Archiv für den Monat: Oktober 2010

Gebrannter Mandelsonntag

Heute ist wieder der alljährliche Mantelsonntag in Würzburg. Und in diesen Jahr kann der Bauer — oder mittlerweile allgemeiner: Konsument — endlich seinen Wintermantel kaufen. Und seine Wintersocken. Und die Winterdigitalkamera. Und den Wintergurkenhobel.

In diesem Jahr kann man auch Wintermäntel in die Stadt bringen. Das Bayerische Rote Kreuz macht am Theatervorplatz eine Drive-In-Kleidersammlung für die FairKauf-Kleiderläden in Würzburg, Kitzingen und Ochsenfurt.

Sonst kann man sich in vielen Läden in Würzburg wieder totshoppen. Die Häfelesmesse ist auf dem Marktplatz auch noch. Und das an einem Sonntag, was ja der Kirche ein Dorn im Auge ist. Der katholischen Kirche. Denn die evangelische Kirche juckt in Würzburg — knapp ein Viertel der Bevölkerung ist evangelisch — eh keinen, denn sonst hätte man den Mantelsonntag wohl nicht auf den Reformationstag gelegt — auch wenn er in Bayern kein gesetzlicher Feiertag ist. Der Stadtrat zickt für einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag noch herum, aber das wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis er kommt. Aber lieber Stadtrat — wegen mir müsst ihr nicht hetzen. Ich werde zwar heute mal in die Stadt gehen, aber das mache ich an fast jedem verkaufsgeschlossenen Sonntag auch.

Vorgezogenes Halloween und tiefe Dankbarkeit

Heute Nacht wird die Uhr um eine Stunde auf Winterzeit zurückgestellt. Und die Halloween-Partys in Würzburg drehen die Uhr im Gegenzug um einen ganzen Tag nach vor. Halloween ist eigentlich die Nacht vor Allerheiligen (daher der Name), also in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November. Aber um den üblichen Ärger um das Tanzverbot an Allerheiligen zu umgehen, wird in diesem Jahr scheinbar Halloween um einen Tag vorverlegt. Wenn das auch mit Heilig Abend und dem 1. Mai so gemacht wird, dann bin werfe ich meinen Kalender endgültig weg.

Halloween ist ja nicht so mein Ding. Zum einen bin ich damit einfach nicht aufgewachsen, zum anderen hasse ich Verkleidungen, was zum Teil auch meine Abneigung Fasching gegenüber erklärt. Doch ich gestehe offen, dass ich in den letzten Jahren gern auf eine Halloween-Party– unverkleidet — gegangen bin, nämlich die im Immerhin. Dort wurde Halloween immer sehr stilvoll gefeiert, da waren Grusel & Horror nicht nur kleine Etiketten, sondern im wahrsten Sinne greifbar. Ich weiß nicht, wie es in diesem Jahr im Immerhin sein wird. Es gibt eine Halloween-Party, aber es kann sein, dass in den neuen Räumen — deutlich näher an der Innenstadt — die schauderhafte Intimität der Nacht verloren geht. Mal sehen, vielleicht wühle ich mich heute dort mal durch Blut und Gedärm! 😉

Wohin ich heute auch müsste, das ist das Laby. Nicht aus Halloween-Gründen, sondern um meinen Dank und meine Huldigung zu überbringen. Denn dort spielt heute Dead United, die Band, die mich in den letzten Wochen durch Nachschichten im Büro gerettet hat. Wenn JQuery verrückt spielt, der Internet Explorer wieder zickt oder die Variable, die im Programm seit Stunden nicht das Ergebnis liefert, das sie liefern sollte, einfach einen Tippfehler enthält — dann haben mich Lieder wie “Tentacles” oder “We are the fiends” den Lebensmut nicht verlieren lassen. Neben der Horrorpunk-Band mit der schaurigen Bühnenshow spielen dort heute noch The Crimson Ghosts, Staatspunkrott und Deathtrap auf der Bühne, Eintritt 8 €.

Ach ja: Die Haydnstraße hält sich an die Tradition und feiert von Sonntag auf Montag. Brav! 🙂

Update: Ok, das wufzentrum gruselt auch am Sonntag. 😉

Für saubere Kinos und saubere E-Mails

Liebe Programmkinoleute!

Ihr braucht eine Reinigungskraft auf 400-Euro-Basis für das Programmkino, ok. Dringend und sofort, ok. Bewerbung per E-Mail, ok. Aber warum müsst ihr mir dafür eine Mail in Comic Sans schicken? Was hab ich euch getan? Besitze ich keine Menschenrechte? Das macht man nicht, das kann ganz bös ins Auge gehen! Ging es auch, und zwar in meines! Autsch!

