Archiv für den Monat: Juli 2011

Planetenfrage

Es ist CSD-Wochenende! Wenn ich an den ersten richtigen Christopher Street Day in Würzburg denke, muss ich schon arg im Gedächtnis kramen — immerhin ist das schon 10 Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere, fand er am Vierröhrenbrunnen statt, an dem sich ein kleines Häufchen Menschen jeglicher sexueller Neigung getroffen hat. Und das Wetter war glaube ich nicht so toll.

Das Wetter ist auch in diesem Jahr wieder nicht so toll — so wird der Regenbogen gespannt über die Jahre. In Sachen Gleichberechtigung für Schwule und Lesben ist in den 10 Jahren viel passiert. Am Montag vor 10 Jahren ist das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft getreten, mittlerweile dürfen Homosexuelle auch im Trausaal heiraten und so bleibt “nur” noch die Punkte Steuer und Adoptionsrecht, um die gekämpft werden muss.

Ich habe bis heute nicht, aber auch gar nicht verstanden, warum man überhaupt für eine Gleichstellung und für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben kämpfen muss. Es ist ja nicht so, dass hier Leute eine Weltanschauung oder Überzeugung bewusst gewählt haben, mit der sich der Rest der Gesellschaft schwer tut. Hier geht es um das menschliche Sein, darum, dass Menschen so sind wie sie sind. Jeder Mensch hat eine Augenfarbe, mit der er geboren wird. Seine oder ihre Fingernägel wachen in einer eigenen Geschwindigkeit. Manche sind groß, manche klein. Andere haben angewachsene Ohrläppchen oder können die Zunge rollen (ich kann’s!). Und manche fühlen sich zu Frauen hingezogen, und andere zu Männern — oder zu beiden. Und das eigene Geschlecht hat damit wenig zu tun. Ok, Männer sind im Durchschnitt größer als Frauen. Und die meisten Frauen fühlen sich zu Männern hingezogen. Aber warum sollte ich auf die Idee kommen, kleine Männer zu diskriminieren? Oder Frauen, die Frauen lieben? Das würde doch überhaupt keinen Sinn ergeben. Es geht hier nicht mal um Toleranz, sondern um ein Akzeptieren auf einer viel tieferen und existenzielleren Ebene.

Und so bin ich in jedem Jahr auf dem CSD in Würzburg und setze durch meine Anwesenheit ein kleines Zeichen für Toleranz (… und eine Menge Spaß hab ich natürlich dort auch! 🙂 ). Aber immer herrscht in meinem Kopf das Gefühl der Surrealität und die Frage, auf welchem Planeten ich mich eigentlich befinde — auf meinem sicher nicht.

Andreas Kümmerts erster Song von Dirt Band

Das Video zu Andreas Kümmerts Lied “Like my daddy said” steht schon zwei Monate auf YouTube und ich hab es erst gestern erfahren — Schande über mich! Das Video ist gleichzeitig Werbung für seine — hoffentlich bald — erscheinende Scheibe “Dirt Band”, auf die ich mich jetzt schon freue.

Ich habe Andreas Kümmert bisher immer nur live und ganz allein mit seiner Akustikgitarre gehört, “Like my daddy said” klang für mich da erst mal richtig ungewohnt, so mit Schlagzeug, Bass und E-Gitarre. Ich finde es aber nicht schlecht (für alle Nicht-Fränkischen-Musikkritiker: Das kommt einer Kaufempfehlung gleich! 😉 ), schöner gradliniger Bluesrock. Bin schon auf den Rest des Albums gespannt. Hau rein, Andreas! 🙂 Wenn die Scheibe fertig ist, wird sie hier und im Radio Würzblog besprochen.

FH Gestaltung Semesterausstellung

3D-Fotos und Papp-UI

FH Gestaltung SemesterausstellungDie Semesterausstellung der Gestalter in Würzburg in diesem Jahr war wirklich gut. Tolle Fotografien — sogar in 3D — und interessante Illustrationen.  Und im Elektrobunker — der abgedunkelte Betonraum, in dem alle Arbeiten im digitalen Bereicht gezeigt wurden –konnte man einem Studenten bei Sitzen zuschauen, dem wiederum eine Kamera zuschaute und ein Rechner anzeigt, ob er ergonomisch richtig sitzt. Oder mit ein paar Pappplättchen wirtschaftliche Zusammenhänge darstellen lassen, zwischen den Plättchen, die ständig gescannt werden und sogar als Menü dienen, und  zieht ein Computer Linien und zeigt die Geldströme an — lässt sich sehr cool bedienen. Ich schlage dafür den Namen PUI vor — Papp User Interface.

Im Erdgeschoss wurden auch Seiten der Main-Post ausgestellt. In diesem Semester haben Studenten Illustrationen für die Main-Post beigesteuert und da waren wirklich tolle Sachen dabei. Nächstes Semester ist leider Praxissemester, da wird es zumindest ein halbes Jahr keine Studi-Illus in der Main-Post geben. Ich hoffe aber, dass die Aktion im übernächsten Semester wieder stattfindet, denn sie hat die Zeitung optisch schon aufgewertet.

