Beinahe Private Viewing

Stell dir vor, es ist … ach ne, das war der Beginn des Beitrags vorher. Würde hier aber noch besser passen. Ach, was soll’s: Stell dir vor, es ist ein Spiel der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft und keiner geht hin. Denn das beschreibt tatsächlich ziemlich genau den gestrigen Abend. Zumindest im Zollhaus-Biergarten.

Manche von euch wissen vielleicht, dass ich weder ein großer Fußball-Fan noch ein Fußball-Kenner bin. Ein Basketball- oder Handballspiel, bei dem ständig was passiert, ziehe ich jeder Balltreterei vor. Aber zu Fußball-Großereignissen wie Welt- oder Europameisterschaften lockt er mich dann doch, Deutschlands liebster Sport. Vielleicht ist es der Gedanke, dass ich vereint mit einem ganzen Land — genaugenommen mit zwei Ländern — dem Wettstreit mitfiebere, ein kollektives Einssein in sich überlagernden Wellen aus Emotionen.

Mit dieser inneren Einstellung ging ich gestern in zauberhafter Begleitung in den Zollhaus-Biergarten, eine gute halbe Stunde vor Anpfiff des Spiels Deutschland – Dänemark. Es war relativ kühl — also im Vergleich zur Woche zuvor, als wir weit über 30 Grad in Würzburg hatten –, der Biergarten nur wenig besucht. Die Bierbänke unmittelbar vor der aufgebaute Leinwand noch komplett leer. Ok, dachte ich, die echten Fans kommen wohl kurz vorher. Was lange vorher kam, waren meine Käsespätzle. Die aß ich in Ruhe und unbeachtet von allen Fußball-Fans im Biergarten — es kam nämlich niemand.

Kurz vor Anpfiff setzte sich ein Mann in den Public-Viewing-Bereich, wobei ich den Verdacht hatte, der arbeitet im Biergarten. Wir setzten uns dann auch mal dahin. Zum einen, um ein Zeichen für den Frauenfußball zu setzen, zum anderen, um besser zu sehen und auch irgendwas von dem leise gedrehten Ton zu hören.

Public Viewing im Zollhaus-Biergarten.

Erste Halbzeit: das nicht gegebene Tor der deutschen Frauen, dann das gegebene Tor der dänischen Frauen. In der zweiten Halbzeit dann der Wechsel. Bald bei den Fußballerinnen auf dem Platz, gleich zu Beginn beim Public Viewing im Zollhaus-Biergarten. Der Mann wurde eingewechselt gegen ein vielleicht zehnjähriges Kind. Das brachte tatsächlich ein wenig Stimmung rein und wurde in der letzten halben Stunde des Spiels durch seinen Vater verstärkt. Wir vier sahen zu, wie die deutschen Frauen zwei tolle Tore schossen und sonst mit viel Dusel das Spiel gewannen. Ein kleines Gemeinschaftsgefühl, immerhin, aber verbunden mit ganzen Ländern fühlte ich mich nicht.

Was war los? Eigentlich ist der Zollhaus-Biergarten ein guter Ort für ein Public Viewing. Was es das „kühle“ Wetter? Und da meine ich die Anführungszeichen ernst, denn ich saß noch bis in die zweite Halbzeit mit T-Shirt da. Gab es so viel Public-Viewing-Veranstaltungen in Würzburg, dass sich die Zuschauerinnen und Zuschauer homöopathisch verteilten? Oder — ich wage es kaum zu schreiben — lag es daran, dass es Frauenfußball war? Ist es einfach zu reizlos, wenn keine Millionäre auf dem Spielfeld herumrennen?

Ach ja, das Titelbild: Das Ergebnis des kleinen banalen Trinkspiels während des Matches. Ein Ouzo pro Tor der deutschen Frauen. Sowas kann man auch nur beim Fußball machen, bei den Würzburg Baskets mache ich das mit nie mit den geworfenen Körben.

Zwei leere Schnapsgläser auf einem Biertisch.
Zwei Tore, zwei Ouzo.

2 Gedanken zu „Beinahe Private Viewing“

  1. Ich verfolge die Frauen Em super aktiv und hatte vor dem Tunier mehrfach gegoogelt, ob es punlic viewings gibt. Hab aber nie was gefunden. Also ich bin mir sehr sicher, dass es einfach bisschen angekündigt werden müsste und dann wäre es auch voll.

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  2. Ich geb zu, das aktuelle Turnier hab ich noch überhaupt nicht gesehen. Es gab aber auch schon Männerturniere, die ich nicht voll verfolgt habe. Ich werde mal schauen, ob ich mich noch eingrouve…. 😊

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