Wohlriechende, aber heiße Luft

“Würzburg hat Besseres verdient”. So die Überschrift eines Artikels in der heutigen Mainpost. Dieser Meinung ist der ehemalige Leiter des Würzburger Stadtplanungsamtes, Dr. Hans-Eckhard Lottemann Lindemann. Der Aktivist der Bürgerinitiative “Ringpark in Gefahr” sieht für die Gässchen, Plätzchen und Seitenstraßen in der Innenstadt den Bedarf, sie mal ordentlich aufzuwerten und -möbeln. Das ist natürlich eine tolle Idee!

Die nicht mehr zeitgemäße CC-Passage in der Eichhornstraße könnte ein Investor modern und durchlässiger gestalten.

Ja, das könnte er bestimmt. Aber erst mal einen Investor finden!

An den Dominikanerplatz könnte man ein Kaufhaus bauen, wenn

… man das Parkhaus in der Bronnbachergasse abreißen würde.

Klar, Kaufhaus, toll. Und wo parken die Kunden? Es ist ja nicht so, dass die Innenstadt mit Parkmöglichkeiten gesegnet ist — und das Parken wird dazu immer teurer.

Zwischen Bronnbacherhof und Ulmer Hof könnte man Gassen und Höfe öffnen, beleuchten und neu pflastern. So ließe sich laut Lindemann abseits der Haupteinkaufsstraßen ein Geviert mit kleinen, individuellen Läden ansiedeln.

Das wäre schön. Aber wer soll den Umbau zahlen? Und welche — vor allem kleine — Läden können sich die horrenden Mieten in dieser B-Lage leisten? Und die Mieten werden nach dem Umbau sicher nicht sinken.

Viele fromme und sicher gut gemeinte Wünsche also — aber herrlich unkonkret. Das Lied “Wir müssen die Innenstadt schöner und attraktiver machen” ist schnell hinausposaunt, aber ein Orchester dafür zu finden ist nicht leicht — geschweige denn die Instrument zu kaufen.

Warum kommt Herr Dr. Lindemann erst jetzt auf diese genialen Ideen, wo er doch in seiner Amtszeit als Leiter des Stadtplanungsamtes die Möglichkeiten gehabt hätte, solche Ideen auch umzusetzen? Hat es wirklich 25 Jahre gebraucht, um diese Erkenntnisse zu finden?

In der Innenstadt muss vorwärts gehen; ob die Arcaden kommen oder nicht, spielt keine Rolle. Meiner Ansicht nach sind die hohen Mieten und das Parksystem die ersten Schrauben, an denen man etwas drehen müsste, von ein bisschen mehr Mut und Kreativität der Geschäfte mal abgesehen.
Das Parksystem hat die Stadt in der Hand, bzw. die SVG. An die Mietpreise heranzukommen? Da müssten viele Hausbesitzer mal von ihrem kleinbürgerlichem Ross absteigen und schieben helfen. Und die Stadtverwaltung dürfte dem vorhandenen Ideenreichtum der Einzelhändler nicht durch einen Verordnungswahn das Wasser abgraben.

ralf

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

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3 Antworten

  1. nightrider sagt:

    am wuerzblog-stammtisch tummeln sich wieder die absoluten architektur- und stadtplanungsexperten mit einem genialen kommentar nach dem anderen, echt zum wiehern.

    “der deutsche jammert, aber er klagt nicht”: dieser spruch ist wohl zeitlos gültig. leute, macht ‘nen laden auf statt zu maulen und auf anderen herumzuhacken!

  2. doomshit sagt:

    Wieso nicht zuerst die Kaiser- und Schönbornstraße sanieren, bevor die kleinen Gässchen an der Reihe sind?!

  1. 1. November 2006

    […] Ging es der Bürgerinitiative gegen die Arcaden nicht in letzter Zeit vorwiegend um die Rettung der Innenstadt vor der endgültigen Verödung, weil man sich durch ein großes Einkaufszentrum am Bahnhof in seiner Existenz als Einzelhändler bedroht sah? Anfangs der Diskussion um eine Neugestaltung des Postareals wurde eine Initiative gegründet, die den Ringpark in Gefahr sah, diese wurde aber in ihren Ängsten nicht bestätigt, weil in den Planungen sogar die Lücke des Parks wieder geschlossen werden sollte, die der Busbahnhof einst gerissen hat. Dann kam die Initiative des Einzelhandels, der sich in der Innenstadt durch Arcaden am Bahnhof bedroht sieht, und die einstige Ringpark-Initiative schloss sich dieser an. Jetzt ist das vielleicht sehr oberflächlich beschrieben, aber die jetzige Plakataktion mit den Ringpark- und Quellenbachargumenten kommt doch etwas unbeholfen daher – will man damit tatsächlich Leute zur Abstimmung bewegen? Weder wird der Ringpark ersticken noch der Quellenbach versiegen, auf beides würde im Falle einer Entscheidung pro Arcaden penibelst geachtet. Plakate mit besseren Argumenten wären sicher effektiver. […]

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