Risikogebiet Würzburg

In den vergangenen Wochen wurde auch in Würzburg gern und oft über Corona-Risikogebiete geredet. Aber immer im Zusammenhang, ob man von Würzburg aus in ein Risikogebiete reisen soll oder was ist, wenn man von einem Risikogebiet wieder nach Würzburg kommt.

Nun können wir es dank der relativ hohen Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 65 mal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Denn die Stadt Würzburg — nicht der Landkreis, der aber heute auch schon die Warnstufe ab 35 erreicht hat — ist jetzt selbst ein Risikogebiet, zumindest aktuell für das Bundesland Schleswig-Hollstein. Wer als Städterin oder Städter beispielsweise  gerade vor hat, ein paar Tage auf Sylt zu verbringen, muss dort mit einer mindestens fünftägigen Quarantäne rechnen. Auch auch sonst wird die Einstufung als Risikogebiet Auswirkungen haben. Von einer lieben Freundin habe ich beispielsweise gerade erfahren, dass sie deswegen kommende Woche nicht an einem Seminar — außerhalb von Schleswig-Hollstein — teilnehmen darf.

Für die daheim gebliebenen Würzburger wird es seit dem Wochenende auch immer unangenehmer. Kontaktbeschränkungen, ein Alkoholverbot ab 22 Uhr in der Innenstadt und am Main (mindestens bis zum meinem Urlaubsende, Hurra!) , eine Schulschließung, nur noch Frühschoppen auf der Alten Mainbrücke und noch weitere Maßnahmen hat sich die Stadt Würzburg ausgedacht, um den steigenden Infektionszahlen Herr zu werden. Der BR hat eine gute Zusammenfassung der Corona-Regeln für das Würzburger Stadtgebiet gemacht, lest es schnell, bevor sich wieder was ändert.

Für mich ist es schwer, die Maßnahmen einzuschätzen. Wenn vor den Testzentrum auf der Talavera sich jeden Tag kilometerlange Schlangen bilden, werden natürlich auch mehr Leute positiv getestet werden. (Dass jede getestete Person bis zum Ergebnis freiwillig in Quarantäne bleibt, um den Test nicht ad absurdum zu führen, versteht sich ja von selbst, nicht wahr?) Andererseits hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass es nicht automatisch einen Zusammenhang zwischen den Anzahl der Tests und der Zahl der Neuinfektionen gibt. Vorsicht ist darum vielleicht kein schlechter Ratgeber, auch wenn die absoluten Zahlen noch nicht irre hoch sind: jede Exponentialfunktion fängt mal flach an.

Das Alkoholverbot in der Innenstadt und am Main? Wäre interessant, wenn man später dessen Wirksamkeit herauslesen könnte. Aber ich hegen den Verdacht, dass gerade Feiern und Treffen mit Alkohol sich einfach in anderen Stadtteile oder in Privatwohnungen verlagern werden. Gerade so lange das Wetter so schön ist, rechne ich da mit keinem ernsthaften Rückgang der Feierlaune. So oder so haben die Gastronomen mein Mitgefühl, denn selbst wenn sie noch bis 22 Uhr auf haben dürfen, ist das doch wieder eine Einbuße bei den Einnahmen. Und es ist nicht mal sicher, ob der Anstieg an ihren bzw ihren Gästen lag.

Dass die Stadt da gerade ordentlich auf die Bremse tritt, hat meiner Meinung nach auch — natürlich bei weitem nicht nur — damit zu tun, dass Würzburg leider mal wieder wegen Corona in der bundesweiten Presse ist, mein Feed-Reader ist voll mit “Würzburg”-Suchergebnissen in dem Zusammenhang. Da müssen wir Würzburger mal mit was Positiven für ein Gegengewicht sorgen.

Für mich ist es natürlich doof, dass die ganzen Einschränkungen genau in meinen ersten Urlaub im Jahr fallen. Nach Sylt wollte ich gar nicht, ich wollte vor allem in Würzburg sein und auch die noch schönen Frühherbstabende genießen. Aber das ist natürlich Luxus-Jammerei auf höchstem Niveau, ich werde es mir trotzdem in den kommenden Woche hier sehr schön machen, mit innerer Nähe und äußerem Abstand.

ralf

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.