s.Oliver Baskets gegen Fraport Skyliners

Hinter dem Korb – Ein Bericht vor dem Spiel s.Oliver-Baskets vs. Fraport Skyliners

Ein Gastbeitrag von Terebinthe

Gameday in der Turnhölle und Terebinthe wieder dabei. Aber diesmal konzentriere ich mich auf das Geschehen vor dem Spiel, die Leute, die für das reibungslose Gelingen und Teile der Logistik verantwortlich sind.

s.Oliver Baskets gegen Fraport SkylinersZwei Stunden vor dem Spiel, ich stehe vor der Halle und frage mich, wieso eigentlich? Es ist kalt, und ich bewundere die anderen Fans, die genauso wie ich hier ausharren, um irgendwann rein zu kommen. Aber da sind wir genau beim Thema, die Fans. Sie sind wie sich im Laufe dieses Artikels hoffentlich noch zeigen wird, mit Fug und Recht der 6. Mann. Junge Autogrammjäger mit Heften zum Sammeln der begehrten Unterschriften mischen sich mit älteren Zuschauern, die die Fanschals nicht nur zur Dekoration tragen. Ein eher inhomogenes Publikum, jung und alt, Cliquen und Familien, ist das der Schlüssel? Auch die selbstverständliche Integration von Rollstuhlfahrern, die wie jedes Mal ihren Platz hinter einem der Körbe einnehmen, beeindruckt beim genauen Hinsehen.

Einmarsch der Gladiatoren: Die Frankfurter Mannschaft kommt als erste an der Halle an, und die Hünen gehen wie selbstverständlich durch die Haupteingänge, ganz leger, teilweise tragen sie Badeschlappen, was im ersten Moment ein bisschen komisch wirkt. Auch erspähe ich einen Spieler, der eine extravagante Haarpracht trägt, eine Mischung zwischen Prinzessin Leia und Sissi, faszinierend. Es ist die Nummer 10 von Frankfurt, Davidson, der zudem, um ein wenig vorzugreifen, vergleichsweise viele Tätowierungen hat und der Paradiesvogel der Mannschaft zu sein scheint.

Vor der Halle spielen Mädchen Hüpfseil, eine Gruppe Schülerinnen kommt mit Videokamera und Stativ bewaffnet an, um für ihre Facharbeit einen Film zu drehen.
Also klappt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sehr gut, ein breiteres Publikum erreichen, viel möglich machen, das beeindruckt.
Die Schlangen vor den Eingängen werden immer länger, und das bei noch über einer Stunde, bevor das Spiel anfängt. Wer also einen Parkplatz in der Nähe haben will, dem sei geraten, früh zu kommen oder doch mit der Straba zu fahren.
Die ersten Würzburger Spieler kommen an, und auch sie gehen wie selbstverständlich durch den Haupteingang in die Halle. Oder gibt es vielleicht gar keinen Seiten-/Nebeneingang?? Eine kleine Beobachtung, die Klatschpappen, das In-Accessoire beim Spiel, klar, wer will sich auch die Hände wund klatschen, außerdem machen die auch ordentlich Krach. Ich geh dann auch mal rein, vor der Halle ist auch nicht mehr viel zu beobachten.

Der entspannte Eindruck, den die Veranstaltung schon von außen gemacht hat, setzt sich im Foyer fort. Es herrscht keine Hektik, alle sind relaxed, haben Spaß und immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Ich spreche mit einem Fanclubmitglied über ihre Arbeit. Die Würzburg Young Stars sind diejenigen, die die Karten für Auswärtsspiele organisieren, die Busfahrten dorthin, und natürlich auch die Stimmung mit Hilfe von Trommeln, Tröten und Fangesängen prägen. Auch vor längeren Strecken schrecken sie nicht zurück, Hagen, Quakenbrück, Berlin, Göttingen, alles wird mitgemacht.

Zudem organisieren sie die „Dekoration“ der Halle, sie verteilen die Klatschpappen und anderes auf den Plätzen. Also Leute, wenn ihr euch das nächste Mal über das Zubehör zum Jubeln auf eurem Sitz freut, denkt mal an die Young Stars. Zu ihren Aufgaben haben sie auch das Leerguteinsammeln nach dem Spiel gemacht, der Erlös daraus wird jeweils einem wohltätigen Zweck gespendet, dieses Jahr haben sie sich die Streetworker in Würzburg ausgesucht. Das soll kein Aufruf sein, euer Leergut nicht zurückzugeben, aber wer es vergisst, kann es mit gutem Gewissen tun.

Was dem Fanclub aber noch wichtiger ist, ist der Kontakt zur Mannschaft, der offenbar auch ganz selbstverständlich von beiden Seiten aus gepflegt wird. Das hat nicht zuletzt mit der Philosophie von „J.P.“ zu tun, der keine Stars in seinem Team will, sondern ganz normale, nette Typen, die nicht abgehoben sind, sondern mit den Fans in Kontakt treten sollen. Das scheint mir eines der Geheimnisse des Erfolgs der Würzburger Mannschaft zu sein, die Spannung zwischen regional-lokaler Gemütlichkeit und den Ansprüchen der BBL fruchtbar zu machen. Der Rückhalt auf persönlicher Ebene macht den Erfolg in der Liga.

