Fantastique, Fantastik und der Schalldämpfer

Am letzten Freitag war ich im Tanzcafé Ludwig bei der Premiere von Balkan Fantastik — war sehr gut, musikalisch deutlich hörbarer als ich vermutet habe.

Es war auch mein erster Besuch im Ludwig nach dem absoluten Rauchverbot vom 1. August 2010. Und ich habe bemerkt, dass dadurch ein ganz neuer Beruf entstanden ist — der Schalldämpfer. Im Ludwig geht man zum Rauchen nicht auf die Straße, sondern durch ein kleines Türchen auf eine kleine Terrasse, die von sehr hohen Mauern umgeben ist. Die Mauern sind wie in einem Tonstudio mit Schaumstoff verkleidet, um Lärm zu schlucken. Getränke darf man auch nicht mit raus nehmen, dafür gibt es vor der Tür ein Tischchen zum abstellen. Damit der Anwohner, die es auch dort gibt, trotzdem nicht gestört werden, gibt es den Schalldämpfer. Das ist ein Bulle von Mann im modischen und zeitlosen Securityoutfit, der den ganzen Abend im Raucherbereich steht und charmant “Pschhhht” und “Ssssssst” von sich gibt. Damit braucht man für den Beruf nicht nur eine eindrucksvolle Statur, sondern man darf bestimmt auch nicht Lispeln, was dem Ganzen den nötigen Ernst nehmen würde. Das klappt soweit aber ganz gut und ist erstaunlich unterhaltsam.

Heute Abend kann man bestimmt den Schalldämpfer wieder in Aktion erleben, denn da ist im Tanzcafé Ludwig wieder Disco Fantastique, der große, erfahrene und sehr heiße Onkel der Balkan Fantastique. Musikalisch gibt es good old Funk, Soul & Boogaloo bis das Vinyl glüht. Um beim Rauchen daran denken: Psssssssssssssssssssssst! Aber auch nur beim Rauchen!

Disco Phoenique

Noch vor ein paar Tagen sah es gar nicht gut für die Zukunft der Disco Fantastique aus. Als es bei der letzten Disco im Keller des Standard vor der Tür lauter wurde, standen plötzlich die Herren in Grün und eine Androhung eines Bußgelds vom 5.000 € im Wiederholungsfall im Raum.

Nun mussten die Fantasten das geliebte Standard — zumindest vorerst und beiderseits schweren Herzens– verlassen, das ihnen über 5 Jahre als lauschige Heimat gedient hat, um die Situation finanziell möglichst nicht eskalieren zu lassen.

Plötzlich war die Disco Fantastique also obdachlos, die BIWA wird wohl fröhlich kichernd eine Kerbe in ihr Lärmmessgerät geritzt haben.
Die Innenstadt wäre um eine lang etablierte Veranstaltung ärmer und ich sehr, sehr traurig gewesen.

Aber die Götter des Funk, Soul und Boogaloo hatten ein Einsehen. Sie schenkte der Disco Fantastique in kürzester Zeit ein neues Heim, welches dem Disco-Dekorateur Henri Chocolat die Tränen in die Augen treibt und in seinem Kopf orgiastische Vision in Plüsch und Spiegeln aufsteigen lässt — das Tanzcafé Ludwig in der Kaiserstraße. Mit genug Platz, um die vielleicht auch wieder mal eine Deluxe-Version der Disco Fantastique zu starten, welche es seit der Schließung des AKW nicht mehr gegeben hat.

Ich bin sehr gespannt, wie die Fantastiques sich in den für sie neuen Räumen einleben werden. Aber ich bin guter Dinge, denn die Jungs sind entspannt und werden das Ding schon schaukeln.

Geschaukelt wird im Tanzcafé Ludwig das erste Mal am 14. Mai 2010 um die gewohnte Zeit, mit den gewohnten Eintritts- und Cubapreisen, mit den gewohnten lässigen DJs — nur an einem vorerst ungewohnten Ort.

Weißt du mehr zum Thema "Tanzcafé Ludwig"? Dann schreibe dazu etwas im WürzburgWiki.

