Archiv für den Monat: August 2006

Bolidiger-Blog

Normalerweise werden neue Blogs aus und über Würzburg stillschweigend in die Linkliste eingetragen. Doch diesen einen Neuzugang muss ich doch mal extra erwähnen. Der Stadtrat Marco Schneider hat von einigen Parteigenossen ein Blog geschenkt bekommen — das erste Würzburger Politikerblog also. Kein Videoblog wie unsere Bundeskanzlerin, aber ein Anfang ist doch gemacht. Da kann man gespannt sein, ob andere Lokalpolitiker nachziehen werden. Ein Pia-Blog oder einen Adi-Bauer-Podcast — das wärs doch! 😉

Hellseher gesucht

In der heutigen Ausgabe der Mainpost hat Manuela Göbel die Diskussion um die Arcaden in ihrem Kommentar auf den Punkt gebracht: es gibt keinen Punkt. Höchstens einen schmutzigen Fleck mit ausgefransten Rändern. Die Meinungen über das Projekt am Bahnhof liegen weit auseinander. Was bringen die Arcaden der Stadt Würzburg? Den Untergang der Innenstadt und der kleinen Geschäfte, sagen die Einzelhändler. Einen wirtschaftlichen und städtebaulichen Aufschwung prophezeit der Investor mfi. Doch jedem dürfte klar sein, dass beide Seiten vor allem ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen im Blick haben. mfi will Geld verdienen, genauso wie die Händler in der Stadt.

Falls es nun zum Bürgerentscheid kommt, wird es für den Normalbürger schwierig, die Situation objektiv zu beurteilen. So wie bei der Fußball-WM das Volk aus 80 Millionen Bundestrainer besteht, so bestehen im Falle der Arcaden die Einwohner der Stadt aus 120 000 Wirtschaftsexperten. Doch genau wie beim Fußball kann keiner in die Zukunft sehen. Es fehlen einfach unabhängige Fakten und deren Interpretation. Zwar werden Studien und Expertenmeinungen zur Sprache gebracht, doch auch die werden natürlich immer für die Argumente der jeweiligen Auftraggebers sprechen. Ob in den kommenden Wochen Klarheit geschaffen wird, bezweifle ich. Eher werden bei der Schalmmschlacht Steine in die Dreckkugeln gemischt.

Ich bin gefühlsmäßig gegen die Aracden. Warum? Ich glaube nicht, dass die Geldbeutel der Konsumenten so groß sind, sowohl die Arcaden als auch die bestehenden Läden in der Innenstadt am Leben zu erhalten. Wieso ich das glaube? Keine Ahnung — und genau darin besteht das Problem. Keiner kann voraussehen, wie die Arcaden ankommen würden und wie die Auswirkungen auf den Einzelhandel wären. Kämen wirklich so viele Käufer aus dem Umland? Würde die neue Konkurrenz die Geschäfte in der Innenstadt auf neuen Ideen bringen?
Um eine Prognose abzugeben, müsste man das komplexe System aus Wirtschaft, Politik und Psychologie wirklich durchschauen. Aber wer kann das schon? Ich nicht!

Eine Entscheidung muss von den Bürger Würzburgs gefällt werden. Und da nützt die Schlammschlacht, die der Einzelhandel und der Investor betrieben, herzlich wenig. Es fehlen Fakten. Was bringen die Arcaden? Was passiert mit der Stadt, wenn die Arcaden nicht kommen? Welche Läden würden am Bahnhof eröffnen? Welchen Einfluß haben die be- oder entstehenden Shopping Malls in Aschaffenburg und Schweinfurt?

Eine Entscheidung wird fallen. Und sie kann richtig oder falsch sein, das wird man aber erst im Nachhinein wissen. Es sei denn, man ist Hellseher. Ist hier ein Hellseher anwesend?

Mary Poppins, Optophoneten, eine Prinzessin mit Hamsterbeinen und The Smiths

IMG_6061Graue Wolken, soweit das Auge reicht. Aber es fällt kein Tropfen Regen. Die Bavarian Open Word hatte gestern meteorologisch Glück im Unglück. Die ca. 100 Besucher kamen nicht in die Verlegenheit, mit Zündfunk-Schirmen den Autoren lauschen zu müssen.

Ein blau-weißer Pavillion und etliche Meter blau-weißen Absperrbands reichten aus, um aus der Leonard-Frank-Promenade ein Bühne und einen Zuschauerraum für einen literarischen Abend zu zaubern. Der erste Teil der Lesung wurde in Bayern 2 live übertragen, so dass die Veranstaltung nach einigen Anmoderationen pünktlich um 19.40 Uhr starten konnte.

