Kulturglotze

Ob es wegen dem 5. Geburtstag ist oder einfach nur so: Am 4. März 2007 wird der Würzburger Kulturspeicher für 15 Minuten überregionale(?) Berühmtheit erlangen. BR alpha zeigt einen Film von Niklaus Leuenberger Niklaus Leuenberger, in dem Werke aus den beiden Sammlungen vorgestellt, aber auch die sonstige Nutzung des Museums im Alten Hafen dargestellt wird.
Also um 15.50 Uhr den Fernseher einschalten, danach auf keinen Fall abschalten, sondern noch das Maultrommelsolo von “Zwischen Spessart und Karwendel” genießen. 😉

Ich bin ein Kulturprozessor

Zum 5. Geburtstag des Kulturspeichers in Würzburg sind nun auch T-Shirts mit dem Aufdruck “Ich bin ein Kulturspeicher” erhältlich.

Ich will einfach nur ich sein. Nicht Papst, Deutschland oder Kulturspeicher. Und wenn schon, dann möchte ich auf keinen Fall Kultur speichern. Die Kultur nur aufheben und zum Abruf bereithalten — das wünscht sich doch niemand.
Um ein Bild aus der Computertechnik zu nehmen: Ich will nicht der Speicher, sondern der Prozessor sei. Die Kultur verarbeiten, die ich aus den Speichern abrufe — dabei geschieht etwas, egal ob das Ergebnis nach Außen über die “Grafik- oder Soundkarte” spürbar ist.
Kulturprozessor, das bin ich und will ich sein. Leider nur Single-Core! 😉

Die 19,90 € für das T-Shirt werde zumindest ich mir sparen.

Fünf Jahre Kulturspeicher Würzburg

Fast zur selben Zeit, als meine Bürogemeinschaft in der Veitshöchheimer Straße gegründet wurde, öffnete auch der Kulturspeicher in Würzburg seine Pforten — vor 5 Jahren.

Die Kunst- und Kulturszene in Würzburg wurde durch das Museum nicht umgekrempelt, aber eine Bereicherung ist der Kulturspeicher sicherlich. Aber da geht bestimmt noch mehr.

Jetzt feiert der Kulturspeicher also sein Jubiläum. Was, davon weiß man gar nichts? Tja, das ist das alte Leiden des Kulturspeichers. Auf den Webseiten des Museums finden sich Informationen über die Festtage irgendwo versteckt im Jahresprogramm, Plakate habe ich zumindest keine in der Stadt gesehen. Nicht mal im spamüberladenen Gästebuch der Kulturspeicher-Website sind nähere Fakten zu finden.

Das Programmangebot der Festtage ist einigermaßen ansprechend. Doch leider nicht für jeden. Der heutige Freitag ist mit geladenen Gästen (Promis und Pseudo-Promis halt) in Beschlag genommen, der “british afternoon” am Samstag kosten zwischen 15 € und 25 €.
Der Sonntag unter dem Motto “Unser Museum” ist mir noch nicht ganz klar. Im Flyer steht

Alle Veranstaltungen sind an diesem Tag frei!

Ermäßigter Eintritt:
Erwachsene 2,00 €
ermäßigt 1,50 €
Kinder bis 6 Jahre frei
Kinder von 6-14 Jahren 1,00 €/Kind

Da soll sich jeder selbst einen Reim daraus machen.

Schade, dass man den Kulturspeicher nicht drei Tage einfach mal für umsonst geöffnet hat; viele Würzburger haben bestimmt noch keinen Fuß in das Gebäude gesetzt. Auch ein etwas breiteres Angebot an Kunst und Kultur wäre schön gewesen und würde vermutlich mehr Besucher anlocken. Wieso nicht Graffiti ausstellen? Oder Aktionskunst zeigen? Disco im Speicher? Das wäre ein Jubiläum für das ganze Volk gewesen.

Pinsel und Primzahlen

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In dieser Woche wird er ja 5 Jahre alt, unser Kulturspeicher in Würzburg. Da wollte ich vor dem Rummel noch die Ausstellung “Ausgerechnet … Mathematik und Konkrete Kunst” anschauen — und das habe ich auch gemacht.

Mathematik und Kunst scheinen auf dem ersten Blick zwei Bereiche zu sein, die nichts miteinander zu tun haben. Auf dem zweiten Blick wird aber schnell klar, dass die Kunst schon immer von der Mathematik beeinflusst wurde. Die alten Meister haben in ihren Bildern goldene Schnitte geometrisch konstruriert, Hilfslinien und Perspektiven wurden berechnet und die Preise der Bilder sowieso.

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Die Ausstellung geht aber noch einen Schritt weiter. Wie wurde die Mathematik selbst in der Konkreten Kunst umgesetzt? Schlichte und weniger schlichte Spiegelungen, Rotationen und Verschiebungen zaubern eine klare optische Ästhetik auf die Leinwand. Schon fast ins mystische und esoterische gehen künstlerische Umsetzungen der Primzahlenverteilung oder der Fibonacci-Folge, bei deren Betrachtung man den Eindruck hat, ein bisschen an der Oberfläche des Bauplans und Sinn des Daseins zu kratzen.

