Geliebte und ungeliebte Söhne und Töchter

Die Würzburger SPD ruft zu Zivilcourage gegen Rechts auf. Ein Aufruf, den man nur unterstützen kann. In dem Zusammenhang stört sich die SPD daran, dass in dem Wikipedia-Eintrag von Würzburg unter der Rubrik “Söhne und Töchter der Stadt” auch Nazis aufgeführt werden.

Die Auflistung „Söhne und Töchter der Stadt“ enthält laut Lexikoneintrag eine „Übersicht (über) bedeutende, in Würzburg geborene Persönlichkeiten“. „Wir wollen nicht, dass unsere Stadt sich im Internet mit Nazi-Verbrechern schmücken muss und haben daher die wikipedia-Betreiber aufgefordert, künftig genauer zu kontrollieren, was auf ihren Seiten geschieht“, so Schneider. „Natürlich muss man aus Chronistenpflicht auch diese Personen auflisten bzw. vermerken. Nur sollte das nicht in einem Kapitel geschehen, das mit der Überschrift „Söhne und Töchter der Stadt“ eindeutig positiv besetzt ist“, ergänzt Schneider. „Das könnte man am Ende als Leser so verstehen, als sei unsere Stadt stolz auf diese Söhne. Und das ist sie eben nicht.“

Und da haben wir wieder das beliebte Würzburger Problem mit der Semantik. Mal ist es das Wort “Provinz”, diesmal sind es “Söhne und Töchter”. Ich muss gestehen, “Söhne und Töchter” gefällt mir auch nicht, das ist mit viel zu pathetisch, sowohl bei den “Guten” als auch bei den “Bösen”. Ich kein Sohn Würzburgs, auch kein Sohn Schweinfurts. Ich bin Sohn meiner Mutter und meines Vaters und bin Bürger Würzburgs.

Was statt dessen als Überschrift nehmen? Persönlichkeiten? Kann man ebenso positiv besetzen. Personen? Da wäre die aktuelle Liste schon 130.000 Zeilen lang. Bekannte Personen? Bekannte Bürgerinnen und Bürger? Damit könnte ich persönlich leben. Die Überschrift “Liste bekannter Bürgerinnen und Bürger der Stadt, unabhängig davon, ob die Stadt stolz auf sie ist oder sich wünscht, sie wären nicht nur nicht in der Stadt, sondern gar nicht geboren” ist leider zu lang.

Aber es ist mir auch relativ egal, wenn “Söhne und Töchter” bleibt. Denn auch NS-Kriegsverbrecher sind Söhne ihrer Eltern, und ob die so stolz auf ihr Kind gewesen sind? Da wäre ich mir nicht immer sicher.

So liebe SPD, da seid ihr sogar in die Süddeutsche gekommen und habt damit Wirbel gemacht. Aber mir stellt sich noch die Frage, warum ihr erst jetzt damit kommt. Der Eintrag zu Alfred (Alfred, nicht Ernst!) Jodl in dem Würzburg-Artikel ist zum Beispiel seit Mai 2005 vorhanden. Hat in den letzten dreieinhalb Jahren kein couragierter Sozialdemokrat den Artikel gelesen? Und hat auch niemand von euch verstanden, wie die Arbeitsweise der Wikipedia ist? Da muss man gar nicht an den Vorstand schreiben, da gibt es zu jedem Artikel eine Diskussionsseite. Dort hättet ihr einfach schreiben können “Hey, die Überschrift Söhne und Töchter finden wir blöd, kann man die nicht ändern?”. Dann hätte es vermutlich ein wenig Palaver gegeben und die Sache wäre vielleicht schon gelöst. Da sollte einem Demokraten doch das Herz aufgehen. Aber damit wäre man nicht in die SZ gekommen, nicht mal in die Mainpost. 😉

Aber ihr könnt euch an dem gerade entstehenden WürzburgWiki beteiligen, da könnt ihr gleich von Anfang an alles richtig machen. 😉

Die liebsten Lieder des Manfred Kunz

Heute Abend findet die vorletzte Folge der aktuellen Staffel von my favourite tracks statt. Auf der Talkbühne sitzt neben Dennis Schütze Manfred Kunz. Manfred dürfte einem bekannt sein als Vorstand der Filminitiative, als Autor bei der Nummer, als Blogger bei Zunder der Blog, er schreibt für diverse Zeitungen und Zeitschriften, und, und, und. Ein Mann, dem wohl selten langweilig sein dürfte und auf dessen zehn liebsten Lieder ich schon sehr gespannt bin.

Die Musiktalkshow findet heute, 3. Februar 2009, um 20.00 Uhr im Keller des Pleicherhof statt, Eintritt wie immer kostenlos.