Charly Heidenreich
Events,  Kultur,  Musik

Flammende Rede, leere Geldbeutel und ein Konzert

Charly HeidenreichDas ist Charly Heidenreich. Arg unscharf, zugegebenermaßen. In Wirklichkeit ist er deutlich schärfer und er rödelt sich seit Jahrzehnten(!) in Würzburg den Arsch ab, um originelle und musikalisch anspruchvolle Musik — Art- und Progressiverock — in die Stadt zu holen. Er veranstaltet jedes Jahr das Freakshow-Festival, schleppte ausländische Künstler ins Immerhin, Cairo, Pleicherhof, Posthalle und wer weiß noch wohin.

Tja, da hat er sich ein hehres Lebensziel gesteckt, in einer Stadt wo die Einwohner nicht unbedingt berühmt dafür sind, dass sie ihren Horizont erweitern wollen. Und so musste Charly lernen, dass solche Nischenkonzerte ganz schön an den Geldbeutel gehen. Zwar vermute ich, dass einige Künstler schon eine Charly-Spezialgage verlangen, aber ganz für umsonst wird da auch kaum jemand auftreten.

Aber jetzt hat mich seine letzte Mail erschreckt — beim letzten Panzerballett-Konzert waren nur 28 zahlende Gäste da. Und es war nicht so, dass 972 Gäste kostenlos da waren, insgesamt würde ich die gesamte Zuhörerzahl auf 35 schätzen. Nun habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich Charlys Einladung gefolgt bin und zu den Nichtzahlern gehört habe.
Aber ein wenig erstaunt war ich an dem Abend schon. Klar hat man in den letzten Monaten schon Gelegenheit gehabt, Panzerballett in Würzburg zu hören und exzessive Werbung hat Charly auch nicht gerade betrieben. Aber so wenig Besucher bei einer doch deutschlandweit bekannte Band, die auch schon im Fernsehen war? Und der Eintrittspreis war mit 10 € auch nicht unbedingt hoch, dafür bekommt man woanders nicht mal zwei Cocktails.

Oder ist die Zeit für so eine Musik abgelaufen? Aber das mag ich nicht glauben. Zwar spielen bei Charly auch schon Bands, die es in den 70ern oder 80ern gab, aber doch auch viele “jüngere” wie z. B. Panzerballett. Und gerade ist die stilistische Bandbreite im Art- und Progressiverock dermaßen groß, da wird ja kein Musikstil als mehr oder weniger spürbarer Einfluss ausgelassen.
Ok, die Musik ist oft nicht so eingängig und tanzbar wie andere Musikrichtungen — Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber sie ist doch immer überraschend und unbewöhnlich, man muss nur mal den Mut haben, seine alten Hörgewohnheiten aufbrechen und sich darauf einzulassen.

Uff, flammende Rede nicht nur für eine Musikrichtung, sondern eine musikalischen Offenheit! 🙂

Heute Abend gibt es wieder Gelegenheit, sich auf Neues einzulassen. Im Cairo spielt um 20.30 Uhr die Band mit dem wunderschönen Namen La Société des Timides à la Parade des Oiseaux (gelobt seit Copy & Paste ;-)), abgekürzt La STPO. Sie  klingen schräg, sind völlig radiountauglich, mischen alles was geht zu einem ungewöhnlichen Musikkonzept  und regen zu solchen Zitaten an: “avantgardistisches postpunkscharmützel mit jazzappeal”. Eintritt kostet 10 €. Tut also Charly und euch selbst einen Gefallen und hört es euch zumindest mal an. 🙂

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

9 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.