Röntgenzelt

Ich wollte das Röntgenjahr ja nicht völlig ignorieren. Wobei ignorieren das falsche Wort ist, schließlich hatte ich mich ja schon für diverse, von der Uni Würzburg geplante Veranstaltungen angemeldet. Nur sind die wegen Corona-Beschränkungen ausgefallen. Was jetzt noch blieb, war die Röntgen-Ausstellung in dem großen Zelt auf dem Marktplatz.

Also Maske auf, meine Namen, Telefonnummer und Mail-Adresse auf einen Zettel gekritzelt und ab ins nicht übermäßig besuchte Zelt – und damit ab durch das Leben des Wilhelm Conrad Röntgen. Auf den ist Würzburg sehr stolz, obwohl er hier nicht geboren ist, nicht einmal hier gestorben, genau genommen hat er sogar nur 12 Jahre hier in der Stadt gelebt. Aber eben hier hat er die dann nach ihm benannten Strahlen entdeckt, ein paar Leuten einen ordentliche Strahlendosis verpasst und die Welt ein Stück weit verändert. Ok, darüber darf man sich als Würzburg schon freuen.

Auf vielen bedruckten Tafeln habe ich mich ein Röntgens Leben und Wirken eingelesen, beschallt von drei lauten Videos über Röntgen gleichzeitig. Wenig Neues war für mich nach 25 Jahren in Würzburg und einem Nebenfach-Studium in Physik dabei, da habe ich das eine oder andere schon mitbekommen. Neu war mir das schwierige Verhältnis zur Adoptivtochter Josephine Berta. Überhaupt war Röntgen wohl ein nicht unbedingt einfacher Mensch — aber wer ist das schon?

Vergessen hatte ich, dass Röntgen trotz Drängen von verschiedenen Seiten kein Patent auf seine Entdeckung anmeldete. Die X-Strahlen, wie er sie nannte, sollten dem Wohle aller dienen, ohne Lizenzkosten. Open-Source vor zwei Jahrhundertwenden.

Apropos Corona: Als ich im Zelt die Ausstellung besuchte, war reichlich Platz für nicht übermäßig viele Besucher. Ein wenig ad absurdum geführt wurde der Wunsch nach Abstand, dass die Schrift auf den Tafeln so winzig war, dass viele Besucher zum Lesen recht nahe ran mussten — und da auch den Mitbesuchern nah kamen, die auch am Lesen waren.

ralf

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

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2 Antworten

  1. Nils sagt:

    Wenn sich jemand für das Leben und Schaffen des guten Herrn Röntgen interessiert, dann sei ihm auch das deutsche Röntgenmuseum empfohlen. Das liegt nur ein paar Meter neben Röntgens Geburtshaus in Remscheid-Lennep und bietet ganzjährig Informationen und interaktive Elemente, egal ob gerade irgendein Jubiläum zu feiern ist, oder auch nicht.
    https://roentgenmuseum.de

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