Archiv für den Monat: Juni 2007

Ob’s hagelt oder schneit

Das in dieser Woche wegen dem schlechten Wetter entfallene Residenzweinfest aka Hofschoppen findet nächste Woche statt. Definitiv. Ob es stürmt, hagelt oder schneit. So hat es die nach wie vor nette Dame am Hofkeller-Telefon gesagt.

Also: Vom 2. – 6. Juli 2007 Weinfest im Hofgarten zu Würzburg. Regenjacke und Schlitten bei Bedarf mitbringen.

Kopfkino und Minishuttelparty

Morgen Abend findet im Cairo in Würzburg eine Lesung der Literaturzeitschrift Belletristik unter dem Namen “Kopfkino” statt, die im Moment durch Deutschland reisen. Verschiedene junge Autoren dieser Zeitschrift lesen dabei aus kurzen Stücken ihrer Prosa- und Lyrikwerken vor, seien sie schon veröffentlicht oder nicht.

Einlass ist um 19.30 Uhr, Beginn um 20.00 Uhr. Bei schönen Wetter findet die Lesung im netten Innenhof des Cairo statt — wie es also im Augenblick aussieht doch eher Drinnen. 😉

Nach der Lesung, so gegen 22.00 Uhr, gibt es noch in Gimmick: Es fährt ein Shuttelbus (kostenlos) vom Cairo zum Immerhin, wo Shokei und The Popes The Pope ein Konzert geben. Und die Shuttler bekomme noch einen Euro beim Eintritt erlassen. Genannt wird das “die kleinste Shuttelparty Deutschlands” 😉

Wir protestierten, auf allen Vieren

Mir klingeln noch die Ohren. Gerade eben fand in der Innenstadt eine Demonstration für den Erhalt einer 1. Klasse in der Burkarder Schule statt. Die kleine Schule an der Bastion überhalb des Cairo ist schon länger verwaltungstechnisch mit der Steinbachtal-Schule zusammengelegt und ihr Einzugsgebiet ist das Mainviertel bis hinter zur Frankenwarte.

Nun haben sich für das kommende Schuljahr ca. 56 Kinder für die Verwaltungsgemeinschaft Steinbachtal-Burkarder-Schule angemeldet, davon wollen nur 12 (angeblich mittlerweile 14) Kinder in die Burkarder-Schule, teils weil das für sie näher ist, teils weil schon Geschwister in der Schule sind oder auch beides. Nun will das Schulamt aber nur zwei Klassen genehmigen, die beide in der Steinbachtal-Schule stattfinden sollen, also zwei Klassen á ca. 28 Schüler. Für die Kinder aus dem Burkarder Viertel wird aber kein Schulbus zur Verfügung gestellt werden. Und das passt den Eltern der 12 Burkarder Kinder und einigen anderen gar nicht, sie wollen eine eigene Klasse in der Burkarder Schule, auch weil in den nächsten Jahren eh mit einem Anstieg der Anmeldungen zu rechnen ist. Und sie haben Angst, dass die Schule mittelfristig ganz geschlossen wird. Soweit das Problemfeld in aller Kürze.

Habe wir keine wichtigeren Sorgen, mag sich da manch einer denken? Doch, bestimmt, aber das ist ja kein Grund deswegen die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Und heute Mittag zogen ca. 100 Kinder, Eltern und Unterstützer aus dem Mainviertel mit 1500 Unterschriften laut lärmend zum Würzburger Rathaus. Dort wurden die Unterschriften Frau Beckmann in Anwesenheit von Frau Schäfer und Herrn Al Ghusain überreicht. In der akustisch schwierigen Diskussion (viele Kinder mit Pfeifen und Trommeln!) kam heraus, dass die Stadt natürlich nur das Beste will (welch Überraschung), teilweise nicht zuständig ist (welch Überraschung) und das es bei der ganzen Sache einige Kommunikationsversäumnisseâ„¢ auf Seiten der Stadt, Schulamt, Regierung und Schulleitung gab (welch Überraschung). Wer jetzt wie, was und warum falsch oder richtig gemacht hat, kann ich kaum noch sagen und unterscheiden.
(Nebenbei bemerkt: Es ist gut zu wissen, dass der Ohrwurm “Wir protesieren, auf allen Vieren” nach wie vor auf Platz Eins der Demo-Charts zu finden ist ;-))

