Archiv der Kategorie: Politik

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#45

Er spielt Football bei den Würzburg Panthers, trägt auf seinem Trikot die Nummer 45 und möchte eigentlich auch gern mit zu den Auswärtsspielen — aber Madiama Diop aus dem Senegal ist Asylbewerber und durch die Residenzplicht darf er den Regierungsbezirk Unterfranken nicht verlassen. Nicht mal für ein Spiel. Die Ironie dabei: Durch das Integrationsprojekt “Sport ohne Grenzen” kam Madiama überhaupt erst zu den Panthers. Klappt ja super, das mit der Integration.

Berichte dazu auf

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Baustelle Valentin-Becker-Straße

Auf den Sockel damit: Das Baustellen-Blog hat fertig.

Geht es euch auch so, dass es dem Leben gerade etwas an Sinn fehlt? Das liegt vermutlich daran, dass seit fünf Tagen nichts Neues im Baustellen-Blog von Hermkes Romanboutique zu lesen war. Das Baustellen-Blog wurde eingestellt, nachdem die Durchfahrt durch die Eisenbahn-Unterführung in der Valentin-Becker-Straße wieder möglich ist.

Seit dem 7. Januar 2014 gab Gerd Eibach seinen Senf zu den Baustellen vor dem Comic- und Spieleladen. Und in 156 Beiträgen — also beinahe täglich — durften wir Leser mitleiden und -lachen.  Die Troglodyten haben die Valentin-Becker-Straße übernommen und das Comicdealer-Team schaut fassungslos und fasziniert zu, wie diese Wesen aus einer anderen Dimension mit völlig anderen Naturgesetzen und Zeitabläufen ihren Aktivitäten nachgehen, die zu erfassen der menschliche Geist einfach nicht geschaffen ist.

Wer es noch nicht gelesen hat — das Baustellen-Blog von Beginn an. Am Besten hinten anfangen.

Danke an Gerd für das Baustellen-Blog, ihm gebührt es, auf den Blog-Sockel für das Jahr 2014 gestellt zu werden! 🙂

Huldigt ihm!

Gerd

WühiWübeWä – OB-Wahl Würzburg 2014

Nur noch 3 Wochen bis zur Kommunalwahl.
Wer sich seine Meinung noch nicht gebildet hat und Sie sich auch nicht bilden lassen möchte, darf aber trotzdem am 16. März zur Wahl gehen.

Wie bei der letzten Kommunalwahl gibt es hier den Wahlwürfel als PDF:

wahlwuerfel2014

Zur nächsten Wahl sind auch wieder Würzmischungen mit den Kandidaten geplant, dieses Jahr war es leider terminlich nicht wirklich drin.

Die Stadt Würzburg sucht übrigens noch Wahlhelfer, zwischen 30 und 40€ Aufwandsentschädigung werden gezahlt, mehr Infos hier.

Antikes Wahlplakat

Vorsicht: Wahlhistoriker unterwegs

Kunstliebhaber kennen das ja: Manchmal befindet sich unter der sichtbaren Farbschicht eines Gemäldes ein weiteres Bild, ein gefundenes Fressen für Kunsthistoriker.

In Würzburg hat sich solch ein Forscher für ein Wahlplakat der Grünen interessiert. Da wohl die Batterien für das Taschen-Röntgenfluoreszenz-Gerät leer waren, hat er die obere Schicht einfach abgerissen. Hach, der ungestüme und kindliche Forscherdrang! Aber die Mühe hat sich für ihn wohl gelohnt: Unter dem Plakat von 2013 befindet sich eines aus dem Jahr 2008, unglaubliche fünf Jahre alt — als Matthias Pilz noch Oberbürgermeister werden wollte. Eine Kopie des Originals ist in den Archiven der Grünen noch erhalten.
Antikes Wahlplakat

Wahlplakate am Boden

Wahlplakate ohne Klimaschutz

Ach, wenn wir doch schon mal beim Thema Wahlplakate sind: Das Gewitter heute nachmittag hat mal klar Schiff mit der Plakatflut in Würzburg gemacht. Dass auf den Bildern nur Wahlplakate der Grünen zu sehen sind, hat keine politische Bedeutung, es hängen nur gerade von deren Kandidaten die meisten Plakate — oder besser gesagt: hingen. Vielleicht sollte man die Dinger etwas wetterfester aufhängen — oder mit dem Aufhängen warten.

