I love Benidorm, morgen ist Vernissage

Foto von Martin Gotsmann

Morgen wird im im Treffpunkt Architektur eine Fotoausstellung eröffnet, die Bilder von Benidorm zeigt. Benidorm ist eine Stadt an der Costa Blanca in Spanien, die seit den 50ern von einem Fischerdorf zu einer Touristenhochburg ausgebaut wurde. Das Ziel haben sie erreicht, Benidorm ist die Stadt mit der weltweit größte Hochhausdichte — 345 Hochhäuser über 12 Stockwerke bei 71.000 Einwohner, das ist ein Hochhaus pro 205 Einwohner. Da ist Würzburg wohl auf dem anderen Ende der Skala und gibt sich alle Mühe dort zu bleiben.

Foto von Martin Gotsmann (diesmal andersherum)

Der Frankfurter Fotograf Martin Gotsmann zeigt mit seinen Bildern die zwei Seiten Benidorms; die opulente, zum Meer ausgerichtete Vorderseite und die reduzierte Rückseite. Die paar Bilder, die ich schon gesehen habe, sehen wirklich gut aus. Interessante Architektur interessant fotografiert. Interessant, interessant.

Intteressant ist auch, dass die Ausstellung von LP10 veranstaltet wird, und LP10 wäre nicht LP10, wenn es bei der Gelegenheit nicht auch noch stilecht Sangria, Tapas und eine DJ gäbe.

Noch interessanter ist es, wann und wo man die Ausstellung anschauen kann. Die Vernissage ist morgen ab 19.30 Uhr im Treffpunkt Architektur in der Herrnstraße. Die Ausstellung selbst geht noch bis zum 12. Dezember und kann Montag bis Freitag von 14.00 – 20.00 Uhr  und Samstag und Sonntag von 10.00 – 19 .00 Uhr besucht werden.

Schlaf gut.

Würzburg ist halt Würzburg und bleibt halt Würzburg – und sonst nix

Vorgestern hat sich der Stadtrat der Stadt Würzburg — ganz vorne die CSU — dafür entschieden, der Metropolregion Nürnberg nicht mehr anzugehören. Würzburg war in diesem Zusammenschluss fränkischer Städte bisher passives Mitglied, was ja schon eine geniale Entscheidung war — Geld für etwas geben, bei dem man nicht mitmachen kann. Aber immerhin: Die Stadt spart doch glatt 7.000 € im Jahr, für das Geld kann man Flyer drucken mit denen man die Region Würzburg voranbringt.

Ich glaube ja, das Würzburg ruhig selbstbewusst auftreten kann. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass man alle Brücken, Netzwerke und Kooperationen mit Nachbarregionen abbrechen muss.Dass dieses Netzwerk nun den Namen “Nürnberg” und nicht “Würzburg” trägt — nun, das ist vielleicht auch Größe Nürnbergs geschuldet. Und vor allem: Was hätte Würzburg denn zu verlieren gehabt? Was wäre so schlimm daran, mit den mittel- und oberfränkischen Städten zusammenzuarbeiten und? Wollte die Stadt sich etwa nur die 10 Cent pro Einwohner für den Jahresbeitrag der Vollmitgliedschaft sparen? 13.300 € im Jahr?

Und wenn ich in der Mainpost lese wie Frau Miethaner-Vent von den Grünen gegen die Beitritt mit den Worten „Wir wären am Rand und damit das fünfte Rad am Wagen.” argumentiert, dann schau ich doch schon ein bisschen blöd aus der Wäsche. Was sind wir denn nun? Eingekeilt als winziger Fleck zwischen den Metropolregionen Rhein-Main, Rhein-Neckar, Stuttgart und Nürnberg — und völlig ohne Wagen.

Klar, jetzt will Würzburg sich — vielleicht — in die zu gründende Mainfranken GmbH einbringen, was auch keine schlechte Idee ist. Doch warum sich nicht auch einer größeren Struktur anschließen, das eine schließt das andere nicht aus. Auch wenn das bedeuten soll, dass sich der Würzburger gegen jegliche Genetik auch mal mit Leuten sprechen und sich auf neue Ideen einlassen muss. Aber vielleicht kommt ja eine größere Idee von gar nicht so weit her.