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Sehr groß ist die Ausstellung nicht, auch werden erfahrene Kulturspeichergänger ungefähr ein Drittel der Werke aus der Ruppert-Sammlung kennen, die immer im Kulturspeicher zu sehen ist. Etliche Tafeln — erstellt von Institut für Mathematik an der Uni Würzburg — versuchen mathematische Grundlagen und Zusammenhänge zu erklären. Wobei selbst ich, der ich 4 Semester Diplommathematik genießen durfte, den Erklärungen nicht immer folgen konnte. Aber das ist halt Mathematik. 🙂

Für mich war es eine vergnügliche und interessante Stunde, für die der Eintritt von 3,50 € völlig in Ordnung war.

Bilder (vorschriftsmäßig angemeldet und ohne Blitz aufgenommen) gibt es im Flickr-Set.

Ich war’s nicht

Ehrlich. Es war nicht meine Schuld. Am Sonntag war ich nach langer Zeit wieder mal im Würzburger Kulturspeicher, in der Ausstellung “Von Renoir bis Feininger”. Ich habe aber wirklich nur die Bilder angeschaut. Eine ansprechende Ausstellung, für 3,50 € wirklich in Ordnung. Aber dass die Abteilung “Konkrete Kunst” bis morgen wegen Umbaumaßnahmen geschlossen ist, da kann ich nichts dafür. Ich bin nur kurz durchgelaufen. Mit sauberen Schuhen. Ohne Kaugummi. Und rauchen war ich auf der Dachterrasse. Ich schwör’s!

Kurz bei der langen Nacht

Die lange Nacht im KulturspeicherLang war sie für mich nicht, die Kulturspeichernacht. Aber dunkel war’s, das ist ja schon mal was.

Der Speicher war schick angeleuchtet, die Besucher schick gekleidet (eine der wenigen Ausnahmen tippt gerade diesen Text) und der Eintrittspreis schick bei 9 €. Nach dem Kartenkauf habe ich mich als braver Blogger auch noch als braver Fotograf registrieren lassen. Warum man sich da in eine Liste eintragen soll, wenn man ein bisschen knipsen will (ohne Blitz und Stativ laut Vorschrift), ist mir nicht ganz klar. Mit meiner Sauklaue kann man den Eintrag eh nicht lesen und selbst wenn — was hat der Kulturspeicher davon? Komisches System.

Wein in HumpenIch bekam zu der Karte auch noch ein grünes Bändchen um den Arm geklebt, damit ich alle Räume des Kulturspeichergeländes besuchen darf — und um mein Handgelenk schmerzhaft von vielen Haaren zu befreien. Für den im Eintrittspreis inbegriffenen Federweißen zur Begrüßung wurde gleich mal ein Edding-Strich auf das Bändchen geschmiert, das hatte schon ein bisschen Bierdeckel-Feeling. Sehr seltsam war, dass der Federweiße in Weingläsern ausgeschenkt wurde, der Wein hingegen in diesen unzerstörbaren Weindorfhumpen mit Henkel. Provokante Kunst aus dem Hause Lumen?

Hermann de Vries (der in der Mitte)Ach ja, Kunst gab es auch. Reichlich. So erzählte Hermann de Vries ein wenig über manche Exponate seines “Taschengewitters”. Ein sehr zurückhaltender Mann mit weißen Nikolausbart, aber doch kraftvoll und sehr sympathisch, was noch durch seinen Rudi Carell-Dialekt verstärkt wurde.
Auf dem Vorplatz führten Magnus Kuhn und Helmut Nennmann eine Performance zum Thema “Freie Sicht” auf. Doch der Humor, der nicht mal bei der Jahreversammlung der Grauen Panther für Lacher sorgen würde, war nicht so meiner – wie man vermutlich merkt. Aber wie so oft dürfen die unverstandenen Künstler mir Ignoranz, Oberflächlichkeit und Unwissen vorwerfen.

Dancing in the darkGetanzt wurde recht fleißig. Der Tanzspeicher zeigte Ausschnitte aus seinen aktuellen Programmen und die “Jugendgruppe des Tanzspeichers” schienen im Dauereinsatz zu sein. Auf dem Vorplatz und auf der schummrig-schönen probenBühne zeigten sie einfach nur nette Tänze aber auch recht anspruchsvolle Choreographien. Nett!

IMG_8551Sehr beeindruckend war die Tanzskulptur von Susanne Kirchner. Vor Skulpturen von Emy Roeder nahm sie deren Wirkung auf und tanzte sie — völlig ohne Musik. Durchaus erotisch schuf sie mit ihrem Körper und ihren Bewegung eine Projektion der Dynamik und Tiefe der sie umgebenden Kunst im Raum — und wurde dadurch eine ganz eigene Kunst im Raum.
Es ist schwer zu erklären, was da wirlich passierte, ohne in Kunstphrasen abzudriften. Man musste es erleben.

