Archiv für den Monat: Oktober 2005

Tragödie in Unterfranken auf der Leinwand

[Update: Siehe dazu auch den Beitrag "Exorzismen in Film und Wirklichkeit"]

Eine dunkle Episode aus der Geschichte Würzburgs und Unterfrankens wird bald im Kino zu sehen sein.

Der im November startende Film "Der Exorzismus der Emily Rose" basiert auf einer wahren Begebenheit, die fast 30 Jahre her ist und von der es nach wie vor etliche Versionen und Sichtweisen gibt.

Dies ist wirklich geschehen: Anneliese Michel wuchs in den 50er- und 60er-Jahren im unterfränkischen Klingenberg in einer streng katholischen Familie auf. Seit dem 16. Lebensjahr wurde sie von Krampfanfällen gequält. Später wurde in der Universtätsklinik Würzburg bei ihr Schläfenlappenepilepsie festgestellt. Sie will die Diagnose nicht wahr haben und flüchtet sich, unterstützt von ihrer Familie, in ein rein religiöses Weltbild. Eine medizinische Behandlung der Krankheit wird von ihr abgelehnt. Es stellten sich Wahnvorstellungen und Symptome von Besessenheit bzw. Schizophrenie.
Trotz dieser Erlebnisse studierte sie in Würzburg Pädagogik und Theologie. Doch als die Anfälle häufiger und extremer werden, bat ihr Heimatpfarrer den damaligen Würzburger Bischof Stangl um die Erlaubnis, bei Anneliese Michel einen Exorzismus durchführen zu dürfen. Stangl gab, aus besten Beweggründen, die Erlaubnis dafür. Neun Monate lang wird bei Anneliese Michel oft der Große Exorzismus gebetet, ihre Reaktionen darauf werden immer heftiger und ihr Körper verfällt langsam. Eltern und Priester halten den religiösen Weg für der Richtigen und verweigern Anneliese medizinische Hilfe.

Am 1. Juli 1976 starb Anneliese Michel schließlich an Unterernährung und Entkräftung, sie wog zum Schluß nur noch 31 Kilogramm. Die Eltern und die zwei beteiligten Priester wurden in einem anschließenden Prozess wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung zu drei Jahren Gefängis auf Bewährung verurteilt.

Ausführlichere, teilweise subjektive und widersprüchliche Informationen über diesen Fall gibt es unter anderem hier, hier und hier

Der Film "Der Exorzismus der Emily Rose" greift nun diese Geschichte auf, die in ein amerikanisches Umfeld versetzt wird. Auch hier geht es um das Leiden einer jungen Frau, deren Rettungsversuche und ihre Folgen. Ob der Film sich ernsthaft mit den Hintergründen, menschlichen Problemen und Verirrungen beschäftigt oder ob es nur ein Hollywoodstreifen im Stil von "Der Exorzist" wird, bleibt abzuwarten. Aber ein sensibler Umgang mit der Thematik bleibt zu wünschen – auch im Sinne der Betroffenen der realen Geschichte.
Sensibilität und Einfühlsamkeit ist wohl eher von dem Film "Requiem" von Hans-Christian Schmid zu erwarten. Der Regisseur und Drehbuchautor von Filmen wie "Nach Fünf im Urwald", "23", "Himmel und Hölle" und "Lichter" behandelt auch die Tragödie um Anneliese Michel. Der Film startet im März 2006.

Everybody be cool, this is a robbery

Pulp Fiction Party im AKW“Ladies and Gentleman, Now the moment you’ve all been waiting for The world famous Jack Rabbit Slims Twist Contest! Now let’s meet our first contestants here this evening.”

Wer dem Halloween-Hexen-Vampir-Zombie-Wahn entkommen und doch einen orginellen Abend verbringen will, der kann ab 22 Uhr zur Pulp Fiction-Party ins AKW gehen. Auch dort darf man verkleidet hingehen, wer im Pulp-Fiction-Outfit erscheint, muss auch nur 4 € statt 5 € Eintritt zahlen. Also in nette schwarze Anzüge werfen, Krawatten binden, Haare gelen oder den Afro-Look aufbürsten, hübsche schwarze Röcke und weiße Blusen bügeln.

