Film,  Kultur

Filmwochenende 2021: Hintergrund, Meta und Ideen

Zu den harten digitalen Fakten über das diesjährige Filmwochenende in Würzburg hatte ich ja schon geschrieben. Jetzt zu dem ganzen Rest.

Zuerst die guten Nachrichten: Es wird beim diesjährigen Filmwochenende keine nervig langen Schlangen an der Kassen geben, keine harten Stühle in improvisierten Kinosälen. Kein Genöle, dass einem der falsche Wein eingeschenkt wird — oder es gar keinen gibt (eher mein persönliches Problem) oder dass sich ein 2,10-Meter-Hühne vor einem vor die Leinwand setzt. Denn in diesem Jahr sorgen wir selbst alle für die Getränke beim Filmschauen, das Catering ist in unserem Kühlschrank, unser Wohnzimmer ist der Kinosaal, wir sind für die nötige Polsterung unser Hintern verantwortlich und für die Sitzplatzwahl — und wir kaufen unsere digitalen Kinokarten nur digital.

Pläne und Pläne

Klar war der Film-Initiative im vergangenen Jahr schon recht bald klar, dass das Filmwochenende 2021 vielleicht anders ablaufen wird, als gewohnt. Die Corona-Pandemie lässt grüßen. Wobei die vergangenen Jahre ohnehin nicht von langweiliger Gleichförmigkeit gekennzeichnet waren. Der Plan A — oder doch B? — der Film-Ini war, dass es ein Hybrid-Festival geben soll. Die Filme sollten im Kinosaal unter Corona-Bedingungen gezeigt, aber auch gestreamt werden. Mit dem harten Lockdown Ende 2020 musste die Film-Ini Plan A (bzw. B) in die Tonne treten und zu Plan B (jaja, oder C, ich weiß), übergehen. Ein rein digitales Filmfest.

Gruppenbild der Film-Initiative bei der Pressekonferenz im Jahr 2021. Reihenweise von oben links nach unten rechts: Thomas Schulz, und Viviane Bogumil (durch eine Plexiglascheibe getrennt), Sebastian Goll, Katharina Schulz, Max Trompeter.

Es ist bewundernswert, wie die Leute der Film-Initiative dieses Filmfest doch auf die Beine gestellt haben. Mit Filmverleihern musste man um ganz neue Punkte verhandeln wie Klickzahlbegrenzung beim Streaming oder um Geoblocking.  “Das war auch neu und ungewohnt für die Programmgruppe, so was mit den Verleihern zu verhandeln, da musste noch mehr telefoniert und gemailt werden”, sagt Viviane Bogumil von der Film-Initiative. “Weil Verleiher sind ja auch in Kurzarbeit und unterbesetzt und mit dem Thema unerfahren.”

Ungewissheit und Gedanken dazu

Wird das Filmwochenende digital so funktionieren? Ich habe keine Ahnung. Die Film-Initiative genauso wenig. “Im Vergleich zu den letzten Jahren, wo wir auf die Erfahrung der Vorjahre aufbauen konnten, können wir in diesem Jahr überhaupt nicht einschätzen, wie das Online-Angebot angenommen wird”, gab Vorsitzender Thomas Schulz in der Pressekonferenz zu. Es sei eine Sättigung eingetreten, was Streamingangebote ginge. Auch wisse die Film-Ini, dass das Filmwochenende hauptsächlich ein Ü-50 Publikum habe, das in Sachen Technik vielleicht auf die Hilfe von jüngeren Familienmitglieder angewiesen sei. “Darum ist es ganz schwer abzuschätzen, wie das Ganze laufen wird und wie am Ende der Zuspruch und die Klickzahlen sein werden.”

Über die Begrenzung von Zuschauern bei manchen Filmen macht sich Thomas wenig Sorgen. “Wir wären froh, wenn wir bei den Filmen, die beschränkt sind, an die Klickzahlen kommen.” Sollte der Fall dann doch eintreten könne die Film-Ini zumindest versuchen, noch weitere Kontingente an Klickzahlen mit dem Verleiher zu verhandeln.

Ein paar Gedankenfragmente dazu

  • Es ist halt auch nur ein weiteres Streamingangebot. Denken darum manche: Ich zahle schon für Netflix mein Monats-Abo, warum soll ich da noch für einen Film 6 Euro zahlen?
  • Ist das klassische Filmwochenende-Publikum so digital drauf? Wenn ich die Menschen der vergangenen Filmwochenende an meinem geistigen Auge vorbeiziehen lasse, würde ich sagen: Nicht alle.
  • Manche Film werden wohl niemals in deutschen Kinos laufen und nie in großen Streamingdiensten landen. Eine vielleicht einmalige Gelegenheit, wenigstens digital zu schauen.
  • Was machen ohne Kreditkarte und PayPal-Account?
  • Filmwochenende ist mehr als nur Filme schauen, auch eine soziale Veranstaltung mit Leute kennenlernen und sich austauschen.
  • Was habe ich gerade viel anderes vor? Warum nicht mal ein paar anspruchsvolle Filme schauen?

Unser Filmwochenende soll schöner werden?

Die Film-Initiative hat für das diesjährige Filmfestival unter Pandemie-Bedingungen in Möglichstes getan. Vielleicht müssen wir als potenzielle Festival-Teilnehmer ein paar Sachen selbst in die Hand nehmen.

Auch hier ein paar unausgegorene Ideen, die ihr gern weiter ausbauen oder neue Ideen dazu geben könnt:

  • Ihr kennt langjährige Fans des Filmwochenende (oder potenziell neue), zweifelt aber, dass sie eine Kreditkarte oder einen PayPal-Account haben? Bietet ihnen an, die Ticket-ID für Filme zu kaufen, Geld können sie euch ja kontaktlos überweisen.
  • Kann man noch irgendwie eine Plattform im Internet zum Austausch für alle über die Film und Klatsch und Tratsch zum Filmwochenende hochziehen? Eine offene Plattform, nicht sowas wie Facebook oder Twitter, mit minimaler oder gar keiner Einstiegshürde.
  • Man kann die Filme ja schauen, wann man will. Vielleicht kann man sich mit Freunden und Gleichgesinnten zu gleichzeitigen Schauen verabreden. Die ganz Harten noch mit Second Screen, was das Schwätzen und Tuscheln während eines Films im Kino ersetzen könnte. Und nach dem Film kann man sich noch im Chat oder bei einer Videokonferenz zusammenzusetzen — Senfcall bietet sich da recht unkompliziert und datenneutral an.
    Ich kann schon blind versprechen, dass ich mir wie immer den Kurzfilmblock anschauen werden. Wer ist mit dabei?
  • Zelebrieren ist das Motto. Das Wohnzimmer zum Filmgucken schön herrichten, Popcorn kaufen oder selbst machen, Schnittchen mit Gurke und Ei, Pommes mit Ketchup, Nachos mit Käsedip. Oder versucht Essen aus dem Land zu kochen, aus dem der Film kommt.

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

2 Comments

  • A. Schreier

    Vielen Dank für die beiden tollen informativen und unterhaltsamen Artikel über das Filmwochenende. Ich verstehe nicht, wie die Mainpost Sie hat gehen lassen.
    Wir freuen uns sehr, dass das Festival wenigstens abgespeckt stattfindet. Filmabende und Filmnachmittage im Trubel des Central Kinos wären ohne Frage schöner, aber wir machen es uns auf dem heimischen Sofa bequem und freuen uns auf ein Filmwochenende 2022 in “Freiheit”.

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