Verdichtung im Garten

Die steigende Verdichtung der Innenstadt wird oft kritisiert. In meinem ehemaligen Garten bin ich an der Verdichtung live dabei.

Seit vorgestern hab ich eine Baustelle vor der Haustür, im ehemaligen Garten. Dort wird in den nächsten Monaten ein dreistöckiges Haus hochgezogen. Platz für Bäume oder anderes Grüne wird da wohl nicht mehr sein.

Bagger und braue Erde im Garten.
Bagger und braue Erde im Garten.

Passend dazu landete eine Pressemitteilung des Bund Naturschutz in Würzburg ins Würzblog-Postfach, der einen Stopp für eine weitere Verdichtung in der Würzburger Innenstadt fordert:

“In den kommenden Jahrzehnten wird die Anzahl der Hitzetage im Maintal von 0 bis 3 pro Jahr auf über 50 ansteigen. Dann wird man in Würzburg auch Nächte erleben, in denen die Tiefsttemperatur nicht mehr unter 30 Grad Celsius absinkt, gerade in der stark versiegelten Innenstadt. ‘Die Stadt Würzburg wäre daher gut beraten, wenn sie dort Flächen entsiegeln und begrünen würde’, so Steffen Jodl, Geschäftsführer beim BN. ‘Vor allem große Bäume und Kletterpflanzen könnten über die natürliche Verdunstung kühlend auf die Umgebung wirken’, erläutert der Diplom-Biologe den Vorteil von Pflanzen in der Stadt.”

Ganz von der Hand zu weisen sind solche Szenarien nicht. Wer im heißen Sommer durch die Stadt geht, spürt, wie die Hitze von den Gebäuden und den Straßen abstrahlt. Und das ist nicht gerade angenehm. Ob man da durch den Baustopp in der Innenstadt noch groß entgegenwirken kann, ist die Frage. Sicher, schaden würde es nicht. Schöner sähe es auch aus. Aber die Wohnungsnot in Würzburg ist aktuell sehr groß — aber je nach demografischer Entwicklung und dem Trend zur Stadt- oder Landflucht kann sich das in Zukunft auch wieder ändern.

Ein Kompromiss wäre zumindest eine stärkere Begrünung von Fassaden und Dächern. Das kühlt, filtert Staub und Schadstoffe aus der Luft und schafft ökologische Nischen.

Ich werde wohl meine Urban-Gardening-Aktivität auf und am Balkon noch weiter verstärken müssen.

Zwischenstand Urban Gardening

Anfang März und Ende April habe ich Gemüse auf dem Fensterbrett angepflanzt. Mittlerweile sind die Pflanzen auf den Balkon gewandert und die meisten gedeihen auch.

Babytomatenpflanzen vom Flohmarkt
Babytomatenpflanzen vom Flohmarkt

Erinnert ihr euch noch an den letzten Podcast der Würzmischung? Als Alex und ich Ende April beim Adalbero-Flohmarkt die Stadtgärtner Würzburg besuchten und einen Podcast über das Thema “Urban Gardening” machten?

Bei der Gelegenheit haben wir auch einige kleine Pflänzchen gekauft, vor allem Tomaten. Meine habe ich erst mal auf das Fensterbrett im Arbeitszimmer gestellt.

Mitte Juni: Die Tomaten machen sich auf dem Balkon.
Mitte Juni: Die Tomaten machen sich auf dem Balkon.

Das stand schon ein Eierkarton mit zarten Raukeblättchen, Mangold und ein Topf mit Feuerböhnchen. Die habe Anfang März ich bei einem Workshop der Stadtgärtner im Cairo als Samen dort eingepflanzt.

Alle Pflanzen sind schon gewachsen — die Bohnen regelrecht geschossen –, nur der Mangold hat es irgendwie nicht geschafft. Schade darum!

Das Gärtner auf dem Balkon macht wirklich Spaß. Etwas zu essen, was man selbst angepflanzt hat, ist schon was tolles. Auf die Tomaten — drei verschiedene Sorten wachsen bei mir gerade — freue ich mich besonders. Die Bohnen schwächeln gerade etwas, mal sehen, was aus denen wird.

Super ist die Rauke geworden — und lecker!

