Unfaires Wetter

Wenn ich so am Monitor vorbei durch das Fenster schaue, dann sehe ich windgeschüttelte Bäume und einen Himmel, der aussieht, als hätte man die Tageszeitung zu Pappmachee zerkocht den ganzen Papp an das Firmament geklatscht. Zu allem Übel ist es auch noch kalt, kein Tag also, den man bei einer Freiluftveranstaltung verbringen möchte.

Was natürlich Pech für Attac und den Mitveranstaltern, die heute und morgen auf der Bastion das 1. Würzburger Fair Trade Festival auf die Beine stellen. Neumodisch würde ich die Veranstaltung als Edutainment deklarieren, denn das Festival ist eine Mischung aus Konzerten und Kurzvorträgen. Musikalisch ist gar nicht mal Schlechtes geboten; Paper Palace, Skalamanda oder Exit Oslo verheißen wirklich Gutes, es gäbe aber auch genug Alternativgruppen auf der Bühne. Was ist mit den Vorträgen? Keine Ahnung, aber bei dem Vortrag mit dem Titel “Ethisch überdachte Geldanlagen – eine Alternative” hätte ich mir schon gerne mal angehört, wie man die sich ausschließenden Begriffe “Ethik” und “Geldanlage” zusammenbringen kann. 😉

Dem Programm im Internet  kann ich leider überhaupt nicht entnehmen, welcher Programmpunkt wann stattfindet. Schade, denn eine von den drei oben genannten Bands hätte ich mir schon gerne angehört. Aber für einen Daueraufenthalt fehlt mir am Wochenende die Zeit und auf gut Glück will ich auch nicht hingehen.

Herri-Bodder-Baadies

Ab Mitternacht gibt es den 7. Band und vorerst letzten Teil der Harry-Potter-Reihe auch auf Deutsch zu kaufen. Und wie beim Verkaufsstart der letzten Bände bieten die Buchhandlungen vielen Kindern die Möglichkeit, mal so richtig lang aufzubleiben, was sie sonst nur an Silvester dürfen. Natürlich lassen sich auch die Würzburger Buchläden das Geschäft nicht entgehen. Im neuen Tempel des Buchkonsums, Hugendubel, startet als Erster mit der HP-Party um 22.00 Uhr. Um 23.00 Uhr schließen sich Thalia und dreizehneinhalb dem Umsatzreigen an. Selbst die ehrwürdige akademische Buchhandlung Knodt will den Hogwarts-Express nicht abfahren lassen, ohne am Samstag um 7.00 Uhr nicht zwei Stunden früher als üblich aufzuspringen.

Ich finde, man sollte den neuen Schoppenfetzer auch in einer Mitternachtsaktion verkaufen. Denn am helllichten Tag Wein trinken mag ich nicht unbedingt … 😉

Vielleicht sollte ich als Gegenbewegung morgen früh um die Ecke ins erLesen gehen. Dort könnte ich in einer — wie es aussieht — Harry-Potter-Trubel-freien Zone meinen lange versprochenen Cappuccino trinken. Ob ich dort allerdings den Harry Potter lesen darf, den ich von meinem gewonnenen Amazon-Gutschein gekauft habe? 😉

Würzburgs wunderbare Weißwarenwelt

Noch habe ich genug Kleidung zum Wechseln, aber ein Ersatz für die kaputte Waschmaschine ist schon dringend nötig. So zogen wir gestern und heute mit wenig Zeit und hoher Motivation durch einen Teil von Würzburgs Weißwarenwelt.

Erste Station war Expert Beck in der Nürnberger Straße. Und das erste Problem war, erst mal in die Nürnberger Straße zu kommen. Als Fußgänger und ÖPNV-Fetischist war mir gar nicht bewusst, was für ein Verkehr in Würzburg zwischen 17 Uhr und 18 Uhr herrscht. Hupende und drängelnde Autofahrer haben unsere Nerven — und vor allem meine — schon ins Vibrieren gebracht.
Der Expert-Laden ist viel größer als er von außen wirkt, und auch die Waschmaschineabteilung ist gut sortiert. Nur leider nicht unbedingt in unserem eher unteren Preissegment. Beratung war Fehlanzeige, was nicht an der Unwilligkeit der Verkäufer gelegen hat, sondern an der größeren Anzahl der zu beratenden Kunden. Scheinbar beraten die Verkäufer da recht gut und ausführlich. Und soviel Zeit hatten wir nicht. Also ein paar in Frage kommende Modelle auf den Zettel geschrieben und weiter ging es.

