Die Faszination des Menschlichen Körpers
Verarsche der menschlichen Gutgläubigkeit
Von Plakaten und Zeitungsausschnitten gelockt habe auch ich mich aufgemacht um
mir die Wanderausstellung „die Faszination des Menschlichen Körpers“, welche
sich vom 25.10.04 bis 01.11.04 in der Kuppelhalle 16 der alten Messe bewundern ließ anzuschauen.
Als ich dann, nach 5 Euro Eintrittsgeld (schon ermäßigt, das nur am Rande
bemerkt) die Kuppelhalle 16 der alten Messe betrat staunte ich nicht schlecht.
Allerdings nicht aus Begeisterung sonder eher aus einer Mischung aus Enttäuschung
und verarscht-worden-sein-Gefühl. Denn diese Ausstellung, welche meiner
Meinung nach durch eine Darstellung die stark an “ Körperwelten erinnert
(Darstellung eines Menschen…..) und darunter mit dem Textzusatz „über
500 Exponate“ wirbt, erinnerte mich doch eher an die guten alten Zeiten
im Biologielabor meiner Schule. Neben Erläuterungen der Funktionsweisen
des menschlichen Körpers welche schön anschaulich mit Bildchen aneinander
eingerahmt in den Gängen standen zeigte die Ausstellung auch Torsos aus
Plaste. Alles schön und gut, denkt sich da ein toleranter Jungmensch, besonders
nachdem man sich noch die Stellungnahme der Organisatoren durchgelesen hat
welche schon fast nach Entschuldigung klang. Man zöge die Darstellung des
menschlichen Körpers anhand von identischen Plastiken vor da man in der
heutigen Zeit es dann doch nicht mehr nötig hätte echte Menschen zu verwenden.
Insofern ein Skelett welches durch den beengten Raum in einer Vitrine extreme
X- Beine hat realistisch ist… Wie gesagt, soweit alles noch in Ordnung.
Als ich mich dann besagten Darstellungen widmete kam mir dann aber schon
stark der Verdacht, dass da jemand Geld machen will indem er den Leuten
was vormacht. In den Vitrinen lagen hübsche Plastikorgane wild durcheinander,
welche vermutlich aus den erwähnten Plastiktorsos entnommen wurden. Die
Erklärung dieser Organe fehlte entweder ganz oder wurde auf einen kleinen
Zettel gedruckt, so dass am Ende beim besten Willen nicht nachzuvollziehen
war was nun welches Organ ist. So wechselten sich Vitrinen mit Püppchen
und Rechtschreibfehlern ab, und statt Erleuchtung zeigte sich Verwirrung
in den Gesichtern. Denn was z.B. als Oberarmknochen ausgeschrieben war musste
deswegen noch lange keiner sein… Den Höhepunkt der Ausstellung bildete
eine Videodokumentation über den menschlichen Körper. Ein unscharfes Lehrvideo
von schätzungsweise 1980 was allenfalls zur Belustigung beitrug. Immerhin
konnte man sich noch das größte Plastikohr Deutschlands anschauen (aber
nicht anfassen, so wie die meisten Figuren) Na wenn das nichts ist. Als
ich dann noch große Erklärungen zur Rückseite eines weiblichen asiatischen
Torso (wir sind ja multikulturell) aneignen durfte, welcher allerdings mit
der Vorderseite nach vorn aufgestellt war verließ mich endgültig der Mut
und ich bewegte mich zum Ausgang. Meines Eindrucks nach nutzt diese Ausstellung
die bundesweiten Schulschließungen um mit ausgemusterten Torso aus dem Biounterricht
und der Naivität der Menschen Profit zu machen. Nur, dass wir uns zu Schulzeiten
noch mit den Organen bewerfen könnten….*g Alles in allem kann ich sagen,
dass ich um eine Erfahrung reicher bin…zum Thema Geldschneiderei.
Autor: Susan Pezold
Szenepunkt Redaktion Leipzig