es über Ihre Blogs erfah­ren. Viel­leicht auch erst im Web 3.0, wenn man zurück­bli­cken kann auf das Alte. Vie­len Dank für die Ant­wor­ten, es war inter­es­sant hier im Web 2.0 zu sein. Ich ver­schwinde jetzt wie­der in meine alte Web 1.X Seite ohne Blog, mit vie­len Ana­lo­gen Din­gen und jeder Menge Kabel.

  5. Das ver­stehe ich unter Web 2.0:
    http://www.werbeblogger.de/200.….ch-web-20/

    Das Mar­ke­ting pro­fi­tiert vom Web 2.0 in die­ser Hin­sicht:
    http://www.buenalog.de/2006/11.….anagement/

    Ich hoffe Ralf (seine Aus­sa­gen unter­schreibe ich voll und ganz) erlaubt mir diese Verlinkungen.

    @Mayerhofer:
    Der Mensch ist nicht per­fekt und jeder Mensch hat einen ande­ren blick­win­kel, ein ande­res Bewusst­sein und einen ande­ren Bezug zu Din­gen. Einige etwas har­sche (durch­aus nicht belei­di­gende) Kom­men­tare von Die­ter Schnei­der auf die ganze Agen­tur­leis­tung zu bezie­hen ist mir per­sön­lich etwas zu hef­tig. Aber das ist im End­ef­fekt ihr Blick­win­kel, ihre Denk­weise und ihr Bewusst­sein der Lage.

    Kom­mu­ni­ka­tion wird sich lang­fris­tig erst dann wei­ter­ent­wi­ckeln, wenn wir Men­schen in der Lage sind, in meh­rere Blick­win­kel zu schlüp­fen. Dann wird es all­ge­mein etwas fried­li­cher zugehen.

    Im Übri­gen möchte ich noch anmer­ken, dass wir als eine der weni­gen Agen­tu­ren ohne Visir auf­tre­ten. Und ich bin mir sicher, dass Sie in einem völ­lig ande­ren Zusam­men­hang von Herrn Schnei­der als Mensch und Profi abso­lut über­zeugt wären.

    Ohne Rei­bung keine Ener­gie. In die­sem Sinne danke für die Diskussion.

  6. Ich würde nicht sagen, dass es Web 2.0 nicht gibt und dass die Ver­an­stal­tung von Buana la Vista reine Eigen­wer­bung betrie­ben hat.

    Web 2.0 gibt es. Bloß was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist, dar­über schei­den sich die Geister.

    Ich würde die­ses Blog als ein Stück Web 2.0 betrach­ten. Sicher wäre ich abso­lut in der Lage, alle Arti­kel, Feeds und Ver­knüp­fun­gen von Hand zu pfle­gen, das Blog könnte also als sta­ti­sche HTML-Site lau­fen. Dann hätte ich vor 8 Jah­ren schon ein Web­log gehabt. Was das Blog in mei­nen Augen zum Blog macht, ist die Mög­lich­keit, dass andere kom­men­tie­ren kön­nen, die ein­fach Erstel­lung der Arti­kel und Blog­struk­tur, und die Ver­knüp­fung über den Tel­ler­rand hin­aus per Track– und Ping­back.
    Ande­rer Blog­ger könn­ten ohne die Web 2.0-Blogs gar nichts im Netz ver­öf­fent­li­chen. Wenig Men­schen kön­nen ver­nünf­tig (X)HTML, so dass sie nicht mal die Mög­lich­eit hät­ten, sta­ti­sche Sei­ten mit ihren Inhal­ten zu fül­len. Im Falle der Blogs war die Ein­fach­heit der eigent­li­che Web 2.0-Gewinn.

    Din­gen einen Namen zu geben ist glaube ich ein Urtrieb des Men­schen. Alles muss benannt sein, damit man damit umge­hen kann oder Macht dar­über hat. Ein wich­ti­ger Teil eines Exor­zis­mus ist die Anspra­che des Dämons mit sei­nem Namen, damit hat man Macht über ihn. Und so muss auch der aktu­el­les des Tech­nik– und Nut­zer­ver­hal­tens im Netz einen Namen haben, damit man die­sen Dämon im Griff hat … ;-)

