Was unseren kleinen Eisenhüttenstadt-Blog angeht trügt die Hoffnung leider, da ich just zu dem Zeitpunkt nicht in Berlin sein kann.
Ich bedauere dies wirklich, denn es gibt laut herumgeschickten Plan durchaus einige grundsätzliche Aspekte, die ich gern besprechen würde.

Da dies nicht gehen wird, halte ich hier einmal zwei,drei Überlegungen zu den in der e-Mail erwähnten Punkten fest.

Ein Hauptproblem, das wir in Eisenhüttenstadt haben, ist das „Recruiting“ von Autoren, die diszipliniert und ausdauernd schreiben wollen und können. Die Anreize, die man gemeinhin bieten kann, dürften in der Regel die soziale Anerkennung innerhalb eines überschaubaren Leserkreises kaum überschreiten. Von einem (eigenständigen) Stadtblog, der seine Autoren bezahlen kann, habe ich bislang jedenfalls noch nichts gehört…

Die bei uns gegebene zahlenmäßige Begrenztheit der Beiträger macht andererseits die redaktionelle Kontrolle verhältnismäßig leicht. In der überwiegenden Zahl der Fälle müssen lediglich Kommentare auf Themennähe geprüft und freigeschaltet werden. So richtig viele sind es nicht und daher hält sich der Gesamtaufwand in Grenzen. Durch die generelle redaktionelle Prüfung gelangt zudem keinerlei Spam mehr ins Blog – ein Problem, welches uns in der Frühphase noch ordentlich plagte und manche Stunde Lebenszeit stahl.

Was das Feedback anbelangt, fällt auf, dass wir zwar viel gelesen werden – die Nutzungsstatistiken und auch das persönliche Gespräch lassen jedenfalls darauf schließen – die Leser aber nicht unbedingt zu direkter Rückkopplung neigen. Vielleicht ist dies eine Ostbrandenburger Spezialität, man kennt es ja immerhin auch aus anderen Lebensbereichen. Mich interessiert dennoch, ob diese Zurückhaltung auch anderswo auftritt.

Insofern fällt es schwer, die Erwartungen der Leserschaft einzuschätzen und so bleibt auch im Dunkeln, ob man uns aufruft, weil es in einer so kleinen Stadt wie unserer verhältnismäßig wenige mediale Alternativen mit Regionalbezug gibt, oder ob das Zielpublikum tatsächlich auch gern liest, was im Blog steht.

Der maßgebliche Aspekt, mit dem alles steht und fällt, und der in der e-Mail vermutlich aufgrund seiner Grundsätzlichkeit gar nicht zur Sprache kam, ist der der Zeit. Selbst wenn man flink schreibt, erfordert ein solider Text durchaus mal eine Stunde oder sogar anderthalb (mit Recherche und Bildbearbeitung). Sofern man mitten im (blogfernen) Erwerbsleben steht und parallel noch Privatleben führt, ist dies nicht allzuwenig. Andererseits will man auch eine gewisse Frequenz aufrechterhalten (und den eigenen Mindestanspruch an die inhaltliche Qualität genügen). Hier würde mich relativ akut interessieren, wie die Kollegen vom Stadtblogging-Fach dieses Problem handhaben.

Kein Problem stellt dagegen, jedenfalls bei uns, die inhaltliche Profilierung dar, die m.E. für ein sinnvolles Stadtblog grundlegend ist. Die Größe des Rahmens richtet sich zunächst einmal natürlich nach der Größe der Stadt und der Intensität des Lebens in dieser. Da können die Hauptstadtblogger naturgemäß ganz anders aus den Töpfen der Urbanität schöpfen, als die Planstadtblogger aus den Shrinking Cities.

Aber auch im zweiten Fall bedarf es einer Art stabilen ideellen Basiskonzeptes, von dem ausgehend man seine Betrachtungen etc. verfasst. Naheliegend ist ganz klar die persönliche Sicht auf die Dinge, was ich auch als Blogleser prima finde, wenn man denn die Inhalte nicht in zuviel Selbstbespiegelung ertränkt. Leser mögen meist auch die subjektive Sicht (deshalb gibt es in den Regionalblättern ja auch gern Kolumnen), klicken aber ziemlich schnell fort, wenn es zu reinem Ego-Blogging wird und ihnen die inhaltlichen Anknüpfungspunkte fehlen. Die Balance zu finden, zwischen der Insider-Wahrnehmung und dem Outsider-Publikum, dürfte für den Erfolg bzw. Misserfolg eines Stadtblogs nicht unerheblich sein.

Wobei zu definieren bleibt, was „Erfolg“ hier bedeutet. Ökonomisch ist es – jedenfalls bei uns – ein kräftiges Zuschussgeschäft, wenn man den Arbeitsaufwand miteinrechnet. Wer durch Werbeeinnahmen seine Serverkosten decken kann, ist in der Regel gut dran, wobei sich hier eventuell auch Unterschiede zwischen den Großstadtblogs mit einer potentiell vielleicht fünfstelligen Leserzahl und uns Kleinstadtblogs mit einer realistisch mittleren dreistelligen zeigen.

Wenn man wirklich gern bloggt, kann allerdings auch schon die Tatsache, dass es da draußen tatsächlich eine Handvoll Leute gibt, die immer wieder kommen(tieren), als Erfolgsdefinition ausreichen. Und selbstverständlich die Freude am (Stadt)Bloggen an sich.

Unterm Strich bleibt vielleicht als weiterzugebende Erfahrung, dass es eine gute Leitlinie ist, wenn man so schreibt, dass man den Text auch gern lesen würde, wenn ihn jemand anderes geschrieben hätte.

Ich wünsche viel Spaß in Berlin und grüße herzlich!

Ben