Hier ihr Werdegang …

Anfang März: Frisch eingepflanzt - Rauke und Mangold.
Anfang März: Frisch eingepflanzt – Rauke und Mangold.
Anfang März: Klein-Rauke im Eierkarton wohnt auf dem Fensterbrett.
Anfang März: Klein-Rauke im Eierkarton wohnt auf dem Fensterbrett.
Ende März: Klein-Rauke darf jetzt im großen Blechkübel auf dem Balkon spielen.
Ende März: Klein-Rauke darf jetzt im großen Blechkübel auf dem Balkon spielen.
Anfang Juni: Rauke ist groß geworden. Zeit für die Ernte
Anfang Juni: Rauke ist groß geworden. Zeit für die Ernte
Leckere Rauke, frisch gezupft.
Leckere Rauke, frisch gezupft.
Rauke mit Tomaten, Parmesan und ein wenig Olivenöl auf die Nudeln - lecker!
Rauke mit Tomaten, Kopfsalatpesto,Parmesan und ein wenig Olivenöl auf die Nudeln – lecker!
Für Rauke-Nachwuchs ist gesorgt: Und da es eine samenfeste Sorte und keine Hybride war, klappt es auch im nächsten Jahr wieder.
Für Rauke-Nachwuchs ist gesorgt: Und da es eine samenfeste Sorte und keine Hybride war, klappt es auch im nächsten Jahr wieder.

Eine Karotte für mehr Ökologie


Ein Flash-Mob ist, wenn sich der Mob blitzartig zu einer mehr oder weniger witzigen Aktion trifft. Und ein Carrot-Mob? Möhrenmenschenmassen?

Nein, ein Carrot-Mob ist eine Aktion zugunsten mehr Ökologie in der Wirtschaft. Der Begriff kommt von dem englischen Ausdruck “carrot and stick”, was dem deutschen “Zuckerbrot und Peitsche” entspricht. Und in diesem Fall lässt man mal die Peitsche in Form von Boykotts mal weg und hält der Wirtschaft das Zuckerbrot die Karotte — bei mir daheim heißt das Gelbe Rübe — hin. Und zwar so:

Die Organisatoren des Carrot-Mobs rufen Firmen und Geschäfte auf ein Gebot abzugeben, wieviel Prozent der Einnahmen, die während des Carrot-Mobs verdient werden, sie für nachhaltige ökologische Maßnahmen im Geschäft ausgeben werden. Und dann wird eben für den Carrot-Mob vor Ort geworben und gehofft, dass ganz, ganz viele Menschen dort in der Zeit einkaufen — und Natur und der Laden etwas davon haben.

Konkretes Beispiel anhand des Carrot-Mobs, der morgen, 6. Dezember 2010, von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr in der Buchhandlung Neuer Weg in der Sanderstraße stattfindet.

Die Organisatoren des Carrot-Mobs haben über Facebook und StudiVZ aangekündigt, dass sie in Würzburg einen Carrot-Mob veranstalten wollen, zu dem sie ganz viele konsumfreudige Leute einladen. Nun konnten Würzburger Firmen sagen, wieviel Prozenz sie geben wollen. Der Neue Weg hat 40% geboten und den Zuschlag erhalten. Von den morgigen Einnahmen zwischen 17 und 20 Uhr soll der Neue Weg also 40% für ökologische Maßnahmen im Laden ausgeben.
Einzige Komplikation beim Neuen Weg: Aus mir unverständlichen Gründen — irgendwas mit Buchpreisbindung — gehen in die Rechnung morgen nur Artikel ein, die keine Bücher sind, also Kalender, Spiele, Hörbücher, etc. Emily? Erklärung?

So habe ich das Ganze zumindest verstanden. Wobei ich noch Fragen habe. Welche Geschäfte wurden in Würzburg angefragt? Um welche ökologischen Maßnahmen geht es? Fenster abdichten? Pullis, Schals und Mützen für die Mitarbeiter und Heizung ausbauen? Wer achtet darauf, dass der Anteil des Carrot-Ertrags korrekt ausgegeben wird? Aus meiner Sicht ist das alles noch etwas wenig transparent — vielleicht habe ich die Informationen nur nicht gefunden, vermutlich steht alles bei StudiVZ. 😉

Im Grunde eine unterstützenswerte Aktion, die mal positiv an das Thema Wirtschaft und Ökologie rangeht.Ein bisschen unglücklich ist, dass der 1.. Carrot-Mob in Würzburg in einer Buchhandlung stattfindet, wo man das nicht — im Sinne des Carrot-Mob — kaufen kann, was es dort am meisten gibt:: Bücher. Macht es gleich etwas komplizierter. Aber mal sehen wie es funktioniert und ankommt. Ich werde vermutlich nicht hingehen können, da die Aktion zeitlich parallel zu meine Nebenberuf als Nikolaus läuft.

Hier noch eine animierte Erklärung eines Carrot-Mobs, via hier:

[vimeo]http://vimeo.com/2913530[/vimeo]