5 Jahre Pleicher Hof und ein bisschen leiser – vor der Tür

2005 hat der Pleicher-Hof eröffnet, im selben Jahr wie das Würzblog. Und ich darf dem Pleicher-Hof und ganz besonders Ued für viele Bloggertreffen, pl0gbars, Konzerte, My favourite tracks, Discos, Partys und endlos versackte Stunden danken. Viel Erfolg für die Zukunft!

Der Pleicher feiert das Jubiläum natürlich auch ordentlich. Von heute bis zum Samstag wird es Lesung, Konzerte bzw Discos geben. Besonders reizt mich das Robocop Kraus-Konzert morgen abend, das dann in die INDIE*HZ-Disco übergeht. Mal sehen.

Neu und etwas umstritten ist die neue Eintrittspreis- und Einlasspolitik des Pleicher-Hofs. Die Grundidee ist vielleicht gar nicht schlecht: Um Vorglüher und Vor-dem-Pleicher-Lärmer abzustrafen und Lärm auf der Straße möglichst zu vermeiden, werden zu später Stunde höhere Eintrittspreise verlangt, wochenends sogar gestaffelt. Damit will man Gäste möglichst früh an und in den Pleicher binden. In der letzten Stunde —  wann immer die genau sein wird — gibt es grundsätzlich keinen Einlass mehr. Wer vor dem Haus mitgebrachte Getränke trinkt, muss mit einem Haus- und Platzverbot rechnen. Bei Konzerten und Sonderveranstaltungen gelten aber gesonderte Regelungen.

Und nun geht es los. Was ist heute Abend im Pleicher? Ist da eine Sonderveranstaltung? Zählt Plattenauflegen als Konzert? Hab ich für die Uhrzeit genug Geld dabei? Ist morgen Feiertag? Wann ist die letzte Stunde, sprich: Komm ich überhaupt noch rein? Wenn ich 5 Minuten vor einer vollen Stunde in einer langen Schlage stehe, was zahle ich dann? Wird es mittwochs und donnerstags kurz vor 1 Uhr zur Panik vor der Kasse kommen, es geht schließlich um 5 €?

Für alle, die schlecht im Kopfrechnen sind oder zu betrunken auf dem Weg zum Pleicher-Hof dazu, hier eine kleine Tabelle der Eintrittspreis für die normalen Abende:

Mittwoch/DonnerstagFreitag/Samstag/Vor Feiertagen
bis 23 Uhrfreifrei
23 – 0 Uhrfrei2 €
0 – 1 Uhrfrei3 €
1 – 2 Uhr5 €4 €
2 – 3 Uhr5 €5 €
3 – 5 Uhr5 €6 €
letzte Stundekein Einlasskein Einlass

Und Dank auch an Kalimba Gossip, dessen Beitrag mich heute daran erinnert hat, meinen Beitrag endlich mal fertig zu schreiben. 😉

Bürgerversammlung im Ratssaal

Am kommenden Dienstag, 23. Februar 2010, findet um 18.30 Uhr mal wieder eine Bürgerversammlung statt. Die Tagesordnungspunkte sind potenziell explosiv:

  1. Interessenskonflikt “Wohnen versus Gastronomie” in der Würzburger Altstadt
  2. Nutzung Mozart-Areal
  3. Entwicklung Straßenbahn Linie 6
  4. Verschiedenes

Gut, bei “Verschiedenes” weiß man nicht, was kommt. Aber die Punkte 1 – 3 versprechen hitzige Debatten, ich empfehle Nacktscanner am Eingang des Würzburger Ratssaals.

Ja, am Eingang des Ratssaals, nicht am Eingang des Mozart-Gymnasiums, wie man vermuten könnte. Denn Stadtrat Michael Gerr hat kritisiert, dass das Mozart-Gymnasium nicht zu alle zugänglich — sprich: nicht barrierefrei — ist, womit er Recht hat. Und eine Bürgerversammlung soll für alle zugänglich sein — womit er auch Recht hat. Und überraschenderweise war die Stadt wirklich spontan und flexibel und hat den Ort der Bürgerversammlung in den Ratssaal verlegt. Vielleicht nimmt das dem Punkt 2 etwas die Emotionen raus.

