Bin erst jetzt auf den Artikel und die Initiative gestoßen.

Ich kann den Unmut gegen Amazon gut verstehen, auf der anderen Seite sollte man als Einzelhändler den Trend des Onlinehandels verstehen und nutzen lernen, denn Amazon ist nicht mit einem bösartigen kapitalistischen Masterplan an die Herrschaft gelangt, sondern in dem sie Bedürfnisse von Kunden besser befriedigt haben als der bisherige Einzelhandel.

1. Nicht jeder Kunde will die persönliche Beratung (zumal die auch mit der Kompetenz und Ausstrahlung des Beratenden steht und fällt – siehe Kommentar mit fränkischer Freundlichkeit), sondern in Ruhe stöbern. Ganz ehrlich? Das Stöbern fällt mir mit Suchmaske und entsprechendem Webdesign wesentlich einfacher als direkt im Laden

2. Anfahrtswege kosten Zeit und Geld. Natürlich kann man, sofern man nahe im Stadtkern lebt oder dort arbeitet locker in die Läden marschieren und dort was kaufen. Aber selbst wenn man im Kerngebiet lebt kostet das wesentlich mehr Zeit und Energie als mal eben was auf Onlineplattformen zu klicken. Bequemlichkeit aka Convienance (wie es die Marketingfuzzis gerne bezeichnen) ist hier das Stichwort.

3. Selbst wenn ich mich beraten lassen will, so habe ich im Netz ein Heer an Beratern, meine Community, mein Netzwerk, die Medien etc. pp. Beratung ist nicht mehr der entscheidende Punkt sondern: BEZIEHUNG

4. Beziehungen kann ich mittlerweile aber auch online herstellen und pflegen. Letzteres ist ganz entscheidend für den Einzelhandel. Wenn sie in den nächsten Jahren nicht begreifen wie sie analoge und digitale Beziehungsarbeit miteinander sinnvoll verknüpfen können, werden sie gnadenlos untergehen.

5. „Man kann ja auch online bei den Buchhändlern bestellen“. Ja, leider viel zu spät und daher hinken die Systeme – allein was Vertrauen und Markenbildung angeht um Jahre (Ein Internetjahr sind sieben Menschenjahre) zurück. Auch der Börsenverein bekleckert sich gerade nicht mit Ruhm und verpulvert das Geld ihrer Mitglieder mit unsinnigen Imagekampagnen für das Medium Papier, statt es in Kampagnen zu stecken, die die Alternativen zu Amazon kommunizieren.

Fazit: Der Ansatz der Initiative ist gut, wenn auch sehr spät. Klar ist hoffentlich allen, dass das „alte Geschäft“ vorbei ist. Neue Konzepte müssen her. Buchhändler sollten wieder ihr Augenmerk auf „Marke“ setzen. Siehe http://www.ocelot.de/
Die empfehlenswerte Strategie lautet: Das Haus öffnen (vor allem für gemeinschaftliche Events) -> Offline-Beziehung und die virtuelle Präsenz verstärken -> Online-Beziehung.

Soweit mein Senf dazu.