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Im Tal der Arschkarten

Stadtfestwochenende in Würzburg. Das hat mich heute früh um 8 Uhr nicht in die Innenstadt getrieben, ich wollte einfach mal wieder morgens im DOC gemütlich einen Cappuccino trinken und ein bisschen quatschen. Diese Morgenstunden mag ich gern, das Stadtleben ist noch leicht schlummrig und erwacht erst so langsam.

Blaskapelle Winterhausen auf der Main-Post-BühneAber schon gegen 9 Uhr schraubte sich mir Blasmusik aus Richtung Vierröhrenbrunnen ins Ohr. Eine halbe Stunde später bin ich mal hin. Und tatsächlich — auf der Main-Post-Bühne spielt sich die Winterhäuser Blaskapelle wach. Wie ich später gemerkt habe, war für die Uhrzeit vor der Bühne richtig viel los. Etwa fünf Zuhörer gingen ihrer Aufgabe nach und hörten zu. Sicherheitspersonal war mehr da. Auf der Frizz-WVV-Bühne am oberen Markt wenige Minuten später blies ein Blechblasensemble für einen Besucher — halt, mit mir waren es zwei — in ihre Instrumente. Ich frage mich ja schon, warum man um diese undankbare Uhrzeit überhaupt Musikgruppen auf die Bühnen stellt? Da ist so gut wie niemand in der Stadt. Die meisten Geschäfte haben noch zu, die Menschen, die da durch die Straßen huschen sind die, die gleich in den Geschäften arbeiten werden.

Rising End auf der TV-Touring-Bühne.
Rising End auf der TV-Touring-Bühne.

Ab zehn Uhr besserte sich die Lage minimal, die Zuschauerzahlen verdoppelten sich etwa. Aber als ich das Konzert der Jazzini-Jungs an der WVV-Bühne verließ, hat sich auch die Anzahl der Zuhörer halbiert. Am Unteren Markt auf der TV-Touring-Bühne rockte alternativ — übrigens überraschend gut — die junge Band “Rising End“. Da war schon ein bisschen mehr los, aber das Grüppchen vor der Bühne sah verdächtig nach Eltern, Freunde und Verwandtschaft der sechsköpfigen und geschlechtermäßig paritätisch besetzten Band aus.

Black Velvet Band
Black Velvet Band

Auf dem Heimweg hab ich dann die Band gesehen, die die Oberarschkarte beim Stadtfest gezogen hat. Die Black Velvet Band folkte im Durchgang zum Zinkhof. Potenzielle Zuhörer hatten die Wahl:

  1. Sich etwa 30 Zentimeter vor die Folk-Band auf den Gehsteig stellen und ständig die Fußgänger vorbei lassen.
  2. Sich auf die Straßenbahnschienen stellen und sich der Gefahr eines plötzlichen ÖPNV-Todes aussetzen.
  3. Sich auf einen sehr schmalen freien Streifen auf der anderen Straßenseite stellen, mit den Ständen der Murmel unmittelbar im Rücken und trotz Wasserrohrbruch am Hauger Ring alle paar Minuten ein laute und große Straßenbahn vor sich — was ein wenig den Musikgenuss trüben kann.

Da half den drei Jungs nur Galgenhumor. Denn muss man da aber auch haben.

Wer Schlagzeug spielt, neigt zu ausdrucksstarker Mimik.
Wer Schlagzeug spielt, neigt zu ausdrucksstarker Mimik.

 

 

Wer Schlagzeug spielt, neigt zu ausdrucksstarker Mimik.
Wer Schlagzeug spielt, neigt zu ausdrucksstarker Mimik.

Keine Folkshilfe im Cairo

Auf Bayern 1 gibt es ab Pfingsten keine Volksmusik mehr, und im Cairo gibt es in gut zwei Wochen keine Folkshilfe. Das Konzert der österreichischen Folk-Pop-Band, das am 16. Februar hätte stattfinden sollen, wurde leider abgesagt.

Aus der Absage-Mail des Veranstalters cop-concerts:

Karten können an den jeweiligen VVK-Stellen zurückgegeben werden.

