Preview von Wuerzburg-Online?

Gerade habe ich in der Statistik des Würzblog geschaut, wieviele Besucher heute von der U&D-Seiten gekommen sind (ca. 50), da ist mir etwas ins Auge gestochen. Ein Besuch von wuerzburg.de? Die offizielle Stadtseite von Würzburg hat das Würzblog und alle Blogs doch bisher immer recht erfolgreich ignoriert.

Neugierig wie ich bin, habe ich auf den Referrer geklickt und — Schwupps — blinkt mir ein unbekanntes Design entgegen, inklusive eines Testlinks auf das Würzblog — welch Ehre. Ob das wohl der Entwurf für eine Neuauflage von wuerzburg.de ist? Sieht aber noch nach schwerer Baustelle aus, da geht noch kaum was.

Wuerzburg.de
Was das Headerbild aussagen will? “Es wird Nacht um Würzburg” oder was? 😉

Highnoon der Virtuellen Stadtbücherei Würzburg

Die Stadtbücherei Würzburg hat in den letzten Jahren ja ruhmreiche Preise eingeheimst. Da ist dann natürlich kein Stillstand angesagt, sondern Innovationen gefragt. Und so eine wird es morgen geben: die virtuelle Stadtbücherei in Würzburg.

Ab morgen um 12 Uhr mittags kann jeder, der einen gültigen Büchereiausweis hat, Bücher und andere Medien über das Internet ausleihen. Und zwar so richtig virtuell. Die Bücher landen als PDF auf der heimischen Festplatte, die Audiodateien (Musik und Hörbücher) als WMA und die Filme als WMV.
“Toll”, wird da mancher Jäger und Sammler sagen, “da kann ich mit ja meine eigene Bibliothek auf der Festplatte einrichten”. Ähhh … nein. Die virtuelle Bibliothek funktionert fast genauso wie die reelle.

Kurz zusammengefasst: Jedes Medium gibt es nur in begrenzter Anzahl, normalerweise einmal. Genau wie in echt. Und wenn ich mir das Medium digital ausleihe, dann ist es in der Leihzeit für andere nicht auszuleihen. Und die Medien haben auch eine Leihfrist, je nach Medium ein Tag bis zu 14 Tage. Nach Anlauf der Leihfrist löscht sich da Medium auf der Platte nicht von selbst, aber es kann nicht mehr verwendet werden. Technischerseits sind alle Medien mit einem DRM versehen, diese digitale Rechteverwaltung kümmert sich darum und versucht einem Missbrauch vorzubeugen.

Ich hatte die Möglichkeit, die Virtuelle Stadtbücherei schon vorab mal zu testen. Alle Angaben in diesem Artikel beziehen sich auch den Stand 30. Mai 2007 um 16.30 Uhr. Das Ganze ist ein Pilotprojekt, da kann sich also noch einiges ändern.

Erst mal zu den positiven Seiten. Es ist ein schöner Service. Ich kann mir mitten in der Nacht den neuen Spiegel virtuell ausleihen und lesen. Schnell noch Urlaubslektüre für den Spontantrip? Kein Problem. Genauso wie ein Hörbuch für die nächste Zugfahrt nach Berlin. Für Stöberaktionen steht mir die echte Bibliothek im Falkenhaus ja nach wie vor noch zur Verfügung. Und — ein wichtiger Punkt für Leute wie mich — ich kann die Abgabefrist der virtuell ausgeliehenen Bücher nicht versäumen. Das DRM sperrt die Datei am Abgabetag und das Buch wird in der virtuellen Bücherei wieder als ausleihbar gekennzeichnet. Das spart mir Geld (das dann allerdings der Stadtbücherei fehlt) und kostet mich keinen Pfennig Cent mehr.

Nachteile und Kritikpunkte gibt es natürlich auch.

Technisches

Als virtueller Nutzer sollte man technisch schon nicht allzu weit hintendran sein. Die Spiegel-Ausgabe als PDF braucht schon 24 MB, die erst mal übertragen werden wollen. Filme haben gern mal ein paar hundert Megabyte. Mit dem Modem oder per ISDN sind solche Größen nicht unbedingt spaßig, ein Breitbandanschluss ist sehr ratsam.
Zum Lesen der PDFs braucht man mindestens die Version 7 des Acrobat Readers. Leider sind alle eBooks, die ich bisher virtuell ausgeliehen habe, als ETDs vorhanden. Diese kann ich bei mir zwar im Acrobat Reader 8 öffnen, aber er zeigt sie nicht mehr an. Stattdessen leitet er mich zur Seite der Adobe Digital Editions, einer Flash-basierten Software, die das eBook dann herunterlädt und anzeigt. Da kann ich meinen Traum abschminken, mit meinem Taschencomputer (PDA) am Strand zu liegen und den Roman als PDF zu lesen.

