Valentinstag der Konsumkritiker

Ja ja, ich weiß! Valentinstag ist nur das Fest der Blumengroßhändler und Süßwarenhersteller. Mag sein. Es ist auch der Tag, an dem Konsumkritiker für 24 Stunden aus dem Nichts entstehen.

Ja ja, ich weiß! Valentinstag ist nur das Fest der Blumengroßhändler und Süßwarenhersteller. Mag sein. Es ist auch der Tag, an dem Konsumkritiker für 24 Stunden aus dem Nichts entstehen.

Aber wenn es den Pi-Tag, den Tag des deutschen Butterbrots, den Tag des Schlafes oder den Star-Wars-Day gibt — wo auch die Zirkel-, Milch-, Kissen- und Lichtschwertindustrie verdient –, dann ist ein Tag der Liebenden auch nichts Schlimmen. Man muss sich ja dem Konsum nicht unterwerfen, sondern kann sich auf kostenfreie Berührungen im gegenseitigem Einverständnis beschränken. Außerdem kann man das alles beim Kauf-Nix-Tag wieder alles ausgleichen.

Liebesschlösser an der Alten Mainbrücke in Würzburg
Liebesschlösser an der Alten Mainbrücke in Würzburg

Umgesiedelte Liebesschlösser

Die Liebesschlösser auf der Alten Mainbrücke in Würzburg sind ja nicht mehr da — warum und wohin die verschwunden sind, weiß ich immer noch nicht. Aber beim Spaziergang heute ist mir aufgefallen, dass jetzt am Geländer am Mainufer, kurz vor der Alten Mainbrücke auf der Innenstadtseite, Schlösser der Liebe angebracht sind. Vier Stück habe ich gesehen, manche recht neu.

Ich hoffe, dass diesmal die Schösser dort nicht verwendet werden, denn den Brauch finde ich ganz süß. Ach, ich alter Romantiker! 😉

Liebesschlösser am Mainufer

Planetenfrage

Es ist CSD-Wochenende! Wenn ich an den ersten richtigen Christopher Street Day in Würzburg denke, muss ich schon arg im Gedächtnis kramen — immerhin ist das schon 10 Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere, fand er am Vierröhrenbrunnen statt, an dem sich ein kleines Häufchen Menschen jeglicher sexueller Neigung getroffen hat. Und das Wetter war glaube ich nicht so toll.

Das Wetter ist auch in diesem Jahr wieder nicht so toll — so wird der Regenbogen gespannt über die Jahre. In Sachen Gleichberechtigung für Schwule und Lesben ist in den 10 Jahren viel passiert. Am Montag vor 10 Jahren ist das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft getreten, mittlerweile dürfen Homosexuelle auch im Trausaal heiraten und so bleibt “nur” noch die Punkte Steuer und Adoptionsrecht, um die gekämpft werden muss.

Ich habe bis heute nicht, aber auch gar nicht verstanden, warum man überhaupt für eine Gleichstellung und für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben kämpfen muss. Es ist ja nicht so, dass hier Leute eine Weltanschauung oder Überzeugung bewusst gewählt haben, mit der sich der Rest der Gesellschaft schwer tut. Hier geht es um das menschliche Sein, darum, dass Menschen so sind wie sie sind. Jeder Mensch hat eine Augenfarbe, mit der er geboren wird. Seine oder ihre Fingernägel wachen in einer eigenen Geschwindigkeit. Manche sind groß, manche klein. Andere haben angewachsene Ohrläppchen oder können die Zunge rollen (ich kann’s!). Und manche fühlen sich zu Frauen hingezogen, und andere zu Männern — oder zu beiden. Und das eigene Geschlecht hat damit wenig zu tun. Ok, Männer sind im Durchschnitt größer als Frauen. Und die meisten Frauen fühlen sich zu Männern hingezogen. Aber warum sollte ich auf die Idee kommen, kleine Männer zu diskriminieren? Oder Frauen, die Frauen lieben? Das würde doch überhaupt keinen Sinn ergeben. Es geht hier nicht mal um Toleranz, sondern um ein Akzeptieren auf einer viel tieferen und existenzielleren Ebene.

Und so bin ich in jedem Jahr auf dem CSD in Würzburg und setze durch meine Anwesenheit ein kleines Zeichen für Toleranz (… und eine Menge Spaß hab ich natürlich dort auch! 🙂 ). Aber immer herrscht in meinem Kopf das Gefühl der Surrealität und die Frage, auf welchem Planeten ich mich eigentlich befinde — auf meinem sicher nicht.

Schlösser der Liebe

Vorh Ngeschloss /LiebeDas ist die Hohenzollerbrücke in Köln. Seit ungefähr 2008 schlich sich dort der Brauch ein, dass Verliebte ein Vorhängeschloss als Zeichen ihrer Liebe anbringen. Rund 2 Tonnen Metallove haben sich dort angesammelt.

