Der Himmel blau und Würzburg bunt

Der Samstag stand bei mir ganz im Zeichen des CSD. Das Wetter war unverschämt gut, dementsprechend voll war die Alte Mainbrücke. Das heißt, sie wäre schon ohne den CSD voll gewesen. Aber mit hunderten Schwulen, Lesben und Heterosexuellen zusätzlich war die Brücke fast unpassierbar.

Ich blätter mal in meinem Notizbuch

  • Auch wenn Room2021 der Top-Act des CSD war, fand ich sie grauenhaft. Das ist Musik wie man sie im Baumarkt hört, wenn man vier 20-Liter-Eimer Wandfarbe auf dem Wagen hat und nach den 18er-Dübeln sucht.
  • Wenn die Alte Mainbrücke nicht so schmal wäre, dann könnte man dort öfters Konzerte oder ähnliches veranstalten. Sie gab gerade in den Abendstunden eine tolle Kulisse ab.
  • Mein absoluter musikalischer Top-Act waren das Moderatorenpaar “Die Lottis“. Joy Stick und Vivi Marode gaben witzig-böse Lieder von sich, dass es eine helle Freude war. Von denen würde ich gerne mal einen eigenen Auftritt sehen (Wink mit dem Zaunpfahl an alle Würzburger Veranstalter).
  • Auf wenn die CSD-Parade im Vergleich zu Köln oder Berlin ein Witz ist, fand ich sie mit 600 Teilnehmern ganz ordentlich, aber auf jeden Fal noch steigerungswürdig.
  • Die politische Eröffnung war im Vergleich zu den Vorjahren sehr gut besucht. So gut, dass ich mich auf dem Boden niederlassen musste. Aber es wurde nicht lange geredet.
  • Steffi List hat wirklich Spaß am Singen und einen herzerweichend schönen Schweinfurter Dialekt.
  • Ein CSU-Mitglied hat es auf der CSD-Redenbühne deutlich schwerer als die Kollegen von der FDP, SPD, Linke und von den Grünen. Und dem Herrn von der Linken sollte man sagen, dass ein Mikrophon dafür da ist , eben nicht mehr schreien zu müssen. Aber mit Mikro zu schreien tut einfach nur in den Ohren weh.

Bilder gibt es im 23hq-Album, ein paar kommen vielleicht noch dazu.

    CSD 2008 in Würzburg — los geht’s

    In diesen Minuten wird der Würzburger CSD 2008 eröffnet, der Kilian im Würzblog-Kopf trägt wieder die Farben des Regenbogens. Also, das heißt, eröffnet wird der CSD im Cineworld in Dettelbach. Aber heute ist eh nur Vorgeplänkel, morgen geht es dann richtig los, am Samstag die Post ab und am Sonntag zu Ende.

    Der Christopher Street Day müsste in diesem Jahr eigentlich eine Siegesfeier sein. Denn seit kurzem steht der Trausaal auch homosexuellen Paaren offen, damit auch sie in den Genuss der geschmacklosen Tapete kommen dürfen. Gleiches Recht für allle. Das Thema Trausaalöffnung war zumindest der Dauerbrenner der vergangenen CSDs in Würzburg. Genau wie die hartnäckige Weigerung des Stadtoberhaupts Pia Beckmann, Schirmherrin der Veranstaltung zu sein. Aber auch das hat sich ja geändert, El Chefe persönlich wird morgen um 19.30 Uhr die politische Eröffnung … eröffnen und Adelheid Rupp wird weiterreden. Der gemütliche Teil danach findet im Zaubergarten statt und geht in die csd.volution im Zauberberg über.

