Am Beispiel Amazon kann man studieren, wie der Kapitalismus zunächst seine gesellschaftlichen Grundlagen, dann sich selber zerstört.
Es ist höchste Zeit, dass die Verlage nicht mehr länger das Amazon-System stützen. Denn durch die extremen Konditionen, die sie sich von Amazon abpressen lassen, ermöglichen sie erst die Kanibalisierung des Buchhandels. Würden sie sich dem kollektiv und solidarisch verweigern, müsste dieses ökonomische Zwangssystem in sich zusammenbrechen, denn mehr als auf technischer Innovation und Leiharbeit basiert das Amazon-System auf extremer Diskriminierung und Ausbeutung des klassischen, mittelständischen Buchhandels und seiner Mitarbeiter. Vergessen sollte man dabei aber nicht, dass an diesem System viele, u.a. auch der Staat und v.a. die großen Buchhandelsketten und Medienkonzerne beteiligt waren und weiter sind. Last not Least trägt auch der Konsument, sprich Kunde, wir alle, Verantwortung für dieses „Spiel“. Und es geht nicht nur um Amazon, sondern auch um Apple, Exxon Siemens, VW u.v.a.m.
Ich will nicht einer heilen, früheren Buchhandelswelt das Wort reden (sie war es nie), sondern es müssen neue Lösungen gefunden werden, die die Möglichkeiten der modernen Technik mit neuen, solidarischen Eigentumsformen verbinden und das nicht nur im Buchhandel. Bis es so weit ist und das kann dauern, müssen wir mit allen unseren Mitteln Widerstand gegen die zunehmende Barbarisierung und Entsolidarisierung leisten.
Es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass mit dem Verleger Thiele nun der zweite Verlag aus dem Zwangssystem Amazon ausbricht und gleichzeitig den eigentlichen „Amazon-Skandal“ öffentlich macht.
http://www.boersenblatt.net/595320/