Ähnlich unglücklich ist es mit Musik und Videos. Die liegen alle im WMA- bzw. WMV-Format vor. Mein Windows Media Player auf meinem letzten Windows-Arbeitsplatz könnte das abspielen. Mein MP3-Player für unterwegs auch, aber die vielen, vielen iPods leider nicht. Und auch nicht mein Linux-Rechner daheim. Das DRM schränkt die praktischen Nutzungsmöglichkeiten doch schon recht stark ein.

Angebot

Noch ist das Angebot der Virtuellen Stadtbücherei recht dünn. Knapp 10.000 Medien sind zur Zeit auszuleihen, davon besteht die eine Hälfte fast nur aus Schulliteratur und die andere Hälfte fast nur aus klassischer Musik. Das liegt nicht mal unbedingt nur an der Bücherei, viele Verlage sperren sich noch gegen das Anbieten in digitaler Form. Und die Bücherei muss übrigens auch die Online-Ausgaben bezahlen, die meist mindestens genauso teuer sind wie ihre Offline-Pendants.

System

Im Prinzip ist das System der virtuellen Ausleihe ganz praktikabel. Doch es birgt auch ein paar Tücken in sich. So ist es recht leicht, beliebte Bücher auszuleihen ohne sie lesen zu wollen. Einfach so aus Spaß, damit andere es nicht lesen können. Zwar soll es eine Beschränkung der Anzahl der jeweils ausleih- und vorbestellbaren Titel geben, aber wenn sich genug Idioten zusammenfinden, kann man da auch ganz schön Sand ins Ausleihgetriebe streuen.

Blöd ist auch, dass ich Medien nicht schon vor Ablauf der Leihfrist wieder abgeben kann. Wenn ich ein Buch nur mal zum kurzen Nachblättern ausleihe, ist es 7 Tage gesperrt, auch wenn ich es nach 1 Stunde noch nicht mehr brauche. Da braucht man also keine Hoffnungen haben, dass ein sehnlichst erwartetes Buch schon vorher wieder zurück kommt.

Fazit

Noch ist es zu früh um ein wirkliches Urteil über die Virtuelle Stadtbücherei zu fällen. Sie befindet sich noch in der Entwicklung und es wird noch immer an allen Ecken und Enden gefeilt, sei es an der Benutzeroberfläche oder am Inhalt. Manche technischen Probleme sind auch nicht so einfach für die Stadtbücherei bzw. ihrer Partnerfirma diviBib selbst zu lösen, sondern liegen auch in anderen Händen, wie z. B. die praktischen Probleme mit der digitalen Rechteverwaltung. Auch das Angebot wird wohl erst nach und nach wachsen.
Am besten den Mitarbeitern der Stadtbücherei fleißig Rückmeldung geben — virtuell oder von Angesicht zu Angesicht.

Aber es ist ja nicht so, dass einem hier das Geld aus der Tasche gezogen wird, die Nutzung ist für Besitzer des Büchereiausweises kostenfrei. Und wer nicht sein Buch nicht am Bildschirm lesen will — das will ich auch nicht immer –, der kann ja nach wie vor ins Falkenhaus und dort seine Bücher ausleihen. Und auch hoffentlich wieder zurück bringen — das gilt vor allem für mich!

Mac und Matratze

Ich bin Religionsgemeinschaften im Allgemeinen recht tolerant gegenüber, und so habe ich auch nichts dagegen, wenn sich die spiritistische Gemeinschaft der Mac- und iPod-Nutzer im Cineworld trifft. “Macinday” wird diese Zusammenkunft der Gläubigen genannt.

Aber auch für uns Außenstehende — PC-Fundamentalisten und Linux-Deisten — kann diese Veranstaltung interessant sein. Denn dort hat der Film “Matratze Reloaded” von Mario Weber und Dominik Schüßler Weltpremiere, eine “wirre Parodie auf verschiedene Kinoblockbuster”.