Wie die Texte so waren? Um was ging es? Was war mit ihnen gemeint? Oh nein, ich werde nicht wagen hier Literaturkritik zu betreiben. Die Texte kommen bei jedem Zuhörer anders an, sprechen seine Gefühle auf verschiedene Weisen an und bringen bei jedem unterschiedliche Saiten zum Klingen. Die Texte fand ich alle durchwegs gut — nur aus verschiedensten Gründen. Soweit ich die Autoren überhaupt in eine persönliche Rangfolge stellen kann, sie diese so aus: Frank Spilker, Homer Berndl, Minna Hartl, Luise Boege. Aber ab Montag gibt es die Lesung beim Zündfunk als Download, dann kann sich jeder selbst ein Bild machen.

Abgeschlossen wurde der kühle, aber wundervolle Abend mit einem Akustik-Konzert von Frank Spilker, der auf Zuruf Songs von den Sternen sang, zumindest die, die mit Gitarre funktionierten. Sehr witzig, sehr gut!

Schade dass nicht mehr Besucher da waren. Ob die jetzt vom eher kalten Wetter oder von einem Besuch der Weinparade abgehalten wurden — sie haben auf jeden Fall etwas verpasst.

Bilder gibts im Flickr-Set

Bavarian-Open-Word-Mutmach-Eintrag

Jaaaa, das Wetter sieht nicht so toll aus. Aber die Bavarian-Open-Word wird trotzdem heute trotzdem an der Leonard-Frank-Promenade stattfinden. Auf der Promenade wird ein Pavillion aufgebaut und bei Bedarf werden Zündfunk-Regenschirme verteilt — soweit der Vorrat reicht. Da muss man einfach die Gelegenheit nutzen und sich ein bisschen aneinander kuscheln und das Thema “Alte Liebe” einfach zu “Neue Liebe” umdichten. Dann wird es ein toller Abend! 🙂

(Gerade als diese Zeilen schrieb, trudelte der Kommentar von Mitorganisator Michael ins Blog. Sachen gibt’s … 😉 )

Der nüchterne Empfang der Wallfahrer

IMG_6042Nach fast 180 Kilometern laufenden Gottesdienstes kamen gestern die Kreuzbergwallfahrer wieder in Würzburg an. Gegen 14.30 Uhr wurden sie, wie es Tradition ist, in der Semmelstraße mit Blumen und Beifall begrüßt. Gleichzeitig war das auch der Auftakt zu Zweibelkirchweih.

Ein paar übellaunige Stimmen waren von den Leuten zu hören, die nicht einsehen wollten, dass erst nach dem Durchmarsch der Wallfahrer alkoholische Getränke ausgeschenkt wurde. Wer muss sich den unbedingt schon mittags besaufen? Der Anlass der Zwiebelkirchweih ist eben die Heimkehr der Kreuzbergpilger, da wird man doch noch abwarten und sie nüchtern begrüßen können.

Das Fest an sich war recht nett — und dankenswerterweise auch regenfrei. Meine Hoffnung auf einen frühen Federweißen hat sich zwar zerschlagen, aber die verschieden Zwiebelblootze waren alle recht lecker. So habe ich mich mehrmals mit einem Weinglas durch den Semmelstraßenschlauch hoch und runter geschoben, mit Freunden geplaudert oder einfach nur geguckt. Mit Federweißen wäre der Abend zwar noch besser geworden, dafür musste ich aber kein einziges Mal auf die Toilette. Auch recht praktisch! 😉

Dracula ist mein

Am Dienstagabend fand im Brückenbäck in Würzburg ein Bookcrossing-Mini-Meetup statt. Was Bookcrossing ist, habe ich ja schon einmal erklärt. Nur soviel zu Erläuterung: beim Bookcrossing werden Bücher getauscht bzw. zum Mitnehmen hinterlegt. Alle Bücher sind bei der Webseite bookcrossing.com mit einer Nummer (BCID) registriert. So kann man immer sehen, wer gerade welches Buch hat. Wenn man also ein Buch in der Stadt findet, das einen Bookcrossing-Hinweise trägt (meist ein Aufkleber), so trägt man auf der Seite ein, dass man es gefunden hat.

Leider ist Bookcrossing in Würzburg im Vergleich zu anderen Städten noch relativ unbekannt, so dass in der Wildnis (Cafés, öffentliche Gebäude, …) freigelassene Bücher oft einfach verschwinden — zumindest im Sinne des Bookcrossings.