Ob das übersteigerte Selbsteinschätzung des Stadtrats an diesem Abend vielleicht auch daher kam, dass er in der selben Sitzung auch großstädtisch dem Vorhaben- und Erschließungsplan für den Bau eines — Haha, Nürnberg und Frankfurt zittert vor uns! — knapp über 30 Meter (!!!!!!) hohen Gebäudes in der Augustinerstraße positiv abgestimmt haben, und das nur gut zweieinhalb Jahre nach dem Wettbewerb — also quasi spontan aus dem Bauch heraus.Diese metropolitane Entscheidung hat den Stadtrat so erschöpft, dass über den eigentlichen Bauantrag erst nach der Sommerpause im September entschieden wird. Aber so ein Investor hat ja immer Zeit, ob er nun zwei oder drei Jahre wartet ist ja auch schon egal. Außerdem muss der Verschönerungsverein noch einen großstädtischen Flyer für einen Bürgerentscheid gegen den Bau drucken.

Der Bürgerentscheid würde Würzburg übrigens ungefähr soviel kosten wie fünf Jahre Mitgliedschaft in der Metropolregion Nürnberg. Die würde uns nach so einer Aktion aber wahrscheinlich auch nicht wollen.

Würzblog-Bilderrätsel #18

Im Würzblog-Bilderrätsel Nummer 18 wird es ein wenig kompliziert: Das “Dachcafé 16” im 16. Stock des Hochhauses im Bild ist in gut 50 Metern über den Dächern der höchste gastronomische Betrieb der Stadt. Die Aussicht gehört zu den schönsten, die Würzburg zu bieten hat.
Gesucht ist die Adresse, unter der auch ein Senioren-Wohnstift des Bürgerspitals zu finden ist.

Die Straße ist auf deutsch nach einer europäischen Stadt benannt. Wir suchen den Original-Namen der Stadt und davon den letzten Buchstaben. Er steht in der Lösung an 18. Stelle.

Klettergarten Augustinerhochhaus, auch nachts geöffnet

AugustinierstraßeAugustinierstraße

War es die Kletterabteilung des Verschönerungsvereins, die eine Besetzung plante? Oder Mitglieder des Stadtrats bei einer Vor-Ort-Besichtigung? Oder wollte nur jemand nachmessen? Sicher ist nur, das heute Nacht jemand auf auf dem Hochhaus in der Augustinerstraße war und nicht wirklich wieder herunter konnte. Oder wollte. Die Frage nach Wollen oder Können nahm ihnen dann die Polizei und Feuerwerh ab.

Wer und warum — das kriegen wir auch noch raus.

Danke an Martin für die Bilder, dem die ganze Aktion den Schlaf gekostet hat.

Höhensimulation

Für alle Plan- und Maßstablegastheniker — der oberste Gerüstaufbau simulierte die Höhe und die Breite des geplanten Hochhausneubaus in der Augustinerstraße.

Wer es sich den Neubau immer noch nicht vorstellen kann, der kann ja bei der Stadt oder beim Verschönerungsverein mal nachfragen, ob man nicht ein 1:1-Modell aus Pappe bauen kann.

Mehr Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln im Bilderalbum

Graf Zahl und Herzog de Optique

Lieber Verschönerungsverein! Wir müssen reden! Nein, nicht über gute oder schlechte Architektur, auch nicht über guten oder schlechten Städtebau. Nein, diesmal über Zahlen.

In eurer “Stellungnahme zum geplanten Hochhaus in der Augustinerstrasse 9, Februar 2009” (Straße übrigens mit scharfem S, das nur nebenbei) beklagt ihr euch, dass der geplante Neubau des Hochhauses in der Augustinerstraße mit seiner Trauflinie die Trauflinie des Altbaus um 5,50 Meter überragt.

Traufhoehen

Die Trauflinie bzw. Traufhöhe ist — grob gesprochen (genauer hier) — die Höhe der Außenmauern bis zum Beginn des Dachs, oft ungefähr da, wo die Dachrinne sitzt. Bei einem Flachdachbau wie der geplante Neubau ist die Traufhöhe also ungefähr die Höhe des Gebäudes.

So weit, so gut.

Nun werft ihr in der Pressemitteilung der Stadtverwaltung folgendes vor:

Die Zahlenakrobatik der Stadtverwaltung verschleierte, ob die von ihr gemachten Höhenangaben sich auf die Traufe oder den First des Altbaus bezogen, so dass die wahre Höhe des Neubaus nicht leicht zu erkennen war.

