Buntbund

Würzburg ist bunt

Würzburg ist bunt
Nein, sie kamen nicht nach Würzburg, die Rechten am 1. Mai. Der Naziaufmarsch fand nur in Schweinfurt statt.
Dafür waren 5000 Menschen auf der Straße, um für Würzburg ist bunt zu demonstrieren. Keine schlechte Zahl, aber so wirklich umgehauen hat sie mich auch nicht. Bei über 130.000 Einwohnern hätte ich schon mehr erwartet, in Schweinfurt — gut 50.000 Einwohner — waren ca. 8.000 Menschen auf der Straße. Und das, obwohl sich die CSU Schweinfurt — traurig, traurig — offiziell nicht an dem Bündnis Schweinfurt ist bunt und an der Demo beteiligt hat. Und Schweinfurt hatte auch über 800 Rechtsextreme auf der Straße.

Hier in Würzburg haben sich die Gegner des — zu dem Zeitpunkt noch ungewissen — Naziaufmarschs am Hauptbahnhof gesammelt. Irgendwie. Wir haben uns irgendwo hingestellt und waren dann eingekeilt zwischen dem IG-Metall-Block und dem WUF-Block. Als heterosexueller Freiberufler fiel mir die Wahl, bei wem ich jetzt mitlaufen will, nicht schwer und wir sind mit dem WUF-Block in Richtung Marktplatz gezogen.

Würzburg ist bunt
Und das war recht unspektakulär. Wie man auch am Tag der Arbeit um die Mittagszeit nicht anders erwarten kann, war die Würzburger Innenstadt recht leer und damit auch recht zuschauerarm.

Am Marktplatz wurden dann die Kundgebungen aufgefahren. Ich habe nur so mit halben Ohr zugehört, da ich lieber mit Moggadodde geschwätzt habe, aber es wird wohl was in Richtung “Rechts ist doof” gewesen sein.

Und alle Redner konnte ich auch — selbst wenn es nicht geschüttet hätte — gar nicht hören, da ich mit einem schwulen Freund in Café eines italienischen und damit ausländischen Freundes verabredet war. Buntes Leben halt.

7 Gedanken zu „Buntbund“

  1. Ich muss Armin widersprechen – gerade diese “Normalo-Berichte”, die sehr persönlich gefärbt sind, animieren in Zukunft vielleicht mehr Bürger zum Demonstrieren. Viele scheuen vor solchen politischen Aktionen zurück und es ist gut zu lesen, dass dort ganz normale Menschen teilnehmen, die auch mal schwätzen. Es müssen in Zukunft nicht die politischen Aktivisten aktiviert werden, sondern die “normalen” Bürger.

    Eine objektive Zusammenfassung der Reden bzw. Inhalte erwarte ich nicht hier im Würzblog, sondern in der Mainpost. Zumindest erwarte ich sie dort, aber in der heutigen Ausgabe wurde ich da etwas enttäuscht.

    Und die Essenz ist wie so oft im Würzblog im letzten Absatz zu finden. Demonstrationen hin oder her – das alltägliche Leben muss bunt sein und bunter werden, nur darauf kommt es an!

    1. @Günther, wie recht du hast: Buntes Leben muss von möglichst vielen gelebt werden. Nicht nur am ersten Mai. Und wie schön es wäre, wenn das alle Menschen genauso sähen wie du und ich! Dann bräuchte sich niemand mehr die Mühe zu machen, Demos gegen Naziaufmärsche zu organisieren und durch Kundgebungen an das politische Gewissen der aufgeklärten Bürger zu appellieren. Die Realität ist halt leider eine andere – bei uns in Würzburg zugegebenermaßen zwar harmlos, aber dass es in gewissen Gegenden Deutschlands schon ganz anders aussieht, brauche ich nicht zu erwähnen.

      Wenn ich dich richtig verstehe, sind dir die Demonstrationen ja auch nicht so ganz unwichtig. Und da wünsche auch ich mir natürlich eine tiefergehende Berichterstattung von der Presse, um die Message der ganzen Aktion auch an die Nicht-Teilnehmer heranzutragen. Aber wie du ja selbst an dem enttäuschenden Mainpost-Artikel festgestellt hast, sind eben nicht ohne Grund halt doch wieder die Blogger gefordert. Nicht zuletzt deshalb konnte ich das mit dem “Rechts ist doof” nicht so stehen lassen. Das hat ein brillanter Redner wie der genannte A. Emmerling einfach nicht verdient.

      Mal ehrlich. Bei aller Sympathie für Ralfs persönlich gefärbte (und oft differenzierte) Berichte über das öffentliche Geschehen in unserer Stadt, die ich wohl mit den meisten anderen Bloglesern teile:
      Ich kann mir nur schwer vorstellen wie sich jemand zur Teilnahme an etwas animiert fühlen soll, das mit einem Bericht beschrieben wird, der von lustlosen Ausdrücken wie “irgendwo hingestellt”, “unspektakulär”, “recht zuschauerarm” dominiert wird und dessen Überschrift genauso gut “Leute, Ihr habt nix verpasst” heißen könnte. Auch mit größter Unvoreingenommenheit und zweimal-drüber-schlafen kann ich leider kein anderes Fazit aus dem Artikel ziehen.

      Aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben und insofern, @Petra, gebe ich deinen nett gemeinten Tipp hiermit an all diejenigen weiter, die bei der Demo nicht dabei waren und sich durch die Würzblog-Lektüre vielleicht darin bestätigt sahen, nichts versäumt zu haben.

  2. @armin w: tip einer treuen leserin an einen treuen leser: lies dir den beitrag unvoreingenommen durch ohne etwas hineinzuprojezieren. dann wirst du auch weniger enttäuscht werden. 🙂

  3. Ohje Ralf – jetzt enttäuschst du mich aber!
    Es hat schon was von Selbstgerechtheit, wenn du einerseits den Mangel an Zuschauern kritisierst, es andererseits aber selbst nicht für nötig gehalten hast, den Rednern, in dem Glauben, all ihre Aussagen schon vorher zu kennen, wenigstens mit einem ganzen Ohr zuzuhören.
    Vor allem aber wäre ich vorsichtig mit der schnöden Zusammenfassung “Rechts ist doof.” – genau dies war nämlich gerade nicht die Kernbotschaft von z. B. Andreas Emmerling (Würzburger Bildungsprotest, vorletzter Redner).

    Niemand beschwert sich wenn du keine Zeit für die Kundgebungen hattest. Aber Privates sollte in diesem Fall privat bleiben und nicht daran schuld sein, dass verfälschte Berichterstattung deine Leser in die Irre führt. Sonst sind das nächste Mal noch weniger Zuschauer da.
    So seh’ ich das. Grüße eines treuen Lesers

  4. also, wenn ich mir anschau, wer da alles in Schweinfurt auf der Demo war… Ich hatte das Gefühl, lauter bekannte Gesichter aus Würzburg zu sehen. Du siehst also, die Würzburger waren nicht nur auf der Straße gegen die Nazis, nein, sie waren auch zu einem guten Stück DORT auf der Straße, wo man auch WIRKLICH gegen die Nazis demonstrieren musste… 😉

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