Solch kleine Treffen (Meet-Ups) wie am Dienstag tragen natürlich zur Motivation der Bookcrosser in der Stadt bei. Kryptische Namen wie Agrippine314 und Komma bekommen plötzlich sympathische Gesichter — und neue Bücher gab es auch. Die beiden Damen sind weitaus erfahrenere Bookcrosser als ich selbst und haben mich wieder mal bewegt, Bücher von mir in Freiheit zu entlassen. Und ich habe mir mal Bram Stokers Dracula geschnappt, den wollte ich schon immer mal lesen.

Ein nächstes Treffen ist für die Zeit des Weihnachtsmarkts angepeilt, ich werde den Termin hier im Würzblog ankündigen. Bis dahin – Augen auf und auf herrenlose Bücher in der Stadt achten.

Bavarian-Open-Word

Als Blogger bin ich natürlich ein Freund von Literatur in jeglicher Form. Und so freut es mich um so mehr, dass die Bavarian-Open-Word am 25. August Station in Würzburg macht. Zum Thema “Alte Liebe” werden drei junge Würzburger Autoren und ein prominenter Nicht-Würzburger-Autor Texte lesen. Wo? Natürlich bei der Anlegestelle des Ausflugschiffes “Alte Liebe” neben dem Alten Kranen. Nicht da wo ich gedacht habe! 😉 Die Veranstaltung findet an der Leonhard-Frank-Promenade statt, also gegenüber der Anlegestelle des Ausflugschiffes “Alte Liebe”, am Mainufer auf der Zellerauer Seite. Von QuakQuak kam auch noch eine kleine Skizze zur Verdeutlichung – Danke!

Lesen werden an diesem Abend ab 19 Uhr Luise Boege, Minna Hartl (MUJUK) und Homer Berndl (Der Keil) als mehr oder weniger Würzburger. Als “Gast-Autor” wird Frank Spilker von der Band “Die Sterne” seine Stimme erheben, sowohl als vorlesender Autor als auch als Sänger nach der Lesung.

Die Lesung wird von Bayern 2 bzw. Zündfunk veranstaltet, der Eintritt ist natürlich frei. Sitzgelegenheiten wird es im Gegensatz zu einem Getränkestand wohl nicht geben, wer nicht stehen will kann gerne Decken, Stühle oder Sofas mitbringen und sich am Mainufer niederlassen. Picknickatmospäre ist ausdrücklich erwünscht.

Zwiebeln und Pilger

Gestern sind, wie jedes Jahr am 20. August, die Wallfahrer von der Bruderschaft zum Heiligen Kreuz in Würzburg und weitere “Mitläufer” in Richtung Kreuzberg losgezogen.

Selbst die Würzburger, die mit dem katholischen Brauchtum nicht viel anfangen können, wissen was nun vor der Tür steht: die Zwiebelkirchweih in der Semmelstraße. Dort werden immer am 24. August so gegen 14 Uhr die zurückkehrenden Wallfahrer wieder willkommen geheißen – und das auf vielfältige Weise.
Oft wird den Pilgern ein Blumensträußchen — selbst geplückt oder selbst gekauft (an diesem Tag gibt es in vielen Blumenläden eigene Wallsträußli zu kaufen) — in die Hand gedrückt.
Öfters wird wohl auf das Wohl der Wahllfahrer getrunken und gegessen. Nur leider sind die Pilger unter den Feiernden eher rar, die meisten sind nach dem Fünf-Tages-Marsch wohl zu müde.

Mit der Zwiebelkirchweih wurde das kulinarische Herbstprogramm in Würzburg eingeläutet. Da gab es neben Wein den ersten Zwiebelblootz und den ersten Federweißen. In den letzen Jahren ist diese Tradition leider ein wenig eingeschlafen, sowohl Zwiebelblootz als auch Federweißen muss man mittlerweile schon suchen – manchmal sogar erfolglos. (Wobei ich gar nichts sagen will, wenn der Federweiße noch nicht fertig ist. Aber mir ist ein sehr junger Federweißer lieber als gar kein Federweißer)

Ich finde es schade, dass diese fränkischen Grundnahrungsmittel immer mehr den — zugegebenermaßen auch leckeren — Cocktails, Prosecci und Asia-Nudel-Pfannen weichen müssen. Aber gerade zu solchen Traditionsanlässen sollte es auch traditionelle Leckereien geben.