Auch wenn er schon im Vorfeld als absolute Notlösung markiert war, haben wir doch zu Media Markt in Lengfeld geschaut. Und kaum haben wir das Geschäft betreten, sprang uns schon eine Verkäuferin in den Weg und sprach den klassischen Satz “Kann ich ihnen helfen?” Nein, konnte sie nicht, das ging mir wiederum zu schnell. Also antworteten wir dem Ritual entsprechend “Wir schauen uns erst mal um.”
Was wir sahen gefiel uns aber nicht so sehr. Viele Maschinen von Herstellern, deren Namen ich noch nicht einmal gehört hatte. Und Zeit zu gehen war es, als wir ein Gerät sahen, das fast baugleich mit einem Gerät von Expert war. Es hatte nur etwas schlechtere Werte und weniger Funktionen — dafür war es fast 50 € teurer.

“Lass uns mal um die Ecke zu Hornbach schauen”, sagte meine Frau. Hornbach? Baumarkt? Sollen wir uns eine Waschmaschine aus Sperrholz basteln? Aber wie so oft hatte sie recht, bei Hornbach gibt es wirklich Waschmaschinen. Vier verschiedene Modelle sogar. Und mit 190 € die absolut billigste, die wir gesehen haben. Aber alle sagen nicht sehr vertrauenswürdig aus, die Energie- und Wasserwerte waren auch nicht so toll. Auf jeden Fall hat sich gezeigt, wer in unserem Haushalt die Handwerkerhosen anhat.

Immerhin die Internethosen habe ich an. Und mit denen setzte ich mich später an das Notebook. Nach einem Abstecher über technikdirekt.de — der Duttenhofer im Internet –, der vor allem durch saftige Versandkosten von 45 € abgeschreckt hat, sind wir bei quelle.de gelandet. Dort haben wir recht schnell eine Waschmaschine gefunden, die unser Budget zwar leicht überstiegen hat, aber für ihren Preis sehr viel geboten hat. Leider war das Preis-Leistungs-Verhältnis so gut, dass es die Maschine heute morgen schon nicht mehr gab. Sehr ärgerlich.

Heute ich zum Quelle Technik Center in der Theaterstraße. Nach ein wenig Herumstöbern kam eine junge Frau und beriet mich recht kompetent. Und vor allem unaufdringlich. Und das war gut so, denn ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn Verkäufer mir etwas aufschwätzen wollen. Die Werte der Maschine waren ok, und so dürfen wir ab Donnerstag um die Mittagszeit endlich wieder saubere Klamotten tragen. Hurra!

Vielen Dank für die vielen hilfreichen Tipps in den Kommentaren! 🙂

Auf der Suche nach der Waschmaschine

Nachdem sie ein Jahr nur mit Klebeband am Laufen gehalten wurde (und das ist keine Metapher), hat sie heute Abend den Geist aufgegeben — unsere Waschmaschine.

Das heißt, ich darf Würzburg in den nächsten Tagen auf eine ganz neue Weise kennenlernen, nämlich als potezieller, aber völlig unwissender Waschmaschinenkäufer. Das habe ich, solange ich bei meinen Eltern ausgezogen bin, immer vermeiden können, entweder gab es im Haus Waschmaschinen oder ich konnte mir eh nur ein gebrauchtes Vorkriegsmodell leisten.
Nun muss ich erst mal sehen, wo man außer bei Mediamarkt und Expert so eine Weißware kaufen kann. Und das auch für den kleinen Geldbeutel. Und welchem Händler kann ich wirklich trauen?

Ich kann nicht sagen, dass ich mich auf dieses Technik- und Konsumabenteuer freue, aber spannend wird es bestimmt.

Das Burgerbegehren in Würzburg

In Bad Kreuznach waren es 250, in Braunschweig 2211. Und morgen will es Würzburg überbieten. Nämlich den Rekord in “Möglichst- Viel- Burger- Auf- Einmal- Bestellen”. Viele Menschen treffen sich irgendwo, machen eine gemeinsame Einkaufsliste für McDonalds (geht bestimmt auch bei Burgerking), sammeln das Geld ein und stürmen in die Fastfoodfiliale, um dort eine Bestellung abzugeben.

Da ist doch ein McDonalds-Manager auf eine tolle Idee gekommen. Zumindest wird er sich aber zufrieden die Hände reiben.

Warum werden solche Aktionen nicht bei den Obst- und Gemüseständen auf dem Marktplatz gemacht?

(Via MacTV)

Der Duddnhofer mächt fei zu

Nach 102 Jahren schließt die Firma Duttenhofer ihren Laden in der Würzburger Innenstadt. Ab dem 1. März wird dort ein neuer Media Markt Einzug halten. Ein Stück Würzburger Geschäftsurgestein ist damit zerbrückelt. Die Firma Duttenhofer wird es aber weiterhin geben, sie beschränkt sich allerdings in Zukunft ausschließlich auf den Versandhandel, der sowieso 90% des Umsatzes der letzten Jahre ausgemacht hat.