    Der Samstag ist für’s Volk. Ab 14.00 Uhr geht das CSD Straßenfest los. Zum Glück und leider auf der Alten Mainbrücke. Zum Glück, weil es dort einfach schön ist. Leider, weil es da einfach eng ist und eine Menge Menschen — und Touristen — laufen darauf hin und her. Da eine Bühne, Infostände, Bänke und feierlustige Homo- und Heterosexuelle — ich könnte mir vorstellen, dass das ganz schön eng und ungemütlich werden kann. Eigentlich wollten die Veranstalter auf den Unteren Markt, aber da ist die Weinparade.In dem Zusammenhang ein kurzes Zitat aus einer Pressemitteilung:

    Die Stadtverwaltung räumte uns gegenüber Kommunikationsdefizite im Rahmen der Vergabe des Standorts Unterer Markt ein. Wir nehmen dies zur Kenntnis und hoffen für die zukünftigen Jahre auf eine kooperativere Art der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

    Das klngt mir fast danach, als hätten die Weinfest-Wirte nachträglich den Vorrang erhalten. Hm.

    Egal. Kein CSD ohne Demo. Und die zieht — Autofahrer aufgepasst — ab 15.00 Uhr durch Karmelitenstraße, Juliuspromenade, Schönbornstraße, Domstraße und endet wieder am Vierröhrenbrunnen mit der Abschlusskundgebung, bei der Volker Beck, Jens Brandt, Aron Schuster, Marco Schneider und Wolfgang Ziller sprechen werden — und teilweise ganz nebenbei Stimmen für die Landtagswahl sammeln wollen. Auf der Mainbrücke gibt es auch Musik, reichlich Musik. Die beiden Topacts — im Sinne der Bekanntheit, nicht unbedingt im Sinne meines musikalischen Geschmacks — sind Room2012 (Oh Gott, Autogrammstunde um 11.00 Uhr im MDonalds!) , die Gewinner der letzten Popklone- Popstars-Staffel, und Steffi List, die bei Stefan Raabs Dingsbums den 3. Platz machte und mit mir die Geburtsstadt teilt. Naja, es gbt ja zum Glück reichlich Alkohol. Um 21.00 Uhr ist Aids-Gedenkminute und ab 22.00 Uhr verlagert sich die Party ins plan.b in die Mainaustraße.

    Sonntags ist nur noch Stadtführung und Proseccoexpress (mit Voranmeldung) angesagt — und früh ins Bett gehen.

    Trausaal: geöffnet

    Vor gut zwei Stunden wurde endlich und offiziell der Trausaal in Würzburg für die Eintragung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften geöffnet. Es ging zwar nur um ein blödes Zimmer, aber gleichzeitig auch um ein Zeichen der Gerechtigkeit und  Akzeptanz. Ach, welch ein Zufall, das ist ja fast das Motto des Würzburger CSD 2008. 🙂

    Der Antrag wurde übrigens mit 37 Ja- und 8 Nein-Stimmen angenommen. Aber 8 Homophobe sind immer noch 9 zuviel.

    Der Paradeplatz im Zeichen des CSD

    CSD WürzburgWenigstens am Samstagabend habe ich es mal zum CSD in Würzburg geschafft. Am Paradeplatz hinterm Dom war das Straßenfest. Und da das Wetter doch einigermaßen gut war — es hat wenigstens nicht geregnet — kamen dort auch etliche hundert Menschen jeglicher sexuellen Ausrichtung zusammen.

    Neben Prosecco und Cuba Libre gab es auch Musik. Laute Musik. Sehr laute Musik. So laut, dass sie schon etwas in den Ohren schmerzte. Und dazu noch manchmal gnadenlos übersteuert. Vielleicht sollte man da bis zum nächsten Jahr noch an der Technik arbeiten.

    Alles in allem aber ein schöner Abend, mit — qualitativ seeehr gemischtem — Karaoke, netten und lustigen Menschen und einer Menge Spaß.

    Weitere Berichte und Bilder gibt es bei Frau Schaaf. Ein wenige Bilder auch hier.

    Dodal normal

    [Update: Für die Dauer des CSD gibt es auch einen Regenbogen-Kilian im Blogheader. So! 😉 ]


    Was ist normal? Wer ist normal? Welche Lebensweise ist normal? Diese Frage versucht der diesjährige Christopher Street Day in Würzburg zu beantworten. Wie in den letzten Jahren wird für die verstärkte Akzeptanz von Homosexuellen in Gesellschaft geredet, demonstriert und gefeiert.