Mozart-Areal und Linie 6 sind ja schon lange in den Würzburger Charts und man kann die Texte schon mitsingen, aber der Neuzugang  “Wohnen versus Gastronomie in der Würzburger Altstadt” hat seinen ersten großen Live-Auftritt, und das gleich auf Platz 1. Werfen wir ihm Blumen zu …

Sperrzone Innenstadt

So langsam kriege ich schon Pickel, wenn ich nur das Wort “Bürgerinitiative” in Würzburg nur höre. Selbst im Winter schießen die wie Pilze aus dem Boden.

Neuester Pilz ist die “Bürgerinitiative Würzburger Altstadt” — BIWA –, die ihre Mitglieder aus Bewohnern und Geschäftsleuten aus der Innenstadt rekrutiert. Sie fühlen sich vom Lärm, Dreck und überhaupt vom ganzen Rummel des Nachts in der Stadt gestört. Das Ganze hat gestern darin gegipfelt, dass sich Vertreter der Stadt, der Polizei und der Gastronomie im Odeon getroffen haben, um zu besprechen, wie man mit den Problemen umgehen soll. Die daraus entstandene Idee geht dahin, dass die Sperrzeiten — also die Zeit, in der ein gastronomischer Betrieb geschlossen sein muss — am Wochenende wie bisher auf 5 Uhr früh bleiben, aber während der Woche auf 1 Uhr verlängert wird. Für Leute wie mich, die es nicht gewohnt sind in Sperrzeiten zu denken, sondern in Öffnungszeiten: Während der Woche darf ein Lokal maximal bis 1 Uhr nachts geöffnet haben, am Wochenende maximal bis 5 Uhr.

Bisher ist das nur eine Diskussionsgrundlage, entschieden ist noch nichts, es kann auch noch ganz anderes kommen — in jede Richtung.

Liebe Innenstadtbewohner, es ist nicht so, dass ich eure Anliegen grundsätzlich nicht verstehen oder sogar teilen würde. Wobei ich — auch wenn sie das nicht hören wollen — den Innenstadtbewohnern eine höhere Schmerzgrenze zumuten möchte. Mich regen selbst an Nicht-Innenstadtbewohner ein paar Sachen auf. Das Scherbenmeer, durch das ich manchmal knöcheltief waten musste, geht mir auch auf den Sack. Aber noch mehr auf den Sack geht mir euer Maßnahmenkatalog.

Es ist ein schwieriges Problem. Würzburgs Innenstadt soll lebendig und attraktiv sein, aber gleichzeitig ein ebenso ruhiges Wohngebiet wie im Frauenland. Ich sag es nur ungern: Das wird schwierig. Die Stadt profitiert letztlich auch vom Nachleben in der Innenstadt, der Begriff “Szenestraße” wird sogar werbetechnisch auf der Webseite des BIWA-Mitgründers Bernd Mars verwendet:

Und neue, vor allem auch junge Leute entdecken das Traditionsgeschäft für Stahlwaren, Sportwaffen, Feuerzeuge und Rasierer in der belebten Szene-Straße.

Hmm, und viele der jungen Leute haben das Traditionsgeschäft nachts um 3 Uhr zum ersten Mal gesehen. Das scheint geschäftlich kein Nachteil zu sein.

Ja, der Lärmpegel nachts in der Stadt hat auch für mich in den letzten Jahren zugenommen. Für mich liegt der Hauptgrund beim hochgelobten Nichtraucherschutz. Man geht gern oder ungern zum Rauchen nach Draußen und behält die Kneipensprechlautstärke bei. Früher blieb man eben in der Kneipe. Nichtraucherschutz gegen Ruhestörungsschutz.

In ihren Hauptforderungen nennt die BIWA den Punkt “Konsequente Präsenz von Ordnungskräften, wie z.B. kommunaler Ordnungsdienst, Bereitschaftspolizei und Polizei”. Ordnungsdienst, ok. Polizei und vor allem Bereitsschaftspolizei? Ich sehe schon Hundertschaften in schusssicheren Westen durch Würzburgs Innenstadt patroullieren und sobald Zimmerlautstärke überschritten wird kommt der Wasserwerfer zum Einsatz?