Es ist schade, dass es das Geschäft nicht mehr gibt. Nicht nur, dass die reine Ortsbezeichnung “beim Duddnhofer” in Vergessenheit geraten wird, sondern auch, dass die Discountläden in Würzburg langsam die Überhand gewinnen. Ich weiß nicht, ob sich Media Markt als Fachhändler bezeichnet. Aber die gespürte Kompetenz bei den mir begegneten Verkäufern war im Media Markt deutlich geringer als im Duttenhofer oder anderen “kleinen” Fachgeschäften. Aber vielleicht hatte ich ja nur Pech.
Sicher ist Media Markt günstig. Aber nicht immer der Günstigste. Und Beratung und Service wird auch eher klein geschrieben. Logisch – das kostet ja Geld. Leider verkommen die kleinen Fachgeschäfte immer mehr zu Beratungsstellen. Man läßt sich dort ausführlich über ein Produkt informieren – und kauft es dann bei einer der großen Ketten.

So rückt die Würzburger Innenstadt dem “Geiz ist geil”-Ideal immer näher. Discount-Bäcker, Billig-Cappuccinos, Schnäppchen-Verkäufer … ein Trend zeichnet sich ab. Natürlich nicht nur in Würzburg. Es wird ja schon immer schwieriger, die Innenstädte zu unterscheiden, da die Billig-Ketten sich immer mehr ausbreiten. In 20 Jahren wird man nur noch am Dom erkennen, ob man sich gerade in Würzburg oder in Augsburg befindet.
Mir ist klar, die Menschen haben im Durchschnitt immer weniger Geld zum Ausgeben. Aber sollte man nicht deswegen erst recht darauf achten, wofür man es ausgibt?

So oder so ist es schade, dass es “den Duttenhofer” nicht mehr gibt. Auch wenn ich vielleicht mit Schuld bin, weil ich dort zu wenig gekauft habe.

Update I: Siehe auch hier, hier und hier.
Update II: Und auch hier.

Kleine Läden und Kosumtempel

Nein, es war kein Weihnachtseinkauf. Das Patenkind hatte Geburtstag. Aber die Würzburger Innenstadt war voll mit Konsumaktivisten, die noch schnell die Weihnachtsgeschenke kaufen wollten, bevor dir Mehrwertsteuererhöhung doch noch vorverlegt wird.
Meine Schwester hat mir einen klaren Auftrag gegeben. Es sollte eine Brio-Eisenbahn sein, batteriebetrieben. Nun neige ich als qualitätsbewußter Einkäufer dazu, die Sachen in kleinen Fachgeschäften zu erwerben. Also ging ich in die Murmel in der Augustinerstraße. Ich wurde mit einem freundlichen "Hallo" begrüßt. Schon nach kurzer Zeit wurde ich von der Verkäuferin völlig zu recht als plan- und kinderlos eingestuft, denn sie kam bald zu mir und bot mir ihre Hilfe an.
Leider hatten sie keine Bahn von Brio vorrätig, dafür aber von Eichhorn. Doch die konnte ich die aus erziehungsideologischen Gründen nicht kaufen. Aber die Verkäuferin nahm sich trotzdem Zeit, erklärte dass man Brio und Eichhorn auch kombinieren könne, zeigte mir auch Alternativen zu der Eisenbahn. Das tat sie sehr unaufdringlich, ließ mich vieles mal ausprobieren und erklärte mir alles.
Die schwesterliche Order hieß aber eindeutig "Brio", und so musste ich die Murmel leider mit leeren Händen verlassen. Darum bekam die Galeria Kaufhof seine Chance. So ein Kaufhaus hat natürlich ein großes Sortiment, auch an Brio-Eisenbahnen. Doch leider war dieses große Sortiment hinter einem Stapel noch größerer Kunststoffkisten verborgen. So fragte ich die Verkäuferin, ob ich mal an die Regale mit den Holzeisenbahnen könne. "Wir räumen gerade aus" entgegnete mir die junge Dame. Das war zwar eine korrekte Antwort, doch leider auf eine andere Frage. Auf meinen Hinweis, dass ich doch gerne eine Brio-Lok kaufen möchte, kam wieder ein "Wir räumen gerade aus" aus dem Mund der Angestellten, die die Kisten mit einer beängstigenden Langsamkeit entleerte. Mir war klar, dass ich hier mit verbaler Logik nicht weiterkam, nur mit körperlicher Geschicklichkeit. Ich griff also blind hinter die Plastikbehälter und zog wahllos Schachteln hervor, in denen hin und wieder sogar Loks waren. Doch keine mit Batterieantrieb. Auf die kleinlaute Frage, ob sie keine elektrisch betriebene Züge hätten, erwiderte die Ausräumerin: "Kann ich Ihnen nicht sagen, da stehen die Kisten davor".

