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wuerzblog Das Bloggertreffen in Würzburg steht vor der Tür. Und damit sind neben Blogger auch Blogleser - nicht nur des... http://t.co/N6vGkDhV 13 hrs ago

Geliebte und ungeliebte Söhne und Töchter

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Die Würz­bur­ger SPD ruft zu Zivil­cou­rage gegen Rechts auf. Ein Auf­ruf, den man nur unter­stüt­zen kann. In dem Zusam­men­hang stört sich die SPD daran, dass in dem Wikipedia-Eintrag von Würz­burg unter der Rubrik „Söhne und Töch­ter der Stadt” auch Nazis auf­ge­führt werden.

Die Auf­lis­tung „Söhne und Töch­ter der Stadt“ ent­hält laut Lexi­konein­trag eine „Über­sicht (über) bedeu­tende, in Würz­burg gebo­rene Per­sön­lich­kei­ten“. „Wir wol­len nicht, dass unsere Stadt sich im Inter­net mit Nazi-Verbrechern schmü­cken muss und haben daher die wikipedia-Betreiber auf­ge­for­dert, künf­tig genauer zu kon­trol­lie­ren, was auf ihren Sei­ten geschieht“, so Schnei­der. „Natür­lich muss man aus Chro­nis­ten­pflicht auch diese Per­so­nen auf­lis­ten bzw. ver­mer­ken. Nur sollte das nicht in einem Kapi­tel gesche­hen, das mit der Über­schrift „Söhne und Töch­ter der Stadt“ ein­deu­tig posi­tiv besetzt ist“, ergänzt Schnei­der. „Das könnte man am Ende als Leser so ver­ste­hen, als sei unsere Stadt stolz auf diese Söhne. Und das ist sie eben nicht.“

Und da haben wir wie­der das beliebte Würz­bur­ger Pro­blem mit der Seman­tik. Mal ist es das Wort „Pro­vinz”, dies­mal sind es „Söhne und Töch­ter”. Ich muss geste­hen, „Söhne und Töch­ter” gefällt mir auch nicht, das ist mit viel zu pathe­tisch, sowohl bei den „Guten” als auch bei den „Bösen”. Ich kein Sohn Würz­burgs, auch kein Sohn Schwein­furts. Ich bin Sohn mei­ner Mut­ter und mei­nes Vaters und bin Bür­ger Würzburgs.

Was statt des­sen als Über­schrift neh­men? Per­sön­lich­kei­ten? Kann man ebenso posi­tiv beset­zen. Per­so­nen? Da wäre die aktu­elle Liste schon 130.000 Zei­len lang. Bekannte Per­so­nen? Bekannte Bür­ge­rin­nen und Bür­ger? Damit könnte ich per­sön­lich leben. Die Über­schrift „Liste bekann­ter Bür­ge­rin­nen und Bür­ger der Stadt, unab­hän­gig davon, ob die Stadt stolz auf sie ist oder sich wünscht, sie wären nicht nur nicht in der Stadt, son­dern gar nicht gebo­ren” ist lei­der zu lang.

Aber es ist mir auch rela­tiv egal, wenn „Söhne und Töch­ter” bleibt. Denn auch NS-Kriegsverbrecher sind Söhne ihrer Eltern, und ob die so stolz auf ihr Kind gewe­sen sind? Da wäre ich mir nicht immer sicher.

So liebe SPD, da seid ihr sogar in die Süd­deut­sche gekom­men und habt damit Wir­bel gemacht. Aber mir stellt sich noch die Frage, warum ihr erst jetzt damit kommt. Der Ein­trag zu Alfred (Alfred, nicht Ernst!) Jodl in dem Würzburg-Artikel ist zum Bei­spiel seit Mai 2005 vor­han­den. Hat in den letz­ten drei­ein­halb Jah­ren kein cou­ra­gier­ter Sozi­al­de­mo­krat den Arti­kel gele­sen? Und hat auch nie­mand von euch ver­stan­den, wie die Arbeits­weise der Wiki­pe­dia ist? Da muss man gar nicht an den Vor­stand schrei­ben, da gibt es zu jedem Arti­kel eine Dis­kus­si­ons­seite. Dort hät­tet ihr ein­fach schrei­ben kön­nen „Hey, die Über­schrift Söhne und Töch­ter fin­den wir blöd, kann man die nicht ändern?”. Dann hätte es ver­mut­lich ein wenig Pala­ver gege­ben und die Sache wäre viel­leicht schon gelöst. Da sollte einem Demo­kra­ten doch das Herz auf­ge­hen. Aber damit wäre man nicht in die SZ gekom­men, nicht mal in die Main­post. ;-)

Aber ihr könnt euch an dem gerade ent­ste­hen­den Würz­burg­Wiki betei­li­gen, da könnt ihr gleich von Anfang an alles rich­tig machen. ;-)

7 Kommentare

  1. Musste noch­mal kurz lachen:

    „Die Nut­zer wür­den oft kei­nen Unter­schied machen zwi­schen offi­zi­el­len Inter­net­sei­ten und Ein­trä­gen wie bei wiki­pe­dia, die von Laien geschrie­ben werden.”

