Archiv für den Monat: August 2008

Der Himmel blau und Würzburg bunt

Der Samstag stand bei mir ganz im Zeichen des CSD. Das Wetter war unverschämt gut, dementsprechend voll war die Alte Mainbrücke. Das heißt, sie wäre schon ohne den CSD voll gewesen. Aber mit hunderten Schwulen, Lesben und Heterosexuellen zusätzlich war die Brücke fast unpassierbar.

Ich blätter mal in meinem Notizbuch

  • Auch wenn Room2021 der Top-Act des CSD war, fand ich sie grauenhaft. Das ist Musik wie man sie im Baumarkt hört, wenn man vier 20-Liter-Eimer Wandfarbe auf dem Wagen hat und nach den 18er-Dübeln sucht.
  • Wenn die Alte Mainbrücke nicht so schmal wäre, dann könnte man dort öfters Konzerte oder ähnliches veranstalten. Sie gab gerade in den Abendstunden eine tolle Kulisse ab.
  • Mein absoluter musikalischer Top-Act waren das Moderatorenpaar “Die Lottis“. Joy Stick und Vivi Marode gaben witzig-böse Lieder von sich, dass es eine helle Freude war. Von denen würde ich gerne mal einen eigenen Auftritt sehen (Wink mit dem Zaunpfahl an alle Würzburger Veranstalter).
  • Auf wenn die CSD-Parade im Vergleich zu Köln oder Berlin ein Witz ist, fand ich sie mit 600 Teilnehmern ganz ordentlich, aber auf jeden Fal noch steigerungswürdig.
  • Die politische Eröffnung war im Vergleich zu den Vorjahren sehr gut besucht. So gut, dass ich mich auf dem Boden niederlassen musste. Aber es wurde nicht lange geredet.
  • Steffi List hat wirklich Spaß am Singen und einen herzerweichend schönen Schweinfurter Dialekt.
  • Ein CSU-Mitglied hat es auf der CSD-Redenbühne deutlich schwerer als die Kollegen von der FDP, SPD, Linke und von den Grünen. Und dem Herrn von der Linken sollte man sagen, dass ein Mikrophon dafür da ist , eben nicht mehr schreien zu müssen. Aber mit Mikro zu schreien tut einfach nur in den Ohren weh.

Bilder gibt es im 23hq-Album, ein paar kommen vielleicht noch dazu.

    Trinkunsitten im Ausland

    Mein Gesicht ist von kaltem Schweiß bedeckt, meine Hände zittern beim Tippen dieser Zeilen. Was ich soeben gelesen habe, hat mich als Unterfranken doch existenziell geschockt.
    Dirk Würtz beschreibt in seinem Blog eine Trinkunsitte in seiner rheinhessischen Heimat — ich traue mich kaum, es zu schreiben: Cola mit Wein gemischt. So, jetzt ist es raus. Ein Cola-Schoppen! Das kann man doch nicht trinken! Hier geht es nicht um eine Frage des Geschmacks, sondern um die Zugehörigkeit zur Spezies Mensch, wenn nicht sogar zum Stamm der Wirbeltiere.

    Via Rue Clue — der auch noch ernsthaft darüber nachdenkt zu probieren. Obwohl er Vater ist … und Unterfranke. 😉

    Würzburg allgemein verunsichert und einer geht nicht hin

    Auch wenn mir die Veranstaltung an sich sonstwo vorbeigeht, so vermute ich doch stark, dass sich jemand über die Tatsache freuen wird, dass die Erste Allgemeine Verunsicherung am 7. Oktober 2008 ein Konzert im Congress Centrum Würzburg geben wird — sich gleichzeitig aber in den Arsch beißen wird, dass da keine Schulferien sind. 😉

    Die Schönheit der Schlichtheit beim Weinfest in Grombühl

    Die Weinfeste in der Stadt neigen mehr oder weniger dazu, Schickimicki-Veranstaltungen zu sein. Am Sektstand stehen die überschminkten Zahnarztgattinen, braun wie eine Brezel und einem ebensolchen Laugengeschmack, dauerelternfinanzierte BWL-Studenten im 16. Semester trinken sich in Vorbereitung auf ihren Job im Spitzenmanagement den letzten Rest Hirn raus, die Wirte zelebrieren den teuren Verkauf ihrer Ladenhüter.