Dann eben nur im Video … 😉

Foto: Presseinfo Cairo

Dennis Schützes Electric Country Soul

Dennis Schütze & his Electric Trio:: Electric Country SoulNeues von Dennis Schütze. Die Pause von “My favourite tracks” hat er genutzt, ein neues Album zu veröffentlichen. “Electric Country Soul” heißt es und: Nein, es ist kein Country-Album. Das habe ich nämlich gestern zu Dennis gesagt, doch er hat mich  gleich in einer Mail aufgeklärte, dass er als die Musikrichtung seiner Scheibe “Americana” angeben würde.

Ich  wage natürlich nicht, mich mit einem promovierten Musikwissenschaftler anzulegen. Und wenn Dennis Americana so definiert,

Außer Country enthält dieser Stil zumeist auch Elemente aus den Traditionen des Folk, Blues, R&B, Rock andRoll und Bluegrass.

dann ist das gleichzeitig eine ziemlich gute Beschreibung von dem , was auf “Electric Country Soul” zu hören ist. Ich muss also mit meiner unwissenden und unbedachten Country-Einschätzung Abbitte leisten! 🙂 Ist ja auch wurscht, wie es heißt, Hauptsache es klingt gut! 😉

Dennis Schütze hat das Album mit “his Electric Combo” aufgenommen, das aus seinen “Trio”-Mitstreitern Tommy Tucker am Bass und Jochen Volpert besteht und von Stefan Schön am Schlagzeug verstärkt wird. Zu finden sind auf “Electric Country Soul” ausschließlich Cover-Songs, was ich ein wenig schade finde, da ich Dennis’ Eigenkompositionen meist recht gelungen fand. Aber so hoffe ich einfach auf seine “Unsung Songs” im Sommer! 🙂

Aber dass die Musik nicht selbstgeschrieben ist, macht sie nicht schlechter. Von Ultra-Klassikern wie Steve Goodmans “City of New Orleans” — in Deutschland ist die Melodie besser bekannt von Rudi Carrells “Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?” –, über eine coole Version von Dolly Partons “Nine to five” zu einer langsamen Blues-Version (Dennis, das ist doch Blues, oder? 😉 ) von Jimi Hendrix’ “Manic Depression” sind viele bekannte Songs und Komponisten vertreten. Aber die meisten Songs kannte ich nicht, wobei ich mittlerweile gemerkt habe, dass irgendein Lied von Jim Croce bei Dennis immer dabei ist! 😉

Schöne CD! Wie ich getestet habe, absolut Sommer-auf-dem-Balkon-mit-einem-Schoppen-geeignet. Und natürlich läuft sie auch im Radio Würzblog!  Zu kaufen gibt es die CD bei Dennis direkt, auf Konzerten oder in der Musik Butik in der Neubaustraße.

Wer mehr über die Entstehung des Albums wissen will, der kann Dennis’ Blog zum Beispiel seine Kommentare zu den Songs oder die Lieferung der CDs und T-Shirts.

Russendisko_Matrioschkas_header

Russendisko und die gewogenen Karten

 

Plakat Russendisko

Morgen ist ab 22 Uhr Russendisko in der Posthalle in Würzburg. Nicht irgendeine Russendisko. Die Russendisko. Zumindest von dem Russendisko-DJ Yuriy Gurzhy , der mit Russendisko-Autor Wladimir Kaminer vor über zehn Jahren die gleichnamige Tanzveranstaltung in Berlin ins Leben gerufen hat.

Und morgen eben soll so eine legendäre Russendisko in Würzburg sein
. Ich erwarte einen Abend, neben dem die sonst so orgiastische Fantastik Balkan wie die Abschlussveranstaltung des VHS-Kurses “Russisch für Hausfrauen” wirkt. 😉

Neben dem DJ gibt des auch eine Live-Band, die Cosmonautix mit ihrer wodkabetankten Speedfolk-Trägerrakete.

Flasche ungewogen

Der Eintritt kostet für Studenten 7 Euro für nützliche Mitglieder der Gesellschaft 8 Euro. Wer umsonst rein will — ich verlose dreimal je einen Gästelistenplatz für die Russendisko.

Die drei Kommentatoren, die  am besten schätzen können, wie viel diese teilweise mit einer klaren Flüssigkeit gefüllten Flasche wiegt,  bekommen einmal freien Eintritt. Bei Gleichstand entscheidet der Zeitpunkt des Kommentars — je früher desto gewinnt. Rechtsweg ist undenkbar.

Bis morgen um 9 Uhr könnt ihr eure Schätungen abgeben.

