Elena, die kleine Datenkrake vom Heuchelhof

Seit vorgestern wohnt ja Elena in Würzburg. Neee, nicht die Elena, die andere. Unsere Elena wohnt bei der Deutschen Rentenversicherung, ich vermute mal in einem Appartement in der Berner Straße 1, Inneneinrichtung und Hausmeister wurden gestellt. Mit vollem Namen heißt sie “Elektronischer Entgeltnachweis” und sie lässt sich schon gerne mal alle “einkommensrelevanten Informationen” von ca. 40 Millionen Arbeitnehmern schicken. Also wer wann wie viel verdient hat zum Beispiel, praktisch, wenn man Arbeitslosengeld oder ähnliches berechnen will. Und weil Elena noch Platz in ihrer Wohnung hat, da hat sich die Regierung gedacht, sie lagern bei ihr im Keller noch gleich weitere Daten ein. Ob der Arbeitnehmer gestreikt hat, wie viel Fehlzeiten er hatte, ob es Abmahnungen gab und so weiter.

Nicht dass diese Daten vorher nicht irgendwo zu bekommen waren, aber hey — muss das alles in Elenas Keller gebunkert werden, ohne zu wissen, ob man sie mal braucht? Und mit solchen eingelagerten Vorratsdaten ist es wie mit eingemachten Obst. Wenn man es einkocht denkt man sich, die Einmachgläser werden erst aufgemacht, wenn der Schnee einen halben Meter hoch ist. Aber letztendlich sind nach zwei Wochen 80% der Gläser schon leergefuttert. Oder wie es das Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein 2008 geweisagt hat:

Sind Daten einmal vorhanden, sind diese schnell vielfältigen Begehrlichkeiten ausgesetzt, gegen die die Betroffenen keine Abwehrmöglichkeiten haben

Elena, du kleine Datenkrake vom Heuchelhof, merk dir wenigestens ein paar Sachen: Nicht gierig werden, die Haustüre immer schön abschließen, Fenster geschlossen halten, nicht besoffen auf Weinfesten ins Plaudern kommen. Vielleicht klingel ich mal irgendwann bei dir — darf ich ja.

ralf

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

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9 Antworten

  1. Anonymous sagt:

    Das ELENA-Konzept geht auf einen Vorschlag der Hartz-Kommission zurück und ist somit ein SPD-Projekt. Daher verwundert es nicht, das die Arbeinehmervertreter (Gewerkschaften) bisher so zögerlich reagierten.

    Gegen die Datenkrake ELENA gibt es jetzt eine Online-Petition, von Peter Casper. Die E-Petition kann über die Seiten des Deutschen Bundestages erreicht werden. Ende der Mitzeichnungsfrist 02.03.2010

    Bitte mitzeichenen und weitersagen!
    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=8926

  2. Da bin ich auch gespannt, wie das noch ausgeht. Schöner Artikel!

  3. Sepp sagt:

    Das mit dem Klingeln wird vor 2012 wohl nichts: http://www.das-elena-verfahren.de/teilnehmer

    “Im ELENA-Verfahren besteht ab 2010 für den Teilnehmer ein Anspruch auf Auskunft über die zu seiner Person gespeicherten Daten. Eine Auskunft ist vor 2012 aber nicht realisierbar, da der Abruf durch die abrufenden Stellen erst ab 2012 möglich ist.”

  1. 3. Januar 2010

    Gewürzblogt: Elena, die kleine Datenkrake vom Heuchelhof http://tinyurl.com/yddsxbo (via @wuerzblog)

  2. 3. Januar 2010

    RT @wuerzblog Elena, die kleine Datenkrake vom Heuchelhof http://short.to/12b3n

  3. 4. Januar 2010

    RT: Würzblog – Elena, die kleine Datenkrake vom Heuchelhof http://tinyurl.com/yh2vecd

  4. 4. Januar 2010

    […] “Da wird” eben nicht “alles drauf gespeichert”, es wird zentral (in Würzburg) gespeichert. Das ist ja das […]

  5. 27. Januar 2010

    […] Und gerade mich als steu­er­zah­len­der, arbei­ten­der, rei­fer und erwach­se­ner Bür­ger die­ser Stadt würde mich eine Begren­zung der Öffnungs­zeit auf 1 Uhr wäh­rend der Woche ärgern, aus einem ganz ego­is­ti­schen Grund: Ich arbeite hin und wie­der mal bis spät in der Nacht im Büro. Und ich freue mich schon immer dar­auf, dann end­lich das Büro zu ver­las­sen und irgendwo in der Stadt noch einen Absa­cker zu trin­ken — manch­mal auch zwei. Und das darf ich dann nicht mehr? Das heißt, ich muss mir tags­über eine Fla­sche Schnaps kau­fen, die ich dann auf dem Heim­weg trin­ken darf, flan­kiert von Män­nern in Uni­form? Und wenn ich einen Platz pas­siere, an dem Alko­hol­ver­bot herr­schen wird, muss sich sie ver­ste­cken? Nicht dass mich die Video­über­wa­chung dabei erwischt, die die Daten wahr­schein­lich gleich zum Heu­chel­hof lei­ten wird. […]

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