„Ich brauch’s nicht“ ist kein guter Ansatz, um über die größte kulturelle Einrichtung in Unterfranken zu diskutieren.
Kultur ist ein ganz wesentlicher Faktor für die Attraktivität dieser Stadt, die ja nicht von der Industrie lebt – hätten wir viele Industrie-Arbeitsplätze, bräuchten wir eher eine Profi-Fußballmannschaft und nur ein kleines Theater – sondern von der Dienstleistung, vor allem durch viele kreative Menschen.
Um die Kreativen in die Stadt zu holen oder hier zu halten, muss die Kultur (Seitenhieb in Richtung Herrn Kelle: gut gemachte Klamaukfilme gehören auch dazu, sind aber kein wesentlicher Bestandteil) als so genannter weicher Standortfaktor gut aufgestellt sein.
Und da ist in Würzburg das MFT mit seiner 212 Jahre alten Tradition der wichtigste Bestandteil. Ich war bisher auch nur zum Poetry Slam dreimal drin, habe noch nie ein Schauspiel oder eine Oper oder ein Ballett dort gesehen. Die halbe Stunde, die ich es bei „Les Funerailles“ ausgehalten habe, zählt nicht. Aber es geht bei solchen Millioneninvestitionen eben nicht darum, was für mich wichtig ist, sondern was für die Stadt wichtig ist (Grüße an dieser Stelle auch an alle Straßenbahngegner im Frauenland oder sonstwo). Kultur ist wichtig, und deren Aushängeschild ist ebenso wichtig.
Weiterführend ist also nicht „ich brauch’s nicht“, sondern höchstens „Ich brauch’s in der aktuellen Form oder mit dem aktuellen Programm nicht“. Wenn sich am Althergebrachten aber was ändern und das Ensemble zeitgemäßes Theater spielen soll, dann muss man ihm auch die Möglichkeit dazu geben. Das geht meiner Meinung nach nur mit einer grundlegenden Sanierung – die ja beschlossene Sache ist. Und dafür braucht man eine Ausweich-Spielstätte , weil man die Theater-Mitarbeiter nicht einfach zwei Jahre auf die Straße setzen und das Theater dicht machen kann.
Und wenn man gleichzeitig – und mit 40 Prozent plus X staatlicher Förderung – ein denkmalgeschütztes Gebäude erhalten und darin im Kulturquartier anschließend auch dauerhaft Theater spielen kann, dann halte ich das für eine sinnvolle Lösung – für die Stadt, nicht für mich persönlich. Eine vernünftige Alternative als Ausweich-Bühne hat mir noch niemand aufgezeigt.