Gestern Abend war ich am Theater am Schützenhof zur Generalprobe des neuen Stücks. Birgit Süß lädt seit Jahren — oder gar schon seit Jahrzehnten? — Leute des ehemaligen Bloggerstammtischs ein, damit sie nicht vor leeren Stühlen zum ersten und einzigen Mal vor der Premiere das gesamte Stück mit allem Pipapo durchspielen müssen. Für uns ist es eine Mischung aus Picknick, Klassentreffen und Happening.
Das Stück, das Birgit Süß, Georg Koeniger und Martin Hanns dieses und nächstes Jahr auf Würzburgs höchstgelegene Bühne bringen, heißt „Planet der Franken“, diesmal wüten sie in der fränkischen Originalfassung im Science-Fiction-Genre. Die Handlung ist ein wilder Mix aus Star Trek, The Expanse, Metropolis, Die Besucher, Total Recall, Rocky Horror Picture Show, Flash Gordon, Nummer Fünf lebt, 500 Jahre Bauernkrieg, einem Werbeflyer der Metzgerinnung und die Rückkehr der Fickificki-Zwerge. Und ehrlich, in Sachen Logiklöcher, absurden Ideen, schwachsinnigen Handlungssträngen steht „Planet der Franken“ sehr vielen Hollywood-Hundert-Millionen-Dollar-Produktionen kaum nach. Nur wird hier nicht versucht, das alles mit einer optischen Nebelwolke aus teuren Spezialeffekten zu kaschieren — hier steht man noch dazu und unterstreicht das mit einer liebevoll selbstgebastelten Sperrholzbühne. Wobei, diesmal sind tatsächlich für das Theater am Schützenhof geradezu spektakuläre Spezialeffekte und technischen Spielereien dabei — wenn sie denn funktionieren.

Mit dabei sind natürlich die gewohnten, manchmal bis an die Schmerzgrenze und ein wenige darüber hinaus gehenden Albereien, Lokalkolorit (wobei da schon mal mehr war) und sehr viel Gesang. Etliche bekannten Lieder wurden durch die fränkische Mangel gedreht und dabei sind teilweise wirklich grandiose Neuauflagen entstanden. Manchmal wünschte ich mir, es gäbe mal ein Best-of-Album vom Theater am Schützenhof. Und ja, auch ich als Vegetarier habe alles mitgesungen und -gesprochen (um diese Bemerkung zu verstehen, sollte man das Stück bereits gesehen haben)
Was in all den Jahren immer mehr in der Schützenhof-Stücke kam und in diesem Jahr noch mehr spürbar und erkennbar war, war unter all den Albernheiten mehr oder weniger verborgene Gesellschaftskritik. Die weltpolitische Lage, Klimawandel, Autokratien und die Frage danach, was Freiheit ist und wie man sich verteidigen kann, schwingen durch den „Planet der Franken“. Ich finde, sie bekommen aber gut die Balance hin, zwischen hirnerweichenden und lachtränigen Gags und den leisen ernsten Tönen immer wieder dazwischen mal. Ich ging sehr gut unterhalten nach Hause — mit all den Bonus-Gags, die die Generalprobe unfreiwillig mit sich brachte.
Ihr wollt „Planet der Franken“ auch sehen. Dann merkt es euch am besten für nächstes Jahr schon mal vor. Oder hofft auf großes Glück. Es gibt für diesen Sommer noch ganz wenige einzelnen Tickets, die meisten Vorstellungen sind schon lange ausverkauft. Es gibt aber immer ein kleines Kontingent an Karten an der Abendkasse, da sollte man aber nicht zu spät hin und damit rechnen, dass man den Weg hoch zum Niklausberg umsonst gemacht hat. Aber die Aussicht ist schön.
Ich wünsche dem gesamten Team des Theaters am Schützenhof zwei grandiose Saisons mit passendem Wetter und vollen Bänken.
Ich habe ein paar Bilder von der Generalprobe gemacht. Wer sich nicht die Überraschung über manche Kostüme oder Figuren verderben lassen will, sollte da lieber erst mal nicht reinschauen. Alle anderen dürfen gerne auf die zweite Seite blättern.

Wir leben im Saarland und waren auf einem Ausflug in Würzburg. zufällig haben wir von dieser Veranstaltung erfahren und auch noch Karten bekommen.Wir sind begeistert, Wortwitz, Mimik, Gestik professionell,Habe selten so gelacht.Hervorragende Darbietung.Sehr gute Leistung!
Das Metropolis-Maria-Kostüm von Birgit Süß kommt jedenfalls schon mal recht gut 🙂
Stimmt. Und ich dachte auch gleich an Metropolis und nicht „Hey, ein silberner C3-PO“. 😉