Es war wohl eine Lektion in Demut, die ich im Kaufhof erhielt. Geduld soll ein Käufer haben, innere Ruhe und Ausgeglichenheit soll sein Herz erfüllen. Und er soll nicht die Hohepriesterinnen des Konsums bei ihren Riten stören. Still soll er ausharren, bis seine Gebete erhört werden. Und so lange hinter den Kisten kramen, bis er endlich eine batteriebetriebene Brio-Bahn in den tauben Fingern hält, dieses gnädige Geschenk der Kommerzgötter.

Unsere Stadt soll reicher … ähhh … schöner werden

Heiß her geht es nicht nur beim Wetter, auch in der Planung der Zukunft Würzburgs kocht vieles auf.
Nachdem das Arcaden-Projekt im am Ringpark und ehemaligen Postgelände letztes Jahr abgeschmettert wurde, schien sich das Thema “Shopping Mall” erst mal erschöpft zu haben. Dann kam der Vorschlag auf (ok, den gab es schon länger), das Gelände des ehemaligen Mozartgymnasiums mit einem Einkaufszentrum zu bebauen. Und nun tönt die Bahn herum, sie saniere den Bahnhof nur, wenn die Stadt die Pläne von mfi umsetzt und auf dem Post-Areal neben dem Bahnhof einem solches Einkaufszentrum errichtet.

Punkt1: Liebe Bahn! Dass du jetzt Fracksausen bekommst, weil die Bildzeitung den Würzburger Bahnhof als den häßlichsten Deutschlands gekrönt nicht sehr gut bewertet hat, verstehe ich schon. Aber zum einen ist er schon seit vielen Jahren so häßlich, zum anderen ist es ja wohl das ureigenste Interesse der Bahn, dass ihre Bahnhöfe attraktiv sind. Und wenn ihr euch das nicht leisten wollt könnt, dann müsst erst mal ihr damit leben. Und die Leute kommen auch mit einem häßlichen Bahnhof nach Würzburg – sie laufen nur schneller durch das Gebäude durch. Der Imageverlust geht erst mal voll auf eure Kosten. Wenn ihr das Bahnfahren anziehend machen wollt, dann müsst ihr das auch selbst in die Hand nehmen.

Punkt2: Wie kann so ein Einkaufszentrum die Stadt langfristig fördern? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Leute mehr einkaufen. So ein gewöhnlicher Konsument wie ich hat ja nur eine begrenzte Menge Geld zur Verfügung. Dieses Geld kann ich in diesem Zentrum ausgeben – dafür woanders nicht mehr. Das heißt, entweder überlebt diese Shopping Mall oder der städtische Einzelhandel.
Nun gibt es auch das Argument, dass das neue Konsumareal auch die Leute aus dem Umland mehr anzieht. Das Einzugsgebiet wird auf den mfi-Seiten eindrucksvoll beschrieben:

[…] leben im Einzugsgebiet der Würzburg Arcaden rund 1.057.900 Menschen, die ein einzelhandelsrelevantes Nachfragevolumen von 4,8 Milliarden Euro generieren. Das Einzugsgebiet reicht von Bad Neustadt im Norden bis Rothenburg o. d. T. im Süden, von Wertheim im Westen bis Knetzgau im Osten.

Knetzgau? Ok, es fahren schon mal Leute von Knetzgau nach Würzburg zum Einkaufen. Aber für die Knetzgauer sind auch Schweinfurt und Bamberg recht naheliegende (im wahrsten Sinne des Wortes) Einkaufsziele. Mit Bad Neustadt ist es ähnlich. Und von Rothenburg ob der Tauber wollen wir gar nicht reden, der gemeine Würzburger weiß doch nicht mal wo das liegt. Die deutliche Mehrzahl der Konsumenten in Würzburg besteht doch wohl aus Würzburgern und Bewohnern des Würzburger Landes.

Punkt 3: Ach, ich weiß nicht so recht. Natürlich wäre es schön, wenn es geschäftlich in Würzburg voran gehen würde. Aber ob da ein so ein gigantomanischer Konsumtempel die Lösung ist, wage ich zu beweifeln. Wäre es nicht besser, wenn die bestehenden Geschäfte ihre Läden und Angebote reizvoller machen würden, wenn die Auswahl vielfältiger wäre (nicht in jeden leerstehenden Laden einen Discount-Bäcker) und die Stadt an sich ansprechender.

Vielleicht wäre in eine Konzentration auf das CCWplus sinnvoller – damit bekommt man wirklich “frische” Konsumenten nach Würzburg und nutzt einen großen Vorteil Würzburgs – es liegt verkehrstechnisch sehr günstig in Deutschland.

Oder, oder, oder …