    Es ist nicht so, dass ich da ungern hingehe, mit einem großen Vorrat an Ironie macht mit das sogar richtig Spaß. Aber manchmal will ich einfach ein Weinfest, ein gemütliches, ehrliches, unaufgeregtes, bodenständiges Weinfest.

    Und da gibt es zum Glück das Weinfest am Wagnerplatz in Grombühl, welches heute beginnt und noch bis Montag dauert.

    Da sitzt der Oberarzt, der in der Nähe Uni-Klinik wohnt, neben dem Hartz IV-Empfänger. Man trifft die Nachbarn und schwätzt mit ihnen, Legenden der U-Musik wie Bruno & Rainer spielen zum Tanz auf, am Sonntag gibt es mittags Braten und am Montag abends den Vegetarieralbtraum Kesselfleisch.

    Die Fußballer des TSV Grombühl, die das Fest zum 35. Mal veranstalten, haben mit dem Weinfest etwas wohltuend Unspektakuläres geschaffen. Und ich bin auch wieder dabei, der Weg ist ja nicht weit. 🙂

    CSD 2008 in Würzburg — los geht’s

    In diesen Minuten wird der Würzburger CSD 2008 eröffnet, der Kilian im Würzblog-Kopf trägt wieder die Farben des Regenbogens. Also, das heißt, eröffnet wird der CSD im Cineworld in Dettelbach. Aber heute ist eh nur Vorgeplänkel, morgen geht es dann richtig los, am Samstag die Post ab und am Sonntag zu Ende.

    Der Christopher Street Day müsste in diesem Jahr eigentlich eine Siegesfeier sein. Denn seit kurzem steht der Trausaal auch homosexuellen Paaren offen, damit auch sie in den Genuss der geschmacklosen Tapete kommen dürfen. Gleiches Recht für allle. Das Thema Trausaalöffnung war zumindest der Dauerbrenner der vergangenen CSDs in Würzburg. Genau wie die hartnäckige Weigerung des Stadtoberhaupts Pia Beckmann, Schirmherrin der Veranstaltung zu sein. Aber auch das hat sich ja geändert, El Chefe persönlich wird morgen um 19.30 Uhr die politische Eröffnung … eröffnen und Adelheid Rupp wird weiterreden. Der gemütliche Teil danach findet im Zaubergarten statt und geht in die csd.volution im Zauberberg über.

    Der Samstag ist für’s Volk. Ab 14.00 Uhr geht das CSD Straßenfest los. Zum Glück und leider auf der Alten Mainbrücke. Zum Glück, weil es dort einfach schön ist. Leider, weil es da einfach eng ist und eine Menge Menschen — und Touristen — laufen darauf hin und her. Da eine Bühne, Infostände, Bänke und feierlustige Homo- und Heterosexuelle — ich könnte mir vorstellen, dass das ganz schön eng und ungemütlich werden kann. Eigentlich wollten die Veranstalter auf den Unteren Markt, aber da ist die Weinparade.In dem Zusammenhang ein kurzes Zitat aus einer Pressemitteilung:

    Die Stadtverwaltung räumte uns gegenüber Kommunikationsdefizite im Rahmen der Vergabe des Standorts Unterer Markt ein. Wir nehmen dies zur Kenntnis und hoffen für die zukünftigen Jahre auf eine kooperativere Art der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

    Das klngt mir fast danach, als hätten die Weinfest-Wirte nachträglich den Vorrang erhalten. Hm.