  7. Vie­len Dank @Ralf.

    Ich ver­stehe das Web 2.0 oder 1.4 oder 1.8 dahin­ge­hend, daß es sich durch ande­res User­ver­hal­ten aus­zeich­net. Bedingt durch schnel­lere Ver­bin­dun­gen. AJAX und PHP soll­ten seit Ende der 90iger ein Begriff sein, Abo-Dienste (RSS) eben­falls. Die Ant­wort von Ralf bestä­tigt mir, daß Web 2.0 im ange­spro­che­nen Blog von Bue­n­alavista als Eigen­wer­bung (ohne nega­ti­ven Beige­schmack!) betrie­ben wird. Frag­lich dabei ist, warum man allem einen Namen geben muss. In aller Kon­se­quenz müsste ich dann ein Kon­su­ment 3.5 sein, weil ich nur noch Eier aus Frei­land­hal­tung kaufe, also aktiv ver­su­che mich ein­zu­brin­gen. So wie ich es jetzt sehe, gibt es keine tech­ni­sche Ände­rung, son­dern basie­rend auf der zuneh­men­den Anzahl von Inter­net­nut­zern ein­fach ein grö­ße­res Inter­esse am Netz. Für mich ist die Frage geklärt…und es kann so ein­fach sein!
    Vie­len Dank Ralf. Web 2.0 ist ein „ent­wi­ckel­tes” Ver­kaufs­ar­gu­ment für Agen­tu­ren. Sicher­lich Legi­tim, denn wir alle wol­len ver­kau­fen. Ich dachte aber bei der gan­zen Diss­kus­sion hier, mit nun 52 Bei­trä­gen steckt mehr dahin­ter als der Ver­such ein Pro­dukt zu ent­wi­ckeln, daß es eigent­lich gar nicht gibt.

  8. Das Web 2.0 ist nicht nur eine Sache der Tech­nik. Ein gro­ßer Fak­tor des Web 2.0 ist es, die Nut­zer des Inter­nets mit ins Boot zu holen. Sei es als Kom­men­ta­to­ren der Blog­ein­träge, als Schrei­ber von Arti­keln für ein Wiki oder als soziale Teil­ha­ber an einer Com­mu­nity — der gemeine Inter­net­nut­zer kann sich an den Inhal­ten des Webs beteiligen.

    Die tech­ni­sche Seite erleich­tert (meist) die wie auch immer gear­tete Betei­li­gung am Web. Eine Seite mit AJAX aus­zu­stat­ten macht diese kom­for­ta­bel, setzt aller­dings auch gleich­zei­tig eine neue tech­ni­sche Hürde, die genom­men wer­den will. Einen seman­ti­schen Code schrei­ben sollte man eigent­lich schon seit 1994, als CSS1 das Licht der Welt erblickte.

    Mei­ner Mei­nung nach ist es nach wie vor schwie­rig zu sagen, was zum Web 2.0 gehört und was nicht. Und die Mei­nun­gen gehen da weit aus­ein­an­der, da es fast schon eine gefühlte Zuge­hö­rig­keit ist (ich über­zeichne das ganze da etwas, ok). Der Name Web 2.0 ist sicher auch etwas eupho­risch gewählt. Tech­nisch würde ich es Web 1.4 bezeich­nen, sozial als Web 1.8.

  9. Vie­len Dank für die Info Herr Brei­ten­bach,
    ich habe den Bue­na­log gele­sen und muss dazu sagen, dass ich zwar mit Ihnen gerne in Ver­bin­dung tre­ten kann, es mit bue­n­alavista aller­dings nicht vor­habe. Das geht in kei­nem Fall an Sie als Per­son. Mir erschei­nen die Reak­tio­nen auf man­che Kri­ti­ken wenig sach­lich und sehr unhöf­lich. Es zeich­net für sich für mich durch die Bei­träge des Herrn Schnei­der meine Ver­mu­tung ab, es han­dele sich beim Web 2.0 um genau die Wer­be­mög­lich­keit, die ich oben beschrie­ben habe. Aber an die­sen Bei­trä­gen möchte ich nicht teil­neh­men.
    Das mit dem Quell­code ist klar. Dies lasse ich in PHP und AJAX rea­li­sie­ren. Ist also nichts Neues. Was mich inter­es­siert ist die Frage, was eine Seite für zusätz­li­che Funk­tio­nen haben kann/sollte/müsste um als Bei­spiel­seite für ein Web 2.0 Pro­jekt ange­se­hen zu wer­den. Keine Angst, ich möchte keine indi­vi­du­elle Bera­tung von Ihnen die sicher­lich zurecht kos­ten­pflich­tig wäre. Sie beschrei­ben oft in Ihren Blogs den kleins­ten Nen­ner. Klä­ren Sie mich auf. Wo liegt der? Was ist er? Daher die viel­leicht lai­en­hafte Frage nach dem Umfang einer Web 2.0 Seite. Wenn es schon ein Wort für eine Sache gibt, muss diese Sache doch auch defi­nier­bar sein. Wenn auch nur ober­fläch­lich und mit dem kleins­ten gemein­sam­men Nenner.

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