FH Gestaltung Semesterausstellung

Gestalterische Machwerke

(via LP10Blog)

So, ich geh dann mal zur Ausstellung in der FH Gestaltung in der Münzstraße. Dort werden die aktuellen Diplom- und Semesterarbeiten gezeigt. Oft sind wird wirklich tolle Fotos, Filme, Printgestaltungen und Designzeugs zu sehen. Oft. Nicht immer ist alles wirklich toll. Ich wäre fast dafür, dass man da mal das Publikum — die Leute, die auch später die Machwerke irgendwo anschauen müssen — über die Werke abstimmen kann. Und das fließt dann mit in die Note ein. Wär doch mal was.

Die Ausstellung geht heute noch bis 17 Uhr.

Hafensommer #5

Mein Gott, vor lauter Arbeit,Wohnungssuche, Hochzeiten und Geburtstagen hätte ich es fast verschwitzt:  Am Freitag beginnt zum fünften Mal der Sommer am Alten Hafen in Würzburg. Der Hafensommer erreicht damit das Vorschulalter und hat sich für mich zum festen Bestandteil des Würzburger Kulturlebens entwickelt — der Korken für das Sommerloch.

Ein kleines Jubiläum ist das schon und in seiner kurzen Geschichte war es ja nicht immer ganz sicher, ob es im nächsten Jahr so wieder stattfinden wird. Aber der kleine Pornodarsteller hat sich durchgebissen und Würzburg auch bei widrigem Wetter viele gute Konzerte beschert.

Zum Jubiläum wurde auf ein kleines Best-Of von Künstlern der letzten Jahre eingeladen —  Sophie Hunger, Beady Belle und Carolin No –,auch wenn sich dieses Best-Of nicht ganz mit meinem eigenen Best-Of deckt. Wo sind Panzerballett, ONJ und Hjaltalin. 😉

Auf meiner persönlichen Konzertliste stehen — Tage, an denen ich eh nicht kann, schon rausgerechnet — Phoneheads & das Philharmonisches Orchester Würzburg (Drum & Bass hämmern mit Klassik), Patty Moon (nur mit meinem geliebten Lindenstraßenfan), Klaus Doldinger’s Passport Today feat. Classic Passport (noch Fragen?), Erdmöbel (nachdem ich sie Dank Spamfilter vor sechs Jahren nicht gehört habe) und The Magnets (ich war noch nie bei einem A-capella-Konzert).

Der Hafensommer tobt sich im Web 2.0 bei Facebook und Twitter aus, was völlig in Ordnung. Schade finde ich aber, dass das Hafensommer-Blog in diesem Jahr noch unberührt geblieben ist (auch wenn dadurch der geile Cartoon von Matthias noch ganz oben steht! 😉 ). Ein Festival, dass eher abseits vom Mainstream ist, sollte sich nicht nur dem Mainstream verschreiben. “Mehr Individualismus” (aus: “The Kings Speech, das wirklich ganz arg echte Original”)

In diesem Jahr übrigens neu: Dauerkarten! Und Rabattkarten! Dauerhafengänger sollten sich das mal ernsthaft überlegen, das kann sich je nach Fanatismusgrad sehr rechnen.

Der Tag vorm Glöckner vom Käppele

Generalprobe am Schützenhof. Nein, da hat sich kein Soldat auf seine anstehende Beförderung vorbereitet, das Sommertheater am Schützenhof hat einen Tag vor der Premiere ihr neues Stück geprobt. Und zwar so richtig geprobt, mit Kostümen, Licht, Text und so. Manchmal auch mit Ton, der hat aber noch ein wenig gezickt. Und mit einer strengen Regisseurin. Aber luschtig war’s! Zumindest für den Teil vom Blogger-/Twitterstammtisch, der sich selbstverpflegend (Schützenhof war zu) zu der Generalprobe begeben hat. 😀

Nach den “Frankenwings” bringen Birgit Süß, Heike Mix, Georg Koeniger und Florian Hoffmann  in diesem Jahr “Der Glöckner vom Käppele” auf die Bretter des Schützenhofs. Eine Geschichte um Liebe und Großenwahn, um Ausländerproblematik und Blasphemie. Und vom Franken an sich, der immer wieder Stoff für epische — Verzeihung — ebische Geschichten abgibt. Kenntnisse in der Würzburger Lokalpolitik und der Grombühler Gastronomie sind da nützlich, aber nicht zwingend.

Die intellektuellen Ansprüche sollte man vielleicht nicht zu hoch schrauben, allerdings auch nicht zu niedrig, da sind schon etliche subtile Gags im Stück. Aber Hey — das ist Theater im Grünen für laue Sommerabende! Wenn das Wetter passt, dann wird das richtig schön am Schützenhof werden, mit Theater zwischen Kabarett, Comedy und Musical. Und diesmal drücke ich den Vieren dermaßen die Daumen, dass das mit dem Wetter auch hinhaut!