Bahnhofsverwirrung

Heute habe ich in der Mainpost von der “Bahnhofskonferenz” am Montag gelesen, bei der sich die Stadt Würzburg mit der Bahn AG getroffen hat, um über das weitere Vorgehen am Bahnhof zu reden. Und ich war doch etwas erstaunt bzw. verwirrt.

Nicht nur, dass die Bahn einen Umbau des Bahnhofgebäudes “relativ” schnell durchziehen und die Stadt den Busbahnhof dann in den Osten verlegen will. Nein, auch am Posthochhaus soll eine 8000 m² große Einzelhandelsfläche entstehen, was knapp der Hälfte der geplanten Handelsfläche der Arcaden entspricht. Also doch auch ein kleines Einkaufszentrum, oder? Und haben sich die Würzburger Bürger im Dezember nicht gerade dagegen ausgesprochen? Wäre diese hypothetische Fläche dann das Aus für eine eventuelle Einzelhandelsfläche am Mozartareal? Oder ergänzend dazu?

Nicht, dass ich den Vorschlag für nicht diskutabel halte, aber es scheint mir, als ob die Interpretationen des Ergebnis des Bürgerentscheids doch weit auseinander gehen. Denn der Montagsvorschlag deckt sich ja ungefähr damit, was das Stadtratsbegehren (Vorschlag 2) wollte — nur dass jetzt kein Investor mehr im Spiel ist, die Stadt also mehr selbst zahlen müsste. Nämlich 22 Millionen Euro.

So langsam blicke ich da nicht mehr durch. Oder andere.

Update: Weitere Beiträge dazu gibt es hier, hier und hier.

Arcaden-Wettbewerbär

Ich sitze hier völlig entspannt — vom üblichen Arbeitswahnsinn mal abgesehen — mit einem Apfelkuchen vor dem Rechner, während seit ein paar Stunden nur ca. 30 Meter von mir entfernt wahrscheinlich der Bär tobt. Nein, nicht Bruno, der ist ja tot. Es ist mehr der Arcaden-Wettbewerbär. Im Kulturspeicher findet heute die Entscheidung über den Architektenwettbewerb für die geplanten Arcaden am Bahnhofgelände statt. Neben dem potenziellen Bauherrn mfi haben auch Würzburger Politiker und die Bahn AG mitzureden, welcher Entwurf am besten für die Stadt und den Geldbeutel geeignet ist. Da kann man allen beteiligten nur gute Nerven wünschen, denn es sitzen auch bekennende Arcaden-Gegner im Wettbewerbsgremium. Laut Mainpost soll der Sieger schnell veröffentlicht werden:

Nach der Entscheidung des Preisgerichts werde die Öffentlichkeit sofort informiert und sämtliche Modelle im Rathaus präsentiert werden.

Ich werde immer mal aus dem Fenster schauen, ob über dem Kulturspeicher weißer Rauch aufsteigt und Pia Beckmann verkündet: Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Arcadem! Vielleicht zeltet bis dahin auch eine große Menge an Gläubigen Bürgern auf dem Kulturspeicher-Vorplatz und wartet darauf, dass ihnen ein Sprecher des Gremiums das Modell mit hocherhobenen Händen zeigt.

Man darf auf die Pläne und das Modell des Siegers gespannt sein. Vielleicht erleichtert es ja eine Entscheidung bei dem wahrscheinlich kommenden Bürgerentscheid. Fragt sich nur, in welche Richtung.

Unsere Stadt soll reicher … ähhh … schöner werden

Heiß her geht es nicht nur beim Wetter, auch in der Planung der Zukunft Würzburgs kocht vieles auf.
Nachdem das Arcaden-Projekt im am Ringpark und ehemaligen Postgelände letztes Jahr abgeschmettert wurde, schien sich das Thema “Shopping Mall” erst mal erschöpft zu haben. Dann kam der Vorschlag auf (ok, den gab es schon länger), das Gelände des ehemaligen Mozartgymnasiums mit einem Einkaufszentrum zu bebauen. Und nun tönt die Bahn herum, sie saniere den Bahnhof nur, wenn die Stadt die Pläne von mfi umsetzt und auf dem Post-Areal neben dem Bahnhof einem solches Einkaufszentrum errichtet.

Punkt1: Liebe Bahn! Dass du jetzt Fracksausen bekommst, weil die Bildzeitung den Würzburger Bahnhof als den häßlichsten Deutschlands gekrönt nicht sehr gut bewertet hat, verstehe ich schon. Aber zum einen ist er schon seit vielen Jahren so häßlich, zum anderen ist es ja wohl das ureigenste Interesse der Bahn, dass ihre Bahnhöfe attraktiv sind. Und wenn ihr euch das nicht leisten wollt könnt, dann müsst erst mal ihr damit leben. Und die Leute kommen auch mit einem häßlichen Bahnhof nach Würzburg – sie laufen nur schneller durch das Gebäude durch. Der Imageverlust geht erst mal voll auf eure Kosten. Wenn ihr das Bahnfahren anziehend machen wollt, dann müsst ihr das auch selbst in die Hand nehmen.

Punkt2: Wie kann so ein Einkaufszentrum die Stadt langfristig fördern? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Leute mehr einkaufen. So ein gewöhnlicher Konsument wie ich hat ja nur eine begrenzte Menge Geld zur Verfügung. Dieses Geld kann ich in diesem Zentrum ausgeben – dafür woanders nicht mehr. Das heißt, entweder überlebt diese Shopping Mall oder der städtische Einzelhandel.
Nun gibt es auch das Argument, dass das neue Konsumareal auch die Leute aus dem Umland mehr anzieht. Das Einzugsgebiet wird auf den mfi-Seiten eindrucksvoll beschrieben:

[…] leben im Einzugsgebiet der Würzburg Arcaden rund 1.057.900 Menschen, die ein einzelhandelsrelevantes Nachfragevolumen von 4,8 Milliarden Euro generieren. Das Einzugsgebiet reicht von Bad Neustadt im Norden bis Rothenburg o. d. T. im Süden, von Wertheim im Westen bis Knetzgau im Osten.

Knetzgau? Ok, es fahren schon mal Leute von Knetzgau nach Würzburg zum Einkaufen. Aber für die Knetzgauer sind auch Schweinfurt und Bamberg recht naheliegende (im wahrsten Sinne des Wortes) Einkaufsziele. Mit Bad Neustadt ist es ähnlich. Und von Rothenburg ob der Tauber wollen wir gar nicht reden, der gemeine Würzburger weiß doch nicht mal wo das liegt. Die deutliche Mehrzahl der Konsumenten in Würzburg besteht doch wohl aus Würzburgern und Bewohnern des Würzburger Landes.

Punkt 3: Ach, ich weiß nicht so recht. Natürlich wäre es schön, wenn es geschäftlich in Würzburg voran gehen würde. Aber ob da ein so ein gigantomanischer Konsumtempel die Lösung ist, wage ich zu beweifeln. Wäre es nicht besser, wenn die bestehenden Geschäfte ihre Läden und Angebote reizvoller machen würden, wenn die Auswahl vielfältiger wäre (nicht in jeden leerstehenden Laden einen Discount-Bäcker) und die Stadt an sich ansprechender.

Vielleicht wäre in eine Konzentration auf das CCWplus sinnvoller – damit bekommt man wirklich “frische” Konsumenten nach Würzburg und nutzt einen großen Vorteil Würzburgs – es liegt verkehrstechnisch sehr günstig in Deutschland.

Oder, oder, oder …