Lösung: Die Flasche wiegt 845 Gramm.

Flasche gewogen

Wallis Bird und die zwei Karten

In Irland ist Wallis Bird ein Star, und vielleicht wird sie es in Würzburg morgen auch. Die kleine Irin tritt morgen in der Posthalle auf und schraddelt auf ihrer Akustikgitarre — mit neun Finger gespielt — Lieder zwischen Pop, Rock, Folk, Blues und Jazz. Und sie singt, wie nur Iren singen können — irgendwie wünscht man sich und das ganze Konzert dabei sofort in einen Pub. 😉

Wer morgen beim Konzert dabei sein will, für den oder die gibt es nun die Chance zweimal je eine Karte zu gewinnen. Einfach eine der beiden Fragen in den Kommentaren beantworten:

Im Jahr 2008 wurde Wallis Bird in Großbritannien durch ein Lied für einen Werbespot sehr bekannt.

a) Von welcher Band hat Wallis da gecovert?

b) Welches Unternehmen hat mit dem Song geworben?

Wer eine Karte gewinnen will, der soll nur eine Frage, a oder b, beantworten. Und macht bitte nur mit, wenn ihr auch auf das Konzert wollt. Gebt in den Kommentaren auch eine gültige E-Mail-Adresse an, damit ich den Gewinnern auch Bescheid geben kann, wie sie an die Karte kommen.

Musikalische Gemüsetheke

Heute Abend bin ich zu Freunden eingeladen, was mich freut. Obwohl es mich fast ärgern müsste, denn währenddessen gäbe es ein paar schöne Konzerte in Würzburg, wenn ich auf die Veranstaltungseite schaue. So kann ich mich wiederum freuen, denn ich hätte mich kaum entscheiden können, zu welchem Konzert ich gehen soll.

Was haben wir denn heute an der Gemüsetheke im Angebot?

Der Spitzkohl: In der Kellerperle spielt Listen To Polo. Schöner, nicht zu ruhiger Indiepop, schaut und vor allem hört euch mal das Video an. Support ist All Those Foxes, deren einzige Info auf ihrer Facebook-Seite ist: “Wir sind ‘All Those Foxes’ aus Schweinfurt und machen Indie-Pop” — reicht ja auch! 😉

Die Kartoffel: Sie sind nicht die Dinosaurier des Blues, mehr so die Megatheriidae — Swamp! Die Band gibt es seit über 20 Jahren, die Auftritte in den letzten Jahren wurden aber recht rar. Aber heute Abend ist es wieder soweit: Die Bluesrock-Band mit der illustren Besetzung spielt in der Marina-Hafenbar. Musik von Swamp läuft übrigens auch gerne mal im Radio Würzblog! 🙂

Die Aubergine: Fetten “77er Punkrock mit Garage und Powerpop” geben die Modern Pets im Immerhin zum Besten. Obendrauf gibt es noch The Magic Twangers. Surf, Surf, Surf.

Der Blumenkohl: Wie ein Gemüse mit vielen Röschen ist The Miserable Rich. Klassik, Pop, Neo-Folk, Elektronika — so werden die Röschen genannt. Ich tu mir mit solchen Etiketten immer schwer. The Miserable Rich spielt einfach einen eigene Stil an Musik, schwer einzuordnen, aber leicht zu hören. Und das kann man heute im Cairo tun.

HeartLand "Lean Back"

HeartLand im Radio Würzblog

HeartLand "Lean Back"

Eigentlich gehört das noch zur Rubrik “2010”, denn da habe ich sie erhalten — die CD “Lean back” von der Gruppe HeartLand. Blondine, Sängerin und Bodhrán-Klopferin Simone Papke, die auch bei Solid Ground singt, hat mir die Scheibe vor Weihnachten für das Radio Würzblog vererbt.

HeartLand macht so eine Art ruhigen Euro-Folk, ganz interessant mit Gesang, Geige (Thomas Buffy) und Harfe (Christine Eberherr) instrumentiert. Aber wirklich ruhig, als Soundtrack für Wrestling-Wettkämpfe und Formel-1-Rennen nur bedingt geeignet. Besser geeignet ist die Musik für gewisse Abende. Ihr wisst schon … eine laue Sommernacht, die Zillen grirpen, du liegst mit deiner Liebsten — oder deinem Liebsten, je nach Neigung — auf einem Kunstbärenfell … in den Weinbergen … vor dem Kamin … der Vollmond schimmert wie eine Alufelge beim Golf-Club-Treffen … und wenn dann noch HeartLand aus der Stereoanlage tönt … dann wirst du wissen, was mit “Popmusik” wirklich gemeint ist.