Ich habe keine große Ahnung schon Schulpolitik und noch weniger Ahnung vom Schulwesen in Würzburg, in dessen Genuss ich nie kam. Aber ich finde es schlimm, dass immer mehr kleine Stadtteilschulen geschlossen bzw. zusammengelegt werden. Ganz besonders bei Grundschulen.
Ich bin damals in die Grundschule gegangen, die mir am nächsten war. Dort waren nur Kinder, die auch nicht weit weg von mir wohnten. Man kannte sie schon vom Spielplatz, man kannte teilweise ihre Eltern und meine Eltern kannten sie. Es war für den Beginn meiner Schulzeit ein soziales Umfeld, das ich gewohnt war. Und das hätte ich nicht missen wollen.
Später, im Gymnasium, war das natürlich anders. Aber da war ich selbst schon mobiler in der Stadt, durfte schon längere Strecken zu Freunden mit dem Fahrrad fahren und weider daheim sein, wenn die Straßenlaternen angehen. Aber in der Grundschule war das alles noch recht vertraut.

Eine Stadtteilschule hat direkten und indirekten Bezug zu dem jeweiligen Stadtviertel und wird wiederum von diesem beeinflusst. Und eine Beschneidung der Schule ist auch immer eine Beschneidung des Viertels. Wenn es keine Grundschule in der Nähe gibt, dann ist es für junge Eltern weniger attraktiv dahin zu ziehen. Dadurch leidet der Einzelhandel vor Ort, die Leute ziehen weg, der Stadtteil verödet und schon bald brennen die Mülltonnen auf der Straße.

Ich übertreibe maßlos? Stimmt! Aber man muss als Staat oder Stadt nicht jammern, dass die Kindern gerade in jungen Jahren ein solideres soziales Umfeld brauchen, wenn man mit solchen Aktionen das Gegenteil bewirkt. Und auch eine Stärkung des altehrwürdigen Mainviertels ist — gerade im Leonhard-Frank-Jahr — bestimmt nicht verkehrt.

Bilder der Demostration hier.

Dodal normal

[Update: Für die Dauer des CSD gibt es auch einen Regenbogen-Kilian im Blogheader. So! 😉 ]


Was ist normal? Wer ist normal? Welche Lebensweise ist normal? Diese Frage versucht der diesjährige Christopher Street Day in Würzburg zu beantworten. Wie in den letzten Jahren wird für die verstärkte Akzeptanz von Homosexuellen in Gesellschaft geredet, demonstriert und gefeiert.

Sind Lesben und Schwule “total normal” in Würzburg? Ja und Nein.
Normal ist, dass ich tagtäglich mit vielen Homosexuellen zu tun habe. Von manchen weiß ich es, von vielen nicht. Stört mich auch nicht. Ich käme gar nicht auf den Gedanken, mir darüber Gedanken zu machen. Ich mache mir ja auch keine Gedanken darüber, ob jemand Linkshänder ist. Oder ein Knüller, Wickler oder Falter. Was juckt es mich, wen diese Person küsst oder mit wem sie Sex hat?

Normal sind Homosexuelle in der Gesellschaft aber noch nicht. Zwar dürfen sie inzwischen heiraten. Aber wo? In Würzburg ist es nach wie vor nicht möglich, dass ein homosexuelles Paar im Trausaal im Rathaus heiraten darf. Warum? Mit einer katholischen Argumentation zu kommen, ist selbst in einer Bischofsstadt fehl am Platz. Das Standesamt und der Trausaal ist eine Sache des Staats und der Stadt, da spielen Glaubensfragen keine Rolle. Woran scheitert es dann?
Der Stadt Angst vor einer “Kontamination des Trausaals” vorzuwerfen schießt meiner Meinung nach weit am Ziel vorbei. Ich glaube eher, dass ein Teil des Stadtrats dem Phänomen Homosexualität unsicher und etwas misstrauisch gegenüber steht.