Die Fangesänge, darüber könnte man glaube ich einen ganz eigenen Eintrag verfassen, aber es sei hier schon mal angedeutet, dass es viele verschiedene gibt, der für mich großartigste ist immer noch: „Gegen Würzburg kann man mal verlier´n!“, gefolgt von „Auf geht’s Würzburg – kämpfen und siegen!“ Dann gibt es noch individuell auf Spieler gemünzte Anfeuerungsrufe, den Wechselgesang zwischen den Tribünen: „Würzburg – Baskets!“ und für jeweilige Regionalduelle angepasste Solidarisierungen (sinngemäß: Hauptsache gegen Bamberg oder Bayern!). An dieser Stelle sei sarkastisch angemerkt, dass die Frankfurter Fangesänge denen von Würzburg aufs Haar gleichen. Fragt sich, ob es ein gemeinsames Kulturgut ist, oder ob es da quasi-feindliche Übernahmen gibt.

Die Halle ist schon knapp eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn gut gefüllt, die Fans schauen sich die Warm-Ups der Mannschaften an, die Frankfurter Fans sind zwar trotz der vergleichsweise kurzen Distanz nicht zahlreich aber dafür um so lauter vertreten, Trommeln, Tröten, alles dabei.

Ich spreche noch mit einem Security-Mitarbeiter, da die entspannte Atmosphäre trotz Rivalitäten beeindruckend ist. Er bestätigt diesen Eindruck, auch wenn er zu bedenken gibt, dass es gerade bei den „heißen“ Duellen wie gegen Bamberg oder München mehr Security-Personal erfordert und dass Schiedsrichterentscheidungen für die Stimmung verantwortlich sind, positiv wie negativ. Auch wird mein Eindruck eines bunt durch gemischten Publikums bestätigt, die aus Freude am Spiel kommen, es gibt keine Ultras, wie bei Fussballspielen leider immer häufiger.

Ich geh dann auch mal in die Halle, das Spiel fängt ja bald an. Ich muss wahnsinnig sein, ich steh neben den Frankfurter Fans, bin in 2 Stunden bestimmt taub, so wie die rumtrommeln und tröten, aber in Sachen Motivation stehen die den Würzburger Fans in nichts nach. Aber ich kann einen lustigen Service für die Frankfurter Spieler beobachten, ein Towel- und Water-Boy reicht den Spielern in den Timeouts Handtücher und Wasser ganz dezent von hinten an, sehr nett. Wie mir bestätigt wurde, gibt es das auch für Würzburg, na dann. Hätte mich ja fast beschwert.

Die Werbefilmchen, die auf der Anzeigetafel in den Spielpausen laufen, sind, nun ja, gewöhnungsbedürftig. Da muss der arme Maxi Werbung für einen Power-Kleber machen, hoffentlich zahlen die gut.
Auch im Bezug auf die Pausenunterhaltung und die Tanzeinlagen ist definitiv noch Luft nach oben, qualitätsmäßig betrachtet. Ich plädiere hiermit für ein Cheerleadercasting.

Das Spiel an sich ist nicht so berauschend, beide Mannschaften sind sehr stark in der Defense, außerdem wirkt es so, als würden sie mit angezogener Handbremse den Berg hochfahren wollen. Angespannt, unsicher, viele Chancen werden vergeben und die Körbe scheinen zugenagelt zu sein, nix geht heut rein. Nach dem 1. Viertel nur 10:9 für Würzburg, das wird auch nicht besser, zur Halbzeit 25:20.

Der Hallenboden ist auch extrem rutschig, viele fallen hin, es gibt durch die beiderseitige starke Defense auch viele Fouls, was für die Würzburger Little und Boone das Spiel vorzeitig beendet. In der letzten Minute rafft sich Würzburg auf, da gehen gute Punkte, aber leider zu wenig. Kramer wird umgehauen, ob es schwerwiegender ist, da er schon lange am Boden gelegen war, weiß man nicht.

Das Spiel geht leider nicht so erfolgreich für Würzburg aus, 51:56, aber wer weiß, wie motiviert die Spieler nach 6 Tagen Pause wieder ins Training einsteigen und die restlichen Spiele der Saison meistern.

Alles in allem war es wieder einmal ein schönes Erlebnis in der Turnhölle, die Fans sind zu Recht der 6. Mann, der für sein Team alles tut und im Gegenzug nicht nur positiven persönlichen Kontakt zum Team hat, sondern auch entscheidend zum Erfolg beitragen kann.

Danke euch fürs Lesen und bis hoffentlich zum nächsten Mal.

Mehr Bilder vom Spiel gibt es hier.

7 Gedanken zu „Hinter dem Korb – Ein Bericht vor dem Spiel s.Oliver-Baskets vs. Fraport Skyliners

    1. Hi Caraphine, ich werde versuchen, mich zu bessern….. 😉 Wollte in dem Bericht, wie schon der Titel sagt, hinter den Korb schauen. Ausserdem wurde mir gesagt, dass zuviel Schmachten auch nicht immer gut ankommt. Für Tipps und Anregungen bin ich immer offen, ihr seid die Fans, also kommt es darauf an, was ihr lesen wollt…..

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