Archiv für den Monat: Mai 2007

Highnoon der Virtuellen Stadtbücherei Würzburg

Die Stadtbücherei Würzburg hat in den letzten Jahren ja ruhmreiche Preise eingeheimst. Da ist dann natürlich kein Stillstand angesagt, sondern Innovationen gefragt. Und so eine wird es morgen geben: die virtuelle Stadtbücherei in Würzburg.

Ab morgen um 12 Uhr mittags kann jeder, der einen gültigen Büchereiausweis hat, Bücher und andere Medien über das Internet ausleihen. Und zwar so richtig virtuell. Die Bücher landen als PDF auf der heimischen Festplatte, die Audiodateien (Musik und Hörbücher) als WMA und die Filme als WMV.
“Toll”, wird da mancher Jäger und Sammler sagen, “da kann ich mit ja meine eigene Bibliothek auf der Festplatte einrichten”. Ähhh … nein. Die virtuelle Bibliothek funktionert fast genauso wie die reelle.

Kurz zusammengefasst: Jedes Medium gibt es nur in begrenzter Anzahl, normalerweise einmal. Genau wie in echt. Und wenn ich mir das Medium digital ausleihe, dann ist es in der Leihzeit für andere nicht auszuleihen. Und die Medien haben auch eine Leihfrist, je nach Medium ein Tag bis zu 14 Tage. Nach Anlauf der Leihfrist löscht sich da Medium auf der Platte nicht von selbst, aber es kann nicht mehr verwendet werden. Technischerseits sind alle Medien mit einem DRM versehen, diese digitale Rechteverwaltung kümmert sich darum und versucht einem Missbrauch vorzubeugen.

Ich hatte die Möglichkeit, die Virtuelle Stadtbücherei schon vorab mal zu testen. Alle Angaben in diesem Artikel beziehen sich auch den Stand 30. Mai 2007 um 16.30 Uhr. Das Ganze ist ein Pilotprojekt, da kann sich also noch einiges ändern.

Erst mal zu den positiven Seiten. Es ist ein schöner Service. Ich kann mir mitten in der Nacht den neuen Spiegel virtuell ausleihen und lesen. Schnell noch Urlaubslektüre für den Spontantrip? Kein Problem. Genauso wie ein Hörbuch für die nächste Zugfahrt nach Berlin. Für Stöberaktionen steht mir die echte Bibliothek im Falkenhaus ja nach wie vor noch zur Verfügung. Und — ein wichtiger Punkt für Leute wie mich — ich kann die Abgabefrist der virtuell ausgeliehenen Bücher nicht versäumen. Das DRM sperrt die Datei am Abgabetag und das Buch wird in der virtuellen Bücherei wieder als ausleihbar gekennzeichnet. Das spart mir Geld (das dann allerdings der Stadtbücherei fehlt) und kostet mich keinen Pfennig Cent mehr.

Nachteile und Kritikpunkte gibt es natürlich auch.

Technisches

Als virtueller Nutzer sollte man technisch schon nicht allzu weit hintendran sein. Die Spiegel-Ausgabe als PDF braucht schon 24 MB, die erst mal übertragen werden wollen. Filme haben gern mal ein paar hundert Megabyte. Mit dem Modem oder per ISDN sind solche Größen nicht unbedingt spaßig, ein Breitbandanschluss ist sehr ratsam.
Zum Lesen der PDFs braucht man mindestens die Version 7 des Acrobat Readers. Leider sind alle eBooks, die ich bisher virtuell ausgeliehen habe, als ETDs vorhanden. Diese kann ich bei mir zwar im Acrobat Reader 8 öffnen, aber er zeigt sie nicht mehr an. Stattdessen leitet er mich zur Seite der Adobe Digital Editions, einer Flash-basierten Software, die das eBook dann herunterlädt und anzeigt. Da kann ich meinen Traum abschminken, mit meinem Taschencomputer (PDA) am Strand zu liegen und den Roman als PDF zu lesen.

Ähnlich unglücklich ist es mit Musik und Videos. Die liegen alle im WMA- bzw. WMV-Format vor. Mein Windows Media Player auf meinem letzten Windows-Arbeitsplatz könnte das abspielen. Mein MP3-Player für unterwegs auch, aber die vielen, vielen iPods leider nicht. Und auch nicht mein Linux-Rechner daheim. Das DRM schränkt die praktischen Nutzungsmöglichkeiten doch schon recht stark ein.