Am 22. Januar 2011 ist um 20.00 Uhr die CD-Release-Party im Spitäle. Da werden wohl zu viel Leute da sein, um das Kunstbärenfell … aber man weiß ja nie, vielleicht packe ich es ein. Und den Kamin auch.

Konzert Mark Knopfler

Wo war Marks Köpfle?

Fast fühlte ich mich wie anno 1525 im Bauernkrieg, als ich am Samstag mit Tausenden von Bauern Besuchern auf die Festung Marienberg gestürmt bin. Das Ziel des Anrennens war kein Fürstbischof, sondern ein Gitarrenkönig — Mark Knopfler, ehemaliger Kopf der Dire Straits — gab im Festungsgraben zu Würzburg ein Open-Air-Konzert.

Ich muss gestehen, dass ich nicht unbedingt ein glühender Verehrer von Mark Knopfler bin. Ich mag einige Lieder aus der 80er-Jahre-Dire-Straits-Ära, aber seinen Solo-Kram, mit der er in die Folk-Country-Sonstwas-Ecke abdriftete, treffen nicht so meinen Geschmack. Aber egal! Die Karten habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen und ein Open-Air-Konzert im Festungsgraben habe ich auch noch nie mitgemacht.
Und um gleich ein musikalisches Resümee zu ziehen: Es war ungefähr wie ich erwartet haben. Mark Knopfler ist wirklich ein hervorragender Gitarrist mit einem sofort wiedererkennbaren Sound ein einer souverän ruhigen Spielweise. Für meinen Geschmack waren die Stücke aber großteils zu lahm und klangen Stellenweise wie von der Black Velvet Band, nur mit besseren Musikern ;-).

Konzert Mark Knopfler

So war es musikalisch okaaaaay, hätte ich die Karten von meinem sauer verdienten Geld zahlen müssen, wäre ich wahrscheinlich deutlich enttäuschter gewesen —  oder erst gar nicht hin.  Aber gut, das ist auch Geschmackssache. Ewig dauerte es eh nicht; pünktlich um 20.00 Uhr ging das Konzert los, und kurz vor 22.00 Uhr endet es — auf jeden Fall vor 21.58 Uhr, denn da muss Herr Knopfler ja das Intro zu “Auf ein Wort” auf Bayern 3 spielen.

Ich habe allerdings feststellen müssen, dass der Festungsgraben nicht der ideale Ort für ein großes Open-Air-Konzert ist. Vom Gelände, dass nach hinten leicht ansteigt, ist es eigentlich gut — wenn die Bäume nicht wären. Wer im Gegensatz zu mir auch den Kopf von Mark Knopfler sehen will, der hatte eine recht begrenzte Auswahl an Sitz- oder Stehplätzen, die dichtbelaubten Bäume haben da einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Konzert Mark Knopfler

Und gewundert hat mich, dass das Konzert überhaupt im Graben stattfinden darf. Gerade in einer Zeit, wo großen Wert auf Fluchtmöglichkeiten für Besucher geachtet wird. Denn spätestens nach dem Konzert habe ich und alle anderen gemerkt: Die Festung ist eine Festung, dafür gebaut, dass man schwer hineinkommt. Und wo man schwer hineinkommt, kommt man auch schwer hinaus — vor allem 8.000 Leute auf einmal. So war es zwar ganz witzig, wie ein Feuerwehrmann (oder wer immer das war) über ein Megaphon die hinausströmenden Massen zu moderieren und zu lenken. Ich möchte ja nicht wissen was passiert, wenn da mal wirklich eine Panik ausbricht. Gut, wer kühlen Kopf behält rettet sich über den Weg an der oberen Mauer. Aber sonst? Über die Mauer springen? Sind Strickleitern vorbereitet?
Auf jeden Fall hat es gut eine Stunde gedauert, bis wir das Gelände zu das Tor im Gänsemarsch verlassen konnten — und die 80% der Zuschauer, die älter waren als wir, den schlecht beleuchteten Weg zur Zeller Straße begleitet haben.
Gar nicht so leicht.