Charly Heidenreich

Flammende Rede, leere Geldbeutel und ein Konzert

Charly HeidenreichDas ist Charly Heidenreich. Arg unscharf, zugegebenermaßen. In Wirklichkeit ist er deutlich schärfer und er rödelt sich seit Jahrzehnten(!) in Würzburg den Arsch ab, um originelle und musikalisch anspruchvolle Musik — Art- und Progressiverock — in die Stadt zu holen. Er veranstaltet jedes Jahr das Freakshow-Festival, schleppte ausländische Künstler ins Immerhin, Cairo, Pleicherhof, Posthalle und wer weiß noch wohin.

Tja, da hat er sich ein hehres Lebensziel gesteckt, in einer Stadt wo die Einwohner nicht unbedingt berühmt dafür sind, dass sie ihren Horizont erweitern wollen. Und so musste Charly lernen, dass solche Nischenkonzerte ganz schön an den Geldbeutel gehen. Zwar vermute ich, dass einige Künstler schon eine Charly-Spezialgage verlangen, aber ganz für umsonst wird da auch kaum jemand auftreten.

Aber jetzt hat mich seine letzte Mail erschreckt — beim letzten Panzerballett-Konzert waren nur 28 zahlende Gäste da. Und es war nicht so, dass 972 Gäste kostenlos da waren, insgesamt würde ich die gesamte Zuhörerzahl auf 35 schätzen. Nun habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich Charlys Einladung gefolgt bin und zu den Nichtzahlern gehört habe.
Aber ein wenig erstaunt war ich an dem Abend schon. Klar hat man in den letzten Monaten schon Gelegenheit gehabt, Panzerballett in Würzburg zu hören und exzessive Werbung hat Charly auch nicht gerade betrieben. Aber so wenig Besucher bei einer doch deutschlandweit bekannte Band, die auch schon im Fernsehen war? Und der Eintrittspreis war mit 10 € auch nicht unbedingt hoch, dafür bekommt man woanders nicht mal zwei Cocktails.

Oder ist die Zeit für so eine Musik abgelaufen? Aber das mag ich nicht glauben. Zwar spielen bei Charly auch schon Bands, die es in den 70ern oder 80ern gab, aber doch auch viele “jüngere” wie z. B. Panzerballett. Und gerade ist die stilistische Bandbreite im Art- und Progressiverock dermaßen groß, da wird ja kein Musikstil als mehr oder weniger spürbarer Einfluss ausgelassen.
Ok, die Musik ist oft nicht so eingängig und tanzbar wie andere Musikrichtungen — Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber sie ist doch immer überraschend und unbewöhnlich, man muss nur mal den Mut haben, seine alten Hörgewohnheiten aufbrechen und sich darauf einzulassen.

Uff, flammende Rede nicht nur für eine Musikrichtung, sondern eine musikalischen Offenheit! 🙂

Heute Abend gibt es wieder Gelegenheit, sich auf Neues einzulassen. Im Cairo spielt um 20.30 Uhr die Band mit dem wunderschönen Namen La Société des Timides à la Parade des Oiseaux (gelobt seit Copy & Paste ;-)), abgekürzt La STPO. Sie  klingen schräg, sind völlig radiountauglich, mischen alles was geht zu einem ungewöhnlichen Musikkonzept  und regen zu solchen Zitaten an: “avantgardistisches postpunkscharmützel mit jazzappeal”. Eintritt kostet 10 €. Tut also Charly und euch selbst einen Gefallen und hört es euch zumindest mal an. 🙂

Karten für die Premiere für “Big Deal?”

Das Theater Ensemble haut ja Premieren raus wie manche Sportvereine Pressemitteilungen. Heute ist schon wieder Premiere im kleinen Theater  in der Zellerau, da wo der Rand der Würzburger Scheibenwelt befindet.

Das neue Stück heißt “Big Deal?”, ein Stück “über Familien-, Kommunikations- und Drogenprobleme”, für das neulich auch noch eine Schauspielerin gesucht wurde. Gefunden wurde zwar keine, darum spielt Sabrina Kohl — die in allen Stücken dabei war, die ich vom Theater Ensemble gesehen habe (2) — die Rolle.