Videoprojektionen und Zigarrenverkäuferinnen mit Plüsch-Bauchladen sorgen für eine passende Atmosphäre, es gibt Cocktails und für die ersten 100 Besucher eine Adrenalinspritze – wer’s braucht!

“Smoking cigarettes and watching Captain Kangaroo
Now don’t tell me I’ve nothing to do …”

Monoboli

Der Spieleverlag Winning Moves hat die Monopoly-Regionalausgaben jetzt um die Städte Aachen, Freiburg, Karlsruhe, Kassel, Magdeburg, Münster, Rostock, Kiel, Regensburg und … Würzburg erweitert! Ja, nun kann man endlich mit Würzburg das tun, wovon sonst nur in der Zeitung zu lesen ist. Den Haupbahnhof kaufen. Hohe Mieten für Bronnbachgasse kassieren. Hotels bauen – sogar mehrere. Man kann das Mozartareal bebauen oder auch nicht. Ob es Ereigniskarten mit IKEA, Stadttheater oder Marktbebauung gibt, weiß ich nicht – aber auf jeden Fall geht es um Geld. Auch bei Monopoly! Aber wo ist in Würzburg "Los"?

Nachtrag: Da viele Suchanfragen wegen der Würzburger Monopoly-Ausgabe hier landen, diese Informatione. Das Spiel wird wohl erst Mitte November (Aussage "Die Murmel") in Würzburg erhältlich sein …

2. Nachtrag: Zumindest im Hugendubel habe ich es schon gesehen.

3. Nachtrag: In der Murmel in der Augustinerstrasse gibt es das Würzburg Monopoly jetzt auch. Und da gibt es auch eine Murmel dazu! 🙂

Günter Huth und die Rotwein-Signierstunde

Günter HuthEr sieht ein bisschen aus wie der ältere Steven Spielberg, der Mann, der am Stehpult in der Thalia-Buchhandlung in der Domstraße steht.
Günter Huth dreht aber keine Filme, er schreibt Bücher. In letzter Zeit hat er sich dem Genre Krimi verschrieben, deren Handlung in seiner Geburts- und Heimatstadt Würzburg spielen. Diese Regionalkrimis, wie sie auch sein Kollege Roman Rausch schreibt, erfreuen sich in Würzburg großer Beliebtheit.

So war es auch nicht verwunderlich, dass am gestrigen Freitag in die Buchhandlung Thalia ab 16 Uhr kein enormer, aber doch stetiger Strom an Fans und Neugierigen pilgerte. Der Autor wirkte gelassen und gut gelaunt, nie um einen Scherz oder einen Plausch verlegen.
Günter Huth stellte dort das neueste Werk aus der Schoppenfetzer-Reihe vor. “Der Schoppenfetzer und das Riesling-Attentat” ist wieder ein Krimi um den Kriminalkommissar in Ruhestand Erich Rottmann und seinem Hund Öchsle, in dem es um einen ermordeten Stadtrat und einen Bocksbeutel Jahrgang 1937 geht.

Über die Qualität solcher Regionalkrimis mögen sich die Literaturkritiker streiten, es macht aber einfach Spaß einen Krimi zu lesen, deren Schauplatz die eigene Stadt ist. Viele Plätze sind einem bekannt, viele Personen kommen einem zumindest bekannt vor (auch wenn sie völlig erfunden sind ;-))

Bei der Präsentation des Buches durfte der Wein nicht fehlen. Der Staatliche Hofkeller – der normalerweise nicht so mein Fall ist – schenkte einen roten Residenzschoppen aus, er überraschend gut war.

Am 18. November wird Günter Huth abends in der Thalia-Buchhandlung aus seinem neuen Buch lesen, danach geht es in den Hofkeller, dort soll auch der im Buch beschriebene Bocksbeutel gezeigt werden. Näheres zu diesem Abend wird aber erst noch bekannt gegeben.

