So sehr auch ich die akute Bedrohung des Pleicher Hofs als eine wertvolle Instanz der Kulturszene bedauere, so muss ich doch, da gerade jetzt entscheidende Fakten öffentlich geworden sind, viele Kritikpunkte der allenthalben erhitzten Gemüter, besonders sichtbar z. Zt. im Gästebuch der Stadt-Website, relativieren! Und hier muss ich Schreibmaschine beipflichten.

Die Verantwortung für den Erhalt bzw. Verlust eines solchen Kulturguts liegt nun mal keineswegs allein bei der Stadtverwaltung, auf die jetzt kräftig geschimpft wird, sondern in erster Linie beim Betreiber selbst. Die sich jetzt offenbarende Haltung, mit der man den Pleicher Hof jahrelang sehenden Auges auf Messers Schneide betrieben hat, ist jedoch alles andere als verantwortungsvoll:

Nicht nur, dass fünf Jahre lang ein Keller in der Innenstadt de facto – das wird niemand abstreiten – als Discothek/Tanzclub betrieben wurde, während eine entsprechende Genehmigung weder vorlag, noch jemals beantragt wurde, erscheint waghalsig. Auch die Erklärung von ‚Ued‘ gegenüber der Mainpost, „Das Tanzen versuche er zu unterbinden, indem er Tische auf die Tanzfläche stellt“ [sic!], um den Schein seiner angemeldeten „Musikbar“ zu wahren, klingt nicht gerade nach dem Bemühen um eine solide rechtliche Grundlage, sondern vielmehr nach dem verzweifelten Bemühen, die Kontrolle der Einhaltung der gaststättenrechtlichen Vorschriften zu umschiffen. Ueds Aussage dürfte insbesondere bei Gästen des Pleicher Hofs auf Verwunderung stoßen, denn die kennen die Realität.

Man hoffte wohl entweder, das Ordnungsamt würde von dieser Realität niemals Kenntnis erlangen, oder dass dieser Zustand bis in alle Ewigkeit von der Stadt geduldet wird. Eine derartige Praxis hat womöglich in manchem Berlin-Friedrichshainer Kiez Aussicht auf Erfolg, aber leider halt nicht in unserer bayerischen „Provinz“-Stadt. So sehr es uns gut täte, zuviel „Weltniveau“ eckt an.