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CSD: Noch ein weiter Weg …

Am Wochenende gab es den Christopher Street Day in Würzburg. Und ich freue mich schon auf die Zeit, ab der es den CSD nicht mehr zu geben braucht, weil die ganze Gesellschaft mal kapiert hat, dass Homosexualität eine natürliche Ausprägung des Lebens ist.

Aber wenn ich so an Samstag denke, als ich kurz in der Domstraße den CSD-Umzug beobachtet habe … so lange Homosexuelle, die bei der Demo Flyer verteilen wollen, von Passanten lautstark “Fass mich bloß nicht an, du blöde Schwuchtel” entgegengerufen wird, wird es wohl noch etliche Jahre den CSD geben. Müssen.

CSD Würzburg 2013

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Alles muss raus #2: Alibi-CSD 2012 in Würzburg

Der Artikel verstaubte aus unbekannten Gründen in den Artikel-Entwürfen. Im Rahmen der Aktion “Alles muss raus!” wird er nun veröffentlicht, auch wenn er nicht fertig ist.

Tupperware

Der CSD Würzburg 2012 auf dem Unteren Marktplatz — hmmm. Ein wenig verändert hat er sich über die Jahre schon etwas verändert. Der Stand des WUF-Zentrums steht immer weiter abseits — trotz des 40. Geburtstags –, dafür gibt es jetzt einen Tupperware-Stand, warum auch immer.

Die Bühne ist auf Handtuchgröße geschrumpft, da passt gerade noch ein DJ-Pult darauf. Stimmung kam bei mir nicht gerade auf. Irgendwie ist beim CSD die Luft raus. Die Mischung aus Politik und Party, die früher den CSD bestimmt hat, gibt es so nicht mehr. Die Infostände der Vereine, Organisationen und Parteien wirken für mich wie ein Alibi, aber eigentlich geht es darum Werbung für die CSD-Partys zu machen.

Gay-Pride-Party in der Posthalle

Planetenfrage

Es ist CSD-Wochenende! Wenn ich an den ersten richtigen Christopher Street Day in Würzburg denke, muss ich schon arg im Gedächtnis kramen — immerhin ist das schon 10 Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere, fand er am Vierröhrenbrunnen statt, an dem sich ein kleines Häufchen Menschen jeglicher sexueller Neigung getroffen hat. Und das Wetter war glaube ich nicht so toll.

Das Wetter ist auch in diesem Jahr wieder nicht so toll — so wird der Regenbogen gespannt über die Jahre. In Sachen Gleichberechtigung für Schwule und Lesben ist in den 10 Jahren viel passiert. Am Montag vor 10 Jahren ist das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft getreten, mittlerweile dürfen Homosexuelle auch im Trausaal heiraten und so bleibt “nur” noch die Punkte Steuer und Adoptionsrecht, um die gekämpft werden muss.

Ich habe bis heute nicht, aber auch gar nicht verstanden, warum man überhaupt für eine Gleichstellung und für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben kämpfen muss. Es ist ja nicht so, dass hier Leute eine Weltanschauung oder Überzeugung bewusst gewählt haben, mit der sich der Rest der Gesellschaft schwer tut. Hier geht es um das menschliche Sein, darum, dass Menschen so sind wie sie sind. Jeder Mensch hat eine Augenfarbe, mit der er geboren wird. Seine oder ihre Fingernägel wachen in einer eigenen Geschwindigkeit. Manche sind groß, manche klein. Andere haben angewachsene Ohrläppchen oder können die Zunge rollen (ich kann’s!). Und manche fühlen sich zu Frauen hingezogen, und andere zu Männern — oder zu beiden. Und das eigene Geschlecht hat damit wenig zu tun. Ok, Männer sind im Durchschnitt größer als Frauen. Und die meisten Frauen fühlen sich zu Männern hingezogen. Aber warum sollte ich auf die Idee kommen, kleine Männer zu diskriminieren? Oder Frauen, die Frauen lieben? Das würde doch überhaupt keinen Sinn ergeben. Es geht hier nicht mal um Toleranz, sondern um ein Akzeptieren auf einer viel tieferen und existenzielleren Ebene.