Dem Plakat von Patrick Friedl an der Berner Straße am Heuchelhof sieht man deutlich an, dass es für mehr Klimaschutz ist, es hätte sich wohl schon über einen Regenschirm gefreut.

Ein Wahlplakat ohne Klimaschutz
Ein Wahlplakat ohne Klimaschutz

Und das Martin Heilig am Sanderring ausgerechnet vom öffentlichen Personennahverkehr gezweiteilt wurde, hat er als Grüner auch nicht verdient, das ist nicht fair.

Von der WVV gezweiteilt - Martin Heilig

Wie ist das eigentlich, wer muss den Scheiß jetzt aufräumen? Die Partei? Oder machen das die Stadtreiniger?
Wahlplakate am Boden Wahlplakate am Boden

Wahlplakate

Früher Overkill der Wahlplakate

Wahlplakat von Patrick Friedl vor dem D.O.C.
Wahlplakat von Patrick Friedl vor dem D.O.C.

Noch 57 Tage bis zur Landtagswahl in Bayern und 64 Tage bis zur Bundestagswahl — und es beginnt die Zeit der Wahlplakate-Wälder. Ich war heute morgen beim Kaffeetrinken im D.O.C. umringt von lächelnd auf Papier gebannten Kandidaten der Grünen — allen voran der Würzburger Patrick Friedel. Nichts gegen Patrick, den ich  leibhaftig und mit nur einem Gesicht durchaus gern sehe. Aber wenn er,  kaleidoskopartig um mich versammelt, in meinen Cappuccino starrt … nun ja.

Aber ich fürchte, das ist nur der Beginn. In meiner Zählung vom D.O.C. (11 Plakate der Grünen im Blickfeld) bis zur Haltestelle am Sanderring (etwa 660 Meter) habe ich 39 Plakate der Grünen, acht der CSU, sechs der FDP, vier der ÖDP und eines der SPD gesehen. Die anderen Parteien werden bestimmt in der nächsten Wochen in Sachen Wahlplakaten noch nachziehen — die Grünen hoffentlich nicht mehr. Interessanterweise sind die meisten Plakate in der Augustinerstraße, in der Sanderstraße dünnt es deutlich aus — dafür sind dort mehr von der ÖDP.

In spätestens 67 Tagen ist der Plakate-Spuk vorbei, dann müssen die Dinger laut der “Verordnung der Stadt Würzburg über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung” (PDF) wieder entfernt werden. Die in der Verordnung auch erwähnten acht Wochen, ab denen  die Plakate vor der Wahl überhaupt erst aufgestellt werden dürfen, sind wohl auch mehr ein gut gemeinter Rat als eine Anweisung. Denn die Plakate für die Landtagswahl dürfen danach eigentlich erst morgen — acht Wochen der Wahl = 56 Tage)  und die der Bundestagswahl erst Sonntag in einer Woche aufgestellt werden (ebenfalls acht Wochen vor der Wahl).  Oder gibt es da Sonderregelungen?

Aber wenn ich ehrlich bin — die Dinger werden mir so oder so auf den Sack gehen, da spielt eine Woche mehr oder weniger auch keine Rolle.

