Wirtschaft

Der Offline-Online-Vielleicht-geht-ein-bisschen-was-Shop

Tja, die Idee mit Click & Collect, also das Bestellen von Waren im Internet, die man im Laden dann abholt, ist in Bayern gestorben. In anderen Bundesländern nicht, was für eine ganz tolle Schieflage sorgt. Ein schwerer Schlag für den bayerischen Einzelhandel, dem eine Möglichkeit für das kontaktlose Abholen im Lockdown II vielleicht kein klein wenig das Weihnachtsgeschäft hätte retten können. Jetzt bleibt nur noch das Liefern und Verschicken — und das hoffentlich nicht nur über Amazon.

So eine Art Onlineshoppen im Schaufenster der Schuhschmiede. (Die Handynummer habe ich durchgestrichen, die muss nicht im Netz stehen. Lest sie im Schaufenster.)

In der Münzstraße habe ich im Schaufenster der Schuhschmiede einen Zettel liegen sehen. Wenn jemandem etwas aus dem Schaufenster gefällt, kann man anrufen und bekommt die Ware — Schuhe vermutlich — zugesandt. Warum nicht? Das ist jetzt kein schicker Onlineshop — den die Schuhschmiede wohl aus gutem Grund nicht mehr hat –, aber das Schaufenster ist der Bildschirm und das Handy ist die Maus, irgendwie könnte es so funktionieren. Lustig wäre ja, wenn das jetzt alle machen würden.

Wobei ich schwer glauben kann, dass viele Leute vor dem Schaufenster bestellen werden. Nicht wegen der eher ungewöhnlichen Idee. Sondern weil viele Menschen es gerne bequem haben, und ja — bei Amazon einkaufen ist meist sehr bequem. Aber durch den zweiten Shutdown in diesem Jahr könnte es ein Szenario wahr werden, mit dem der lokale Einzelhandel seit Jahren schon beinahe drohte — die Läden in Würzburg (in anderen Städten natürlich auch) könnten in größeren Maßstab pleite gehen und verschwinden. Keine schöne Vorstellung für mich. Darum mal ein Aufruf, an mich und euch Würzburger.

Ja, ich weiß, es wird einem gerade nicht leicht gemacht, den lokalen Einzelhandel unter diesen Umständen zu unterstützen. Es gibt schon einige Onlineshops von Würzburger Geschäften, aber etliche Läden haben keinen und wenn, dann keinen so schicken wie Amazon. Bei manchen muss man eine E-Mail schreiben, bei anderen für die Bestellung anrufen. Oder vielleicht sogar Flaggensignale geben, wer weiß. Ja, stellenweise kann das schon abenteuerlich werden, aber vielleicht ist diese Zeit auch die Zeit für Abenteuer.

Und hey — es sind Geschäftsleute aus eurer Stadt, die hier Gewerbesteuer zahlen und Arbeitsplätze schaffen, die neben euch beim Weinfest sitzen und denen ihr beim Spazierengehen begegnet. Und wir alle müssen darum ja nicht mehr einkaufen, als wir brauchen. Das sollten wir eigentlich nie. Aber das, was wir brauchen, können wir ja zumindest versuchen, vor Ort zu kaufen. Oder optimistisch Gutscheine kaufen,

Gerd von Hermkes Romanboutique hat heute etwas zu der Situation der kleinen lokalen Geschäfte geschrieben, am Beispiel ihres Buch-, Comic- und Spieleladens, aber auch ganz allgemein. Lesens- und nachdenkenswert.

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

Ein Kommentar

  • Andrea

    Erst dachte ich bei dem Schild der Schuhschmiede Was für ein Quatsch. Aber dann so wie in deinem Nachsatz: Was wenn das alle Läden machen würden oder mindestens viele? Fast jeder geht doch gerade täglich spazieren, dann könnten wir alle Schaufensterbummel machen und dabei etwas kaufen. Ich weiß dass das im besten Fall nur zu einem Bruchteil des geplanten Umsatzes bringen würde, aber für die lokalen Geschäfte zählt gerade jeder Cent.

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