Danke für den Käse, Barbara Stamm

Barbara Stamm ist heute gestorben. Ex-Würzburger-Stadträtin, Ex-CSU-Landtagsabgeordnete, Ex-Erzieherin, Ex-Bayerische-Sozial-und-Gesundheitsministerin, Ex-Bayerische-Lebenshilfe-Vorsitzende, Ex-Landtags-Vizepräsidentin. Und für mich die Ex-Käsefrau.

Denn eine meiner liebsten und schönsten Erinnerungen an Barbara Stamm ist die, wie ich sie vor vielen Jahren beim Weinfest in Grombühl gesehen habe. Dort konnte man sie ja öfter antreffen, sie war noch damals noch in hohen politischen Amt- und Würden. Mal als Schirmherrin auf der Bühne, mal auf der Bierbank als Landespolitikerin , die sich unter das Volk mischt (und dabei zufällig vielleicht zu ein paar Stimmen für eine kommende Wahl herauskitzelt).

Aber an diesem Abend stand sie hinter Theke. Genauer gesagt der Käsetheke. Wenn ich mich recht erinnere, schmierte sie Laugenstangen mit Grupften und machte Schälchen mit Käsewürfeln zurecht. Wenn das andere Politikerinnen und Politiker tun, dann oft nur fünf Minuten für ein paar Fotos. Nicht so Barbara Stamm. Schätzungsweise eine Stunde, wenn nicht länger — ich habe die Zeit nicht gestoppt, ich war mit Quatschen und Weintrinken beschäftigt –, arbeitete sie an der Käsetheke. Ohne Fotograf, ohne Entourage, überhaupt recht unbeachtet im Hinterbereich des Essenszelts auf dem Weinfest, ich hatte sie dort eher zufällig entdeckt. Und es schien ihr auch nichts auszumachen, das niemand sie beachtete. Stange für Stange, Schälchen für Schälchen, machte sie sich nützlich.

Ich habe keine Ahnung, warum Barbara Stamm an diesem Abend dort hinter der Theke stand. Vielleicht weil sie eine Wetter verloren hatte, vielleicht stand das im Kleingedruckten des Schirmherrinnenvertrags, vielleicht weil sie stundenlang auf den Fotografen wartete, der dort nur ein Imagebild schießen sollte, vielleicht wurde sie vom CSU-Ortsverband dort abgestellt und vergessen mitzunehmen. Ist mir auch egal. Ich hatte den Eindruck, dass sie zumindest an diesen Abend gern einfach die Barbara war, die für das Weinfest in Grombühl Käsestangen und -würfel machen wollte. Nicht um selbst gut dazustehen, sondern um eine gute Sache zu unterstützen.

Die Politikerin Barbara Stamm habe ich nie gewählt, da war sie für mich in der falschen Partei, in die sie für mich eigentlich gar nicht so passte. Aber ihr soziales Engagement und ihren christlich (das mit dem echten C) geprägten Blick auf den Menschen habe ich geschätzt und respektiert.

Danke dafür, Barbara Stamm. Und für die Grupftenstange. Ruhe in Frieden.

3 Gedanken zu „Danke für den Käse, Barbara Stamm“

  1. Sehr schöne Geschichte über unsere ‚Bärbel‘. Ich hatte sie bei vielen Gelegenheiten meist sehr bescheiden erlebt, sie agierte sehr gerne im Hintergrund. Bestimmt hatte sie auch ihre dunklen Seiten, Spitzenpolitikerin wird man bestimmt nicht weil man nur nett ist. Aber immer hatte sie das Herz am rechten Fleck und auch wenn ich nicht immer mit dem Wie einverstanden war, dass sie viel Gutes für viele Menschen getan und im Sinn hatte, das muss ich ihr hoch anrechnen. Eine tolle und starke Frau und Politikerin ist von uns gegangen!

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  2. Echt schön, hier und anderswo diese ganzen individuellen Geschichten mit und über Barbara Stamm zu lesen. Ich mochte sie auch sehr.

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