    Egal. Kein CSD ohne Demo. Und die zieht — Autofahrer aufgepasst — ab 15.00 Uhr durch Karmelitenstraße, Juliuspromenade, Schönbornstraße, Domstraße und endet wieder am Vierröhrenbrunnen mit der Abschlusskundgebung, bei der Volker Beck, Jens Brandt, Aron Schuster, Marco Schneider und Wolfgang Ziller sprechen werden — und teilweise ganz nebenbei Stimmen für die Landtagswahl sammeln wollen. Auf der Mainbrücke gibt es auch Musik, reichlich Musik. Die beiden Topacts — im Sinne der Bekanntheit, nicht unbedingt im Sinne meines musikalischen Geschmacks — sind Room2012 (Oh Gott, Autogrammstunde um 11.00 Uhr im MDonalds!) , die Gewinner der letzten Popklone- Popstars-Staffel, und Steffi List, die bei Stefan Raabs Dingsbums den 3. Platz machte und mit mir die Geburtsstadt teilt. Naja, es gbt ja zum Glück reichlich Alkohol. Um 21.00 Uhr ist Aids-Gedenkminute und ab 22.00 Uhr verlagert sich die Party ins plan.b in die Mainaustraße.

    Sonntags ist nur noch Stadtführung und Proseccoexpress (mit Voranmeldung) angesagt — und früh ins Bett gehen.

    Weinmarkt … ähhh … Weinparade

    Was von Weitem aussieht wie die Jahrehauptversammung der Zipfelmützeninnung ist in Wirklichkeit die Weinparade auf dem Marktplatz in Würzburg. Ja, in diesem Jahr auf dem Marktplatz, die Wirte haben sich gegen die Läuse geschlagen gegeben. Aber darf das Fest denn noch Weinparade heißen? Der Name hat sich ja vom Paradeplatz abgeleitet, auf dem es — beim ersten Mal noch als Ausweichort für das Weindorf — immer stattfand. Jetzt müsste es eigentlich Weinmarkt heißen. Denn — ohne zu unken — die Weinparade wird nicht mehr das sein, was es sie war. Sie hat seit ihrem Bestehen sehr von dem Ambiente unter den Bäumen und an der Rückseite des Doms gelebt.Da können die Wirte noch so sehr kleine Bäumchen in Blumentöpfen hinstellen — das ist nicht das selbe.

    Natürlich werde ich dem Weinmarkt eine Chance geben, aber ich erwarte im Moment eigentlich nur einen Abklatsch des Weindorfs mit anderen Zelten. Aber ich lasse mich gerne angenehm überraschen.

    Die Weinparade oder wie auch immer geht von heute bis zum 7. September 2008, jeweils von 11.00 Uhr bis 23.30 Uhr (um Mitternacht ist Rausschmiss). Wenn sich kein Anwohner beschwert. 😉

    Blogoscoop und auch ein wenig regionaler Bezug

    Die Lücke, die das Ende von Blogscout in der deutschen Blogosphäre hinterlassen hat, konnte lange Zeit nicht geschlossen werden. In Hinsicht der Blogbeiträge ist sie von Rivva geschlossen worden, wenn auch auf etwas andere Weise, aber in Sachen Blogverzeichnis und — gaaaaanz wichtig 😉 — in Sachen Blog-Schwanzvergleich gab es seitdem nichts, was zumindest mir gefiel.

    Seit letzter Woche ist aber blogoscoop öffentlich nutzbar geworden. Hier kann man sein Blog — oder seine Blogs — völlig kostenlos eintragen, die RSS-Feeds für Beiträge und/oder Kommentare angeben, Schlagworte und Beschreibungen für das Blog vergeben und wenn man will, auch Geo-Koordinaten, um es auf einer Karte anzeigen zu lassen. Und einiges mehr.
    Man kann auch andere Blogs beurteilen nach Eindruck, Nachricht, Meinung und Verlinkung.

