Die Schönheit der Schlichtheit beim Weinfest in Grombühl

Die Weinfeste in der Stadt neigen mehr oder weniger dazu, Schickimicki-Veranstaltungen zu sein. Am Sektstand stehen die überschminkten Zahnarztgattinen, braun wie eine Brezel und einem ebensolchen Laugengeschmack, dauerelternfinanzierte BWL-Studenten im 16. Semester trinken sich in Vorbereitung auf ihren Job im Spitzenmanagement den letzten Rest Hirn raus, die Wirte zelebrieren den teuren Verkauf ihrer Ladenhüter.

Es ist nicht so, dass ich da ungern hingehe, mit einem großen Vorrat an Ironie macht mit das sogar richtig Spaß. Aber manchmal will ich einfach ein Weinfest, ein gemütliches, ehrliches, unaufgeregtes, bodenständiges Weinfest.

Und da gibt es zum Glück das Weinfest am Wagnerplatz in Grombühl, welches heute beginnt und noch bis Montag dauert.

Da sitzt der Oberarzt, der in der Nähe Uni-Klinik wohnt, neben dem Hartz IV-Empfänger. Man trifft die Nachbarn und schwätzt mit ihnen, Legenden der U-Musik wie Bruno & Rainer spielen zum Tanz auf, am Sonntag gibt es mittags Braten und am Montag abends den Vegetarieralbtraum Kesselfleisch.

Die Fußballer des TSV Grombühl, die das Fest zum 35. Mal veranstalten, haben mit dem Weinfest etwas wohltuend Unspektakuläres geschaffen. Und ich bin auch wieder dabei, der Weg ist ja nicht weit. 🙂

ralf

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

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10 Antworten

  1. mojo sagt:

    für mich ist sowohl NUR das eine (finanzierte bwl-studenten) als auch NUR das andere (“die ganzen einheimischen prols” whoever they are..) unerträglich..
    es gibt eben auch nicht nur schwarz oder weiß… die mischung machts halt, ne?!

  2. stefan sagt:

    Lieber finanzierte BWL Studenten als die ganzen einheimischen Prolls, die auch im nüchternen Zustand keinen geraden deutschen Satz rausbringen…

  3. Jetzt würde mich aber noch interessieren, woher Ralf weiß, dass eine braungebrannte Zahnarztgattin nach Lauge schmeckt? 🙂

  4. Robby sagt:

    Nur ich kann dem Grombühler Weinfest – wie schon in den Vorjahren – mal wieder gar nix abgewinnen. Wenn das ganze ohne die gräßliche und laute Musik abgehen würde, wäre es ein schönes Fest. Aber so … nein, das kann ich dann auch nicht mit viel Ironie im Speicher durchziehen …

  5. flocu sagt:

    Schön gesagt und gut getroffen!

  6. mojo sagt:

    @werner

    auf dem land ist die welt noch in ordnung?
    inwiefern ist sie das und was ist da anders?

  7. werner sagt:

    Schön und schlicht geschrieben und so wahr!!! Die anderen Weinfeste sind nicht unbedingt schlecht aber in den letzten Jahren habe sie einfach immer mehr abgedreht. Da macht es langsam keinen Spass mehr! Ich bevorzuge immer mehr kleine Weinfeste auf dem Land da ist die Welt auch noch in Ordnung!

  8. mojo sagt:

    ja, mir zum beispiel auch..
    seh ich auch so, daß die weinfeste immer ungemütlicher und schnöseliger werden..
    schade, daß ich am wochenende hier nicht ansässig bin, bruno & rainer hätte ich mir ja gern mal angetan..(mitsamt dem drumrum)..  😉

  9. allgaeuerinfranken sagt:

    Spitze, perfekt, auf den Punkt!!! Mir (und anderen wahrscheinlich auch) aus der Seele gesprochen!!! Chapeau und darauf einen Schoppen!!!

  1. 28. Mai 2010

    […] (30.-31.07.2010) fast pausenlos bis zur  Weinparade (26.08. – 05.09.2010) und zum Weinfest in Grombühl (üblicherweise letztes Augustwochenende) durchschöppeln. Wer dann noch Luft hat kann noch  das […]

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