Und um genau solche Unsicherheiten und solches Misstrauen abzubauen, dafür ist der CSD in Würzburg auch da. Auf den politischen Kundgebungen, auf dem Straßenfest, bei der Demonstration und bei den Partys kann man Schwule und Lesben kennenlernen. Und auch Heterosexuelle (Ja, da gibt es beim CSD auch einen signifikanten Anteil!). Und das witzige ist: man kann beide oft nicht auseinander halten. Gut, man sieht Männer, die sich weiblich geben. Aber hey, wir Leben in der Zeit einer Werbeikone namens David Beckham, der mehr Make Up verwendet als meine Frau! Sicher, ein “tuntiger Schwuler” kann mich tierisch annerven. Aber das kann ein machomäßiger Heterosexueller auch. Dann liegt es an der Person und nicht am Gehabe. Ich kenne und mag sowohl auch einige “Tunten” als auch einige Machos. Und manche eben nicht, unabhängig von ihrer sexuellen Neigung.

Der CSD beginnt an diesem Freitag, 28. Juni 2007 mit dem politischen Empfang um 19 Uhr im Rathaus. Eröffnet wird er durch die Schirmfrau Marion Schäfer, als Gäste sprechen noch die Bundesvorsitzende der Grünen und Bald-Tirili-DJane Claudia Roth (da kann man bestimmt schon Zettel mit Liedwünschen abgeben ;-)) und Simone Tolle.

Freitag Abend ist dann csd.volution im Zauberberg mit Livemusik von Kim Davis. Samstag findet von 14.00 Uhr bsi 22.00 Uhr das Straßenfest auf dem Paradeplatz hinterm Dom statt und um 15.00 Uhr der Demozug durch die Würzburger Innenstadt. Um 22.00 Uhr ist CSD-After-Show-Party (bitte erspart mir die alten Scherze) im Art am Berliner Ring. Sonnatgs ist langer Brunch im Fuege an der Juliuspromenade und ab 19.00 Uhr rollt der Schoppen-Express verkleidet als Prosecco-Express über Würzburgs Straßenbahngleise.
Das genauere Programm und weitere Informationen finden sich hier.

Wer sich akustisch auf den CSD in Würzburg einstimmen will, kann das gerne mit der Würzmischung #2 tun. Reinhören lohnt sich! 😀

Preview von Wuerzburg-Online?

Gerade habe ich in der Statistik des Würzblog geschaut, wieviele Besucher heute von der U&D-Seiten gekommen sind (ca. 50), da ist mir etwas ins Auge gestochen. Ein Besuch von wuerzburg.de? Die offizielle Stadtseite von Würzburg hat das Würzblog und alle Blogs doch bisher immer recht erfolgreich ignoriert.

Neugierig wie ich bin, habe ich auf den Referrer geklickt und — Schwupps — blinkt mir ein unbekanntes Design entgegen, inklusive eines Testlinks auf das Würzblog — welch Ehre. Ob das wohl der Entwurf für eine Neuauflage von wuerzburg.de ist? Sieht aber noch nach schwerer Baustelle aus, da geht noch kaum was.

Wuerzburg.de
Was das Headerbild aussagen will? “Es wird Nacht um Würzburg” oder was? 😉

Petrus gegen Bacchus im Hofgarten – 1:0

Ob es den U&D-Veranstaltern ein Trost ist, dass das Residenzweinfest auch im Regen zu versinken droht? Ich glaube nicht. Aber der Wetterbericht sieht für Würzburg in den nächsten Tagen nicht sehr rosig aus.

Hartgesottene können das Weinfest im Hofgarten der Residenz natürlich immer von 15.00 Uhr bis 23.30 Uhr besuchen, Weicheier wie ich nutzen die eventuell vorhandenen Regenpausen.

Update: Und weil es gar nicht rosig aussieht, habe ich mal beim Staatlichen Hofkeller angefragt. Und siehe da: Das Weinfest in der Residenz ist für diese Woche abgesagt. “Wenn Petrus mitspielt, dann wird es nächste Woche stattfinden”, so die nette Dame am Telefon. Schau mer ma!.