[Fotos von der Präsentation bei Flickr]

Mutig

Ganz Würzburg hat am Mantelsonntag geöffnet? Ganz? Nein, mindest einer der renomierten Geschäfte lässt an diesem Sonntag seine Türen geschlossen – das Männermodehaus Severin. “Sonntags kein Verkauf”, so hat das Haus Severin in der gestrigen Mainpost eine Anzeige schalten lassen, “denn Gottes Wort sagt: Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig (Ex 20,8)” (Kursiver Text nach Einheitsübersetzung).

Wie immer man theologisch oder (un)religiös dazu steht, so ist es doch ein Zeichen, dass ein Geschäft mal nicht jede Gelegenheit nutzt ihren Umsatz zu steigern. So haben die Mitarbeiter ihren verdienten Sonntag und der Kunde sowieso genug Gelegenheiten, das Geschäft zu besuchen.

Feines Kunsthandwerk im Kulturspeicher

Heute bis zum 1. November 2005 findet zum dritten Mal die Fine A.R.T.S. im Würzburger Kulturspeicher statt. Die Buchstaben A.R.T.S. stehen hier für Antikes, Rares, Trends und Schönes, was bedeutet, dass es um altes und aktuelles Kunsthandwerk geht.
Für 3€ kann man zwischen 11 Uhr und 19 Uhr gemütlich die vielen Schmuckarbeiten bewundern, Antiquitäten bestaunen und Holz- und Schmiedearbeiten im Kulturspeicher anschauen. Ideal für nie enden wollende Sonn- und Feiertage! 😉

Das bisschen längere Wochenende

Das Wochenende, das eine Stunde länger dauert als gewöhnlich, steht vor der Tür. Zeit, einen Blick darauf zu werfen.

Die unterfränkische Krimikultur boomt! Am morgigen Freitagnachmittag stellt Günter Huth seinen neuen Würzburg-Krimi “Der Schoppenfetzer und das Riesling-Attentat” um 16 Uhr in der Thalia-Buchhandlung in der Domstraße vor. Der Staatliche Hofkeller schenkt Riesling aus! 🙂

Ebenfalls am Freitag trifft sich wieder der Midlife Club auf dem Boot. Lifeband sind diesmal “The Bandits”.
Abtanzen für junggebliebene Alte oder frühzeitig gealterte Jugendliche. Sehr empfehlenswert!

Nachdem die Midlife-Krise aus der Seele getanzt wurde, könnte das selbe Publikum am Samstag ab 22 Uhr ins AKW zur 68er-Party. Make love, not war!

Ein Tag, der seinem Sinn nach überholt ist, ist der Mantelsonntag. Er findet auch dieses Jahr nach alter Tradition am Sonntag vor Allerheiligen statt. Viele Geschäfte in der Würzburger Innenstadt haben von 12.30 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet, ursprünglich um den Bauern vom Land zu ermöglichen, sich einen neuen Mantel für den Winter zu kaufen. Aber in der Zeit der längeren Ladenöffnungszeiten gelingt es doch jedem Bauern, sich einen Schutz vor der drohenden Winterkälte zu kaufen. Lesenswert sind dazu auch die Gedanken des Pfarrers der Martin-Luther-Kirche.

Im Fernsehen wird die Schillerstraße als innovative Comedy gefeiert – abseits der Massenmedien gibt es diese Form schon lange: das Improvisationstheater.
Diese ebenso anarchistische wie unterhaltsame Theaterform wird von Donnerstag bis Sonntag beim Improtheaterfestival in Würzburg zelebriert. Auch wenn die großen Veranstaltungen schon ausverkauft sind, lohnt sich in Besuch dieses orginellen Events bestimmt.
Da braucht man keine Cordula Stratmann

Ach, für die Freunde der Haushaltgeräte und Bastkörbe: die Allerheiligenmesse beginnt am Samstag und geht bis zum 13. November. Aber für den Glühwein ist ja fast noch zu warm.