Das ist die Alte Mainbrücke in Würzburg. In der Nische des Heiligen Kilian hängen an vier Haken in der Mauer insgesamt fünf Vorhängeschlösser der Liebe. Ich hoffe, dass Annette und Olli sich noch lieben und das Hampton sich endlich verliebt hatDie Dinger wiegen zusammen vielleicht 300 Gramm, aber ein Anfang ist gemacht. Die nächsten Paare, die ihr Schloss dort anbringen wollen, haben das Problem, dass die vier Haken — soweit ich gesehen habe, die einzigen an der Alten Mainbrücke — kaum noch Platz bieten. Aber man kann ja Schloss an Schloss ketten. Ketten der Liebe … ach, hörte sich das romantisch an, wenn es nicht wie ein BDSM-Streifen aus den 70ern klingen würde.

Und dann darf man gespannt sein, wann der Verschönerungsverein eingreifen wird — sind ja schließlich keine Barockschlösser.

Buntbund

Würzburg ist bunt
Nein, sie kamen nicht nach Würzburg, die Rechten am 1. Mai. Der Naziaufmarsch fand nur in Schweinfurt statt.
Dafür waren 5000 Menschen auf der Straße, um für Würzburg ist bunt zu demonstrieren. Keine schlechte Zahl, aber so wirklich umgehauen hat sie mich auch nicht. Bei über 130.000 Einwohnern hätte ich schon mehr erwartet, in Schweinfurt — gut 50.000 Einwohner — waren ca. 8.000 Menschen auf der Straße. Und das, obwohl sich die CSU Schweinfurt — traurig, traurig — offiziell nicht an dem Bündnis Schweinfurt ist bunt und an der Demo beteiligt hat. Und Schweinfurt hatte auch über 800 Rechtsextreme auf der Straße.

Hier in Würzburg haben sich die Gegner des — zu dem Zeitpunkt noch ungewissen — Naziaufmarschs am Hauptbahnhof gesammelt. Irgendwie. Wir haben uns irgendwo hingestellt und waren dann eingekeilt zwischen dem IG-Metall-Block und dem WUF-Block. Als heterosexueller Freiberufler fiel mir die Wahl, bei wem ich jetzt mitlaufen will, nicht schwer und wir sind mit dem WUF-Block in Richtung Marktplatz gezogen.

Würzburg ist bunt
Und das war recht unspektakulär. Wie man auch am Tag der Arbeit um die Mittagszeit nicht anders erwarten kann, war die Würzburger Innenstadt recht leer und damit auch recht zuschauerarm.

Am Marktplatz wurden dann die Kundgebungen aufgefahren. Ich habe nur so mit halben Ohr zugehört, da ich lieber mit Moggadodde geschwätzt habe, aber es wird wohl was in Richtung “Rechts ist doof” gewesen sein.

Und alle Redner konnte ich auch — selbst wenn es nicht geschüttet hätte — gar nicht hören, da ich mit einem schwulen Freund in Café eines italienischen und damit ausländischen Freundes verabredet war. Buntes Leben halt.

Es flowert, es powert, im Pleicherhof

Vor drei Wochen habe ich mich noch darüber beschwert, dass das Woodstock-Jubiläum in Würzburg nicht würdig gefeiert wurde, besonders meine Hoffnung auf eine Flower-Power-Party im Keller des Pleicherhofs wurde bitter enttäuscht.

Aber morgen — 4. September 2009 — darf ich meine Tränen trocknen und das Ende des Jammertals blicken. Ab 22.00 Uhr schwingt der Pleicherkeller bei der Flower-Power-Party im Einklang mit dem Universum, Frieden und Liebe erfüllen den Raum. Und Musik. Gute Musik. Und eben nicht für die Klassiker der Best-of-Hippie-CDs vom MediaMarkt. Beim letztem Mal gab es Lieder zu hören, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr mein Ohr erfreuten. Oder sogar noch nie erfreuten. Im Nachhinein ein Lob an die DJs Love & Peace, die einem fast schon abgelutschten Motto — Flower-Power — richtig originelle Seiten abgewinnen kann. Wozu die passende Deko und Atmosphäre ihr übriges beigetragen hat.

Wer der Musik der 60er/70er etwas abgewinnen kann, der ist morgen dort gut aufgehoben. Hippies und Blumenkinder haben freien Eintritt und Liebe, für alle anderen 3 €.

Festival der Liebe

Es sind zwar noch über vier Wochen bis zum Fest der Liebe, aber das Festival der Liebe findet schon heute und morgen im Cairo statt.

Bei diesem zweitägigen Herzenswärmer spielen Bands und Musiker wie Roy & Bert, Gisbert zu Knyphausen, Tom Liwa, Charlotte, Wozniak und die Great Bertholinis. Und die Täubchen von Titisee haben auch ihre süßen Finger mit drin.

Los geht es an beiden Tagen um 20.00 Uhr. Eintritt kostet es 6 € pro Tag oder 10 € für beide Tage. Ja, es kostet Eintritt, es ist ja kein Festival der freien Liebe.