U&D 2007: Toll. U&D 2008: Ungewiss

[Update: Wer den Veranstaltern des U&D seelische Streicheleinheiten geben will, der darf das gern in den Kommentaren tun.]

Nun ist es vorbei, das Umsonst & Draußen in Würzburg. Und hoffentlich wird es im nächsten Jahr wieder eines geben. Denn dieses Jahr waren nur ca. 55000 Besucher auf dem Platz, ungefähr halb so viel wie im letzten Jahr. Schuld war wahrscheinlich das eher schlechte Wetter vor allem am Samstag. Und dieser verdammte Regen hat auch dafür gesorgt, dass der Platz nun aussieht wie Sau. Damit könnten auf den U&D-Verein noch die Kosten für die Wiederinstandsetzung zukommen. Hier könnte Frau Schäfer doch anfangen, ihr Versprechen umzusetzen, das sie bei der Eröffnung des U&D gegeben hat. Nämlich alles dafür zu tun, dass es das Festival auch weiterhin geben wird. Denn wenn die Veranstalter auch diese Kosten voll übernehmen müssten, könnte es beim Kassensturz recht eng werden.

Ich habe dieses Jahr wirklich mein Bestes gegeben, um das U&D ins finanzielle Plus zu bringen; die netten Damen am Weinstand hatten mir schon einen eigenen Namen verliehen “(Herr Müller”). Und überhaupt habe ich die Würzburger Blogosphäre recht häufig gesehen. Am Samstag gab es sogar sowas wie ein zufällig und spontan entstandenes Bloggertreffen mit Frau Schaaf und Herrn Schaaf, Al Gore, Daylight und mir. Da haben wir gleich die Gunst der Stunde genutzt und die Würzmischung #5 gepodcastet.

Bon's BallsViele tolle Bands hab ich am Samstag gehört, aber eine hat den Vogel wirklich abgeschossen: Bon’s Balls. Eine “poplige Coverband” hat es wirklich geschafft, den schlammigen Platz vor der D-Bühne zum Kochen zu bringen und alle Singer/Songwriter alt aussehen zu lassen. Die Band wurde noch unterstützt von Mitgliedern von AB/CD und Barock, zwei weiteren AC/DC-Coverband aus der Region. Björn hat es schon richtig auf der Bühnen angekündigt: es war ein All-Star-Treffen.

Sonntag ist der Tag des Herrn, auf das U&D übersetzt heißt das immer: den Nachmittag im Schatten verbringen und entspannen. Ein bisschen hier mal reinschauen und mal dort reinhören. Und möglichst wenig bewegen. Außer mal ein wenig beim Kinderzelt jonglieren. Und recht erschöpft die Würzmischung #6 aufnehmen.

The Robocop KrausDann aber kam als Beinah-Abschluss des Festivals noch ein richtiger Konzert-Kracher. The Robocop Kraus. Die Band habe ich ja schon mal im Cairo gehört, wo sie auch fantastisch waren. Aber was auf einer kleinen Bühne gut klappt, muss ja auf einer großen Open-Air-Bühne nicht unbedingt gut gehen.
Aber es ging gut. Mehr als gut. Es ging unglaublich gut. Die D-Bühne war zwar nicht brechend voll mit Zuhörern (lag’s an Bananafishbones?), aber die waren alle um so voll er dabei und ließen die Mittelfranken erst nach drei Zugabeliedern gehen. Großartige Musik vom Allerfeinsten.

Ein grandioses 20. Umsonst & Draußen, aber leider unter einem schlechten Stern. Noch sind die Jungs am Abrechnen, aber es sieht wohl nicht sehr gut aus. Höchstens wenn sich die Pro-Kopf-Getränke von 0,7 auf 7,0 gesteigert hätten … ;-(

Ich würde mir die Augen rausheulen, wenn es im nächsten Jahr kein U&D geben sollte. Kann da nicht die Stadt mal aushelfen um eine der größten kulturellen Veranstaltungen in Würzburg am Leben zu erhalten?

Bilder vom U&D gibt es hier. Die Podcasts bei der Würzmischung.