Cairo Hoffest

25. Jahre Cairo und ein paar Erinnerungen

Ein Vierteljahrhundert, 25 lange Jahre, ist das Jugendkulturzentrum Cairo alt geworden und feiert heute dieses Jubiläum bei bestem Wetter.

Meine erste Begegnung mit dem Cairo war Ende der 80er. Ich wohnte noch in Schweinfurt und war Mitglied in der Jongliergruppe der Schule — die Gruppe, aus der später Firlefanz hervorgehen sollte. Wir wurden nach Würzburg zu einem Workshop-Auftritt in das Café Cairo eingeladen. Ja, es hieß noch Café Cairo, ein Name, für den man, wenn man ihn laut ausspricht, mit Sojakugeln erschossen wird. Von dem Abend sind nach gut zwanzig Jahren nur noch vage Erinnerungen geblieben. Ich erinnere mich noch an die scheinbar endlosen Treppenstufen und den winzig kleinen Raum, das Ganze kam mir vor der Turm eines verwunschen Schlosses — dass das Gebäude mal ein Frauengefängnis war, wusste ich nicht. Und schon damals hat ich im Café Cairo nette Leute kennengelernt, vielleicht lag und liegt es an dieser kuschligen Enge, in der man sich zwangsweise näher kommen muss.

Wenige Jahre später, ich bin mittlerweile nach Würzburg gezogen, lernte ich das Café Cairo als Konzertbühne kennen. In seiner Winzigkeit nur vom Immerhin unterboten, war es eine ganz besondere Bühne — besonders was das Klima angeht. Grandios war der Sommer: Bei einer Außentemperatur hatte der mit über hundert Menschen gefüllte Raum gefühlte 60 Grad Celsius und durch den Schweiß eine tropische Luftfeuchtigkeit. Dass zu der Zeit noch drinnen geraucht wurde, fiel da schon gar nicht mehr weiter auf.

Aber auch in der Prä-Lüftungszeit gab es tolle Veranstaltungen im Cairo. Beim schnellen Blättern durch das Würzblog fiel mit das großartige Soundtrack-Konzert von Naked Lunch 2006 ein oder Masha Qrella im selben Jahr, Improtehater mit den Kaktussen und Anja Balzer, das Hammerkonzert von Audrey, das völlig verregnete 20-Jährige des Cairo, Cairo im Robocop-Rausch, meine erste Begegnung mit den Crumbs, das Gänsehaut-Konzert von Karo, die Finale Fantasiereise mit Owen Pallett, die Verleihung des Preises für junge Kultur an ein Blog und was sonst noch alles mit “Cairo” getaggt wurde. Oder mal bei Flickr über 1700 Bilder vom Cairo anschauen.

Um 18 Uhr startet heute die Feier im Innenhof des Cairo — und das leider ohne mich. Ich habe lange mit mir gehadert, aber habe mich für eine Doppel-40.-Geburtstagsfeier von zwei Freunden entschieden, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe. Fiel mir nicht leicht, denn das Programm sieht ebenso gut aus wie das Wetter heute — und außerdem dürfen die Laserkoalas das Cairo verschandeln.

Alles Gute, liebes Cairo, und wenn ihr in den nächsten Jahrzehnten einen Treppenlift anbringt, dann werde ich auch zum 50. Geburtstag kommen.

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