Charly Heidenreich

Charly Heidenreich bei My favourite tracks

Heute ist ein sehr freudiger und gleichzeitig sehr trauriger Tag. Die Freude ist, dass heute Abend Charly “Freakshow” Heidenreich zu Gast bei Dennis Schützes Musiktalkshow “My favourite tracks” ist. Die Trauer ist, dass ich heute Abend arbeiten muss. Dennis wird heute mit Charly plaudern und dessen zehn liebten Lieder anhören.

Wir haben Charly extra nicht als Gast zum 24-Stunden-Podcast der Würzmischung eingeladen, um da kurz vorher nicht eine Gegenveranstaltung in Sachen Talkshow aufzuziehen, dafür mag ich “My favourite tracks” viel zu sehr und lasse Dennis da gerne den Vortritt — aber Charly Heidenreich ist damit nicht von der Wunschgästeliste der Würzmischung gestrichen.

Charly Heidenreich ist eine der interessantesten und schillerndsten Menschen in Würzburgs Kulturleben, der mir schon ein Begriff war, bevor ich überhaupt nach Würzburg gezogen bin. Charly ist ein leidenschaftlicher Vertreter der Musikrichtung des Progressive- und Art-Rock. Und beeindruckt bin ich, dass er unermüdlich in diesem Bereich Konzerte und Festivals in Würzburg veranstaltet, egal wie wenig Besucher auch kommen mögen. Er ist von der Musik überzeugt und tritt für sie bis zum finanziellen Untergang ein — und das seit Jahrzehnten.

Ich wundere ich immer wieder, dass die Kulturpreise der Stadt Würzburg an Sopranistinnen — so gut sie auch sein mögen — verschwendet werden, die in Würzburg studiert und ein paar Jahre am Theater gesungen haben, als sie Leuten wie Charly Heidenreich zu geben, die sich seit über 30 Jahren den Arsch aufreißen, um Kultur in die Stadt zu bringen. Klar ist Progressive Rock nicht jedermanns Sache! Aber wenn man mal die Leute zählen sollte, die zum Beispiel Diana Damrau in Würzburg haben singen hören oder die, die ein von Charly veranstaltetes Konzert besucht haben, da bin ich mir ganz sicher, zu welchen Gunsten die Umfrage ausfällt — sicher nicht für den klassischen Gesang. Und man muss den Prog-Rock nicht mögen, aber ihm künstlerischen Anspruch abzusprechen, wäre in meinen Augen kulturelle Kurzsichtigkeit.

Ich hoffe, Dennis spricht mit Charly auch über diese Punkte. Die Musiktalksshow findet heute in Charlys Heimatbunker, dem Immerhin neben der Posthalle um 20 Uhr statt, der Eintritt ist frei. Und ich kann jedem nur ans Herz legen, die Gelegenheit zu nutzen und da hin zu gehen.

8 Gedanken zu „Charly Heidenreich bei My favourite tracks

    1. Hey, super Artikel, Julian! 🙂
      Ich habe den Link mal direkt auf den Beitrag gesetzt, sonst findet man nicht mehr, wenn er von der Startseite verschwunden ist.

  1. Ja, das war in der Tat ein zwar langer, aber nicht durch Längen gekennzeichneter, sehr informativer Abend, bei dem Charly nicht nur aus dem Nähkästchen über seine Musikleidenschaft plaudern konnte und durfte, sondern auch über seine Kindheit und Jugend und wie es historisch betrachtet zur Entwicklung und Ausprägung dieser Leidenschaft kam.

    Viel spannende Information, die demnächst auch unter progrock-dt.de als Portraitartikel erscheinen wird.

    Zur Progrock-Szene in Würzburg hatte ich, dies bietet sich bzgl. des im Artikel beschriebenen chronischen Überlebenskampfes der FreakShow an, erwähnt zu werden, im Herbst letzten Jahres einen Kommentar zum Mainpost-Artikel “Letzter Gong für Freakshow-Festival ” (erschienen am 28.09.11) verfaßt, der es wert ist, nochmals ins Licht gerückt zu werden, obwohl die Dinge (für beide erwähnten Szenen) letztlich doch besser gelaufen sind, als damals noch zu erwarten stand:

    “(…) Daß eine solch prachtvolle Orchidee von Musikszene in einer, mal daran festgemacht, 20000(+) Studenten zählenden Stadt vor die Hunde geht ist eine Schande. Und wenn man dann noch hinzuzieht, daß mit Horst, dem Besitzer des H2O-Ladens, mit Ende des Jahres ein weiterer unabhängiger Würzburger Konzertveranstalter die Segel seiner Psychedelic-Konzerte streicht, wird einem bewußt, daß es mit dem hochgelobten Weltniveau unserer Provinzstadt nicht weit her sein kann. Die Würzburger hatten hier riesen Chancen – und haben diese in völliger Ignoranz vertan. Aus Angst vor dem Unbekannten, dem Ungewohnten, dem Unbequemen, dem Unerhörten? Aus welchem Grund auch immer…

    So verschwinden kleinen Szenen, die wichtig für die Gesamtkultur einer Gesellschaft sind, zu Gunsten dröger, charakterloser Vereinheitlichung ganz im Zeichen des Mainstream. Zwar kein schönes, aber ein klares Spiegelbild unserer Gesellschaft.”

  2. …meine übliche Rede: wär außerordendlich gern dabei gewesen! grzbrzmrks.
    Aber danke schonmal für die Setlist, na da sind ja ein paar ganz überraschende Sachen dabei – und die 90er und Nuller komplett ausgespart, na sowas das ist mutig. Aber solange Starless dabei ist, ist die Welt in Ordnung.
    viele grüße aus münchen
    monika

  3. War ein schöner, langer Abend mit Charly. Für alle Interessierten hier die Playlist mit Hidden Track. Nächster MFT-Talk am Di, 8. Jan mit Norbert Bertheau im Theater Ensemble.

    Good Rats – For the Sake of Anyone (1968)
    Chicago Transit Authority – Listen (1969)
    Van Der Graaf Generator – Man Erg (1971)
    McLuhan – Spiders in Neal’s Basement (1972)
    Carmen – Bulerias (1973)
    Esperanto – Eleanor Rigby (1975)
    Magma – Hhai (1970)
    Szobel – Mr. Softee (1976)
    Bill Bruford – Adios a la Pasada (1977)
    King Crimson – Starless (1974)

    Hidden Track: Charly Heidenreich liest Loriots “Advent”

  4. Komme extra aus Lohr für heute Abend. Bestimmt ne super Sache. Kann mir vorstellen, daß Charly auch “my favourite 1000 tracks” präsentieren könnte 😉

  5. Danke für die freundliche Ankündigung. Wie immer wird ein Ton-Mitschnitt des Talks gemacht, geplant ist auch ein Videomitschnitt. Kann aber nicht sagen ob und wann das Ergebnis veröffentlicht wird.

    Playlist auf jeden Fall ab morgen unter http://www.myfavouritetracks.de

    Und schreib mal wieder öfter was im wuerzblog, Alter!
    facebook never
    Dennis Schütze

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