Angebot

Noch ist das Angebot der Virtuellen Stadtbücherei recht dünn. Knapp 10.000 Medien sind zur Zeit auszuleihen, davon besteht die eine Hälfte fast nur aus Schulliteratur und die andere Hälfte fast nur aus klassischer Musik. Das liegt nicht mal unbedingt nur an der Bücherei, viele Verlage sperren sich noch gegen das Anbieten in digitaler Form. Und die Bücherei muss übrigens auch die Online-Ausgaben bezahlen, die meist mindestens genauso teuer sind wie ihre Offline-Pendants.

System

Im Prinzip ist das System der virtuellen Ausleihe ganz praktikabel. Doch es birgt auch ein paar Tücken in sich. So ist es recht leicht, beliebte Bücher auszuleihen ohne sie lesen zu wollen. Einfach so aus Spaß, damit andere es nicht lesen können. Zwar soll es eine Beschränkung der Anzahl der jeweils ausleih- und vorbestellbaren Titel geben, aber wenn sich genug Idioten zusammenfinden, kann man da auch ganz schön Sand ins Ausleihgetriebe streuen.

Blöd ist auch, dass ich Medien nicht schon vor Ablauf der Leihfrist wieder abgeben kann. Wenn ich ein Buch nur mal zum kurzen Nachblättern ausleihe, ist es 7 Tage gesperrt, auch wenn ich es nach 1 Stunde noch nicht mehr brauche. Da braucht man also keine Hoffnungen haben, dass ein sehnlichst erwartetes Buch schon vorher wieder zurück kommt.

Fazit

Noch ist es zu früh um ein wirkliches Urteil über die Virtuelle Stadtbücherei zu fällen. Sie befindet sich noch in der Entwicklung und es wird noch immer an allen Ecken und Enden gefeilt, sei es an der Benutzeroberfläche oder am Inhalt. Manche technischen Probleme sind auch nicht so einfach für die Stadtbücherei bzw. ihrer Partnerfirma diviBib selbst zu lösen, sondern liegen auch in anderen Händen, wie z. B. die praktischen Probleme mit der digitalen Rechteverwaltung. Auch das Angebot wird wohl erst nach und nach wachsen.
Am besten den Mitarbeitern der Stadtbücherei fleißig Rückmeldung geben — virtuell oder von Angesicht zu Angesicht.

Aber es ist ja nicht so, dass einem hier das Geld aus der Tasche gezogen wird, die Nutzung ist für Besitzer des Büchereiausweises kostenfrei. Und wer nicht sein Buch nicht am Bildschirm lesen will — das will ich auch nicht immer –, der kann ja nach wie vor ins Falkenhaus und dort seine Bücher ausleihen. Und auch hoffentlich wieder zurück bringen — das gilt vor allem für mich!

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Start ins Weindorf

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Was gibt es Neues auf dem Weindorf in Würzburg? Nun, nicht sehr viel. Das Weindorf musste wegen der Baustelle Petrinihaus etwas zusammenrücken, was aus einem prall gefüllten Platz einen prall gefüllten Platz macht.

Und gestern war es prall gefüllt. Das tolle Wetter hat viele Gäste auf den Marktplatz gelockt. Einige kamen später vom Africa Festival dazu, eine gingen noch auf eine Absacker zum Festival.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie sich die Leute für das Weindorf aufbrezeln. Und was zieht der modebewusste Weindorfgänger an?
Bei den Frauen ist dieses Jahr Dekolleté angesagt. Und ich meine Dekolleté, die sekundären Geschlechtsmerkmale also ordentlich dem Tages- und Nachtlicht aussetzten, sie notfalls mechanisch unterstützt an die Oberfläche drücken.
Die Männer tragen weiße Oberteile, aufgeknöpft. Weit aufgeknöpft. Was daran der Reiz ist, kann nur eine Frau beantworten. Bei mir würde so ein offenes weißes Hemd gar nicht auffallen, wegen der bald ganz weißen Brustbehaarung. 😉

Heute Abend werde ich wohl wieder hingehen — wenn ich ein weißes Hemd finde …

Piratenüberfall?