Und da habe ich nun ein paar Fragen an euch. Die wahre Höhe des Neubaus wurde meines Wissens in Metern angegeben, ausgehend von der Straße nach oben, laut Stadtratsbeschluss im Moment also 33,90 Meter. Was ist da nicht zu erkennen?

Wenn mich jemand fragt, wie hoch der Turm der Josefs-Kirche in Grombühl ist, dann sage ich wie aus der Pistole geschossen: 52 Meter! Ich rechne im Allgemeinen nicht mit der Gegenfrage “Von der Traufe oder vom First aus gemessen?”, denn ein Gebäude ist so hoch wie es hoch ist. Mit Dach. Warum sollte man das Dach nicht mitrechnen? Das regnet sonst nur rein! Und wenn jemand sagt “Der höchste Turm beim Kölner Dom ist aber 102 Meter höher”, dann werden hier keine Traufhöhen verglichen, sondern einfach die Höhe der Türme. Wo ist das Problem? Und wo ist das Zahlenakrobatik?

Was meint ihr außerdem damit, dass der Neubau “optisch um etwa 5,50 m höher als der Altbau” erscheint? Die Traufhöhen unterscheiden sich um 5,50 Meter, gut. Ihr meint, das Dach des Neubaus liegt zwar gut einen Meter über dem Dach des Altbaus, der Neubau wirkt aber 5,50 Meter höher? Optisch? So die gefühlte Höhe, oder was? Jetzt wird es aber esoterisch.
Wenn ich beim vor dem jetzigen Haus stehe, dann sehe ich, wenn ich hochschaue das Dach nicht. Ich kann nur bis zur Traufhöhe blicken, das stimmt. Wenn ich vor dem Neubau stünde, dann kann ich natürlich bis zum Flachdach schauen, aber rein geometrisch wirken die letzten Meter nicht wie 5,50, denn ich sehe sie ja mit einem Abstand von gut 25 Metern. Alles wird mit der Entfernung kleiner, außer Herr Tur Tur. Die 5,50 Meter würde ich wahrnehmen, wenn ich von Weitem auf die Gebäude schaue — allerdings sehe ich dann auch das Dach des Altbaus und der Neubau würde dann wieder nur 1,20 Meter höher wirken.

Ihr fordert also:

– entweder Erhaltung des denkmalgeschützten Altbaus und dessen Sanierung; hierfür hat  der VVW bereits seine Unterstützung in Form eines von ihm zu finanzierenden Gutachtens zur erhaltungsorientierten Prüfung der Statik signalisiert;
– oder – wenn ein Abbruch wirklich unumgänglich ist – Anpassung eines Neubaus an die Gebäudehöhen in der Nachbarschaft, um das Gesamtbild der Altstadt nicht zu verunstalten.

Zum ersten Punkt: Von mir aus. Aber wer zahlt das? Die Stadt? Der Staat? Ein Investor?  Freiwillige vor!
Zum zweiten Punkt verweise ich auf das lp10-Blog.

Ihr seht also, ich verstehe eure Probleme mit den Zahlen und der Optik nicht ganz. Ich hoffe ihr versteht es wenigstens — und erklärt es mir.

Es grüßt euch der ratlose Ralf ….

Man muss nur gucken

In der Mainpost stand heute ein flammender Kommentar für den zu installierenden Baukunstbeirat und für mehr Transparenz bei Stadtbaufragen. Da war auch zu lesen:

Jetzt wollen Oberbürgermeister und Stadtrat mehr Offenheit in der Baukultur wagen: Erstens sollen Basisinformationen wie Höhe und Breite eines geplanten Neubaus nicht top secret sein.  

Ein hehres Ziel, dem ich im Prinzip völlig zustimme. Aber: Die Basisinformation des Neubaus in dem als Beispiel gebrachten Hochhauses in der Augustinerstraße standen auf den Entwurfsplänen. Und die wurden öffentlich ausgestellt. Zehn Tage lang.  Das ist nicht meine Vorstellung von “top secret”.

Man muss sich halt auch für die Sachen interessieren — und nicht erst kurz vor der Entscheidung das Jammern anfangen.