Die BIWA fordert auch konsequente Umsetzung des Jugendschutzgesetzes, was ja nicht schlimm ist. Aber liebe BIWA: Auch ich bin gerne mal nachts in Würzburg unterwegs und ich die wenigsten — wenn überhaupt — denen ich begegne sind Jugendliche, vielleicht gehe ich da in die falschen Lokale. Die meisten sind Studenten, die in Regelfall über 18 Jahre sind. Und noch schlimmer: Gar nicht mal so wenige sind nicht mal Studenten, sondern einfach Erwachsene, die im Arbeitsleben stehen, so wie ich.   Ja, man kann fast 40 sein und trotzdem ein Nachtschwärmer — und ich bin selten der Älteste. 😉

Und gerade mich als steuerzahlender, arbeitender, reifer und erwachsener Bürger dieser Stadt würde mich eine Begrenzung der Öffnungszeit auf 1 Uhr während der Woche ärgern, aus einem ganz egoistischen Grund: Ich arbeite hin und wieder mal bis spät in der Nacht im Büro. Und ich freue mich schon immer darauf, dann endlich das Büro zu verlassen und irgendwo in der Stadt noch einen Absacker zu trinken — manchmal auch zwei. Und das darf ich dann nicht mehr?
Das heißt, ich muss mir tagsüber eine Flasche Schnaps kaufen, die ich dann auf dem Heimweg trinken darf, flankiert von Männern in Uniform? Und wenn ich einen Platz passiere, an dem Alkoholverbot herrschen wird, muss sich sie verstecken? Nicht dass mich die Videoüberwachung dabei erwischt, die die Daten wahrscheinlich gleich zum Heuchelhof leiten wird.

Ne BIWA, ich glaube mit euren Forderungen schießt ihr über das Ziel hinaus. Man soll schon etwas tun, um die “Zustände” in der Innenstadt für die Anwohner erträglicher zu machen. Die Gastronomen sollen sich was überlegen, was sie gegen den Lärm machen können, manchmal kann ein “Hey, jetzt plärrt mal net so rum” von der richtigen Person schon Wunder wirken — hab ich schon erlebt. Mit dem Dreck wird es schon schwieriger, in einigen Lokalitäten darf man ja schon keine Gläser mit nach draußen nehmen. Das Problem sind die Glasimporteure, die mit einem oder mehreren Sixpacks auf den Straßen unterwegs sind, die sie von daheim mitgebracht oder nachts im Straßenverkauf erworben haben. Warum es so cool ist, die Flaschen zu zertrümmern, hat sich mir bis heute nicht erschlossen, aber das ist ein Problemfeld, an dem vielleicht Psychotherapeuten arbeiten müssen. Der Ordnungsdienst könnte da natürlich eingreifen, aber wer zahlt denn die zusätzlichen Nachtschichten?

Nein, ich bin deutlich gegen eine Verlängerung der Sperrzeiten. Damit brächte man Würzburg mal wieder noch näher an die Provinz.

Mittlerweile wurde auch das Blog “Sperrstunde” eingerichtet, hier soll laufend über den Stand der Dinge berichtet werden. Auf Facebook gibt es auch eine Gruppe dazu.

R.E.M. vier Sekunden entfernt

Das R.E.M.-Konzert ist bis nach Grombühl ganz gut zu hören, knapp vier Sekunden verzögert. Wenn ich das Fenster aufmachen würde, dann könnte ich mitsingen. Ein Konzertkarte wäre also sowieso völlig überflüssig gewesen.

Wenn um 23.00 Uhr nicht Ruhe ist, dann rufe ich die Polizei. Oder gründe ein Bürgerinitiative. Oder beides.

Update: Ja wirklich. Ich summe gerade “Imitation of Life” mit und verstehe den Text sogar. Und das, obwohl das Konzert über eine Kilometer entfernt ist. Die müssen gut Krach machen, hoffentlich bröckelt an der Residenz nichts ab.

Fetter Sound …

… schallte vorhin über dem Dominikanerplatz in Würzburg. Eine Demo, dachte ich mir. Oder ein Straßenfest? Nichts davon. Modenschau im Ulla Popken-Laden, und die haben einen Lautsprecher vor die Tür gestellt und voll aufgedreht.