Drei Mal neun Euro, viele Fragen und noch wenig Ideen

Gestern habe ich mir das 9-Euro-Ticket am Automaten der WVV gezogen. Besser gesagt, ich habe dreimal ein 9-Euro-Ticket gezogen und jeweils einzeln bezahlt, denn auf einen Rutsch konnte ich die Karten für Juni bis August nicht kaufen. Zum Glück war früh am Fahrscheinautomaten nicht viel los, denn das dauerte etwas.

Jetzt kann ich also von Juni bis August extrem günstig mit dem öffentlichen Personennahverkehr in ganz Deutschland fahren. Ein wenig Interrail-Feeling, nur aber viel kleiner. Für mich als Nicht-Auto-Besitzer ganz praktisch, aber nicht mal unbedingt nötig. In der Stadt bin ich fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs und die wenigen Fahrten mit Bus und Bahn kann ich mir noch entspannt leisten.

So freut mich das 9-Euro-Ticket ganz egoistisch, aber ich zweifle an dessen nachhaltigen Effekten und frage mich, was es eigentlich bringen soll. Ob im September dann viele Menschen ihr Auto verkaufen werden? Ob die auf manchen Strecken zu erwartenden prallvollen Züge den ÖPNV attraktiver machen werden? Machen viele mit dem ÖPNV Fahrten, die sie sonst gar nicht gemacht hätten? Wie schlau ist es, den Bürgerinnen und Bürgern den öffentlichen Nahverkehr für drei Monate finanziell schmackhaft zu machen, die Autofahrer im gleichen Zeitraum mit einem Tankrabatt zu entlasten? Zur Erinnerung — wir sollten gerade alles daran setzen, Energie und Rohstoffe einzusparen. Die FDP sieht das wohl anders.

Vielleicht bin ich aber auch zu pessimistisch, vielleicht findet ja doch eine relevante Menge am Fahren mit Bus und Bahn dauerhaft Gefallen und steigen vielleicht dauerhaft vom Auto um auf den ÖPNV. Wer weiß.

Den ÖPNV massiv und intelligent ausbauen und dauerhaft attraktiv machen, besonders für Geringverdiener, dahin sollten jetzt eigentlich die Milliarden fließen.

Was mache ich das kommende Vierteljahr mit den 9-Euro-Tickets? So genau weiß ich es gar nicht. In der Stadt werde es wohl nicht so oft verwenden, das Fahrrad ist gerade im Bereich der Innenstadt das beste Fortbewegungsmittel für mich. Und auf Biegen und Brechen mit Regionalzügen nach Sylt muss ich auch nicht. Ich werde es nutzen, Freunde im Landkreis Würzburg und den angrenzenden Landkreisen öfter zu besuchen und meine Reihe der ÖPNV-Ausflüge fortsetzen. Und vielleicht mal den einen oder anderen Ausflug darüber hinaus. Wirklich weit werde ich aber mit den Regionalzügen nicht reisen, da leiste ich mir dann doch lieber ein Intercity- oder ICE-Ticket.

Und ab September werde ich weiter mit meinem Fahrrad und den ÖPNV unterwegs sein. Die Straßen voll mit Autos, die Züge mäßig gefüllt, die Busverbindungen rar. Oder?

5 Gedanken zu „Drei Mal neun Euro, viele Fragen und noch wenig Ideen“

  1. Ich hätte mir gewünscht die beiden Rabatte nicht gleichzeitig zu vergeben…. Abgesehen davon, dass der Tankrabatt nicht bei den Bürger/innen ankommt, hätte man ihn auch im Herbst erteilen können, wenn die Infektionszahlen wieder hochgehen und es wenigstens begrenzt Sinn macht im eigenen Gefährt zu fahren. Momentan wird ebenso die klimaschädliche Alternative zum ÖPNV vergünstigt.

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    • Richtig, bei Treuchtlingen/VGN-Gebiet kostet die Fahrradmitnahme extra. Das unterscheidet sich aber zwischen den Verkehrsverbünden.

      Wenn das Reiseziel zur Debatte steht, dann evtl. den VRN nehmen, dort sind ab 9 Uhr Fahrräder einfach so mit dabei. Also Lauda, Osterburken (oder z.B. Heidelberg, …) … einfach mal mit dem Rad in den Odenwald 🙂

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