Es trudeln ja oft Pressemitteilungen ins Postfach des Würzblog. Aber heute kam eine, bei der ich nicht sicher bin, ob sie einen ernsten Hintergrund hat oder nur ein Marketing-Gag ist.

StadtstrandpiratDem ältesten Gast des Stadtstrandes am Ludwigkai fehlt Kopf und Bein.
Am Mittwoch Abend wurde dem treuesten Besucher des Würzburger Stadtstrandes der Kopf sowie ein Bein geklaut. Wer zur Auflösung dieses ersten ernsthaften Zwischenfalls seit der Eröffnung 2006 beitragen kann erhält als Belohnung ein Essen seiner Wahl, sowie eine Flasche Prosecco.
Sollte es keinen ehrlichen Finder geben werden natürlich auch passende “Ersatzteile”, sowie nähere oder auch entfernte Anverwandte unseres Stadtstrandpiraten, die über die Sommersaison zur Verfügung gestellt werden mit einem Essen und Prosecco belohnt.

Rööö? Wir waren doch am Dienstag am Stadtstrand. Wo warst du als ich Zigaretten holen war? 😉

Egal. Ich sehe schon wie die Mülltonnen der Metzgereien und Hamlet-Ausstattungs-Center durchwühlt werden. Für einen Prosecco und ein Essen geht man schon mal mit ein paar Knochen in der Handtasche zum Strand.

Update: Rööö, nach neuerlichem Lesen darf ich uns entlasten. Der angebliche Knochenraub war ja am Mittwoch. 😉

Deutsches Musikfest 2007

Dicke Backen

Deutsches Musikfest 2007
Ja, ich gebe zu, als ich das erste Mal gehört habe, dass das Deutsche Musikfest in Würzburg stattfindet, hatte ich schon akustische Horrorvisionen von Ernst Mosch-Fetischisten mit Dauerkarten beim Musikantenstadel.

Deutsches Musikfest 2007
Aber dann war ich doch — zum großen Teil — angenehm überrascht. Auch wenn gespielte Musik meist doch noch unter dem Oberbegriff “Blasmusik” einzuordnen war, war es doch recht peppig, modern und gefällig. Recht viel Jazz und Swing hallte von den Bühnen in der Innenstadt, und da, wo die Märsche und Bierzeltstücke gespielt wurde, konnte ich ja immer schnell vorbeigehen.

Heute beim Unzug ist mir die Musik allerdings doch eher wieder in die altbackene Richtung gerutscht, aber vielleicht musste da die Tradition gewahrt werden. Leider.

Deutsches Musikfest
Woran ich mich hingegen nie so recht gewöhnen werde, ist der Hang zum Uniformismus. Solange die Gruppen nur alte Trachten tragen, kann ich noch einigermaßen mit. Aber wenn die Kleidung schon stark an Militäruniformen erinnern (oder sogar sind), da bekommt doch der Ex-Zivildienstleistende in mir doch etwas Bauchweh.

Gut 200.000 Besucher waren während den vier Tagen in Würzburg, um dem musikalischen Spektakel beizuwohnen. Und man kann musikalisch zu der Veranstaltung stehen wie mal will — das Musikfest hat der Stadt Würzburg schon gutgetan. Nicht nur dass die Eisdielen wohl satten Umsatz gemacht haben dürfen, auch für die Bekanntheit und das Ansehen der Stadt war das schon eine gute Sache. Und Würzburg hat sich von seiner besten Seite gezeigt — vor allem was das Wetter betrifft.

Bilder gibt es natürlich auch. Und wo? Genau! Im dazu passenden Flickr-Set.

Badeentenrennen 2007

Das Kajak geht nach Rimpar

Badeentenrennen 2007
Spannendes Finish beim Badeentenrennen in Würzburg. Gewonnen hat die Ente mit der Nummer 0080.

Meine #0366 ging leider leer aus. Suck my duck! 😉

Update: So, jetzt am Notebook gibt es noch ein paar weitere Worte zum Entenrennen. Das Wetter war wie gemacht dafür. Die Alte Mainbrücke und die Leonard-Frank-Promenade waren voll mit Schaulustigen. Wem das Zuschauen zur nervenaufreibend war, der legte sich einfach ins Gras und lautsche den Klängen einer der allgegenwärtigen Blasorchestern.