Und so bin ich in jedem Jahr auf dem CSD in Würzburg und setze durch meine Anwesenheit ein kleines Zeichen für Toleranz (… und eine Menge Spaß hab ich natürlich dort auch! 🙂 ). Aber immer herrscht in meinem Kopf das Gefühl der Surrealität und die Frage, auf welchem Planeten ich mich eigentlich befinde — auf meinem sicher nicht.

Rainbowflash Würzburg

Nach dem Regen Luftballons

Rainbowflash Würzburg

Es war Glück im Unglück. Eine halbe Stunde vor dem Rainbowflash im Rathausinnenhof hat der Himmel ganz arg Pipi gemacht — es hat aus Eimern gegossen. Aber kurz vor 19.00 Uhr hat es aufgehört zu regnen und dann ging auch alles ganz schnell: Luftballon nehmen, Karte hinhängen, Countdown von 10 abwärts, Luftballon loslassen und zuschauen wie ein Teil im Baum am Rathausvorplatz hängenbleibt. Danach noch kurz mit der Hälfte von Njandjulie quatschen, ein paar Heliumgesängen zuhören und schon war der Rainbowflash am Tag gegen die Homophobie vorbei. Hoffentlich ist das mit der Homophobie an sich genauso schnell vorbei. Zeit wird’s.

Rainbowflash Würzburg

Internationaler Tag gegen … hä? Homophobie?

Heute vor gerade mal 20 Jahren beschloss die Weltgesundheitsorganisation WHO, Homosexualität von der Liste der psychischer Krankheiten zu streichen. Seitdem ist der 17. Mai der Tag gegen die Homophobie, also der Angst und die Abneigung vor und gegen Homosexuellen und Homosexualität. Heute um 19.00 Uhr werden aus diesem Anlass bunte Luftballons auf dem Rathausinnenhof in den Himmel entlassen — der Rainbowflash.

Wenn das Wetter passt werde ich wahrscheinlich mal hingehen, dann aber doch in tiefer Verwirrung und Ratlosigkeit. Ich würde dastehen und mich fragen: “Hä? Was mache ich hier eigentlich? Gibt es morgen den Tag gegen die Angst vor Rothaarigen, Linkshändern und vor Menschen über 1,70 Meter?” In mein kleines Hirn geht einfach nicht die Vorstellung hinein, warum irgendjemand Angst, Abneigung oder überhaupt Vorurteile gegen Schwule und Lesben haben kann? Wegen seiner sexuellen Orientierung? Also ob die Person auf Männer oder Frauen steht? Geht’s noch?

99,99% der Begegnungen mit Schwulen und Lesben passieren wohl in einer völlig neutralen Situation. Ob die Frau an der Käsetheke im Kupsch nachts mit einem Mann oder mit einer Frau in die Kiste steigt ist mir völlig egal. Mir wäre nicht egal, wenn sie beim Käsewiegen bescheißt oder ihre Hände nach dem Klogang nicht gewaschen hat. Aber was juckt mich ihre sexuelle Orientierung?

Und beim Weggehen? In der Disco? Auf einem Konzert? Ich bin als heterosexueller Mann in einer Disco und ein schwuler Mann macht mich an. Und da ist es wie immer: Ich habe die freie Wahl mich darauf einzulassen oder nicht. Das ist exakt die selbe Wahl die ich habe, wenn mich eine heterosexuelle Frau anmacht. Ich darf in beiden Fällen völlig entspannt Nein sagen. Klar gibt es zum Beispiel Schwule, die einen ganz schön dumm-penetrant anmachen können. Das nervt. Das nervt bei Heterosexuellen aber genauso!

Homophobie ist und bleibt mir ein ewiges Rätsel. Und vielleicht wäre es nach 20 Jahren auch mal Zeit, sie auf die Liste der psychischen Erkrankungen zu setzen.