Und ob Wahlplakate überhaupt noch eine Rolle für den Wahlkampf spielen, ist eh umstritten. Dazu auch: Interview von Radio Corax mit Prof.  Günther Burkert-Dottolo zum Thema “Wirkung von Wahlplakaten”

Wahlplakate

kaimauer

Wenn Mauern und Menschen versagen

In diesem Jahr ist wirklich der Wurm drin. Das Africa Festival säuft im Hochwasser in Würzburg ab, das Umsonst & Draussen kriegt gerade noch die Kurve und könnte nur noch durch heftige Sommergewitter gestoppt werden — und nun erwischt es auch noch den Hafensommer am Alten Hafen. Nein, nicht wegen Hochwasser, sondern wegen einer Mauer.

Der Hafensommer findet in diesem Jahr spontan mal nicht an der Hafentreppe bzw. im Hafenbecken statt, denn wie die Main-Post gestern berichtete, ein neuer Ort muss jetzt schnell gefunden werden. Denn die alte Kaimauer am Alten Hafen  ist einsturzgefährdet, oder wie die WVV-Sprecherin — die Hafen AG ist einer Tochter der WVV — zitiert wurde: “Ein Versagen der Mauer kann nicht ausgeschlossen werden”.

Nun, die Kaimauer versagt nicht, sie ist einfach nur über 100 Jahre alt. Darüber, wer in diesem Fall versagt hat, kann man nun streiten. Die Kaimauer tauchte schon im WVV-Geschäftsbericht 2009 auf (Seite 56):

Als Folge der Ergebnisse einer ersten Untersuchung wurde die bestehende Rückstellung für die Sanierung der Schadstellen an der Kaimauer Alter Hafen im Berichtszeitraum erhöht.

Im Geschäftsbericht 2010 wird die Kaimauer mit dem identischen Wortlaut erwähnt, dazu noch an anderer Stelle von einer “notwendigen Sanierung”. Und im Geschäftsbericht 2011 ist die Sanierung der Kaimauer immer noch notwendig, aber anscheinend nicht mehr sooooo notwendig: (vermutlich ist  damit die Kaimauer am Alten Hafen gemeint, das steht aber nicht explizit im Bericht)

Die Sanierung der Kaimauer wurde von den Jahren 2012 und 2013 auf die Jahre 2013 und 2014 verschoben. (S. 67)

Die WVV wusst also um das Problem, hat sich aber nicht gerade überschlagen, es zu lösen. Doch ganz untätig war sie nicht: Im letzten Jahr hat das Landesamt für Denkmalschutz eine Vorschlag abgelehnt, die Mauer durch eine Spundwand aus Stahl abzusichern. Im Jahr 2010 hat der Bauausschuss der Stadt Würzburg diesen Vorschlag laut Main-Post schon einstimmig abgelehnt.

Jahrelang war man sich auf Seiten der Stadt und der WVV bewusst, dass die Kaimauer saniert werden muss, hat sich aber viel Zeit dabei gelassen. Und nun muss alles ganz schnell gehen.

Was wird jetzt mit dem Hafensommer?

In 35 Tagen beginnt der Hafensommer und noch ist offensichtlich nicht endgültig klar, wo genau das Musik- und Kulturfestival stattfinden soll. Laut der Facebook-Seite des Hafensommers suchen die Veranstalter gerade mit der Hafen AG einen Ort, “der weiterhin der Bezeichnung Hafensommer gerecht wird”. Ich bin gespannt.

Und ganz beschissen ist es für die Leute vom Eisbrecher Ulla, die ihre Bleibe vom Arte-Noah-Schiff in das ehemalige Lumen im Kulturspeicher verlegt haben. Letzte Woche die erste Veranstaltung und schon müssen sie wieder schließen. Bitter!

Nun kann man natürlich Verschwörungstheorien stricken, dass die Stadt oder die WVV etwas gegen Kultur am Alten Hafen hat. Die Wahrheit ist meiner Meinung nach langweiliger und doch erschreckender: Die Entscheider haben vergessen, dass Zeit eben nicht immer Wunden heilt, sondern auch mal Mauern einstürzen lässt. Diese Zeit kann man auch einfach verschlafen, dafür wird man schreckhaft geweckt.

P.S.: Dear you Würzburg hat auch schon darüber geschrieben