Archiv für den Monat: November 2005

Inflation am Weihnachtsmarkt

Die Feuerzangenbowle am Weihnachtsmarkt kostet dieses Jahr 3,50 €. Ist da irgendwo eine Rumkrise ausgebrochen? Rückgang der Fördermenge in den Zuckerminen? Schädlingsbefall bei der Glühweinrebe? Oder will die Stadt Würzburg ihr Haushaltsloch mit den Standgebühren von Weihnnachtsmarkt stopfen?

Da wird der feierabendliche Umtrunk viel seltener stattfinden bzw. kürzer ausfallen.

Kleine Läden und Kosumtempel

Nein, es war kein Weihnachtseinkauf. Das Patenkind hatte Geburtstag. Aber die Würzburger Innenstadt war voll mit Konsumaktivisten, die noch schnell die Weihnachtsgeschenke kaufen wollten, bevor dir Mehrwertsteuererhöhung doch noch vorverlegt wird.
Meine Schwester hat mir einen klaren Auftrag gegeben. Es sollte eine Brio-Eisenbahn sein, batteriebetrieben. Nun neige ich als qualitätsbewußter Einkäufer dazu, die Sachen in kleinen Fachgeschäften zu erwerben. Also ging ich in die Murmel in der Augustinerstraße. Ich wurde mit einem freundlichen "Hallo" begrüßt. Schon nach kurzer Zeit wurde ich von der Verkäuferin völlig zu recht als plan- und kinderlos eingestuft, denn sie kam bald zu mir und bot mir ihre Hilfe an.
Leider hatten sie keine Bahn von Brio vorrätig, dafür aber von Eichhorn. Doch die konnte ich die aus erziehungsideologischen Gründen nicht kaufen. Aber die Verkäuferin nahm sich trotzdem Zeit, erklärte dass man Brio und Eichhorn auch kombinieren könne, zeigte mir auch Alternativen zu der Eisenbahn. Das tat sie sehr unaufdringlich, ließ mich vieles mal ausprobieren und erklärte mir alles.
Die schwesterliche Order hieß aber eindeutig "Brio", und so musste ich die Murmel leider mit leeren Händen verlassen. Darum bekam die Galeria Kaufhof seine Chance. So ein Kaufhaus hat natürlich ein großes Sortiment, auch an Brio-Eisenbahnen. Doch leider war dieses große Sortiment hinter einem Stapel noch größerer Kunststoffkisten verborgen. So fragte ich die Verkäuferin, ob ich mal an die Regale mit den Holzeisenbahnen könne. "Wir räumen gerade aus" entgegnete mir die junge Dame. Das war zwar eine korrekte Antwort, doch leider auf eine andere Frage. Auf meinen Hinweis, dass ich doch gerne eine Brio-Lok kaufen möchte, kam wieder ein "Wir räumen gerade aus" aus dem Mund der Angestellten, die die Kisten mit einer beängstigenden Langsamkeit entleerte. Mir war klar, dass ich hier mit verbaler Logik nicht weiterkam, nur mit körperlicher Geschicklichkeit. Ich griff also blind hinter die Plastikbehälter und zog wahllos Schachteln hervor, in denen hin und wieder sogar Loks waren. Doch keine mit Batterieantrieb. Auf die kleinlaute Frage, ob sie keine elektrisch betriebene Züge hätten, erwiderte die Ausräumerin: "Kann ich Ihnen nicht sagen, da stehen die Kisten davor".

Es war wohl eine Lektion in Demut, die ich im Kaufhof erhielt. Geduld soll ein Käufer haben, innere Ruhe und Ausgeglichenheit soll sein Herz erfüllen. Und er soll nicht die Hohepriesterinnen des Konsums bei ihren Riten stören. Still soll er ausharren, bis seine Gebete erhört werden. Und so lange hinter den Kisten kramen, bis er endlich eine batteriebetriebene Brio-Bahn in den tauben Fingern hält, dieses gnädige Geschenk der Kommerzgötter.

Mitte und Unten, Freude und Leid

Diesmal durfte ich den ersten Schnee des Jahres mal in Mittelfranken erleben. Es ist sehr tröstlich zu erfahren, dass Erlangen genauso panisch und chaotisch auf den jedes Jahr völlig unerwarteten Schneefall reagiert. Aber wer kann auch Ende November in Mitteleuropa damit rechnen? Endlos lange Staus, langsam mit Sommerreifen über die Straßen schlitternde Autos – das kennt man ja auch aus Würzburg.

Die Reaktionen auf den weißen Winterschmuck fielen in der Würzburger Blogosphäre freudig bis weniger freudig aus.
Ich freue mich darüber – aber ich muss auch kein Auto fahren! 🙂

Spamyphos

Ein bisschen tut mir der Administrator oder Administratorin des Gästebuchs des Kulturspeichers ja schon leid. Alle paar Tage muss er (oder sie) das Gästebuch von Spameinträgen befreien, nur um ein paar Stunden später festzustellen, dass die ernstgemeinten Einträge schon wieder deutlich in der Minderheit sind.
Ohne technische Änderungen wird dieser Sisyphos des Gästebuchs wohl nie den Tartaros der Spammer verlassen können.