    Wirk­lich selt­same Medienkompetenz.…

  2. „Da sollte einem Demo­kra­ten doch das Herz auf­ge­hen.„
    Ja da sachste was… Basis­de­mo­kra­ten viel­leicht schon. Aber Poli­ti­ker hän­gen sol­che Sachen halt auch gern mög­lichst hoch auf, und das geht dann auch schon­mal nach hin­ten los. Köst­lich, wenn ich da an die Bla­mage die­ses Links­po­li­ti­kers denke, der die fal­sche Start­seite sper­ren ließ und des­sen Name mir glück­li­cher­weise längst wie­der ent­fal­len ist…

  3. Mit Nazis schmü­cken? Wer würde das denn tun? Wieso führt die Uni z.B. in „ihren” 13 Nobel­preis­trä­gern (Arrhe­nius ist ein Witz!) einen Johan­nes Stark mit den Wor­ten
    Johan­nes Stark gilt als ver­ges­se­ner Nobel­preis­trä­ger, da er aktiv mit den Natio­nal­so­zia­lis­ten sym­pa­thi­sierte und von ihnen pro­fi­tierte. Seine wis­sen­schaft­li­che Leis­tung wurde nach dem Zwei­ten Welt­krieg auf­grund sei­ner poli­ti­schen Ver­gan­gen­heit über­schat­tet, für die er sich zu Recht vor Gericht ver­ant­wor­ten musste. Den­noch ist Stark Teil der Geschichte der Nobel­preis­trä­ger an der Uni­ver­si­tät Würz­burg,…
    Vor Gericht ver­ant­wor­tet, also alles in But­ter? Kann man ihn also aus­stel­len im Ring­park?
    Wiki­pe­dia schreibt sehr viel aus­führ­li­cher (kur­zer Aus­zug):
    Am 1. April 1930 wurde er Mit­glied in der NSDAP.…1933 bis 1939 Prä­si­dent der Physikalisch-Technischen Reichs­an­stalt (PTR) in Ber­lin. Gleich­zei­tig beklei­dete er von 1934 bis 1936 das Amt des Prä­si­den­ten der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG)
    In Himm­lers Wochen­blatt Das Schwarze Korps ver­öf­fent­lichte Stark im Jahre 1937 unter dem Titel „›Weiße Juden‹ in der Wis­sen­schaft“ einen ganz­sei­ti­gen Arti­kel, in dem er Hei­sen­berg als „›Ossietzky‹ der Phy­sik“ ver­höhnte und sich dar­über beklagte, dass nach der Aus­schal­tung der Juden an den Hoch­schu­len, deren Geist nun­mehr „Ver­tei­di­ger und Fort­set­zer in den ari­schen Juden­ge­nos­sen und Juden­zög­lin­gen“ gefun­den habe.[3]
    Stel­len wir mal fest: Stark hat nicht aktiv sym­pa­thi­siert, er WAR Nazi, und zwar von Anfang an! Und die SPD beklagt die Auf­zäh­lung von Nazis als Söhne und Töch­ter? Klein­kram. Fangt doch mal da oben an!

  4. Ich finde die­sen „Aktio­nis­mus” etwas sehr pein­lich für die Würz­bur­ger SPD und auch für Marco Schnei­der. Auf Wiki­pe­dia hätte er doch selbst aktiv wer­den kön­nen. Wenn Würz­burg hier in der Süd­deut­schen erwähnt wird, ver­heißt das meist nichts Gutes.

    Da du jetzt schon was geschrie­ben hast, blogge ich die­ses Mal nicht auch noch darüber.

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  6. Mann Mann Mann, das trifft mich als SPD-Wähler immer. Sol­che Aktio­nen, pein­lich! Als hätte man keine andere Sor­gen. Aber ich geben Ihnen recht, ent­we­der war es
    a) Medi­en­geil­heit
    b) Medi­en­in­kom­pe­tenz
    c) Beides

  7. …dass sich würz­burg mit nazi-verbrechern schmü­cken muss? ich kann mir auch nicht vor­stel­len, dass irgend­wer deut­sche geschichts­bü­cher mit dem herrn hit­ler geschmückt sehen möchte — aber so war es nun mal… und auch wenn besagte söhne und töch­ter nicht unbe­dingt zu den lieblings-söhnen und lieblings-töchtern gehören/gehört haben mögen, es ändert rein gar nix daran, dass sie — pathe­tisch for­mu­liert — söhne und töch­ter die­ser stadt waren.

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