Würzblog

Eine Stunde mit 50 Minuten

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Da ist Würz­burg ja haar­scharf an einer kos­mi­schen Kata­stro­phe vor­bei­ge­schrammt, weni­ges­tens nach Mei­nung eini­ger Auto­fah­rer. Bei­nahe hat die WVV bzw. SVG eine Erhö­hung der Park­ge­büh­ren in den Park­häu­sern um 13% durch­be­kom­men, wurde dann doch durch die Mehr­heit des Stadt­rats gestoppt.

Obwohl — die SVG war nicht so doof, wie­der eine Erhö­hung der Park­ge­büh­ren zu ver­su­chen damit sind sie vor zwei Jah­ren schon mal geschei­tert. Nein, dies­mal woll­ten die die Park­dauer von einer Stunde auf 50 Minu­ten sen­ken. Was für ein genia­ler Schach­zug! Denn so kann man Gele­gen­heits­par­kern mal schnell das Geld für eine zweite Stunde … ähhhh … 50 Minu­ten aus der Tasche zie­hen, denn wer denkt denn schon in sol­chen Zeiteinheiten.

Die SPD und die Grü­nen waren für eine Erhö­hung, der Rest dage­gen, der Stadt­käm­me­rer hat des­we­gen den Antrag  zurück­ge­zo­gen — erstmal.

Schon komisch. Auf der einen Seite ver­sucht der Ein­zel­han­del in der Innen­stadt, Kun­den anzu­lo­cken (sie ver­su­chen es, ob erfolg­reich, ist eine andere Frage), sei es Würz­burg macht Spaß, die Qua­li­täts­route oder andere Initia­ti­ven, auf der ande­ren Seite kom­men so Blut­grät­schen wie eine Erhö­hung der Park­ge­büh­ren.
Denn es ist lei­der so: Die Kun­den wol­len mit ihrem Auto bis vor — oder am liebs­ten in — den Laden fah­ren dür­fen und dort acht Stun­den lang am bes­ten für kein Geld par­ken dür­fen.  Sonst sind sie unglücklich.

Wobei dem Kun­den die Alter­na­ti­ven auch nicht schmack­haft gemacht wer­den. Park & Ride zum Bei­spiel auf der Tala­vera Resi­denz ist nett, man darf wäh­rend der Park­zeit umsonst Bus und Stra­ßen­bahn fah­ren. Lei­der ist „man” nur eine Per­son, alle ande­ren zah­len ganz nor­mal für den ÖPNV. Das macht Fahr­ge­mein­schaf­ten nicht gerade attrak­tiv. Über­haupt ist das Fah­ren mit Bus und Straba nicht gerade eine bil­lige Alter­na­tive. Ein Fahrt in der Innen­stadt — der Groß­wabe — kos­tet mit 2,20 €. Ein­fach. Für die Hin– und Rück­fahrt kann ich schon mal ein paar Stun­den parken.

Ich würde mir der Stress einer Auto­fahrt in die Innen­stadt nie antun, ich bin pas­sio­nier­ter Fuß­gän­ger und Straba­fah­rer. Aller­dings wohne ich auch in Grom­bühl, und damit noch in Lauf­weite zur Stadt. Und der Spaß mit der Monats­karte kos­tet mich auch jeden Monat 38 €. Auch nicht wenig.

Was soll man also machen? Die WVV muss natür­lich auch Geld ver­die­nen, klar. Die Stadt Würz­burg hat wenig Lust, den Laden zu sub­ven­tio­nie­ren. Aber warum soll ich einer Firma, die mal locker 4,100.000 € mit Swap-Geschäften ver­zockt, noch mehr von mei­nem sauer ver­dien­ten Geld in den Rachen wer­den. Da bleibt ein mehr als fader Beige­schmack und ein Erklärungsnotstand.

Irgendwo zwi­schen Ökono­mie und Ökolo­gie liegt die Lösung. Nur wo? Klar, von mei­ner Seite aus könnte man für das Park­haus 10 € pro Stunde ver­lan­gen. Aber wird die Innen­stadt dadurch ver­öden? Ich glaube schon. Aber wo liegt die Schmerz­grenze für die noto­ri­schen Auto­fah­rer? Klar gibt es immer die, die sagen „Was? 2 € pro Stunde? Da ver­fahr ich doch lie­ber 10 € Ben­zin und kaufe in Schwein­furt ein”. Aber denen ist sowieso nicht zu helfen.

8 Kommentare

  1. Ah, jetzt lich­tet sich der Nebel! :-) Vie­len Dank für die Info!

  2. @alex: Argh, Tala­vera ist natür­lich Quatsch, da hab ich was durch­ein­an­der­ge­bracht. Resi­denz war gemeint. Das gilt für alle diese Park­mög­lich­kei­ten:
    http://www.wvv.de/verkehr/park.….arife.html
    In den Benut­zungs­be­din­ge­nen steht mehr:
    http://www.wvv.de/verkehr/park.….aetze.html

  3. @Alex: Das Modell wird doch ewig schon auf dem Resi­denz­platz prak­ti­ziert. Nor­ma­ler­weise hat so ein Park­schein zwei Abschnitte, einer kommt ins Auto, einen behält man. Meine Ver­mu­tung, hab ich hier in noch nicht gebraucht.

  4. Gibts zu die­ser Park&Ride-Talavera-Geschichte irgendwo einen Link? Eine kurze Recher­che jeden­falls hat nichts gebracht. Das Par­ken auf der Tala­vera ist doch umsonst, oder? Wie weise ich denn nach, im Falle einer Fahr­kar­ten­kon­trolle, dass ich im Besitz eines Park­scheins bin?

  5. ja, schon ne blöde sache. alles wird teue­rer und die letzte dau­er­hafte erhö­hung der park­ge­büh­ren ist schon lange her. aber die erhö­hung will wirk­lich gut über­legt sein. ich wohne in berg­theim, schwein­furt ist also auch nicht weit weg und ich selbst kaufe vor­wie­gend in würz­burg ein, öfters sogar mit dem zug. aber ich weiß von eini­gen nach­barn daß sie schon auf park­ge­büh­ren ach­ten und in der stadt­ga­le­rie in schwein­furt kann man sehr güns­tig par­ken (die 1. stun­den ich m. w. umsonst). daß sie mehr ben­zin ver­brau­chen sehen die erst mal nicht. evtl. sollte der ein­zel­han­del mit park­gut­schei­nen locken?

  6. so ›ne Stunde ist schon recht fle­xi­bel. Wenn ich meine Frei­be­ruf­ler­wo­che auf eine 38,5-Stunden-Woche run­ter­rechne, dann komme ich auf ca. 80 Minu­ten je Stunde ;)

  7. Pingback: www.liveh8.de » Böse, böse Mountainbiker!

  8. Was bei Lebens­mit­teln klappt, geht auch bei Park­zei­ten. Statt Mogel­pa­ckung eben Moge­l­ein­heit. Tolle Idee, nur gut, dass es erst­mal nicht geklappt hat.

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