Exorzismen in Film und Wirklichkeit

Nachdem das Würzblog (aufgrund dieses Beitrags) mit Suchanfragen nach Anneliese Michel bzw. Emily Rose überflutet wurde und wird, hier eine kleine Serviceinformation.
Das Bistum Würzburg hat ein Interview mit Pfarrer Alfred Singer, dem Diözesanbeauftragten für Weltanschauungsfragen, veröffentlicht, das sich mit dem Film "Der Exorzismus der Emily Rose" und dem wirklichen Fall Klingenberg beschäftigt.
Und für diejenigen, die sich tiefergehend über die Geschichte des letzten und wohl tragischsten Exorzismus in Deutschland informieren wollen, hat die Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats Würzburg (POW) eine Auswahl von kirchlichen Verlautbarung zum "Fall Klingenberg" (und auch ein bisschen zu Emily Rose) als PDF gebündelt (2,12 MB).

Harald Töpfer und die verlorene Zeit

An manchen Abenden hat man einfach Lust auf’s Kino. Einfach mal schnell einen Film anschauen und ab nach Hause, man muss ja morgen früh raus. So sind wir ins Cinemaxx gegangen und haben uns "Harry Potter und der Feuerkelch" angesehen. Der Film ging um 20 Uhr an. Aber natürlich gab es vorher noch fast 40 Minuten Werbung. Da regt sich mitterweile ja schon fast keiner mehr darüber auf. Um 22 Uhr wurde eine 20-minütige Pause eingelegt. Und um 23 Uhr war der Film zu Ende.

Wenn ich mal kurz nachrechne darf: wir waren 3 Stunden im Cinemaxx. Und davon schauten wir 1 Stunde keinen Film an. Das heißt, ich sitze ein Drittel der Zeit da und mache nicht das, wofür ich eigentlich gezahlt habe.
Das wäre ja, wie wenn ich mit der Bahn fahre und muss am Bahnhof 33% der gesamten Reisezeit auf die verspäteten Züge … ähhhh … schlechtes Beispiel … 😉

Ein Jahr auf dem Rücksitz

Oh nein, nicht schon wieder Robbie Williams! Und Tokio Hotel mag ausser den Bandmitgliedern auch keiner hören – und selbst bei denen kann man sich nicht sicher sein!

Radio hören kann ganz schön nerven. Aber es gibt ja Alternativen. Und eine davon ist gar nicht so weit entfernt. Rücksitzgeneration ist ein Internetradio, das in Würzburg gemacht wird. Sie selbst beschreiben sich so:

Dieses Radio ist als Produkt der Frustration über die kommerziellen Sendeangebote herkömmlicher terrestrischer Radiostationen enstanden.
Täglich von 12.00 bis 24.00 Uhr wird abseits des Mainstreams das gesendet, was Kommerzsender nicht bieten können.

Und so ist es auch. Ein recht bunter Musikmix, viele Independent-Stücke und der Mainstream wird wirklich meist weiträumig umfahren. Als Band oder DJ ist es eine gute Platform, um die eigene Mucke zu verbreiten. Die Moderationen kann man als teilweise sympathisch-chaotisch-witzig umschreiben, das hängt aber auch stark von dem jeweiligen Sprecher ab.

Seit einem Jahr gibt es dieses Projekt schon. Aus diesem Anlaß gibt es am 25. November 2005 im Standard eine große Feier. Livemusik gibt es unter anderem  von Popfotze, DVD-Premieren von “The Hives” und “Audioslave” und die schon viel diskutierte "Frauen- und Blasmusik". 😉
Musikalisch sagt mir das alles nix, aber ich werde mal hinschauen. Um 21 Uhr geht’s los!

Ach ja: Alles Gute zum Geburtstag! 😀

Tiepolo jazzt!

Kellerraum. Dunkles Holz. Kleine Tische. Regale voll Flaschen. Rauch liegt in der Luft.
Zeit für Jazz!

Gestern war, wie jeden Donnerstag, Livemusik im Keller der Vinothek Tiepolo. Der Keller dort ist nett. Nicht sehr groß, aber ganz hübsch eingerichtet.
Die Band des Abends war das Michael Arlt Special Projekt, ein Jazz-Quartett bestehend aus Michael Arlt an der Gitarre, Rudi Engel am Kontrabass, Sebastian Nay am Schlagzeug und Hubert Winter am Saxophon. Jeder von ihnen ein exzellenter Musiker, gemeinsam aber ein Traum in Jazz. Sie harmonierten sehr gut miteinander und brachten die Füße zum Wippen. Jeder der Musiker bekam oft Gelegenheit, sein Können in Soli zu zeigen. Ein besonderer Augenschmaus war jedes Solo von Rudi Engel, der den Bass dabei quasi mit seiner ekstatischen Mimik spielte.
Es war ein einfach guter Abend. Leckeren Wein trinken (Tiepolo Rotwein aus dem Staatlichen Hofkeller) und einer exzellenten Jazzband zwei Stunden lang lauschen – toll!

Den Tiepolo-Keller werde ich auch jeden Fall im Kopf behalten. Und die Musiker, in welcher Besetzung sie auch spielen, werde ich mir auch merken.
Das Programm für die nächsten Wochen klingt gut, vor allem Markus Geiselharts „Beatles Project“ klingt sehr verlockend. 😀

Webdesigner-Kollege Alex, der auch da war, hat einen kurzen Clip erstellt. Trotz suboptimalem Equipement und schlechter Ausleuchtung ist er doch ganz nett geworden. Ich bin sogar mal kurz zu sehen! 😉