Zuletzt sah ich Sabrina in “Die Fremdenführerin”, wo ich bei der Wiederaufführungs-Premiere war. Kein schlechtes Stück, ein wenig zu pathetisch und symbolisch vielleicht, mit einem erst mal leicht nervenden Szenenwechsel-Soundtrack — und es gibt ständig neue Szenen. Läuft übrigens noch bis Ende November.

Bei dieser Aufführung war ich seit Langem wieder mal im Theater Ensemble selbst. Das ist ja eigentlich schon ein süßes kleines Theater! Der Vorraum eine Mischung aus Wohnzimmer und Kneipe, der Zuschauerraum winzig klein, es hat aber eine wirklich schöne Atmosphäre. Ein Tipp für alle Menschen, die größer als 1,80 Meter sind — setzt euch alten Schulgewohnheiten zum Trotz in die erste Reihe, eure Knie werden es euch danken!

Aber zurück zu “Big Deal?”, das noch bis Anfang Dezember immer am Mittwoch und Donnerstag gespielt wird. Denn es gibt wieder 2×2 Karten für den heutigen Premierenabend zu gewinnen. Dafür einfach diese Frage in den Kommentaren beantworten, die ersten beiden richtigen Kommentare dürfen dort heute die Premiere mitfeiern:

Wie heißt der berauschende Wirkstoff im Marihuana mit vollem Namen?

Wer die Antwort ohne Nachschlagen und Vertippen geben kann, der sollte vielleicht ganz dringend mal in das Stück gehen! 😉

Iris Piers und Solander auf der Studiobühne

Das klingt sehr  interessant und wird bestimmt ebenso interessant aussehen. Heute Abend zeigt die niederländische Filmemacherin und Videokünstlerin Iris Piers einige ihrer Werke auf der Cairo Studiobühne. Einige Filme sind Videos für die schwedische Band Solander, die heute Abend auch da sind und einige Filme auch musikalisch unterlegen werden. Los geht es um 21.00 Uhr, der Eintritt kostet 3 €. Die Studiobühne ist nicht sehr groß, darum sollte man nicht so spät hingehen.

[vimeo]http://www.vimeo.com/10540405[/vimeo]

Was weiß der schon!

Na, das wird der Verschönerungsverein Würzburg und der AK Denkmalschutz aber gar nicht gern gehört haben, was Professor Julian Wékel, Vorsitzender der Petrini-Preis-Jury, anlässlich der Preisverleihung gesagt hat.

„Mut“ war ein Begriff, den die Redner bei der Preisverleihung besonders häufig gebrauchten. Der Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Julian Wékel aus Darmstadt, sprach von dem Mut, auch in einem historischen Umfeld zeitgemäße und individuelle Architektur-Lösungen zuzulassen. Nur dadurch könne man der zunehmenden Vereinheitlichung der Innenstädte entgegen wirken: „Städte stehen untereinander in einem Wettbewerb und müssen deshalb nach außen zeigen, dass sie Lebensqualität bieten“, so Wékel. (Laut Mainpost)

Zeitgemäße Architektur in einem historischen Umfeld, Ihhhhh! Naja, das kam von einem Professor für Architektur und Regionalentwicklung, was kann der schon wissen!? Oder er wurde gekauft. Oder noch besser: Er wurde als Ahnungsloser gekauft! Denn das Wissen darum, was gute Architektur und Städtebau ist, liegt ja wohl bei den Kunsthistorikern, Dr. phils, Uni-Angestellten und ehemaligen Postbeamten. Jawoll!

Übermut und Frühstart

Die Genossenschaft Programmkino Würzburg wird aber ganz schön übermütig. Jetzt wollen sie beim Wettbewerb “miteinander” des Bayerischen Rundfunks mitmachen, bei für die beste, originellste, etc. ehrenamtliche Initiative in Bayern abgestimmt werden kann.

Nicht dass ich dem Central Programmkino (darf ich den Hashtag #ceproki) vorschlagen?) das Preisgeld nicht gönnen würde, aber bisher ist bis auf zwei Versammlungen, ein paar Filmen im Chambinzky und im Theater Ensemble und einer Genossenschaftsgründung, die keiner so richtig mitbekommen hat, noch nicht sooo viel passiert. Im nächsten Jahr, nach vielen Vorführungen im Moz, da fände ich eine Teilnahme bei so einem Wettbewerb in Ordnung. Aber schon jetzt?

Aber gut, manche bekamen schon einen Friedensnobelpreis mit noch weniger Taten, warum soll da ein Programmkino ohne Filmprojektor nicht auch einen Preis gewinnen.