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Dekoration Filmwochenende

FiWo-Fensterdeko, Startvorbereitungen

Heute Mittag war ich ein wenig in der Stadt bummeln, es hat ja milde 0° C gehabt. Und da wollte ich mir die Läden anschauen, die beim Schaufensterwettbewerb des Internationalen Filmwochenendes mitmachen. Denn die sollten ihre Schaufenster “mit cineastischer Phantasie dekorieren” — bis zum 20. Januar 2010, also eine Woche vor dem Filmfest in Würzburg. Am Ende des Filmwochenendes, das mit einem 60%-Anteil von Werktagen eigentlich mittlerweile Filmtage heißen sollte, wird das beste Schaufenster prämiert werden.

Ich habe natürlich nicht alle teilnehmenden Läden abgeklappert. Bei manchen Läden war noch kein Zeichen des FiWos zu erkennen — man wird noch brüten. In manchen hängt mehr oder weniger einsam das Plakat des Filmfests — hier sollte man noch brüten.

Schau wir mal die Fundstücke an.

Dekoration Filmwochenende
Day by Day — noch viel Luft nach oben.

Dekoration Filmwochenende
Buchhandlung 13 1/2 — ein Stapel verfilmter Bücher oder Drehbücher wäre schon mal in Anfang gewesen.

Dekoration Filmwochenende
Vollkornbäckerei Köhler — wie wäre es mit einer Kamera aus Salzteig, oder Krieg der Sterne aus Dinkelbrötchen nachgestellt …

Dekoration Filmwochenende
Der Perlenmarkt gegenüber vom Stachel — wir erreichen die kreativen Stufen, das Plakat wird gelegt, statt ins Fenster gehängt.

Dekoration Filmwochenende
Habakuk — das Plakat hängt wieder, wird aber von einer herbstlichen Dekoration aus FiWo-Flyern umschmeichelt.

Dekoration Filmwochenende
Barrosi — extrem minimalistisch, aber von der Idee nicht schlecht: kleiner Flyer projiziert großes Plakat.

Dekoration Filmwochenende
Brauchbar Krempeltempel — es wird metaphorisch: ein Film ist auch nur eine Aneinanderreihung vom Fotos

Dekoration Filmwochenende Dekoration Filmwochenende
Die Murmel — hier liegt die Latte, an der sich alle anderen bis jetzt messen lassen müssen, und sie liegt hoch: die Sesamstraße im Kino

Also liebe Einzelhändler, da geht noch was. Da geht noch einiges und ihr habt noch ein paar Tage zeigt. Zeigt mir mal, wo der Barthel den kreativen Most holt.

Kleine Läden und Kosumtempel

Nein, es war kein Weihnachtseinkauf. Das Patenkind hatte Geburtstag. Aber die Würzburger Innenstadt war voll mit Konsumaktivisten, die noch schnell die Weihnachtsgeschenke kaufen wollten, bevor dir Mehrwertsteuererhöhung doch noch vorverlegt wird.
Meine Schwester hat mir einen klaren Auftrag gegeben. Es sollte eine Brio-Eisenbahn sein, batteriebetrieben. Nun neige ich als qualitätsbewußter Einkäufer dazu, die Sachen in kleinen Fachgeschäften zu erwerben. Also ging ich in die Murmel in der Augustinerstraße. Ich wurde mit einem freundlichen "Hallo" begrüßt. Schon nach kurzer Zeit wurde ich von der Verkäuferin völlig zu recht als plan- und kinderlos eingestuft, denn sie kam bald zu mir und bot mir ihre Hilfe an.
Leider hatten sie keine Bahn von Brio vorrätig, dafür aber von Eichhorn. Doch die konnte ich die aus erziehungsideologischen Gründen nicht kaufen. Aber die Verkäuferin nahm sich trotzdem Zeit, erklärte dass man Brio und Eichhorn auch kombinieren könne, zeigte mir auch Alternativen zu der Eisenbahn. Das tat sie sehr unaufdringlich, ließ mich vieles mal ausprobieren und erklärte mir alles.
Die schwesterliche Order hieß aber eindeutig "Brio", und so musste ich die Murmel leider mit leeren Händen verlassen. Darum bekam die Galeria Kaufhof seine Chance. So ein Kaufhaus hat natürlich ein großes Sortiment, auch an Brio-Eisenbahnen. Doch leider war dieses große Sortiment hinter einem Stapel noch größerer Kunststoffkisten verborgen. So fragte ich die Verkäuferin, ob ich mal an die Regale mit den Holzeisenbahnen könne. "Wir räumen gerade aus" entgegnete mir die junge Dame. Das war zwar eine korrekte Antwort, doch leider auf eine andere Frage. Auf meinen Hinweis, dass ich doch gerne eine Brio-Lok kaufen möchte, kam wieder ein "Wir räumen gerade aus" aus dem Mund der Angestellten, die die Kisten mit einer beängstigenden Langsamkeit entleerte. Mir war klar, dass ich hier mit verbaler Logik nicht weiterkam, nur mit körperlicher Geschicklichkeit. Ich griff also blind hinter die Plastikbehälter und zog wahllos Schachteln hervor, in denen hin und wieder sogar Loks waren. Doch keine mit Batterieantrieb. Auf die kleinlaute Frage, ob sie keine elektrisch betriebene Züge hätten, erwiderte die Ausräumerin: "Kann ich Ihnen nicht sagen, da stehen die Kisten davor".

Es war wohl eine Lektion in Demut, die ich im Kaufhof erhielt. Geduld soll ein Käufer haben, innere Ruhe und Ausgeglichenheit soll sein Herz erfüllen. Und er soll nicht die Hohepriesterinnen des Konsums bei ihren Riten stören. Still soll er ausharren, bis seine Gebete erhört werden. Und so lange hinter den Kisten kramen, bis er endlich eine batteriebetriebene Brio-Bahn in den tauben Fingern hält, dieses gnädige Geschenk der Kommerzgötter.