    Sind Lesben und Schwule “total normal” in Würzburg? Ja und Nein.
    Normal ist, dass ich tagtäglich mit vielen Homosexuellen zu tun habe. Von manchen weiß ich es, von vielen nicht. Stört mich auch nicht. Ich käme gar nicht auf den Gedanken, mir darüber Gedanken zu machen. Ich mache mir ja auch keine Gedanken darüber, ob jemand Linkshänder ist. Oder ein Knüller, Wickler oder Falter. Was juckt es mich, wen diese Person küsst oder mit wem sie Sex hat?

    Normal sind Homosexuelle in der Gesellschaft aber noch nicht. Zwar dürfen sie inzwischen heiraten. Aber wo? In Würzburg ist es nach wie vor nicht möglich, dass ein homosexuelles Paar im Trausaal im Rathaus heiraten darf. Warum? Mit einer katholischen Argumentation zu kommen, ist selbst in einer Bischofsstadt fehl am Platz. Das Standesamt und der Trausaal ist eine Sache des Staats und der Stadt, da spielen Glaubensfragen keine Rolle. Woran scheitert es dann?
    Der Stadt Angst vor einer “Kontamination des Trausaals” vorzuwerfen schießt meiner Meinung nach weit am Ziel vorbei. Ich glaube eher, dass ein Teil des Stadtrats dem Phänomen Homosexualität unsicher und etwas misstrauisch gegenüber steht.

    Und um genau solche Unsicherheiten und solches Misstrauen abzubauen, dafür ist der CSD in Würzburg auch da. Auf den politischen Kundgebungen, auf dem Straßenfest, bei der Demonstration und bei den Partys kann man Schwule und Lesben kennenlernen. Und auch Heterosexuelle (Ja, da gibt es beim CSD auch einen signifikanten Anteil!). Und das witzige ist: man kann beide oft nicht auseinander halten. Gut, man sieht Männer, die sich weiblich geben. Aber hey, wir Leben in der Zeit einer Werbeikone namens David Beckham, der mehr Make Up verwendet als meine Frau! Sicher, ein “tuntiger Schwuler” kann mich tierisch annerven. Aber das kann ein machomäßiger Heterosexueller auch. Dann liegt es an der Person und nicht am Gehabe. Ich kenne und mag sowohl auch einige “Tunten” als auch einige Machos. Und manche eben nicht, unabhängig von ihrer sexuellen Neigung.

    Der CSD beginnt an diesem Freitag, 28. Juni 2007 mit dem politischen Empfang um 19 Uhr im Rathaus. Eröffnet wird er durch die Schirmfrau Marion Schäfer, als Gäste sprechen noch die Bundesvorsitzende der Grünen und Bald-Tirili-DJane Claudia Roth (da kann man bestimmt schon Zettel mit Liedwünschen abgeben ;-)) und Simone Tolle.

    Freitag Abend ist dann csd.volution im Zauberberg mit Livemusik von Kim Davis. Samstag findet von 14.00 Uhr bsi 22.00 Uhr das Straßenfest auf dem Paradeplatz hinterm Dom statt und um 15.00 Uhr der Demozug durch die Würzburger Innenstadt. Um 22.00 Uhr ist CSD-After-Show-Party (bitte erspart mir die alten Scherze) im Art am Berliner Ring. Sonnatgs ist langer Brunch im Fuege an der Juliuspromenade und ab 19.00 Uhr rollt der Schoppen-Express verkleidet als Prosecco-Express über Würzburgs Straßenbahngleise.
    Das genauere Programm und weitere Informationen finden sich hier.

    Wer sich akustisch auf den CSD in Würzburg einstimmen will, kann das gerne mit der Würzmischung #2 tun. Reinhören lohnt sich! 😀