Die Nacht endete für mich dann schon, auch wenn der Kulturspeicher noch bis 1 Uhr geöffnet hat. Aber das Wochenende wird hart genug — und ich nicht jünger! 😉

Das Flickr-Set ist hier.

Des Nachts im Kulturspeicher

Jetzt rollt der Zug im Alten Hafen aber an. Kaum wurde das Heizkraftwerk eingeweiht, legt der Kulturspeicher am 5. Oktober mit der jährlichen Langen Kulturspeichernacht nach.

Gut, so richtig lang ist die Nacht nicht; von 19 Uhr bis 1 Uhr werden die “Bewohner” des Kulturspeichers Programm machen. Im Bockshorn gibt es Kabarett mit Queens of Spleens und Philipp Weber, im Museum ein Künstlergespräch mit Hermann de Vries, Führungen durch die “Gruppe Zero” und “Taschengewitter”, der BBK zeigt eine Performance mit Helmut Nennmann und Magnus Kuhn, der auch aus seinem Buch vorliest. Und der Tanzspeicher tanzt, was sonst. Essen und Trinken gibt es vom Lumen. Natürlich findet noch mehr in dieser Nacht statt, weitere Informationen (nicht so viel) findet man auf der Webseite der Langen Kulturspeichernacht.

Ach ja, liebe Macher des Flyers dieser Veranstaltung: “außerdem” und “heißt” schreibt man mit “ß”. Und die inkonsequente Groß- und Kleinschreibung hefte ich einfach mal unter Kunst ab …

Es ist angeheizt

FassadeDie Batterien mit Sonne und Kaffee aufgetankt und dann ab Richtung Kranenkai. Dort den Weg vom Parkplatz unter die Friedensbrücke nehmen und den kleinen idyllischen Fußweg am Main entlangschlendern. Und dann — Schwupps! — ist man auf der Treppe des Heizkraftwerks gelandet. Und was für eine Treppe!

Um diese Treppe herum wurde am Samstag die Neugestaltung des Heizkraftwerks am Alten Hafen in Würzburg gefeiert. Und es waren doch viel mehr Besucher da, als es das furchtbar gestaltete Plakat vermuten ließ. Aber das Wetter war auch wie gebacken dafür. IMG_7889Das Ambiente des Areals war im Sonnenschein wirklich wunderschön, so wurde aus einem “mal kurz hinschauen” ein “spät nachts heimkommen”.

Man konnte auch mal einen Rundgang durch einen Teil des Inneren des Heizkraftwerks machen. Aber sehr spektakulär war das nicht. Viele farbige Rohre, viele geheimnisvolle Kästen mit Elektrik, viele verschlossene Türe. Aber jetzt weiß ich wenigstens, wo 60% des Würzburger Stroms herkommt. Nämlich irgendwo aus diesen vielen Rohren, Kästen und Türen. Angeblich. Ich muss mal in die Steckdose schauen …

Fassade silberViel interessanter als das Innen ist das Außen des Kraftwerks. Das hat das Architekturbüro Brückner & Brückner schon sehr gut hinbekommen. Die Fassade wirkt mit ihrer kupfer- und silberfarbenen Lamellenstruktur recht locker und aufgeräumt. Je nach Blickwinkel, Sonnenstand und Jahreszeit sieht das Heizkraftwerk etwas anders aus. Die Hohlkehle, die noch nachträglich an den Bau angehängt wurde, schafft eine optische Verbindung in Richtung Kulturspeicher und wirkt gleichzeitig als “Dach” für die Freifläche- und treppe.
Ja, die Treppe. Dort lässt sich famos sitzen. Und einfach vor sich hin gucken. Oder ein Schöppchen trinken. Oder Roger’s People zuhören, einer Cover-Band, die zwischen den Extremen “sehr geil” und “furchtbar” pendelte.

IMG_8251Oder man schaut von der Treppe aus einer tollen Lasershow zu. Einer wirklich tollen Lasershow — mit integriertem Feuerwerk. Ich muss natürlich fairerweise erwähnen, dass ich kaum jemals eine Lasershow gesehen habe und somit die Sache an sich schon recht spannend fand. Aber in dieser Kulisse am Alten Hafen kam die Show einfach gut. Dramatische Musik, Laserfäden ziehen ihren Weg durch das vernebelte Hafenbecken, Feuerwerke im Hintergrund … es war einfach viel zu schnell wieder vorbei.

Würzblog am Alten HafenAlles in allem war es ein Tag, an den ich gerne zurückdenken werde. Und wohl auch die Stadt Würzburg. Denn durch die Neugestaltung des Heizkraftwerks wurde der Alte Hafen durch den Fußweg an die Innenstadt angebunden, ein ganz neues und orginelles Areal für Veranstaltungen geschaffen und der Stadt einen ungewohnt mutigen Hingucker in Sachen Architektur geschenkt. Und eine große Zahl von Besuchern hat sich dafür interessiert. Sogar so viele, dass am frühen Abend schon das Essen alle war.

Viele, viele Fotos gibt es im passenden Flickr-Set.