Von den 81 Preisen habe ich leider keinen gewonnen. Vielleicht sollte ich doch am Dons Anregung aufgreifen. Nächstes Jahr ein eigene Bloggerliga beim Entenrennen? Tuning erlaubt bis der Arzt kommt? 🙂

Update II: Die Gewinnerliste ist jetzt bei Wildwasser online.

Bilder gibt es im Flickr-Set, wo sonst 😉

Crumbs und Kaktussen

Rats, bigger than mice

Crumbs und Kaktussen

Gut, dass ich die Karten von im Vorverkauf erstanden hatte, den gestern war man an der Abendkasse ohne Chance, eine Karte für die Improtheatershow der Kaktussen mit den Crumbs zu bekommen. Das lag wohl am 20. Geburtstag des Cairo, aber wohl auch durch die Bekanntheit der beiden Improgruppen.

Dementsprechend eng und kuschlig warm war es dann auch im Saal. Aber was soll’s, während der Show hat man eh alles um sich herum vergessen.

Die Crumbs kommen aus Kanada, und wie es bei den Kanadiern schon immer Sitte war, sprechen sie kein Deutsch. Dafür sprechen die Kaktussen Englisch — oder irgendwas in der Richtung. So wurde also Englisch zur vorwiegenden Bühnensprache des Abends, was aber überhaupt kein Problem war. Die Crumbs sprachen ein sehr gepflegtes, deutliches Englisch und die Kaktussen … naja, sie sprechen einfach so ein Englisch, wie wir es alle tun. 😉

Crumbs und Kaktussen
Die Akteure haben tagsüber in Würzburg Bilder geschossen, die, auf eine Leinwand projiziert, als Bühnenbild und Ideenvorgabe diente. Und so entspann sich ein Bühnenstück mit mehreren Handlungssträngen. Von unheimlichen Höhlenbewohnern, dessen Ratten (nicht gewöhnliche Ratten — Ratten, größer als Mäuse ;-)) eine Mitarbeiterin des Würzburger Stadtwerke übernehmen und sie ihren Chef töten lassen. Der beste Polizist der Stadt, der sich in die beste Polizistin verliebt, die Stadt aber verlassen will. Eine Liebesgeschichte um Handy- und Pulloverfetischisten, die sich sogar bis nach Kanada wagen.
Und irgendwie haben die Spieler es geschafft, die Stränge mehr oder weniger miteinander zu verknüpfen. Ein großartiges Stück Schauspielleistung war der Monolog des Höhlenbewohners, der seinen Ratten befiehlt, die Stadt zu übernehmen. Fast wie in Herr der Ringe … 😉

Ich habe selten so viel gelacht. Die Kanadier Steve und Lee waren der Hammer. Wort- und Situationskomik “at it’s best” in einer netten und warmen Art. Danke an Crumbs und Kaktussen für diesen aberwitzigen Abend! 😀

Bilder im Flickr-Set

Update: Die Crumbs haben Würzburg sogar in ihrem Blog erwähnt. Wie nett!

Diagnose: Kunst

Diagnostizierte Kunst im Kulturspeicher

Diagnose: Kunst
Feiertag, trübes Wetter. Ein Tag, gebacken für einen Museumsbesuch. Und heute eröffnete im Kulturspeicher Würzburg die Ausstellung “Diagnose: Kunst. Die Medizin im Spiegel der zeitgenössischen Kunst”, die noch bis zum 15. Juli 2007 dauert.

Irgendwie hat mir etwas der rote Faden in der Zusammenhang in der Ausstellung gefehlt. Aber vielleicht fehlt mir einfach nur die Affinität zur Medizin, die Mathematik-Ausstellung hat mir damals besser gefallen.

Für die Ausstellung kann man sich auf der Website des Kulturspeichers übrigens 37 mp3-Dateien herunterladen (Nein lieber Kulturspeicher, deswegen ist das noch kein Podcast) und sich an bestimmten Werken den passenden gesprochenen Kommentar anhören. Nette Idee für Leute, denen es nicht peinlich ist, mit einem mp3-Player auf den Ohren durchs Museum zu laufen.