    Diese Daten werden dann von blogoscoop herangenommen, um zu berechnen, wieviel Seitenaufrufe (pi) das Blog hat, wieviele Kommentare eingehen, wie das Ranking in anderen Verzeichnissen (google, rivva, technorati, etc.) ist. Für Statistiker und Zahlenfetischisten interessant ist dann auch die kumulierte Statistik, also wieviele Artikel im Schnitt in einem Blog geschrieben werden, wieviele Seitenaufrufe das Durchschnittsblog hat, die Verteilung Männlein und Weiblein inklusive der Themen.

    Für einige ist sie totalsuperwichtig — die Liste der meistgelesenen Blogs. Schwanzvergleich pur! Alle Blogs, die ein blogoscoop-Banner auf ihrer Seite haben, werden hier nach Seitenaufrufen pro Monat sortiert dargestellt. Für mich ist das nicht so interessant, denn selbst mit einem ganz gut laufenden Placeblog habe ich nicht den Hauch einer Chance in die oberen Ränge vorzustoßen — da ist beim Würzblog schon per Definition die Zahl der potenziellen Leser nicht allzu hoch. Aber für den einen oder anderen mag das recht spannend sein.

    Interessanter ist die Ranking-Seite, bei der man etwas differenzierte Ranglisten erstellen kann. Welches ist das älteste Blog aus Bayern, das sich mit Kultur beschäftigt? Diese Kriterien kann man sich schön zusammenklicken und bekommt dann die passende Liste. Nett, sehr nett.

    Für mich als Placeblogger ist die Funktion sehr nett, dass blogscoop angibt, welche Blogs geographisch in der Nähe sind — sofern die Blogger die Koordinaten ihres Blogs angegeben haben. Noch habe ich da keine neuen Blogs gesehen, aber mit knapp 2000 registrierten Blogs steht der Dienst auch noch am Anfang.

    Die Entwicklungsgeschwindigkeit der Seite ist noch recht hoch, in der letzten Woche wurde schon fleißig an Verbesserungen gebastelt.

    Ein wirklich schöner Dienst, den uns Martin Kunzelnick & Co da zur Verfügung stellt. Nichts wirklich wichtiges, aber nett zum Spielen und Stöbern, manchmal sogar informativ. Nicht perfekt, aber auf einem guten Weg dahin. Was mir noch nicht gefällt?

    • Die Zahl der Seitenaufrufe enthält auch die Aufrufe des Bloggers selbst, was die Zahl schon mal massiv verfälschen kann, wenn man selbst auch gerne auf dem eigenen Blog herumturnt.
    • Die Bewertung der anderen Blogs ist mir nicht verständlich. Was bewerte ich da eigentlich? Vielleicht ist Bewertung überhaupt der falsche Audruck. Bis auf für den Punkt “Eindruck” (Mag ich, mag ich nicht) sind es mehr Einschätzungen hinsichtlich der Themenvielfalt, der Objektivität und der Verlinkungsfreudigkeit (von der nicht mal weiß, warum die wichtig sein sollte).
    • Fünf Schlagworte zur Beschreibung des Blogs sind mir zu wenig. Die doppelte Anzahl würde eine etwas feinere Suche ermöglichen. Wenn die Zahl der registrierten Blogs mal deutlich ansteigt, dann kommt man mit dem Tag “Internet” nicht mehr weit.
    • Das freie Taggen erschwert die Suche etwas. Vergebe ich ans Würzblog das Schlagwort “Placeblog” oder “Stadtblog”. Bei nur fünf möglichen Tags muss ich mich fast für eines entscheiden, bin dann unter dem anderen aber nicht zu finden. Wobei ich da nicht weiß, wie man das Problem lösen kann. Synonymlisten entstellen? Sehr aufwändig. Schlagworte vorgeben? Zu eng, auch blöd.

    Nicht viel Kritik so auf die Schnelle, aber ist ja ok. 😉

    Ich hoffe nur, dass es den Dienst mindestes so lange geben wird wie Dirks Blogscout. Oder am besten noch viel länger.